13.04.2026 – Mit einer aktuellen Elo-Zahl von 2366 ist Bodhana Sivanandan die neue Nummer 1 der britischen Frauenrangliste. Die 11-jährige gilt als Wunderkind und hat in ihrer kurzen Karriere bereits zahlreiche Rekorde gebrochen. Bei einem Besuch bei ChessBase in Hamburg sprach sie mit Arne Kähler über ihren raschen Aufstieg, ihre Liebe zu Capablanca, ihr Gefühl für das Endspiel und verriet, wie sie mit Leistungsdruck und den zahlreichen Erwartungen an sie umgeht.
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Das Interview in deutscher Übersetzung
Arne Kähler: Ich habe gehört, dass du im Alter von fünf Jahren zufällig Schachfiguren in die Hände bekommen hast – und sechs Jahre später bist du die stärkste Spielerin im englischen Nationalteam, FIDE-Meister und die jüngste Spielerin, die je einen Großmeister geschlagen hat. Und ich habe gehört, dass Capablanca dein Lieblingsspieler ist. Du hast seine Bücher gelesen und seine Partien studiert. Das ist hundert Jahre her – was kann eine moderne Spielerin von jemandem lernen, der ohne Computer gespielt hat?
Bodhana Sivanandan: Ich glaube, damals mussten die Spieler kreativer sein, weil sie ihre eigenen Ideen entwickeln mussten. Davon habe ich viel gelernt. Heute schaut man oft einfach auf den Computer, und wenn der sagt, etwas ist gut, dann ist es gut. Und wenn er sagt, es ist schlecht, dann ist es schlecht – egal, wie schön diese Züge aussehen.
Deshalb schätze ich die Schönheit dieser alten Partien, und ich habe Capablancas Partien sehr genossen.
Hast du am Anfang ohne Computer Schach gelernt?
Ja. Am Anfang habe ich einfach gelernt, wie die Figuren ziehen und ein paar taktische Motive. Erst später habe ich Computer für die Analyse benutzt.
Benutzt du leistungsstarke Rechner?
Ehrlich gesagt weiß ich nicht einmal genau, welchen ich benutze. Ich nehme einfach das, was da ist.
Großmeister vergleichen deinen Stil mit dem von Karpov und Capablanca. Wann hast du gemerkt, dass das Endspiel eine deiner Stärken ist?
Das weiß ich nicht genau. Ich glaube, ich habe Endspiele schon immer gern gespielt. Ich weiß nicht, wann mir das bewusst geworden ist.
Manche Trainer sagen, man sollte mit dem Studium der Endspiele anfangen, wenn man Schach lernt. Wie siehst du das?
Vielleicht. Aber das Endspiel ist die letzte Phase der Partie, und man muss erst einmal dorthin kommen. Man muss wissen, wie man die Eröffnung und das Mittelspiel spielt, um überhaupt ins Endspiel zu gelangen. Aber ich studiere Endspiele nicht gezielt. Ich spiele sie einfach. Wenn ich Fehler mache, versuche ich, sie zu korrigieren und nicht noch einmal zu machen.
Anderes Thema: Was war das Normalste, das du letzte Woche gemacht hast?
Ich weiß nicht … wahrscheinlich Hausaufgaben.
Macht dir die Schule Spaß?
Ja, ich gehe sehr gerne zur Schule.
Zurück zum Schach. Du hast in einem Monat über 200 Elo-Punkte gewonnen. Was hat sich verändert?
Ich weiß es nicht. Ich habe nichts anders gemacht. Es ist einfach passiert.
War auch ein bisschen Glück dabei?
Ich glaube nicht. Meine Elo war noch relativ niedrig, deshalb habe ich gegen stärkere Spieler gespielt. Aber keiner von ihnen hatte einen Titel, also konnte ich keine Normen erzielen. Das war eigentlich eher Pech.
Eines deiner Ziele ist der GM-Titel. Hast du dafür einen Plan?
Nicht wirklich. Ich denke, ich finde das unterwegs heraus. Ich plane meine Turniere nicht besonders.
Als du gegen Großmeister Peter Wells gewonnen hast – wusstest du, was auf dem Spiel stand?
Nein. Ich glaube, ich wurde mit dieser Partie Frauen-IM, die jüngste Spielerin, die das je geschafft hat. Aber das wusste ich während der Partie gar nicht. Und ich stand in dieser Partie auch nicht auf Gewinn. Ich hatte einfach Glück und habe durch Zeitüberschreitung gewonnen.
Wie gehst du mit Niederlagen um?
Ich sehe sie als Möglichkeit, etwas zu lernen. Ich versuche, aus meinen Fehlern zu lernen und sie nicht zu wiederholen.
Dein Ziel ist es, einmal die beste Spielerin der Welt zu werden, richtig?
Ja – wenn möglich, warum nicht?
Woher kommt diese Motivation?
Ich weiß es nicht genau. Ich spiele einfach gern Schach und versuche, mich zu verbessern.
Du hast einmal gegen Levy Rozman gespielt und Magnus Carlsen hat zugeschaut – wie war das?
Ich habe ihn gar nicht gesehen. Ich wusste nicht einmal, dass er da war.
Du hast auch schon mit Judit Polgár trainiert. Was hast du von ihr gelernt?
Ich glaube, sie hat mich vor allem inspiriert. Sie war so lange die Beste. Zuerst möchte ich dieses Niveau erreichen und dann versuchen, insgesamt die Beste zu werden.
Du hast kürzlich ein Open in Reykjavik gespielt. Was ist deine schönste Erinnerung an dieses Turnier?
Ehrlich gesagt war das Wetter schlimm – Sturm und Kälte. Daran erinnere ich mich noch besonders gut.
Wie gehst du mit der wachsenden Aufmerksamkeit um, die dir zuteil wird?
Die hält sich noch in Grenzen. Aber wenn man gut in etwas ist, gehört das wohl dazu.
Der Stilbericht in ChessBase’26 sagt, dass du in deinen Partien das Risiko vermeidest und selten auf Angriff spielst, aber dafür stark im Endspiel bist. Siehst du das auch so?
Ja, im Moment stimmt das. Aber wenn ich die Gelegenheit habe, anzugreifen, dann mache ich das auch.
Spielst du lieber Blitz, Schnellschach oder klassisch?
Blitz. Schnellschach ist schwieriger, weil ich nicht genau weiß, wann ich nachdenken und wann ich schnell ziehen soll. Bullet mag ich nicht, das ist mir zu schnell.
Wie bereitest du dich auf deine Gegner vor?
Ich schaue mir die Eröffnungen an, die sie spielen.
Arbeitest du mit einem Trainer?
Ja, über den englischen Schachverband. Wir arbeiten seit über einem Jahr zusammen.
Was ist dein nächstes großes Ziel?
Ich habe im Moment kein konkretes Ziel. Ich möchte mich einfach so gut wie möglich verbessern und dann sehen, was kommt.
Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft!
Arne KaehlerArne Kaehler ist kreativer Storyteller, Schauspieler und Content Creator bei ChessBase aus Hamburg, dessen Leidenschaft für Strategie und persönliche Entwicklung weit über das Schachbrett hinausgeht. Er hat Nachwuchsspieler trainiert und zahlreiche Videos für internationale ChessBase-Kanäle produziert, stets mit dem Anspruch, Schach verständlich, unterhaltsam und inspirierend zu vermitteln.
13.03.2026 – Durch eine Reihe von Erfolgen hat Bodhana Sivanandan im Alter von nur elf Jahren die Marke von 2300 Elo übersprungen und sich den FIDE-Meister-Titel gesichert. In der 4NCL, beim Graz Open und beim Cannes Chess Festival hielt sie gegen zahlreiche Titelträger problemlos mit und verbesserte ihre Wertungszahl in nur einem Monat um mehr als 200 Punkte. | Foto: FIDE / Michal Walusza
17.02.2026 – In der neuen Folge des Chess-Tigers „Schachtalk am Sonntag“ war der renommierte Schachjournalist Stefan Löffler zu Gast und sprach über aktuelle Entwicklungen im Deutschen Schachbund, die Freestyle-Chess-Weltmeisterschaft, seine Eindrücke aus Weissenhaus und über den traditionsreichen Schachkalender, den er seit 2023 übernommen hat.
Nach 1.d4 c5 2.d5 g6 3.c4 Lg7 ergibt für Schwarz eine interessante positionelle Möglichkeit, wenn Weiß hier mit dem natürlichen Zug 4.Sc3 fortsetzt. Schwarz kann nämlich mit4...Lxc3 Weiß einen hässlichen Defekt in seiner Bauernstruktur verschaffen. Dabei gibt Schwarz zwar seinen Fianchetto-Läufer auf, erhält aber auch eine Reihe von Vorteilen und einen klaren strategischen Plan. Oft wird nach dem Wiedernehmen auf c3 (5.bxc3) mit 5...f5 fortgesetzt, wodurch Schwarz das weiße Spiel im Zentrum mit e2-e4 unterbindet. Da der in die USA ausgewanderte starke georgische Großmeister Romandzindzichashvili gerne so spielte, wird diese Verteidigung Dzindzichashvili-Indisch, bzw. kurz: Dzindzi-Indisch genannt. Heute wenden auch starke Spieler wie Radoslaw Wojtaszek und Hikaru Nakamura sie gelegentlich an. Kenneth Nahnsen hat sich mit dieser interessanten Eröffnung intensiv auseinandergesetzt und stellt die wichtigsten Ideen und Varianten in sieben Video-Lektionen mit einer Gesamtlaufzeit von ca. 60 Minuten vor. Mit Dzindzi-Indisch können Sie ihren Gegner ohne große Vorbereitung von Anfang an in die Defensive drängen.
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