Carlsen trifft Bobby Fischers Neffen

von André Schulz
22.11.2022 – Beim Meltwater Chammpions Chess Finale kam auch ein Schachfreund mit einem berühmten Vorfahren zu Besuch: Nicholas Targ, Sohn von Joan Fischer Targ. Sein Onkel war kein Geringerer als Bobby Fischer. Im Interview mit Tania Sachdev erzählt er von seinen Begegnungen mit dem berühmten Onkel.

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Bobby Fischer ist vielleicht der berühmteste Weltmeister der Schachgeschichte, einmal durch sein überlegenes Schachverständnis, zum anderen durch sein extravagentes Verhalten bei vielen Gelegenheiten. In einem Aufsehen erregenden Wettkampf besiegte er 1972 Boris Spassky und entthronte ihn als Schachweltmeister. Zur Titelverteidigung 1975 gegen Anatoly Karpov trat er jedoch nicht an. Fischer verschwand völlig aus der Öffentlichkeit und versteckte sich bei verschiedenen Freunden in den USA, in Deutschland, auf den Philippinen und in Japan. 1992 tauchte er überraschend wieder auf, spielte in Jugoslawien einen "Revanche-Wettkampf", gewann diesen und verschwand erneut. Gelegentlich meldete er sich mit antisemitischen Äußerungen oder Beschimpfungen seinen Heimatland USA zu Wort.

2004 ließ die USA Fischer in Japan festsetzen, da dieser keinen gültigen US-Pass mehr besaß und begehrte seine Auslieferung, da Fischer mit seinem Wettkampf 1992 gegen eine US-Embargo-Maßnahme gegen Serbien verstoßen hatte.

Mit Hilfe seiner Freunde in Island erhielt Fischer einen isländischen Pass und Asyl auf Island.  Am 17. Januar 2008 starb Fischer an den Folgen eines Nierenleidens.

Das Schachspiel hatte Bobby Fischer als Kind von seiner älteren Schwester Joan gelernt. Joan Fischer wurde 1937 in Moskau geboren, als Tochter der Schweizerin Regina Wender Fischer (1913-1997) und des deutschen Staatsbürgers Hans-Gerhardt Fischer. Die Eltern waren beide Anhänger der kommunistischen Weltanschauung und erhielten in Moskau mit großer Wahrscheinlichkeit eine Ausbildung als Komintern-Agenten. Hans-Gerhardt Fischer kämpfte 1937 in Spanien auf Seiten der Republikaner und ging während des Zweiten Weltkrieges nach Südamerika. 

Regina Fischer ging mit ihrer Tochter 1939 in die USA, zunächst nach Chicago und lernte dort 1942 den Ungarn Paul Nemenyi kennen. Bobby Fischer kam 1943 zur Welt. Sein Vater ist mit ziemlicher Sicherheit Paul Nemenyi. Bobby und Joan Fischer waren also Halbgeschwister. 

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1948 wurde die alleinerziehende Regina Fischer mit ihren zwei Kindern in Brooklyn ansässig. Zu seinem sechsten Geburtstag schenkte Joan ihrem jüngeren Bruder Bobby ein Schachspiel und brachte ihm die Regeln bei. Eine große Schachkarriere nahm ihren Anfang.

Joan Fischer ging nach in Palo Alto, Kalifornien und machte einen Master-Abschluss in Pädagogik am am College of Notre Dame, Belmont, Kalifornien. 1958 heiratet sie den Physiker und Parapsychologen Russell Targ. Das Paar kaufte 1976 einen Bauernhof im Portola Valley und realisierte auf diesem die Ideen des ökologischen Landbaus. 1998 starb sie mit 60 Jahren an einer Gehirnblutung.

Joan und Russel Targ hatten drei Kinder, Elisabeth, Alexander und Nicholas. Bobby Fischers Neffe Nicholas besuchte das Meltwater Champions Chess Finale in  San Francisco und traf dort kurz mit Magnus Carlsen zusammen. 

Tania Sachdev nutzte die Gelegenheit zu einem Interview mit Bobby Fischers Verwandten. Nicholas Targ erzählt, wie die Begegnungen mit seinem Onkel waren: Wenig spektakulär. Bobby Fischer kam gelegentlich zu Besich, nahm zusammen mit der Familie seiner Schwester Mahlzeiten zu sich und spielte mit seinen Neffen Schach. Und wenn Bobby Fischer die Familie seiner Schwester wieder verlassen hatte, sorgte er für spektakuläre Ereignisse in der Schachwelt.


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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