Chess & Jazz in Berlin: Interview mit Clemens Lotz

von André Schulz
11.09.2020 – Schach und Jazz sind cool und passen deswegen gut zueinander. Der Musiker und Schachfreund Clemens Lotz bringt einmal im Monat in Berlin Kreuzberg Schachspieler und Live-Jazzmusik zusammen und belebt damit auch die Tradition Berliner Schachcafés neu. Nächster Termin: Kommender Donnerstag. | Foto: Lukas Diller

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Jeden 3. Donnerstag im Monat treffen sich Schach- und Jazzbegeisterte aus ganz Berlin in der Transit Bar/Restaurant in Kreuzberg, um ihre Liebe zu guter Live-Musik und dem faszinierenden Schachspiel zu feiern.

Chess & Jazz Berlin wurde im April 2019 von Clemens Lotz gegründet. Seitdem hat es sich zu einer der angesagtesten Veranstaltungen in Kreuzberg entwickelt, unterstützt von einer treuen Gemeinschaft von Jazz- und Brettspielfans. Die Besetzung der Band wechselt von Veranstaltung zu Veranstaltung und präsentiert das Beste der jungen Berliner Jazzgeneration. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. 

19 Uhr: Schach
21 Uhr: Schach & Jazz

Transit-Restaurant und Bar
Schlesische Str. 35a
10997 Berlin

Straßenschach | Foto: Dovile Sermokas

 

Wie kamen Sie auf die Idee, Schach und Jazzmusik miteinander zu verbinden?

Während meines Jazzstudiums am Conservatorium in Amsterdam habe ich mich mit anderen Musikstudierenden regelmäßig in der Schachkneipe „Café de Laurierboom“ zum Schach spielen getroffen und dort mit der Zeit die Idee entwickelt die Schachabende mit Livejazz zu verbinden. Allein die Vorstellung von Schach und Jazz im selben Raum fand ich einfach super. Als ich im Sommer 2018 dann nach Berlin gezogen bin wusste ich: „Wenn, dann jetzt!“. Schach und Jazz haben auf den ersten Blick wahrscheinlich nicht viel miteinander zu tun, sie funktionieren aber wunderbar zusammen, da die Ausübung beider Kunstformen ähnliche Fähigkeiten verlangt, wie z.B. ein hohes Maß an Kreativität, Konzentration, Entscheidungsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und Leidenschaft.

Auch Levon Aronian, ein bekennender Jazzfan, verglich in einem Interview einst Magnus Carlsen mit dem berühmten Jazzschlagzeuger Tony Williams und Michael Adams mit dem
Pianisten Thelonious Monk und konnte die Gemeinsamkeiten der Spielstile der
Großmeister und der Jazzmusiker genau ausmachen.

Wie genau muss ich mir so einen Chess & Jazz Berlin Abend vorstellen?

Bei Chess & Jazz Berlin können Gäste ab 19 Uhr Schach spielen und von 20 bis 22 Uhr hochklassige Jazzmusik erleben. Man muss dabei auch nicht ganz still auf seinem Platz sitzen und konzentriert der Musik zuhören, sondern darf sich ruhig miteinander unterhalten. Es soll also bewusst ein geselliger Abend sein und kein steifes Jazzkonzert. Nichts gegen eine konzentrierte Konzertatmosphäre, aber bei Chess & Jazz Berlin geht es eben um das Miteinander und den Austausch zwischen Schach- und Jazzpublikum. Neben Schach spielen Gäste auch regelmäßig andere Brettspiele - wir schränken da nicht ein - ob Schach oder Kartenspiel, es ist alles willkommen. Gegen Mitternacht ist dann in der Regel Schluss.

Schach mit Musik | Foto: Dovile Sermokas

Muss man ein eigenes Schachset mitbringen?

Nein, Schachbretter und Figuren stehen vor Ort bereit.

Wer sind die Musiker*innen bei den Veranstaltungen?

Für die Musik laden wir uns junge, erstklassige Musiker*innen der Berliner Jazzszene ein. Die Bands leite ich an den Abenden selbst und spiele Schlagzeug. Neben Nachwuchstalenten stehen gelegentlich auch richtige Hochkaräter der Jazzwelt auf unserer Bühne: in den kommenden Monaten werden uns zum Beispiel John Schröder und Wanja Slavin die Ehre erweisen - beides absolute Stars der deutschen bzw. internationalen Jazzszene.

 

Nun spielen solche Musiker*innen ja sicherlich nicht ohne angemessene Gage. Wie
finanziert sich Chess & Jazz Berlin?

Zu Beginn waren wir noch auf Spenden der Gäste und der Kneipe angewiesen - das
war für den Anfang in Ordnung, aber langfristig nicht zufriedenstellend. Für das Jahr
2020 wurden wir dann glücklicherweise für ein Förderprogramm der
Senatsverwaltung für Kultur und Europa Berlin ausgewählt, das den Großteil der
Kosten deckt und es uns ermöglicht, angemessene Gagen zu zahlen. Über diese
Unterstützung sind wir sehr dankbar.

Clemens Lotz am Schlagzeug | Foto: Dovile Sermokas

Nun hat die Corona-Pandemie die Veranstaltungsbranche hart getroffen. Wie haben Sie als
Veranstalter darauf reagiert und kann Chess & Jazz Berlin wieder stattfinden?

Corona hat natürlich auch vor Chess & Jazz Berlin keinen Halt gemacht. Von März
bis Juni mussten die Veranstaltungen leider ausfallen, seit Juli finden sie aber wieder
statt. Dies kann aber natürlich nur mit strengen Hygieneregeln funktionieren. An den
ersten beiden Events seit dem Lockdown konnten wir die Maßnahmen aber soweit
gut umsetzen. Jetzt muss man die Entwicklungen der Pandemie von Monat zu Monat
gut beobachten und im Zweifel die Veranstaltungen auch mal wieder absagen, wenn
sie ein zu großes gesundheitliches Risiko darstellen.

Was sind Ihre Ziele für Chess & Jazz Berlin für das kommende Jahr?

Ohne den Lockdown hätte es bereits dieses Jahr zwei Special-Events gegeben, die
wir im nächsten Jahr auf jeden Fall nachholen möchten. An diesen Chess & Jazz
Berlin-Tagen wird es Simultanschach geben, Schachtrainings, Jazz-Workshops, Vorträge und natürlich sehr viel Livemusik und freies Schachspiel.

Von diesen Veranstaltungen erhoffen wir uns Chess & Jazz Berlin einem breiteren Publikum präsentieren zu können und ein noch intensiveres Erleben von Schach in Verbindung mit Livemusik zu ermöglichen. Neben diesen besonderen Veranstaltungen ist es noch ein Ziel, sich für den normalen Betrieb mehr mit den Berliner Schachvereinen zu verbinden. Im Moment haben wir überwiegend Hobby-Spieler*innen zu Gast, wir sehen bei Chess & Jazz Berlin aber auch das Potenzial, für Spieler*innen mit hohen Elozahlen ein Treffpunkt zu werden. Wo kann man schon so ungezwungen bei einem Glas Bier oder Limo seiner Leidenschaft nachgehen? Das dürfte auch einem Großmeister Spaß machen!

Foto: Dovile Sermokas

Wo und wann findet Chess & Jazz Berlin das nächste Mal statt?

Die nächste Ausgabe - bereits Nr.14 - findet am 17. September ab 19 Uhr im Transit
in der Schlesischen Straße 35 in Berlin-Kreuzberg statt. Die Band wird aus John
Schröder an der Gitarre, Christian Müller am Kontrabass und mir, Clemens Lotz am
Schlagzeug bestehen. Ich kann nur jedem Schachfreund/ jeder Freundin empfehlen,
es sich einmal anzuschauen und mit uns einen besonderen Abend zu verbringen!

Vielen Dank für das Interview!

Die Fragen stellte André Schulz

Chess and Jazz Homepage...

Clemens Lotz Homepage...



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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