Chessable Masters, Tag 1: Wei Yi führt vor Carlsen, Ding und Giri

von Johannes Fischer
20.05.2022 – Am ersten Tag der Vorrunde des Chessable Masters erwischte der chinesische Großmeister Wei Yi (Foto) mit drei Siegen und einem Remis den besten Start und liegt nach vier von 15 Runden mit 10 von 12 möglichen Punkten alleine an der Spitze. Magnus Carlsen, Ding Liren und Anish Giri teilen sich die Plätze zwei bis vier mit je 8 Punkten. Für Aufsehen sorgte Abhimanyu Mishra, der vor fast einem Jahr, am 30. Juni 2021, der jüngste Großmeister aller Zeiten wurde. | Foto: Niki Riga (Archiv)

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Der Chinese Wei Yi wurde im Alter von 13 Jahren, 8 Monaten und 23 Tagen Großmeister und übersprang bereits als 15-jähriger als jüngster Spieler aller Zeiten die Elo-Schwelle von 2700 Punkten. Durch diese Erfolge galt er vielen als möglicher Weltmeisterkandidat.

Aber seitdem scheint das Spiel von Wei Yi zu stagnieren und aktuell liegt der mittlerweile 22-jährige mit einer Elo-Zahl von 2727 zwar auf Platz 22 der Weltrangliste, aber nur noch wenige sehen in ihm einen potenziellen Weltmeisterkandidaten.

Doch mit drei Siegen und einem Remis hatte er den besten Start in der Vorrunde des Chessable Masters. In Runde 1 spielte er Remis gegen Praggnanandhaa, aber dann drehte er auf und holte drei Siege in Folge. Sein erster Sieg gelang ihm gegen Pentala Harikrishna:

 

Mit zwei energischen Bauernvorstößen (29.b5 und 33.e6) öffnete Wei Yi die Stellung für seine Figuren: 29.b5 axb5 30.axb5 Txa1 31.Txa1 cxb5 32.Ta7 Td8 33.e6 fxe6 34.c6 Lc8 35.Txe7+ Kf6 36.Th7 e5 37.Sxb5 Kg5 38.c7 1-0

Ähnlich energisch spielte er in Runde 3 mit Schwarz gegen Gawain Jones: Mit einem frühen Figurenopfer riss er die Initiative an sich und gewann die Partie mit einer sehenswerten Zugzwangkombination:

 

Mit einem abschließenden Sieg gegen David Anton in Runde vier setzte sich Wei Yi dann an die Spitze des Feldes.

Egal, ob Schnell-, Blitz- oder klassisches Schach, online oder am Brett: Wenn Weltmeister Magnus Carlsen mitspielt, ist er immer Favorit. Das ist beim Chessable Masters nicht anders. Doch mit einem Remis gegen seinen Landsmann Aryan Tari und einem Remis gegen Shakhriyar Mamedyarov startete Carlsen verhalten ins Turnier.

Doch in Runde 3 kam er zu seinem ersten Sieg: Mit einem Gambit im c3-Sizilianer, das zu ungewöhnlichen Bildern führte, gewann Carlsen mit Schwarz gegen den schwedischen Großmeister Nils Grandelius.

 

Danach beendete den Tag mit einem relativ problemlosen Sieg gegen Jorden van Foreest. Im Interview nach der Partie erklärte er: "Das Ergebnis ist gut und den Tag mit zwei Sieg positiv zu beenden, ist schön. Ich glaube, ich habe nicht besonders gut gespielt, aber solange ich gewinne, ist das okay."

 

In der Tabelle liegt Carlsen nach vier Runden gemeinsam mit Ding Liren und Anish Giri auf dem geteilten zweiten bis vierten Platz. Ding machte es anders als Carlsen: Er gewann iin den die ersten beiden Runden, um den Tag dann mit zwei Remis ausklingen zu lassen.

In der ersten Runde gelang Ding dabei gegen Jorden van Foreest ein schöner Mattangriff im Endspiel:

 

Hier spielte Weiß 33.Tg3! mit der Drohung 34.Tg8# und nach diesem Zug kann Schwarz das Matt nicht mehr verhindern. Nach 33...Td8 34.Se5 Lxc5 35.Sexf7+ gab Schwarz auf.

Giri gewann seine beiden Weißpartien und machte in seinen beiden Schwarzpartien Remis. Karsten Müller hat sich Giris Endspiel gegen Gawain Jones in Runde 4 genauer angeschaut:

 

Für Aufsehen sorgte der junge Abhimanyu Mishra. Mishra war vor fast einem Jahr, am 30. Juni 2021 im Alter von 12 Jahren, 4 Monaten und 25 Tagen der jüngste Großmeister aller Zeiten geworden. Eine bemerkenswerte Leistung, aber da Mishra seine Normen in relativ schwach besetzten Großmeisterturnieren in Ungarn erzielt hatte, gab es Stimmen in der Schachwelt, die den Wert dieser Leistung in Frage stellten.

Abhimanyu Mishra beim Spiel im Chessable Masters | Foto: Screenshot Chessable Masters

Aber seitdem hat Mishra gezeigt, dass er den Großmeistertitel nicht zu Unrecht trägt: Im März gewann er das St. Louis Spring Classic B mit 7 aus 9 und erzielte dabei eine Elo-Performance von 2729. Das Chessable Masters begann er mit Niederlagen gegen David Anton und Ding Liren, aber dann zeigte er mit Siegen gegen Eric Hansen und Shakhriyar Mamedyarov was in ihm steckt und beendete den ersten Tag des Chessable Masters mit 6 aus 12.

 

Stand nach vier Runden (Sieg: 3 Punkte, Remis: 1 Punkt)

 

Partien

 

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Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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