Corona-Konferenz des DSB

von André Schulz
21.01.2021 – Am Dienstag trafen sich Funktionsträger des Schachbundes und Vertreter der Mitgliedsverbände zu ein "Corona"-Konferenz. Einerseits wurde eine Bestandsaufnahme gemacht. Andererseits ging es darum, die zukünftigen Herausforderungen zu bewältigen und den gegenwärtigen Schachboom zu nutzen.

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Am Dienstag führte der Deutsche Schachbund mit seinen Funktionsträgern und den Vertretern der Mitgliedsverbände eine Online-Konferenz durch, die "Corona"-Konferenz. Die Corona-Krise hat in der Tat das internationale Schachleben ordentlich durcheinander gewirbelt, aber im Unterschied zu vielen anderen Betätigungen nicht zum Erliegen gebracht.

Schon seit vielen Jahren ist das Schach auch im Internet vertreten. Als die Corona-Pandemie die Welt traf, konnte das Schachleben unter veränderten Bedingungen im Internet auf den schon vorhandenen Strukturen fortgesetzt werden. Ganz dasselbe ist es allerdings nicht. Nicht im Hinblick auf das Erlebnis, zu dem neben sportlichen auch gesellige und kommunikative Aspekte gehören und auch nicht im Hinblick auf die Organisation des Schachlebens.

Unter "normalen" Bedingungen findet ein Großteil des Schachlebens in den Vereinen statt. Diese sind in ihren Landesverbänden und letztlich im Deutschen Schachbund organisiert. Die Verbände veranstalten Meisterschaften und Mannschaftswettbewerbe auf regionalen und überregionalen Gebieten. Spielt man im Internet, dann werde die Turniere oftmals von privaten Anbietern organisiert.

Die Verbände haben nach Beginn der Corona-Krise schnell reagiert. Die FIDE organisierte große internationale Turniere. Viele Landesverbände haben in ihrem Bereich Online-Meisterschaften durchgeführt. Der Deutsche Schachbund hat, zusammen mit seinem Partner ChessBase, eine komplette Mannschaftsmeisterschaft auf die Beine gestellt, ein richtiges Ligasystem, ähnlich wie man es aus dem realen Schach kennt. Und die im Internet eher unüblichen lange Bedenkzeit von 45 Minuten ermöglicht es hier auch ungeübten Spielern, Kindern zum Beispiel, teilzunehmen. Gerade hat die zweite Saison begonnen und die gestiegenen Teilnehmerzahlen zeigen, dass das Konzept angenommen wurde.

Auch außerhalb des Schachs hat man schnell bemerkt, dass sich das Schach gut auf die besonderen Bedingungen in der Corona-Zeit eingestellt hat und in den Medien erschienen zahlreiche Berichte und Artikel. Schach erlebte einen Boom. Und dann sorgte der Erfolg der Netflix-Serie "The Queen's Gambit" sogar für einen regelrechten Hype. Millionen von Menschen weltweit wollten und wollen Schach lernen und Schach spielen.

So ist also die Situation am Anfang des Jahres 2021. Einerseits ist das übliche Schachleben lahmgelegt. Das Schach im Internet sorgt für neue Herausforderungen. Und der "Queen's Gambit Hype" möglicherweise für ein deutlich gesteigertes Interesse. 

Mit seiner Corona-Konferenz wollte der Schachbund einerseits eine Bestandsaufnahme, eine Art Inventur, durchführen, andererseits sich mit seinen Mitgliedern auf möglicherweise kommende Aufgaben einstellen.

Zur Bestandsaufnahme gehört zunächst die Zählung der Mitglieder in den Vereinen. Wie nicht anders zu erwarten war, ist die Anzahl der Mitglieder zurück gegangen, um etwa 3600. Neben dem normalen Rückgang ist die Anzahl der Austritte aus den Vereinen vergleichsweise gering. Die Schachfreunde halten ihren Vereinen die Treue. Eine gewisse Fluktuation bei der Zahl der Mitglieder ist auch in "normalen Zeiten üblich. In der Summe bleibt die Zahl der Mitglieder einigermaßen konstant, oder wuchs in den letzten Jahren auch, weil den Austritten und Todesfällen eine gewisse Anzahl von Neuanmeldungen gegenübersteht. Viele Neuanmeldungen in Schachvereinen, die ja ihre Klublokale die meiste Zeit geschlossen halten mussten oder müssen, gab es 2020 jedoch nicht. Einzelne Vereine verzeichnen aber tatsächlich auch einen spürbaren Zuwachs an Mitgliedern, wurde berichtet, durch ihre besonders attraktive Online-Angebote.

Mitgliedsstatistik... 

Für die Wiederaufnahme des regulären Spielbetriebes lassen sich kaum verlässliche Angaben machen. Bei sieben noch ausstehenden Runden in der 1. Bundesliga wurde schon im letzten Jahr die Saison 2019-20 auf 2021 ausgedehnt. Die Termine für März, April und Mai sind jedoch jetzt abgesagt. Nach jetzigem Stand sollen die ausstehenden Wettkämpfe in einer zentralen Endrunde Mitte 2021 durchgeführt werden, am liebsten in Berlin. Ausrichter wären wie in vergangenen Jahren die SF Berlin, die derzeit die Möglichkeiten prüfen. 

In der 2. Bundesliga stehen in den verschiedenen Staffel nur noch 1 bis 3 Wettkämpfe aus. Die Februartermine wurden abgesagt. Die ausstehenden Wettkämpfe sollen an einem Wochenende gespielt werden.

Der Meisterschaftsgipfel ist für die letzte Juliwoche fest geplant.

Regulärer Spielbetrieb...

Bis der reguläre Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann - und vielleicht ja auch darüber hinaus - bietet der Deutsche Schachbund, zusammen mit Playchess als Plattform, einen lebendigen digitalen Spielbetrieb an. Kernstück ist die Deutsche Schach Online Liga (DSOL), die mit 3000 Teilnehmern viele Schachfreunde anzieht. Im Unterschied zu allen anderen Online-Schachangeboten, weiß man, gegen wen man in der DSOL spielt. Mans pielt nicht gegen anonyme Nicknames, sondern gegen greifbare andere Schachfreunde.

Für das 2. Quartal ist zudem eine Deutsche Internet Einzelmeisterschaft geplant.

Digitaler Spielbetrieb...

Im zweiten Teil der Konferenz wurde nach vorne geschaut. Wie können die Vereine den Schachboom für sich nutzen? Welche digitalen Angebote können sie machen? Wie machen sie auf ihre Angebote aufmerksam und welche Angebote können sie machen, zum Beispiel für Erwachsene, die nach dem Anschauen der Netflix-Serie Queen's Gambit nun Schach lernen wollen? Im Zuge des Meetings wurden zahlreiche Vorschläge und Ideen entwickelt. Für Ende Februar wurde eine öffentliche Online-Vereinskonferenz ins Auge gefasst. Vereine sollen und können dort ihre Ideen und Projekte vorstellen und berichten, welche Erfolge man damit erzielen konnte.

Teilnehmer der Corona-Konferenz berichten von einer sehr konstruktiven und zielgerichteten Atmosphäre während des Meetings.

Ein Hinweis in eigener Sache: Auf dem Playchess-Server können Vereine mit wenigen Handgriffen virtuelle Klublokale einrichten, sich dort treffen und Partien spielen:

https://de.chessbase.com/post/der-virtuelle-vereinsraum-und-das-onlineschach

 

Pressemitteilung des Deutschen Schachbundes

19. Januar 2021

Die COVID-19-Pandemie verhindert nach wie vor einen Spielbetrieb und auch die Vereinsheime sind und bleiben geschlossen. Im Unterschied zu praktisch allen anderen Sportarten gibt es für Schachspieler allerdings vielfältige Möglichkeiten, auf den diversen Schach-Servern ihre Sportart auszuüben. Die Zugriffszahlen der Online-Anbieter sind enorm gestiegen und die Anzahl der Bestellungen bei den Schachhändlern auch. Dazu kommt noch die außerordentlich erfolgreiche Netflix-Serie „Damengambit“, die das Interesse am Schachsport zusätzlich unterstützt. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass es in dieser eigentlich schachfreien Zeit einen regelrechten Schachboom gibt.

Wenn im Laufe des Jahres der Spiel- und der Vereinsbetrieb wieder aufgenommen werden können, sollte es das oberste Ziel sein, diesen Schachboom in die Vereine hineinzutragen. Die Vereine müssen in den kommenden Monaten deshalb zwei Dinge tun: Sie müssen die vielen Schachinteressierten auf sich aufmerksam machen und sie müssen in der Lage sein, diesen Neulingen etwas zu bieten, wenn sie beim Vereinsabend erscheinen.

Das DSB-Präsidium hatte am 17. Januar 2021 alle Landesverbände und alle Referenten zu einer zweistündigen Corona-Konferenz eingeladen, um diese drei Fragen zu beantworten:

1) Wo stehen wir heute?

2) Wie können wir unseren Vereinen helfen?

3) Wie können wir unsere Vereine in die Lage versetzen, mit dem hoffentlich zu erwartendem Ansturm der vielen neuen Mitglieder umzugehen?

In der ersten Hälfte der Konferenz ging es um die Ausgangslage, also um Mitgliederzahlen, Finanzen und den (digitalen und analogen) Spielbetrieb. Die entsprechenden Informationen kann man den unten angehängten Dateien entnehmen.

Nach einer kurzen Pause gab es dann eine einstündige, sehr lebhafte und konstruktive Diskussion darüber, wie den Vereinen geholfen werden kann. Am Ende bestand Einigkeit darüber, dass aus der Vielzahl der im zweiten Teil der Konferenz entwickelten Ideen die besten ausgewählt und weiterverfolgt werden sollen. Dazu wird es eine Online-Umfrage geben, bei der die Ideen durch die Teilnehmer priorisiert werden können. Wichtigste Erkenntnis der Konferenz: Der DSB (Präsidium und Referenten) und alle Landesverbände müssen gemeinsam diese Herkules-Aufgabe in Angriff nehmen, damit der digitale Schachboom auch in den Vereinen ankommt. Der Dialog wird bei der nächsten Videokonferenz in vier Wochen fortgesetzt. Angedacht sind auch öffentliche Videokonferenzen für die Vereine, bei denen Beispiele für eine erfolgreiche Mitgliederwerbung präsentiert werden und bei denen auch darüber gesprochen wird, wie man mit erwachsenen Neulingen umgehen sollte.

Nachricht beim Deutschen Schachbund...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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