Covergirl und Richterin - Tina Mietzner

19.07.2004 – Tina Mietzner ist die Vorzeigefrau des ZMD-Schachfestivals in Dresden, wo die ehemalige Vize-Europameisterin der U16 das Turnierplakat schmückt. Eine tolle Sache für die 20-jährige, der die neue Medienpräsenz bei ihren Kolleginnen allerdings nicht nur Anerkennung einbringt. Wie die angehende Zivilrichterin, die gerade für die Schacholympiade 2004 nominiert wurde, es schafft, Schach und Studium unter einen Hut zu bekommen, und was die Fantastischen Vier damit zu tun haben, erfahren Sie in dem aktuellen Interview in Neues Deutschland, das Dr. René Gralla mit ihr führte.Neues Deutschland Online...Interview mit Tina Mietzner...

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»Ich gebe Smudo einen Offizier vor«
Tina Mietzner ist die »Vorzeigefrau« des Dresdner Schachfestivals 
 
Schach ist schön. Und das liegt nicht nur am Glanz der Kombinationen auf dem Brett: Wie attraktiv das Spiel der Könige ist, davon überzeugt uns Tina Mietzner aus Dresden. Die 20-jährige Jurastudentin ist die Vorzeigefrau auf den Einladungen und in der Werbung für das Schachfestival Dresden 2004, das seit dem 14. und noch bis zum 25. Juli Fans in die Elbmetropole lockt. Höhepunkte des Programms: Deutschlands einziges Grand Prix-Turnier, das »ZMD-Open«, gesponsert von Sachsens Chiphersteller Nr. 1, sowie die Deutsche Familienmeisterschaft heute und das Urlauber- und Touristenturnier am Sonntag. Auch Tina Mietzner geht in Dresden an den Start. Die Vize-Europameisterin 2000 (in der Gruppe U-16) hat Schach bereits als Vierjährige gelernt und hält den Rekord als mehrfache deutsche Jugendmeisterin, nämlich in sechs Altersklassen nacheinander. Außerdem ist die angehende Zivilrichterin gerade nominiert worden für die Nationalmannschaft bei der Schacholympiade 2004 im Oktober auf Mallorca. René Gralla sprach mit ihr.

ND: Frau Mietzner, Sie sind Cover-Girl des Schachfestivals Dresden 2004. Von so einer Chance träumen viele junge Frauen: Macht Sie das ein bisschen stolz?
Mietzner: Ja, natürlich. Nur eine Sache macht mich etwas traurig: Vor manchen Schachspielern muss ich mich jetzt rechtfertigen, die finden das Ganze etwas unpassend.

Das werden aber wohl nicht die Männer sein?
Nein. Das stimmt. Von den Männern kommt eigentlich nie etwas Negatives.

Während Ihre Sportskolleginnen lästern?
Offen ins Gesicht sagt mir das keine. Aber indirekt kriegt man das schon mit. Vielleicht ist das einfach bloß Neid und Eifersucht.

Dieses geteilte Echo auf Ihre neue Medienpräsenz erinnert an die Kritik, die sich die Europameisterin Alexandra Kosteniuk regelmäßig gefallen lassen muss. Die Russin arbeitet gleichzeitig auch als Model: Das freut die Presse, dagegen reagieren weibliche Mitbewerberinnen deutlich genervt.
Das läuft sehr ähnlich, denke ich. Wobei sich Alexandra richtig professionell vermarktet – und damit beweist, dass ihre Zweitkarriere als Model das schachliche Können in keiner Weise beeinträchtigt hat.

Sind die Kritiker denn nicht sowieso hoffnungslos altmodisch? Schach braucht Werbung in der modernen Mediengesellschaft, und die perfekte PR für das Spiel ist eine attraktive junge Frau wie Sie.
Die Natur des Schachspiels ist wissenschaftlich. Aber diese Wissenschaftlichkeit wird nicht dadurch beeinträchtigt, dass man etwas Glamour hineinbringt. Glamour schafft allein den äußeren Rahmen – trotzdem muss man doch weiterhin genauso gut Schach spielen können.

Sie studieren Rechtswissenschaft: Wie finden Sie denn da noch Zeit für das Schachtraining?
Ja, das ist wirklich extrem. Aber da ich Schach als Hobby betreibe, bereitet es mir Freude zu spielen; und es fällt mir nicht schwer, dafür zusätzlich Zeit zu opfern. Das sind pro Woche rund fünf Stunden.

Was fasziniert Sie an diesem strategischen Spiel?
Das ständige Streben nach Perfektion. Schach entwickelt viele positive Eigenschaften, die man auch im Alltag nutzen kann. Vor allem das logische Denken, das ist fundamental. Das hilft mir sehr in meinem Jurastudium: dass ich Zusammenhänge viel schneller und besser begreife als andere Leute.

Haben Sie noch andere Hobbys? Gehen Sie auch mal tanzen?
Super gerne. Und meine Lieblingsgruppe heißt »No Doubt«.

Wie gefallen Ihnen die »Fantastischen Vier« mit Smudo?
Auch gut!

Smudo spielt leidenschaftlich Schach, er soll ein ELO-Rating von ungefähr 1300 besitzen. Sie sind beinahe doppelt so stark, haben ELO 2242: Hätten Sie dennoch Lust auf eine Partie gegen Smudo?
Klar! Und ich gebe ihm sogar einen Offizier vor, da bin ich nicht so.

(ND 17.07.04)



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