Der Bundeskongress des Deutschen Schachbundes

von André Schulz
26.05.2017 – Am Samstag (27.Mai) führt der Deutsche Schachbund in Linstow seinen Bundeskongress durch. Neben anderen Tagesordnungspunkten stehen vor allem die Wahlen im Mittelpunkt des Interesses. DSB-Präsident Herbert Bastian stellt sich zur Wiederwahl, hat aber mit Ulrich Krause einen Gegenkandidaten.

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Der Deutsche Schachbund ist - wie viele andere Sportverbände auch - eine Organisation mit einigen Besonderheiten. Der Schachbund ist gemeinnützig und dient der Förderung des Schachspiels, das in Deutschland wegen seiner Wettbewerbsorganisation als Sport angesehen wird. Er wird deshalb vom Innenministerium, das für den Sport zuständig ist, finanziell unterstützt. Als gemeinnützige Körperschaft darf der Schachbund keine Geschäfte machen, die auf Gewinn ausgerichtet sind. So finanziert er sich vor allem durch seine Mitglieder.

Diese sind nur indirekt die organisierten Schachspieler, sondern zunächst einmal die Mitgliedsverbände: die Landesverbände, der Blindenschachbund, der Fernschachbund und die Vereinigung für Problemschach. Die Landesverbände erhalten Mitgliedsbeiträge aus den Einkünften der Schachklubs und reichen davon einen Teil an den Schachbund weiter. Der Deutsche Schachbund finanziert damit seine Arbeit, bezahlt Angestellte, Trainer und Spieler, und führt wiederum einen Teil an den Weltschachbund FIDE ab.

Ein Großteil der Arbeit innerhalb des Schachbundes wird von Ehrenamtlichen geleistet. Diese erhalten für ihre Arbeit keinerlei Lohn, allenfalls Aufwandsvergütungen für die damit verbundenen Unkosten. Auch in anderen Sportarten - sieht man einmal vom Profi-Fußball ab - sind es die Ehrenamtlichen, die die Sportverbände tragen und am Leben halten. Das gilt auch für die kleinsten Zellen der Verbände, die Vereine. Nicht die Schach-Spieler sind die wichtigsten Leute im Verein, selbst wenn sie eine hohe Elozahl besitzen, sondern diejenigen Schachfreunde, die dafür sorgen, dass an den Mannschaftskämpfen die Spiele aufgebaut werden und dass es überhaupt Spiele gibt. Das Ehrenamt in den Sportklubs und Verbänden kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, doch überall wird geklagt, dass immer weniger Sportfreunde bereit sind, Aufgaben zu übernehmen, bezeihungsweise dass sie dafür wegen anderer Verpflichtungen keine Zeit mehr haben.

Der Schachbund leistet sich zudem einige Angestellte, die sich ausschließlich um die ihnen zugewiesenen Aufgaben kümmern und dafür entsprechen entlohnt werden. Die Geschäftstelle wird von Angestellten geführt, zwei Bundestrainer kümmern sich um den Leistungssport und die Nachwuchsförderung mit Wettbewerben und Training.

Zwischen den Ehrenamtlichen und den Angestellten ergibt sich durch die Organisation des Verbandes eine merkwürdige Diskrepanz. Die Ehrenamtlichen werden von den Delegierten auf eine bestimmte Zeit gewählt, im Schachbund in der Regel für zwei Jahre. Dann werden sie wiedergewählt oder treten vielleicht vom Amt zurück. Die Angestellten sind zumeist unbefristet im Amt und leisten damit Kontinuität bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. Trotzdem sind nach der Satzung die Ehrenamtlichen gegenüber den Angestellten weisungsbefugt. Dies birgt Konfliktstoff, wie der Streit innerhalb des Referats für Leistungsschach kürzlich zeigte.

Auch an anderer Stelle sind Konflikte oder zumindest Reibungsverluste vorprogrammiert. Mit vielen Mitgliedsverbänden gibt es auch viele unterschiedliche Interessen, die zum Ausgleich geführt werden müssen. Entscheidungsprozesse mit vielen Beteiligten dauern zudem länger oder können vielleicht gar nicht zum Abschluss gebracht werden. Der Schachbund und die anderen Sportverbände sind hier ein Spiegelbild der föderalen Struktur unseres Landes.

Eine weitere Baustelle im Verband ist das Nebeneinander von Deutschem Schachbund und Deutscher Schachjugend. Die DSJ leistet in der Nachwuchsförderunge sehr erfolgreich Arbeit. Die Verzahnung von DSJ und DSB scheint aber auch nicht ohne Reibungsverluste vonstatten zu gehen.

Wer wissen will, wie es um den Schachbund steht und welche Aktivitäten in den letzten beiden Jahren durchgeführt wurden, findet reichlich Material in der ausgezeichneten 240-Seiten umfassenden Kongressbroschüre.

Morgen, am 27. Mai findet der Bundeskongress des Deutschen Schachbundes statt. Gastgeber ist der Verband von Mecklenburg-Vorpommern. Der Kongress Tag im Resort Linstow. Neben anderen Tagesordnungspunkten werden die Wahlen für die verschiedene Ämter, insbesondere das Amt des Präsidenten mit Spannung erwartet. Der amtierende Präsident Herbert Bastian stellt sich erneut zu Kandidatur, hat aber mit dem Präsidenten des Landesverbandes Schleswig Holstein, Ulrich Krause, auch einen Gegenkandidaten.

Beide Kandidaten haben wir kürzlich in Interviews vorgestellt:

Interview mit Ulrich Krause

Interview mit Herbert Bastian

Offizielle Einladung des Deutschen Schachbundes

Die Mitglieder des Deutschen Schachbundes e.V. tagen beim bevorstehenden Ordentlichen Bundeskongress zu wichtigen Themen des Sports. In diesem Jahr findet der Kongress inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte in Linstow statt.

Neben Ehrungen und der Festsetzung des Finanzrahmens für die Folgejahre, stehen Neuwahlen zum Präsidium an. Gewählt werden auch die Referenten der unterschiedlichen Fachebenen, daneben erfolgen Wahlen zu diversen Kommissionen. Die offizielle Tagesordnung ist diesem Bericht angefügt.

Präsident Herbert Bastian wünscht allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine gute und sichere Anreise und einen fruchtbar konstruktiven Verlauf des Kongresses.

Tagesordnung

1.Eröffnung und Begrüßung
2.Feststellung der Anwesenden, der Stimmberechtigten und der Zahl der vertretenen Stimmen
3.Wahl des Protokollführers
4.Feststellung der Tagesordnung
5.Ehrungen
6.Genehmigung des Protokolls des außerordentlichen Bundeskongresses am 7. November 2015 in Leipzig und des Hauptausschusses am 29. Oktober 2016 in Lübeck
7.Berichte des Präsidiums, der Referenten sowie des DSB-Vertreters in der gemeinsamen Kommission 1. Schachbundesliga
8.Kassen- und Revisionsbericht
9.Satzungsändernde Anträge
10.Entlastung des Präsidiums gem. § 25 Abs. 1 Nr. 1 – 4 und der Funktionsträger gem. § 14 Abs. 1 Nr. 4 – 15 der Satzung
11.Neuwahlen
a) Mitglieder des Präsidiums gem. § 25 Abs. 1 Nr. 1 – 4 der Satzung
b) Funktionsträger gemäß § 14 Abs. 1 Nr. 4 – 15
c) Je zwei Mitglieder der Kommission Leistungssport, Breiten- und Freizeitsport sowie für Wertungen
d) Mitglieder des Schiedsgerichts gemäß § 31 Abs. 1 der Satzung
e) Mitglieder des Bundesturniergerichts gemäß § 37 Abs. 1 der Satzung
f) Rechnungsprüfer gemäß § 54 Abs. 1 der Satzung
12.Festsetzung des Jahresbeitrages für 2018 und 2019
13.Verabschiedung des Nachtragshaushalts 2017
14.Haushaltsplan 2018 und 2019
15.Anträge
16.Verschiedenes

Frank Neumann, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im DSB

Kongresseite des Schaxchbundes...


  



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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RevTiberius RevTiberius 27.05.2017 09:42
Die Reaktion im Fall Rogozenko war ueberhaupt nicht souveraen. Einen eigenen Mitarbeit oeffentlich so blosszustellen, ist unterste Schublade. Wenn Herr WernerBerger von seinem Arbeitgeber mal so behandelt wird, kann er uns ja wissen lassen, ob er das immer noch fuer einwandfrei haelt.
Noch einmal: Disziplinarmassnahmen gegen einen Mitarbeiter unilateral einfach so zu veroeffentlichen, greift tief in die Persoenlichkeitsrechte des Herrn Rogozenko ein - das sollte eigentlich auch ihr Arbeitsrichter wissen. Sollte es jemals zu juristischen Auseinandersetzungen zwischen DSB und Herrn Rogozenko kommen, hat Herbert Bastian dem DSB eine schwere Hypothek auferlegt. Den Denkzettel den er bekommen hat, hat er sich verdient
WernerBerger WernerBerger 27.05.2017 08:52
Ich habe Herbert Bastian als durchaus engagierten Präsidenten erlebt und kann die Kritik nicht nachvollziehen. Die Reaktion im Fall Rogozenco war souverän und rechtlich einwandfrei, was jeder Rechtskundige bestätigen wird (an der Entscheidung war ein am Landesarbeitsgericht tätiger Arbeitsrichter beteiligt, der sich besser auskennt als Mr Tiberius). Was seinen Mitstreitern im Präsidium gegenüber unkollegial gewesen sein soll, erschließt sich mir nicht.
flachspieler flachspieler 27.05.2017 09:04
Manchmal hilft es, über den Tellerrand zu schauen. Wir (in Deutschland) leben in einer alternden Gesellschaft. Das hat Konsequenzen für alle Organisationen: politische Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, Vereine (auch Exoten wie Schach und Philatelie). Viele denken, was sie für unmögliche Probleme und unfähige Führungen haben - aber im Vergleich erkennt man typische Muster und Gemeinsamkeiten.

In meinen Augen war (und ist) Herbert Bastian ein guter Präsident, auch wenn ich glaube, dass Ulrich Krause besser als viele andere auf das Alterungs- und Generationen-Problem im DSB reagieren kann.
RevTiberius RevTiberius 27.05.2017 02:32
Wer wissen will, warum es um den DSB so schlecht bestellt ist, braucht sich nur das Interview mit Herrn Bastian anzusehen. Ich verfolge die Schachszene schon seit Jahrzehnten, habe aber noch nie einen so hilflos und unprofessionell agierenden Praesidenten erlebt. Als ich das Interview sah, wurde ich immer wieder an die ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpraesidentin Heide Simonis erinnert, die den damaligen SPD-Vorsitzenden Rudolf Scharping einmal als "Autisten" bezeichnete. Bei Herrn Bastian sind es nicht nur die unglaublichen Fehlentscheidungen an sich (etwa die rechtlich hoechst anfechtbare Veroeffentlichung von arbeitsrechtlichen Disziplinarmassnahmen gegen den Bundestrainer Rogozenko), sondern vor allem sein voellig unkollegiales Verhalten im Vorstand des DSB. Es tut weh, es sagen zu muessen, aber wir haben zur Zeit den schlechtesten DSB-Praesidenten seit mindestens den 1980ern (als ich mich fuer Schach zu interessieren begann). Man kann seinem Gegenkandidaten nur alles Gute wuenschen!
Mal ganz davon abgesehen hat Herr Andre Schulz am Ende des Artikels "Schleswig-Holstein" tatsaechlich als "Schleswig-HolTstein" geschrieben. Fuer einen Hamburger ein schwaches Bild.
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