Die besten Junioren 2019: Ein kurzer Blick zurück

von Thorsten Cmiel
02.01.2020 – Im Schach stand das letzte Jahrzehnt ganz im Zeichen von Magnus Carlsen. Doch wer sind die größten Talente, wer könnte die kommenden Jahre dominieren und wie haben sich diese Spieler im Jahr 2019 entwickelt? Thorsten Cmiel hat bei Alireza Firouzja, Nodirbek Abdusattorov, Praggnanandhaa Rameshbabu, Vincent Keymer und Luis Engel genauer hingeschaut. | Foto: Alireza Firouzja (Amruta Mokal)

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Weltrangliste Junioren (Januar 2020)

Erfolgreichste Spieler des Jahres 2019

Elosteigerungen sind ein guter Indikator für die Entwicklung eines Spielers, zumal die Spieler an der Spitze der Juniorenliste zwischen 80 und 100 Turnierpartien pro Jahr spielen. Betrachten wir zunächst die drei Spieler, die 2019 die größten Sprünge auf einem Niveau über 2500 erzielen konnten.

Der Superstar

Der Iraner Alireza Firouzja konnte seine Rating von 2618 (Januar 2019) auf 2723 (Januar 2020) steigern. Alireza, geboren 2003 im Iran, ist nach dem Ausscheiden von Wei Yi aus der Altersklasse der Junioren die neue Nummer Eins der Junioren.

Alireza Firouzja | Foto: Lennart Ootes

Im Jahr 2019 gewann er phänomenale drei Dutzend Turnierpartien gegen Großmeister. Bei der Schnellschach-Weltmeisterschaft wurde Alireza Zweiter hinter Magnus Carlsen. Er schlug während des Turniers die Großkaliber Anton Korobov, Shakhriyar Mamadiarov, Sergey Karjakin, Wang Hao und Le Quang Liem. Er verlor lediglich gegen Peter Svidler und Jan-Krzysztof Duda bei einer Gesamtleistung von 2835. Im Blitz landete er auf dem sechsten Rang.

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Die Kronprinzen

Nodirbek Abdusattorov startete das Jahr 2019 mit einer Rating von 2560. Der Uzbeke liegt nach dem Jahr bei 2635. Geboren wurde Nodirbek am 18. September 2004. Er wird zusammen mit Nihal und Vincent Keymer beim Challengers-Turnier in Wijk an Zee antreten.

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Nodirbek Abdusattorov bei seinem Remis gegen Carlsen bei der Blitz-WM 2019 | Foto: Lennart Ootes

Rameshbabu Praggnanandhaa, kurz Pragg, geboren am 10. August 2005, hatte eine längere Phase der Stagnation hinter sich. Bereits im September 2017 hatte der Inder, damals gerade 12 Jahre alt, erstmals eine Elozahl von 2500 erreicht. Im Januar 2019 lag Pragg bei 2539 und jetzt im Januar 2019 liegt seine Rating erstmals über 2600. Pragg gewann 2019 das Xtracon-Open in Dänemark, das London-Classic-Open in London und wurde U18-Weltmeister. Seine Live-Rating liegt sogar bei 2609.

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Rameshbabu Praggnanandhaa | Foto: Lennart Ootes

Mit Alireza, Pragg und Nodirbek haben wir die drei Jahrgangsbesten der Geburtsjahre 2003 bis 2005 bereits kennengelernt.

Junioren-Weltrangliste 2020

Erwähnt sei noch, dass die Juniorenklasse 2020 auch Spieler der Jahrgänge 2000 bis 2002 umfassen, also Spieler, die im Laufe des Jahres 2020 18 bis 20 Jahre alt werden. Es folgt eine Aufstellung der jeweils drei Jahrgangsbesten weltweit.

Die weltweit besten Junioren (Januar 2020)

Jahrgang

Nummer 1

Nummer 2

Nummer 3

2000

Xiong (USA) 2712

Maghsoodloo (IRI) 2674

Sevian (USA) 2660

2001

Tabatabaei (IRI) 2638

Deac (ROU) 2626

Smirnov (AUS) 2604

2002

Esipenko (RUS) 2654

Sargsyan (ARM) 2601

Yakuboev (UZB) 2597

2003

Firouzja (IRI) 2723

Liang (USA) 2592

Erigaisi (IND) 2575

2004

Abdusattorov (UZB) 2635

Nihal (IND) 2618

Buhl (DEN) 2535

2005

Praggnanandhaa (IND) 2602

Sindarov (UZB) 2537

Sadhwani (IND) 2522

2006

Gukesh (IND) 2547

-

-

Für diese Aufstellung wurden nur Spieler mit einer Elozahl von 2500 oder besser berücksichtigt. Alle aufgelisteten Spieler sind bereits Großmeister. Gukesh ist der einzige Spieler seines Jahrgangs, der eine Rating über 2500 aufweist. Sunway Sitges ist noch nicht ausgewertet.

Betrachtet man diese Aufstellung, dann ist auffällig, dass wir vier dominante Nationen in der Spitze erkennen können: Indien (5), Uzbekistan (3), USA (3) und Iran (3).

Rating-Fortschritt Top 3 (Geburtsjahrgänge 2003 bis 2006)

Spielername

Januar 2019

Januar 2020

Delta 2019

Partienzahl 2019**

Firouzja (IRI)

2618

2723

+ 105

106

Praggnanandhaa (IND)

2539

2602

+ 63

119 (+10)

Abdusattorov (UZB)

2560

2635

+ 75

104

Liang (USA)

2589

2592

+ 3

55 (+10)

Erigaisi (IND)

2548

2575

+ 27

82 (+10)

Nihal (IND)

2578

2618

+ 30

83 (+10)

Buhl (DEN)

2422

2535

+ 113*

131 (+10)

Sindarov (UZB)

2505

2537

+ 32

102 (+10)

Sadhwani (IND)

2451

2522

+ 71*

129 (+10)

Gukesh

2497

2547

+ 50*

198 (+10)

* Spieler, die zu Beginn der Betrachtung unter 2500 Punkten waren. **Feb2019 bis Jan2020. (+10) Spieler in Sitges (ESP), das in der Januar-Auswertung noch nicht berücksichtigt ist. https://www.chessratings.top/plus-minus

Die deutschen Junioren

Vincent Keymer startete 2019 mit einer Rating von exakt 2500. In 2019 spielte er zunächst vor allem drei stark besetzte Rundenturniere: das Tatasteel Challengers, das Grenke Masters und das German Masters. Das war sicherlich nicht der einfache Weg. Ob das Konzentrieren und die Eröffnungsvorbereitung spezialisiert auf sehr starke Gegnerschaft die richtige Entscheidung ist, scheint noch nicht entschieden zu sein. Zum Ende des Jahres reichte es bei Vincent dann endlich beim Grand Swiss für die letzte Norm zum Großmeistertitel, mit 14.

Vincent Keymer nach dem Erzielen seiner dritten und letzten GM-Norm | Foto: John Saunders

Vincent wurde am 15. November 2004 geboren und spielt zu Beginn 2020 erneut das Challengers in den Niederlanden. Dort trifft er auf die beiden Jahrgangsersten Abdusattorov und Nihal und könnte dort eine Duftmarke hinterlassen. Seine Rating zu Jahresende ist 2527. Er kam auf 79 Turnierpartien (Februar 2019 - Januar 2020).

Für Luis Engel,Jahrgang 2002, war 2019 schachlich ein sehr erfolgreiches Jahr. Er wurde Großmeister. Luis begann mit 2472 (Jan 2019) und erreichte zuletzt eine Rating von 2541. Hinzu kommt eigentlich noch ein aktuelles Ergebnis von 7 aus 7 bei der Deutschen U20-Vereinsmeisterschaft, das ihm weitere zehn Punkte bringen dürfte. Er ist anders als offenbar Vincent an Jugendtiteln interessiert.

Luis Engel | Foto: André Schulz

Die FIDE-Weltrangliste vom Januar 2020




Thorsten Cmiel ist Fide-Meister lebt in Köln und Milano und arbeitet als freier Finanzjournalist.
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