Die Bundesliga: Weltmeister und Veteranen

von Johannes Fischer
28.04.2018 – Am Wochenende kämpfen die Solinger SG und die OSG Baden-Baden bei der zentralen Endrunde der Bundesliga um den Sieg des deutschen Mannschaftsmeisters. Die einteilige Bundesliga gibt es seit 37 Jahren, die erste Saison der einteiligen Liga wurde in den Jahren 1980 und 1981 gespielt. Gewonnen hat damals die Solinger SG, nach Stichkampf gegen die SG Porz. Ein Weltmeister war auch dabei. (Foto: Boris Spassky, Schacholympiade Saloniki 1984, © Gerhard Hund)

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37 Jahre einteilige Bundesliga

Dieser Weltmeister war Boris Spassky, der erste Weltmeister, der sich in der einteiligen Bundesliga die Ehre gab. Nach Spassky setzten sich auch Mihail Tal, Anatoly Karpov, Vladimir Kramik, Vishy Anand und Magnus Carlsen für diverse Bundesligavereine ans Brett, aber Spassky ist und bleibt der aktivste Bundesligaspieler aller Weltmeister – mit Abstand.

Insgesamt kommt Spassky auf 119 Einsätze in der einteiligen Bundesliga (50 Siege, 60 Unentschieden, 9 Niederlagen), fast genau so viel wie alle anderen Weltmeister zusammen: Tal brachte es auf 19 Partien, Karpow war 13 Mal dabei, Kramnik kommt auf 32 Bundesligapartien, Anand auf 52, Carlsen immerhin auf 10, das sind insgesamt 126 Partien, die Spasskys 119 gegenüberstehen. (Diese und alle folgenden statistischen Angaben beziehen sich auf die Jahre 1980 bis 2017. Die laufende Saison 2017/2018 ist dabei nicht berücksichtigt.)

Seine erste Partie in der Bundesliga spielte Spassky am 12. Oktober 1980 – es wurde ein souveräner Sieg gegen Werner Nautsch.

W. Nautsch - B. Spassky

 

Spassky spielte für die SG Solingen, neben dem Hamburger Schachklub der einzige Verein, der seit Beginn der einteiligen Bundesliga in jeder Saison dabei war. Die Solinger waren insgesamt gesehen allerdings erfolgreicher als die Hamburger. Wie die ewige Tabelle der Bundesliga verrät, holte Solingen in der Geschichte der einteiligen Liga mehr Mannschaftspunkte als jedes andere Team, nämlich 834:268. Auch die Brettpunktbilanz der Solinger kann sich sehen lassen: in 37 Jahren Bundesliga holten sie 2702,5 Brettpunkte, mehr als jede andere Mannschaft. Allerdings kassierten sie auch 1705,5 Gegentreffer, deutlich mehr als die OSG Baden-Baden, die in 14 Jahren auf die beeindruckende Bilanz von 1266,5:525,5 kommt.

Die OSG Baden-Baden ist auch die Mannschaft, die in den 37 Jahren einteiliger Bundesliga die meisten Titel gewann. Elf Titel sind es bislang, am Dienstag, den 1. Mai, beim Abschluss der diesjährigen Bundesligasaison, soll der zwölfte Titel folgen. Die Solinger hoffen auf den sechsten Titel, fünf haben sie bislang gewonnen. Damit liegen sie in der ewigen Bestenliste hinter Bayern München (9 Titel) und der SG Porz (8 Titelgewinne) auf Platz vier.

Die aktivsten Spieler

Ein junger Klaus Bischoff (Foto: Gisbert Jacoby)

Aktivster Einzelspieler der einteiligen Bundesliga ist Klaus Bischoff. Er feierte sein Bundesligadebüt in der zweiten Saison der einteiligen Bundesliga und spielte am 11. Oktober 1981 erstmals für Bayern München, damals noch an Brett fünf. Sein Gegner war Eberhard Ehrler vom SC Bamberg und die Partie endete nach 51 Zügen mit Remis.

E. Ehrler - K. Bischoff

 

Insgesamt kommt Bischoff auf (die aktuelle Saison wieder nicht mitgerechnet) 458 Bundesligapartien (168 Siege, 214 Unentschieden, 76 Niederlagen). Auf Platz zwei der Tabelle mit den aktivsten Bundesligaspielern folgt Stefan Kindermann (390 Partien, 119 Siege, 204 Unentschieden und 67 Niederlagen). Kindermann war bereits in der allerersten Saison dabei und ist immer noch aktiv – er spielt für den MSA Zugzwang und kam in der laufenden Saison bereits zehn Mal zum Einsatz.

Stefan Kindermann in der aktuellen Saison (Foto: Georgios Souleidis)

Auf Platz drei folgt Lubomir Ftacnik (369 Partien, 77 Siege, 215 Unentschieden und 77 Niederlagen).

Lubomir Ftacnik (Foto: Hartmut Metz)

Auf Platz vier liegt der weniger bekannte Hamburger IM Thies Heinemann (359 Partien, 115 Siege, 169 Remis und 75 Niederlagen).

Thies Heinemann (Foto: André Schulz)

Im Gegensatz zu Stefan Kindermann waren Bischoff, Ftacnik und Heinemann waren zwar nicht von Beginn der einteiligen Bundesliga dabei, aber alle drei sind immer noch aktiv und werden wahrscheinlich bei der Zentralen Endrunden in Berlin weiter etwas für ihre Statistik tun.

Die Webseite der Schachbundesliga berichtet über weitere Rekorde...

Die Webseite der Zentralen Endrunde der Schachbundesliga informiert über die vielen Aktivitäten, die während der Endrunde auf dem Programm stehen...

 




Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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