Die Europameisterschaft in Kattowitz mit Fußball-Atmosphäre

von Roger Lorenz
23.04.2026 – Mit knapp 200 Spielern war die Europameisterschaft in Kattowitz in der Breite sehr gut besetzt. An absoluten Spitzenspielern fehlte es aber etwas. Zum "Fußvolk" gehörte Roger Lorenz, der von der Organisation beeindruckt war, aber nicht so sehr vom eigenen Ergebnis. Sein Fazit fällt dennoch positiv aus.

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Bundesliga-Atmosphäre bei der Schach-Europameisterschaft 2026 in Katowice

Die Europäische Einzel-Schachmeisterschaft 2026 ist beendet. Da Titelverteidiger Matthias Blübaum wegen des Kandidatenturniers nicht teilnehmen konnte, war klar, dass es einen neuen Europameister geben würde. Nach hartem Kampf setzte sich schließlich – zur Überraschung vieler Experten – der siebzehnjährige ukrainische IM Roman Degtyaryov durch. Degtyaryov ist damit der jüngste Gewinner des Turniers und der erste IM, der dieses Turnier gewinnen konnte.

Neben zahlreichen Profis und jungen Talenten waren auch wieder einige Amateure am Start, darunter auch ich selbst. Trotz eines sportlich nicht zufriedenstellenden Resultats ziehe ich insgesamt ein sehr positives Fazit dieses Turniers.

Austragungsort war in diesem Jahr Katowice, deutsch Kattowitz, in Oberschlesien. Gespielt wurde in der Arena Kattowitz, einer Halle im Inneren des lokalen Fußballstadions, in der normalerweise Volleyball- und Basketballspiele stattfinden. Der Spielsaal war großzügig angelegt, alle Bretter befanden sich in einem Raum, und so konnte man jederzeit bei den Spitzenbrettern vorbeischlendern. Ein separater Zuschauerbereich sorgte zudem dafür, dass vor allem Eltern ihre Schützlinge bequem beobachten konnten.

Blick in den Turniersaal kurz vor Rundenbeginn

Wie man auf dem Bild erkennen kann, bot die Halle enorm viel Platz: Alle Spieler saßen in einem großen, offenen Raum, sodass man problemlos zwischen den Brettern wandern und bei den Spitzenbrettern stehen bleiben konnte. Separat abgetrennt war ein Zuschauerbereich, von dem aus vor allem Eltern ihre spielenden Kinder beobachten konnten. Im Vorjahr waren die Bretter noch auf drei separate Spielsäle verteilt, sodass man als Amateur keine Gelegenheit hatte, bei den Spitzenbrettern vorbeizuschauen.

Geografisch war die Arena etwas außerhalb des Stadtzentrums gelegen, sodass das offizielle Spielerhotel weiter entfernt lag. Allerdings bot der Veranstalter einen gut organisierten Shuttle‑Service an; auch viele Topspieler nutzten den Bus, und wer Glück hatte, konnte auf der Strecke noch Vasyl Ivanchuk bei der Analyse seiner Partie lauschen.

Für alle, die vor der Partie noch die Innenstadt erkunden wollten, war das kein Problem: Die Arena ist per öffentlichen Verkehrsmitteln gut angebunden, ein Ticket kostet dabei gerade einmal 1 Euro und kann über eine sehr übersichtliche App gebucht werden.

Katowice war früher ein Zentrum des Bergbau- und Hüttenwesens in Oberschlesien. Diese Tradition zeigt sich auch im lokalen Schlesischen Museum (https://muzeumslaskie.pl/) – ergänzt durch moderne Industrie- und Kulturviertel, die der Stadt ein besonderes Flair verleihen.

Blick auf das schlesische Museum

Der Veranstaltungsort in einem Fußballstadion machte es notwendig, dass es dieses Mal statt eines zwei freie Tage gab. Der zweite freie Tag war erforderlich, da die Fußballspieler ihr Stadion für ein eigenes Spiel benötigten. Dadurch konnte man echte Bundesliga-Atmosphäre erleben – bei der packenden Partie GKS Katowice gegen Motor Lublin in der polnischen Ekstraklasa (entspricht der Bundesliga). Karten gab es noch an der Tageskasse.

Heimspiel von GKS Katowice gegen Motor Lublin

Die Fans im Stadion waren super und haben in den 90 Minuten Vollgas gegeben. Meinen Sitzplatz konnte ich gar nicht benutzen, weil während der ganzen Spielzeit stehen und anfeuern angesagt war. Der Einsatz hat sich gelohnt, GKS Katowice gewann mit 3:2 und hat sich so etwas Luft im Abstiegskampf verschafft. Die Highlights der Partie kann man sich auf YouTube unter https://www.youtube.com/watch?v=lvp8Fg_nICY anschauen.

Das Teilnehmerfeld bei einer Schach-Europameisterschaft garantiert, dass man als Spieler mit einer Elo von über 2100 in der ersten Runde einen sehr starken Gegner (mindestens einen IM) zugelost bekommt. So bekam ich es in der ersten Runde mit dem slowakischen Großmeister Juraj Druska zu tun. In dieser Partie konnte ich bis zum 79. Zug gut mithalten; zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon über sechs Stunden gespielt. Aber in der folgenden Stellung habe ich dann mit nur noch 38 Sekunden auf der Uhr den Remisweg nicht gefunden.

Ich spielte hier 79…Tg1+ (ich wollte den König vom Freibauern abschneiden) 80.Kxh2 Tg4 81.Tf5 Kd4 82.Kh3 Tg8. Das ermöglichte meinem Gegner jedoch mittels 83.Tg5, die Blockade zu durchbrechen und seinen König heranzuführen. Danach kann er meinen König abschneiden, und die Partie war einfach gewonnen.

Ein Remis hätte ich mit 79…Ta1 erreichen können. Nach 80.Kxh2 (80.Txh2 Ta2+ ist ein elementares Remis, da ich nach dem Turmtausch mit dem König vor den Bauern komme) kann ich den König mittels 80…Ta3 zunächst abschneiden. Auf den ersten Blick löst 81.Tg3 diese Blockade direkt wieder, aber nach 81…Ta1 steht mein Turm hervorragend, weil er König und Turm immer von hinten angreifen kann, während sich die weißen Figuren behindern. Eine mögliche Zugfolge ist 82.Kg3 Kd5 83.Th6 (sonst kommt 83…Ke6) Ke4.

Meine übrigen Partien waren leider sowohl qualitativ als auch ergebnistechnisch nicht so prickelnd. Dadurch landete ich am Ende deutlich weiter hinten in der Tabelle als mein Setzplatz; das muss ich beim nächsten Mal verbessern.

Die Schach-Europameisterschaft 2026 in Katowice hat mit ihrer großartigen Atmosphäre und hervorragenden Organisation Maßstäbe gesetzt. Die nächste Austragung führt 2027 nach Batumi in Georgien – das klingt sehr spannend.

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Roger Lorenz studierte Informatik in Bonn in den 1980ern und arbeitete später viele Jahre als Projektmanager und Berater. Im Ruhestand hat er nun mehr Zeit für seine Hobbies wie Schachspielen, Schachgeschichte und Schachengines. Er ist Mitglied des Schachklubs Bonn-Beuel und der Chess History and Literature Society. Kontaktieren kann man ihn über seine Homepage.
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