Rätsel um Computerbetrüger "John von Neumann" gelöst

von Frederic Friedel
23.04.2026 – Vor 33 Jahren sorgte ein unbekannter Spieler beim World Open in Philadelphia für Aufsehen. Er trat unter dem Namen John von Neumann an, schien wenig bis gar nichts vom Schach zu verstehen, gewann aber gegen einen FIDE-Meister und kam gegen den isländischen Großmeister Helgi Ólafsson zu einem Remis. Nachdem der Turnierleiter dieses Phänomen näher untersuchen wollte, verabschiedete sich „John von Neumann“ vom Turnier. Wer sich hinter diesem Namen verbarg, blieb jahrzehntelang ungeklärt – doch jetzt hat das Magazin Wired „von Neumanns“ Identität enthüllt und mehr über den vielleicht ersten Computerbetrug der Schachgeschichte herausgefunden.

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Wie Wired in der Ausgabe vom 14. April berichtet, steckten zwei professionelle Spieler, Rob Reitzen und John Wayne (nicht verwandt mit dem gleichnamigen Schauspieler), hinter dem Betrug. Wayne trat beim World Open unter dem Namen John von Neumann an. Er trug eine schulterlange Dreadlock-Perücke, um unerkannt zu bleiben; Kopfhörer hielten die Haare in Position. Er war verkabelt und übermittelte die Züge über Schalter in seinen Schuhen an Rob Reitzen. Dieser gab die berechneten Züge über eine vibrierende Box weiter, die in Waynes Schritt verborgen war.

Während Wayne am Brett saß, analysierte Reitzen die Partien im Hotelzimmer mit Hilfe eines Computerprogramms. Das Duo hatte sich auf technisch aufwendigen Betrug spezialisiert und „hatte zuvor tragbare Mikroprozessoren und in Gürtelschnallen eingebaute Kameras eingesetzt, um in Casinos Blackjack und Poker zu schlagen“ [Wired].

Leider sind keine Fotos von Waynes Auftritt als John von Neumann bekannt. 1993 veröffentlichte das Magazin „Inside Chess“ unter der Überschrift „The Von Neumann Affair Rocks the World Open“ einen Bericht über den Vorfall – auf dem Titelblatt ist die Karikatur eines Rastafari-Mannes zu sehen. Die Autoren vermuteten zutreffend den Einsatz von Computerhilfe, gingen jedoch irrtümlich davon aus, die Anweisungen seien über Kopfhörer übermittelt worden.

Reitzen entwickelte später Pokerprogramme, gewann und verlor große Vermögen und wurde in die Blackjack Hall of Fame aufgenommen. Wayne starb 2018 an Krebs.

Artikel im Wired-Magazin


Chefredakteur der englischen ChessBase-Seite. Hat in Hamburg und in Oxford Philosophie und Linguistik studiert und sein Studium mit einer Arbeit über Sprechakttheorie und Moralsprache abgeschlossen. Eine Karriere an der Universität gab er auf, um Wissenschaftsjournalist zu werden und Dokumentationen für das deutsche Fernsehen zu produzieren. Er ist einer der Mitbegründer von ChessBase.
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