Die U16-Jugendolympiade

von André Schulz
05.12.2018 – Nach dem Vorbild der "richtigen" Schacholympiade wurde in Konya (Türkei) eine U16-Jugendolympiade ausgetragen. Die usbekische Mannschaft gewann mit 16 Punkten vor Indien und China. Das deutsche Team belegte bei 46 Mannschaften Platz 29. | Fotos: Bernd Vökler, Titelfoto: Turnierseite

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Fast unmittelbar im Anschluss an die Jugend- (U18-U14) und die Kadettenweltmeisterschaften (U12-U8) wurde in der türkischen Stadt Konya noch eine U16-Schacholympiade durchgeführt. 39 Verbände nahmen teil. Einige Länder schickten mehr als eine Mannschaft. Gastgeber Türkei brachte gleich vier Teams an die Bretter, so dass es am Ende 46 Mannschaften wurden.

Gespielt wurde wie bei der großen Schacholympiade an vier Brettern. Um das Mädchenschach zu fördern, sollten drei der insgesamt 36 Partien von einem Mädchen gespielt werden. Einige Teams wussten aber nicht so recht, wie sie mit der Regel umgehen sollten, wie Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler weiter unten ausführt. Die deutsche Mannschaft - und andere Teams auch - besetzte einfach ein Brett mit einem Mädchen. In der DSB-Auswahl war das Jana Schneider.

Gruppenbild mit Mädchen

In der Setzliste nach Elo der besten vier Spieler lag das U16-Team von Usbeskistan mit einigem Vorsprung an der Spitze. Die jungen Usbeken kamen mit vier Spielern über 2500 Elo nach Konya. Das schaffte nicht einmal Russland, in der Setzliste auf dem zweiten Rang. Mit Andrey Esipenko (ELO 2609) hatte der Russische Verband aber den besten Spieler in seinen Reihen, allerdings nur ganz knapp vor dem Iraner Alireza Firouzja (Elo 2607). Mit etwas Abstand folgten dann die Usbeken Abdusattorov Nodirbek und Yakubboev Nodirbek.

Die beiden Spitzenspieler von Usbekiastan

Indien, Aserbaidschan und der Iran brachten Teams mit einem Eloschnitt über 2400 ins Turnier. Die deutsche Mannschaft nahm in der Aufstellung Luis Engel, Nikolas Wachinger, Jakob Leon Pajeken, Jana Schneider und David Faerber mit einem Schnitt von 2351 Rang 11 der Setzliste ein.

Sieger dieser U16-Schacholympiade wurde am Ende das Favoritenteam aus Usbekistan. Die jungen Usbeken gewann acht ihrer neun Wettkämpfe. Die einzige Niederlage kassierte die usbekische Mannschaft in der 4. Runde gegen die USA. Gegen die übrigen Konkurrenten setzte sich die usbekische Mannschaft zum Teil sogar sehr klar klar durch. Yakubboev Nodirbek war bester Spieler des Teams mit acht Siegen und einer Niederlage.

Usbekistan schlägt Russland

Indien und China belegten die Plätze zwei und drei.

Endstand

Rg. Team  Wtg1 
1 UZBEKISTAN 16
2 INDIA 14
3 CHINA 13
4 BELARUS 13
5 IRAN 12
6 ARMENIA 12
7 UKRAINE 12
8 AZERBAIJAN 12
9 KAZAKHSTAN 12
10 USA 11
11 ISRAEL 11
12 TURKEY - WHITE 11
13 RUSSIA 10
14 GREECE 10
15 GEORGIA 10
16 FRANCE 10
17 TURKEY-GIRLS 10
18 MOLDOVA 10
19 SERBIA 10
20 SLOVAKIA 10
21 DENMARK 10
22 SWITZERLAND 9
23 MALAYSIA 9
24 HUNGARY 9
25 TURKEY - RED 8
26 SLOVENIA - A 8
27 POLAND 8
28 PORTUGAL 8
29 GERMANY 8
30 SRILANKA 8

46 Mannschaften

 

Alle Partien als Download...

 

Wie so oft bei internationalen Jugendvergleichen zeigte sich auch bei diesem Turnier, dass die jungen deutschen Spieler im Vergleich zu Jugendlichen aus anderen Ländern in ihren Ratingzahlen überbewertet sind. Die Betonung liegt auf "im Vergleich". Die andere Perspektive beschreibt es genauer: Viele Jugendliche aus anderen Ländern sind unterbewertet. In vielen Ländern wird gut Schach gespielt, aber es gibt zu wenig Turniere, in denen die jungen Spieler ihre Spielstärke zeigen können und Ratingzahlen erreichen, die ihrer Spielstärke entspricht. 

Der einzige deutsche Spieler, der seine Elozahl bestätigen konnte, war Luis Engel. Er war sogar einer der besten Spieler des Turniers, Nummer fünf an Brett eins, Nummer 17 insgesamt. Die anderen vier Deutschen mussten zum Teil deutliche Ratingeinbußen hinnehmen. 

Am Ende belegte die deutsche Mannschaft etwas enttäuschend Platz 29. 

 

Das deutsche Team

Die deutschen Spieler

29. GERMANY (EloDS:2351, Kapitän: IM, FT Voekler, Bernd / Wtg1: 8 / Wtg2: 130)
Br.   Name Elo Land 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Pkt. EloDS Rp rtg+/-
1   Engel Luis 2459 GER   1 1 1 0 ½ 1 ½ 1 6,0 2148 2455 2,0
2   Wachinger Nikolas 2338 GER ½   1 1 0 0 ½   ½ 3,5 2125 2181 -25,4
3 FM Pajeken Jakob Leon 2314 GER 0 0   1 0   ½ 0 ½ 2,0 2087 1990 -57,2
4 FM Schneider Jana 2163 GER 1 0 1 1   0   0 0 3,0 2008 2001 -27,6
5   Faerber David 2291 GER ½ 0 1   1 ½ ½ 1   4,5 2059 2188 -13,0

Die besten Spieler nach Performance insgesamt

1
 
GM Firouzja Alireza 2607 IRAN 2736 8,0 9 88,9 1
2
 
IM Yakubboev Nodirbek 2549 UZBEKISTAN 2713 8,0 9 88,9 2
3
 
IM Vokhidov Shamsiddin 2456 UZBEKISTAN 2709 7,5 8 93,8 3
4
 
GM Erigaisi Arjun 2531 INDIA 2678 7,0 9 77,8 1
5
 
  Wang Yanbin 2220 CHINA 2620 7,5 9 83,3 2
6
 
FM Travadon Loic 2310 FRANCE 2613 6,5 7 92,9 2

Luis Engel nahm in dieser Liste Platz 17 ein.

 

Die besten Spieler an Brett 1

1
 
GM Firouzja Alireza 2607 IRAN 8,0 88,9 2736 9
2
 
GM Erigaisi Arjun 2531 INDIA 7,0 77,8 2678 9
3
 
FM Petriashvili Nikoloz 2389 GEORGIA 7,0 77,8 2547 9
4
 
FM Sahidi Samir 2309 SLOVAKIA 6,5 72,2 2398 9
5
 
  Engel Luis 2459 GERMANY 6,0 75,0 2455 8

Bernd Vökler schrieb nach sieben Runden:

Regel ist Regel

Bei der U16-Olympiade müssen drei von 36 Partien einer Mannschaft gemäß dem Reglement von einem Mädchen gespielt werden. Dieses Zwölftel aller Partien repräsentiert in der Vorstellung der FIDE möglicherweise den realen Anteil der Mädchen am Schachgeschehen. Beim Turnier führte es jedoch zu sonderbaren Blüten.

So haben sowohl Usbekistan als auch der Iran ihr (schwächeres) Mädchen in den vorangegangenen sieben Runden je zweimal eingesetzt. Zum Spitzenkampf in der achten Runde ist kein weibliches Personal vorgesehen. Beide Teams hoffen auf den doppelten Punktgewinn um dann die Schlussrunde mit dem Mädchen, eine Niederlage in Kauf nehmend, anzugehen.

1. UZBEKISTAN (EloDS:2520, Kapitän: GM, FT Iuldachev, Saidali / Wtg1: 16 / Wtg2: 264)
Br.   Name Elo Land 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Pkt. Anz EloDS Rp
1 GM Abdusattorov Nodirbek 2560 UZB 1 1 ½ ½ ½ 0 1 ½ ½ 5,5 9 2449 2529
2 IM Yakubboev Nodirbek 2549 UZB 1 1 1 0 1 1 1 1 1 8,0 9 2362 2713
3 IM Sindarov Javokhir 2513 UZB 1   1 0 ½ 1 ½ ½   4,5 7 2313 2415
4 IM Vokhidov Shamsiddin 2456 UZB   1 1 1 1 1 1 ½ 1 7,5 8 2250 2709
5   Saparova Sitora 1848 UZB 1 0             0 1,0 3 2108 1983

http://chess-results.com/tnr395106.aspx?lan=0&art=20&fed=UZB&flag=30

 

5. IRAN (EloDS:2401, Kapitän: Mahjoob Zardast, Morteza / Wtg1: 12 / Wtg2: 242)
Br.   Name Elo Land 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Pkt. Anz EloDS Rp
1 GM Firouzja Alireza 2607 IRI 1 1 1 1 1 1 1 ½ ½ 8,0 9 2309 2736
2   Pour Agha Bala Amirreza 2319 IRI   1 1 0 ½ 1 1 0 ½ 5,0 8 2292 2422
3 FM Daghli Arash 2352 IRI ½   1 1 1 0 ½ ½   4,5 7 2305 2407
4   Gholami Orimi Mahdi 2326 IRI 0 1 1 ½ 1 1 1 ½ ½ 6,5 9 2166 2380
5 WFM Asadi Motahare 2216 IRI 0 1             0 1,0 3 1929 1907

http://chess-results.com/tnr395106.aspx?lan=0&art=20&fed=IRI&flag=30

 

Griechenland hat das viel schwächere Mädchen sogar gleich ans zweite Brett gesetzt und damit den "Löwen zum Fraß vorgeworfen".

14. GREECE (EloDS:2368, Kapitän: GM, FT Kapnisis, Spyridon / Wtg1: 10 / Wtg2: 163,5)
Br.   Name Elo Land 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Pkt. Anz EloDS Rp
1 FM Vlachos Anatole 2434 GRE 0   0 1 0 0 0 1 ½ 2,5 8 2402 2261
2   Chrysogelou Athanasia-Panagiota 1729 GRE 0 ½   0   0   0   0,5 5 2228 1749
3 FM Spyropoulos Nikolaos 2378 GRE 1 1 ½ 1 1 1 0   ½ 6,0 8 2221 2417
4   Mitsis Georgios 2350 GRE   1 1 1 1 1 1 1 0 7,0 8 2195 2540
5 FM Katopodis Dimitrios 2310 GRE 1 0 0   ½   ½ ½ ½ 3,0 7 2119 2093

http://chess-results.com/tnr395106.aspx?lan=0&art=20&fed=GRE&flag=30

Tolle Mädchenförderung!

Viel besser ist es bei Weißrussland oder Deutschland geregelt. Olga Badelka und Jana Schneider sind beide ein vollwertige Mannschaftsmitglieder mit mindestens sieben Einsätzen.

Noch besser ist nur China aufgestellt, die bei 3 Spielern und einer Spielerin natürlich 9 Mädchenpartien abliefern müssen. Planwirtschaft eben!

Die türkische reine Mädchenmannschaft spielt sogar 36 Mädchenpartien von 36 Partien, aber das ist eine andere Geschichte.

Eine weitere merkwürdige Regel oder aber das Fehlen selbiger nutzte unser Gegner in Runde 7 aus. Sri Lanka hatte an Brett 1 einen Spieler mit Elo 1688 (!) gemeldet und den jungen Mann gegen Esipenko, Bjerre und Engel dreimal als "Vorstopper" eingesetzt. Die ELO-Differenz von knapp 800 Punkten setzte sich dann aber doch durch.

Jeder kann aufstellen, wie er will! Dass jedoch in der Setzliste nach Elo, entscheidend für die Auslosung der ersten Runde, nur die ersten vier der ELO-Rangliste einfließen, führt das Ganze ad absurdum.

Wir verfügen nach sieben Runden über 7:7 Punkte und haben als Turnierziel jetzt unseren Setzlistenplatz 11 im Schlussklassement anvisiert. Zwei Siege vorausgesetzt, sollte das zu machen sein! Insofern gilt für uns nun die Hauptregel, von Klaus Bischoff einst so treffend formuliert: "Wenn Du dran bist, musst Du ziehen!"

Turnierseite...

Ergebnisse bei Chess-results...

 

 



Themen: U16-Olympiade

André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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D4m D4m 05.12.2018 10:06
Lieber Herr Schulz, haben Sie vielleicht ein Problem mit den iranischen Spielern oder mit dem Land selbst? In Ihrem Bericht wurde Firouzja kaum erwähnt, kein Bild vom besten Spieler mit der besten Elo-Performanz (2736)! Ich kann mich noch an Ihren unvollständigen Bericht von 2nd Sharjah Masters gut erinnern, wo Parham Maghsoodloo mit 8/9 und einer Elo-Performanz von 2837 das Turnier souverän gewann, vor etlichen 2700-Spielern wie Wang Hao (2707), Artemiev (2701), Kryvoruchko (2703), Eljanov (2700) und Naiditsch (2701)!
knight100 knight100 05.12.2018 07:52
Durch diese Zwangsquote wird das Leistungsprinzip völlig außer Kraft gesetzt. Wäre nicht die beste Förderung eines Spielers (egal ob männlich oder weiblich), sich ehrlich einen Platz in der Nationalmannschaft durch entsprechende Spielstärke verdienen/erkämpfen zu müssen? Warum wehren sich teilnehmende Verbände nicht? Eine Olympiade mit 0 Teilnehmern würde vielleicht helfen, solche absurden Regelungen zu vermeiden - wer denkt sich so eine ..... aus? Warum nicht die Option eines extra Mädchentuniers, wie sonst auch immer?
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