Die Weltmeisterschaft der Frauen: Kandidatenturnier angekündigt

von André Schulz
03.01.2019 – Die FIDE hat wie angekündigt das Format der Frauenweltmeisterschaft an die Offenen Weltmeisterschaften angepasst. FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich hat bereits vorab Termin und Ort des Kandidatenturniers bekannt gegeben. Acht Spielerinnen kämpfen um das Recht Ju Wenjun im Wettkampf herausfordern zu dürfen.

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Kandidatenturnier der Frauen 2019

FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich hat kürzlich auf Twitter schon vorab den Zeit und Ort für das kommende Kandidatenturnier der Frauen bekannt gegeben:

 


Auch das Feld der Teilnehmerinnen ist bereits bekannt. Es sind:

Hou Yifan, Anna Muzychuk, Mariya Muzychuk, Ekaterina Lagno, Alexandra Kosteniuk, Tan Zhongyi, Nana Dzagnidze und Valentina Gunina.

Als Reservespielerin wurde Aleksandra Goryachkina nominiert.

Die Frauenweltmeisterschaften wurden in den letzten Jahren nach einem recht unübersichtlichen System ausgetragen: jährlich und abwechselnd in einem Wettkampf und in einem K.o-Turnier. Besonders Yifan Hou, die die Weltrangliste der Frauen mit großem Vorsprung anführt, war mit diesem Format unzufrieden, zog sich deshalb aus dem Frauenschach zurück und konzentrierte sich auf ihr Studium. Das im Herbst 2018 neu gewählte FIDE-Präsidium mit Arkady Dvorkovich an der Spitze hat als eine der ersten Reformmaßnahmen das Format geändert und will die Frauenweltmeisterschaft nun nach dem gleichen System durchführen wie die offenen Weltmeisterschaften. Es wird ein Kandidatenturnier geben, die Siegerin spielt in einem Wettkampf gegen die Titelverteidigerin. 

Kleine Geschichte der Frauen-Weltmeisterschaften

Im Unterschied zur offenen Weltmeisterschaft, die sich bis zum Tod von Alexander Aljechin in Privatbesitz befand, wurde die Weltmeisterschaft der Frauen von Anfang an vom Weltschachbund FIDE organisiert. 1927 gab es am Rande der Londoner Schacholympiade ein Frauenschachturnier mit 12 Teilnehmerinnen. Vera Menchik gewann überlegen. In den elf Partien gab sie nur ein einzige Remis ab und entschied alle übrigen Partien für sich. Das Turnier wurde erst nachträglich zur ersten Frauenweltmeisterschaft aufgewertet. 

Vera Menchik war die erste und blieb auch die einzige Weltmeisterin vor dem Zweiten Weltkrieg. Nach dem Titelgewinn verteidigte sie siebenmal ihren Titel, sechsmal bei einem WM-Turnier und einmal im Wettkampf - gegen Sonja Graf. Wie groß die Überlegenheit von Vera Menchik war, zeigt die Tatsache, dass sie in allen WM-Turnieren nur eine einzige Partie verlor - 1930 in Hamburg gegen Walli Henschel. Außerdem kassierte Menchik noch zwei Niederlagen im einzigen WM-Wettkampf, gegen Sonja Graf, gewann dort aber auch neunmal und entschied das Match klar für sich.

Vera Menchik kam mit ihrer Schwester Olga, die ebenfalls sehr gut Schach spielte, und ihrer Mutter 1944 in London bei einem V2-Angriff ums Leben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Frauenweltmeisterschaft mit einem Turnier neu ausgespielt. Ljudmilla Rudenko gewann und wurde die 2. Weltmeisterin der Geschichte. Danach führte die FIDE die Weltmeisterschaft der Frauen im Prinzip nach dem gleichen Schema durch wie die offene Weltmeisterschaft, mit Kandidatenturnieren und Wettkämpfen.

Bis zum Jahr 2000 gab es fünf weitere Weltmeisterinnen. Xie Jun gewann den Titel 1999 noch im Wettkampf gegen Alisa Galliamova. Dann wechselte die FIDE wie bei der offenen Weltmeisterschaft auch auf ein K.o.-Format. 2000 gab es die erste K.o.-Weltmeisterschaft bei den Frauen. Xie Jun verteidigte ihren Titel auch in diesem Format. 2011 wurden zusätzlich Wettkämpfe eingeführt. Während das K.o.-WM-Format bei den Männern nach 2004 wieder ad acta gelegt wurde, blieb es im Frauenschach als WM-Format bestehen.

Nach 2001 (Zhu Chen gewann die K.o-Weltmeisterschaft) konnten sich nicht weniger als neun weitere Spielerinnen mit einem WM-Titel schmücken. Die aktuelle Weltmeisterin Ju Wenjun ist die 17. Weltmeisterin der Geschichte (Zählfehler vorbehalten).

Hier die komplette Liste:

Alle Weltmeisterinnen

1. Weltmeisterin
Vera Menchik 1927–1944 Tschechoslowakei / Großbritannien

2. Weltmeisterin
Ljudmila Rudenko 1950–1953 Sowjetunion

3. Weltmeisterin
Jelisaweta Bykowa 1953–1956, 1958-1962 Sowjetunion

4. Weltmeisterin
Olga Rubzowa 1956–1958 Sowjetunion

5. Weltmeisterin
Nona Gaprindaschwili 1962–1978 Sowjetunion

6. Weltmeisterin
Maia Tschiburdanidse 1978–1991 Sowjetunion

7. Weltmeisterin
Xie Jun 1991–1996, 1999–2001 Volksrepublik China

8. Weltmeisterin
Zsuzsa Polgár 1996–1999 Ungarn

9. Weltmeisterin
Zhu Chen 2001–2004 Volksrepublik China

10. Weltmeisterin
Antoaneta Stefanowa 2004–2006 Bulgarien

11. Weltmeisterin
Xu Yuhua 2006–2008 Volksrepublik China

12. Weltmeisterin
Alexandra Kostenjuk 2008–2010 Russland

13. Weltmeisterin
Hou Yifan 2010–2012, 2013–2015, 2016-2017 Volksrepublik China

14. Weltmeisterin
Anna Ushenina 2012–2013 Ukraine

15. Weltmeisterin
Mariya Muzychuk 2015–2016 Ukraine

16. Weltmeisterin
Tan Zhongyi 2017–2018 Volksrepublik China

17. Weltmeisterin
Ju Wenjun seit 2018 Volksrepublik China

 

FIDE...

 




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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