Die Zukunft des deutschen Schachs

01.06.2009 – Kristallkugel, Kaffeesatz, Horoskope, Wahrsagerinnen, Hände lesen, I-Ging, Karten legen, Expertenprognosen, Science Fiction Romane - wer in die Zukunft blicken möchte, hat viele Möglichkeiten. Doch wer wissen will, wie die Zukunft des deutschen Schachs aussehen könnte, der schaut besser einmal nach, was sich zur Zeit bei den Deutschen Jugendeinzelmeisterschaften in Willingen im Sauerland tut. Und wenn man nicht gleich ins Sauerland reisen will oder kann, dann bietet die Webseite umfangreiche Informationen. Außerdem schickt Christian Warneke einen Bericht mit Prognosen von Bundesnachwuchstrainer Bernd Völkler und verblüffenden Erkenntnissen über die Tücken der Schachformulare.Turnierseite...Zum Bericht...

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Favoritenstolperer und Schreibprobleme bei den Deutschen Einzelmeisterschaften der Schachjugend

Mit einer Überraschung begann die erste Runde der Deutschen Einzelmeisterschaften der Schachjugend in Willingen / Hessen: Die Partieformulare ließen sich aufgrund eines Produktionsfehlers einer bayerischen Druckerei nicht beschreiben. Mehr als 500 Spieler guckten ziemlich verdutzt, als Kugelschreiber, Bleistift und Füller keinerlei Spuren auf den frischen Blättern hinterließen. "Ich bin schon 30 Jahre im Geschäft, aber das habe ich noch nie erlebt: Partieformulare, auf die man nicht schreiben kann" zeigte sich selbst das Schachjugend-Urgestein Jörg Schulz verblüfft. Auch die sportliche Leiterin Gabriele Häcker war perplex: "Wer testet denn, ob man auf Partieformulare schreiben kann?" Zum Glück war der Schaden schnell behoben. Aus dem Nebenraum wurden andere Formulare geholt und der Austausch ging unter der Mithilfe zahlreicher Helfer schnell vonstatten.

Auf die Leistung der jugendlichen Spitzenspieler dürfte sich dieses Intermezzo nicht ausgewirkt haben. Dennoch sind bereits nach zwei gespielten Runden zahlreiche Favoritenstolperer zu verzeichnen. In der Altersklasse U18 sind von den 28 gestarteten Spielern lediglich vier ohne Punktverlust durch die ersten beiden Runden gekommen. Die obersten sieben Spieler der Setzliste mussten bereits halbe oder ganze Punkte abgeben. Ein ähnliches Bild gibt es in der Altersklasse U16. Nur fünf der 28 Starter kamen verlustpunktfrei durch die ersten beiden Runden. Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler hat das Turniergeschehen beobachtet:

U18
In der U18 männlich streiten erfahrene Spieler um den Titel. Ehemalige Deutsche Meister, namentlich Niclas Huschenbeth (HH), Julian Jorczik (BAY) und Julian Geske (HES), treten in Wettstreit mit dem Aufsteiger der letzten drei Wertungsperioden, Andreas Strunski (WÜR). Er überschreitet demnächst die Marke von 2400 ELO. Als Außenseitertipp gilt nach seinem Erstrundenerfolg Hannes Wendling (THÜ). Favorit Niclas Huschenbeth musste bereits in Runde eins einen ersten halben Zähler abgeben. Er versuchte die Caro-Kann Struktur aus Georgiev, Ki-Nisipeanu, LD 2000 zu erreichen, es gelang ihm jedoch nicht.


Niclas Huschenbeth: Der Mitfavorit startete mit einem Remis ins Turnier

Runde zwei wurde für die beiden anderen Topgesetzten ganz bitter. Andreas Strunski und Julian Jorczik mussten die Segel streichen.

Bigalke,Tobias - Jorczik, Julian


1. Tfc1 Sxg6 2. Tc7+ Kd8 3. Tc8+ nebst matt 1:0


Kein Glück zum Auftakt

U18 weiblich
Jahrelang haben hier die Spielerinnen aus Sachsen, wie Maria Schöne, Melanie Ohme oder Judith Fuchs die Titel abgeräumt. Durch das altersbedingte Ausscheiden rücken Ekaterina Jussupow (BAY) und Diana Hannes (THÜ) in den Fokus. Pauline Mertens (S-A) und Alisa Frey (BAD) stehen in Lauerstellung bereit.

U16
Auch hier kämpfen Ex-Meister um den Titel. Die besten Chancen haben hierbei Felix Graf (SAC), Patrick Zelbel (NRW) und Jens Kotainy (NRW).

Besonders bemerkenswert finde ich den Auftritt der Vizeweltmeisterin Filiz Osmanodja (SAC) im Feld der Jungen.


Mischt bei den Jungen mit: Filiz Osmanodja

In der Partie Müller, Tobias (HH) - Jussupow, Alexander (BAY) kam es zu folgender Stellung:



Weiß spielt 1.Kd3 (er umgeht damit die vermutliche Verluststellung nach 1.Txb4?? axb4 2.Kd4 Ka6 3.Kc4 Ka5 4. Kb3 b5 5. axb5 Kxb5 und Schwarz sollte gewinnen) 1...Ka6 2. f4 b5 3. axb5 Kxb5 4. Tc7 a5 5. Txg7 (und jetzt spielte Alexander nach kurzem Nachdenken) 5....a3?? (5...Tb3+ mit Ausgleich war besser) 6. Tb7+ und Schwarz findet keinen Weg, den a- Bauern zu verwandeln. Weiß gewinnt.

In Runde zwei "stirbt" mit Felix Graf ein weiterer Mitfavorit.

Kugler, Florian (BRA)- Graf, Felix (SAC)


1. Sxh6+ Kf8 2. Txd7 Txd7 3. Df5+ Ke7 4. Df7+ Kd8 5. Dg8+ Ke7 6. Sf5#

U16 weiblich
Als Favoritin sehe ich Anna Endress (RL-P). Die JOM-Spielerin hat die meiste Erfahrung im Feld. Die Kaderspielerinnen Johanna Blübaum (NRW), Julia Bochis (BAD) und Anja Schulz (SAC) werden jedoch nicht locker lassen. Außenseiterchancen räume ich Milana Smolkina (HH) nach ihrer längeren Pause ein.


Anna Endress: Liegt sie am Ende vorn?

U14
Auch hier spielt eine JOM-Spielerin mit. Spielerin des Jahres, Hanna-Marie Klek (BAY), streitet mit Slavik Sarchisov (BAD), Maximilian Berchtenbreiter (BAY), Sebastian Kaphle (BRE) und mindestens acht weiteren Kandidaten um die Medaillen.


In Willingen zur Spielerin des Jahres gewählt: Hanna-Marie Klek

U14 weiblich
Durch die Abwesenheit von Filiz und Hanna kommt eine neue Spielerin zu einem deutschen Meistertitel. Favoriten gibt es einige, ich wage jedoch zur Zeit noch keinen Tipp abzugeben.

U12
Die Altersklasse in diesem Jahr in Willingen! Vier Prinzen (Dennis Wagner (HES), Rasmus Svane (S-H), Jonas Lampert (HH) und Matthias Blübaum (NRW)) haben alle bereits über DWZ 2000. Dahinter lauern weitere Überflieger und eine Entscheidung fällt sicher erst ziemlich spät und vielleicht sogar überraschend. Die Mädchen im Feld werden das Kunststück von Filiz aus 2008 mit dem Doppeltitel vermutlich nicht wiederholen können. Sonja Maria Bluhm (HES), Andrea Srokovskiy (BAD) und Nicole Manusina (NDS) sind hier vorn dabei.

U10
Prognosen sind äußerst schwer. Tagesform, Durchhaltevermögen und ein bisschen Glück sind hier ausschlaggebend.


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