Dr. Emanuel Lasker auch formal rehabilitiert

von Rolf-Dietrich Beran
15.07.2026 – IM März 1940 entzog die Universität Erlangen Dr. Emanuel Lasker auf Anweisung des Reichswissenschaftsministeriums die Doktorwürde. Formal rechtlich wurden die Depromotionen durch die nach 1945 erlassenen alliierten Kontrollratsgesetze von Anfang an als ungültig angesehen. In einem Festakt hat die Universität Nürnberg-Erlangen dies auch für die Depromotion von Emanuel Lasker noch einmal bekräftigt.

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Dr. Emanuel Lasker rehabilitiert

Vor einem Jahr wurde an dieser Stelle über die Depromotion Laskers durch die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen (FAU) in der Zeit des NS-Regimes berichtet.

https://de.chessbase.com/post/emanuel-lasker-depromoviert-aber-noch-nicht-rehabilitiert

Daraufhin entstanden mehrere voneinander unabhängige Initiativen, die sich an die FAU mit der Bitte wandten, den akademischen Status Laskers noch einmal zu prüfen. Neben der Emanuel-Lasker-Gesellschaft auch eine Gruppe von Privatpersonen aus dem akademischen Bereich sowie Einzelpersonen.

Bekanntmachung der Universität über den Entzug der Doktorwürde von Dr. rer. pol. Julie Meyer, 12. März 1940 (Universitätsarchiv Erlangen-Nürnberg A1/3a Nr. 946f). Foto: Universität Nürnberg-Erlangen

Weitere Dokumente hier:

Aberkennung der Doktorwürde an der Universität Erlangen in der Zeit des Nationalsozialismus... 

Formal rechtlich werden die Depromotionen durch die nach 1945 erlassenen alliierten Kontrollratsgesetze von Anfang an als ungültig angesehen. Einige deutsche Universitäten haben trotzdem mit Beschlüssen durch ihre akademischen Gremien noch einmal bekräftigt, dass die betroffenen Personen ihren Doktortitel niemals verloren haben.

Die FAU Erlangen-Nürnberg integrierte in ihre jährliche Promoviertenfeier am 11. Juli 2026 in einem Programmpunkt das Gedenken an die politisch motivierten Depromotionen der NS-Zeit. Der Präsident Prof. Hornegger wies u.a. in seiner Rede besonders auf die persönlichen Konsequenzen der Depromotionen hin. Dies wurde in einem von der FAU produzierten kurzen Film am Beispiel des Schachweltmeisters Emanuel Lasker noch einmal verdeutlicht.

Prof. Hornegger zitierte aus dem Rehabilitationsbeschluss der FAU, der von den Fakultätsräten und dem Senat im April und Mai 2026 verabschiedet worden war. Darin wird der Entzug der Doktorgrade aus ideologisch motivierten Gründen nach freiheitlich-demokratischer Rechtsauffassung von Anfang an als nichtig und somit unwirksam angesehen. Eine Liste von Personen (u.a. auch Dr. Emanuel Lasker) ist dem Beschluss beigefügt.

Die wegen dieses Programmpunktes angereisten Personen hatten anschließend bei einer Führung durch den Archivar der FAU, Dr. Wachter, die Möglichkeit, einige Stationen Laskers in Erlangen kennenzulernen.

(von links): Prof. Ullrich - Koblenz, Herr Beran - Berlin, Prof. Sieg - Marburg, Herr Thorn - Präsident Schachbund Bayern, Dr. Wachter - Archivar FAU, Frau Flores Bernholz - Schach-Journalistin und freie Autorin (Offenes Fenster) mit Begleitung, Herr Weischede - Lasker-Gesellschaft Berlin, Frau Schalkhäuser (Offenes Fenster), Prof. Rott - Regensburg, Frau Prof. Haverkamp-Rott - LMU München, Frau Rosenthal, Prof. Rosenthal - Zürich.

Dr. Wachter führte dann die Gruppe (s. Foto) durch Erlangen: vorbei an zwei Wohnadressen von Max Noether (Doktorvater Laskers), am Hotel Kaiserhof – wo Lasker während des Promotionsverfahrens wohnte – bis zur alten Universitätsbibliothek. Hier gab es die Möglichkeit, das Promotionsbuch der Fakultät, die Promotionsakte und die Entzugsakte einzusehen. Dr. Wachter fügte dann unter Beifall der Anwesenden der Akte den Rehabilitationsbeschluss bei.

(Der Film, der Rehabilitationsbeschluss und weitere Fotos sind ab der Folgewoche auf der Webseite der FAU abzurufen.)

Auf dieser DVD zeigen unsere Autoren alle Facetten des Spiels von Emanuel Lasker, der von 1884 bis 1921 Weltmeister war, länger als jeder andere vor oder nach ihm: Eröffnungen, Strategie, Taktik und Endspiele!

Bericht zur Rehabilitierung bei der Universitär Nürnberg-Erlangen...


Geb. 1949 in Güstrow. Schach spielen erlernt im Alter von 12 Jahren. Nach sechs Jahren die Erkenntnis, dass ich wohl nicht Schachweltmeister werden kann. Deshalb Konzentration auf ein Chemiestudium. Berufliche Tätigkeit im Bereich Umweltschutz, Schach nur gelegentlich in der Freizeit. Erst seit 2005 wieder Mitglied in einem Schachverein (Rot-Weiß Neuenhagen, Randgebiet von Berlin) und Teilnahme an Mannschaftswettkämpfen.Gründungsmitglied der Christian-Morgenstern-Gesellschaft
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