Drei Turniere mehr

26.06.2002 – Nach anstrengenden Fußballfernsehstunden haben viele in den letzten Tagen Lust gehabt, die steigende Anspannung durch ein munteres Schachturnier auszugleichen. Manche wollten sich vielleicht einfach mal abreagieren, zum Beispiel, weil die eigene Mannschaft schon raus geflogen ist. Drei Turniere sind seit Freitag auf dem Fritz-Server schon wieder über die Bühne gegangen. Beim Montagsturnier gab es mit 82 Anmeldungen einen neuen Teilnahmerekord. Offenbar machen die Turniere den Teilnehmern viel Spaß. Alle Teilnehmer sind sehr diszipliniert und sehen über auftretende technische Probleme gnädig hinweg. Lob gebührt aber auch der souveränen Arbeit von Turnierleiter Martin Fischer, der nicht nur alles im Griff hat, sondern auch zu jedem Turnier einen farbigen Bericht abliefert und oft auch noch die schachlichen Höhepunkte kommentiert. Der neue Fischerreport...

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Dienstag, den 25.Juni 2002

Bulletturnier – Tobias Jugelt verteidigt seine führende Position

Im gestrigen Bulletturnier konnte der Delmenhorster Tobias Jugelt, der schon in den vorhergehenden Bulletturnieren immer eine führende Rolle gespielt hat, erneut sein überlegenes Können in dieser Disziplin unter Beweis stellen. Erstmalig wurde das Turnier im Schweizer System ausgetragen. Gespielt wurden 19 Runden, aber angesichts der guten Resonanz werden wir in Zukunft die Rundenzahl geringfügig erhöhen.

Das Turnier war zunächst ein Vierkampf zwischen tobyj1, Tabamsey, Bullmover und Inokione. In den Partien untereinander erzielte zwar Inokione mit 2,5/3 das beste Resultat, aber musste über 3,5 Punkte gegen Spieler, welche mit die Kampf um den Sieg nichts zu tun hatten, quittieren, so dass es am Ende nicht zu dem Platz an der Sonne reichte. Tobias Jugelt verlor nur gegen Inikione, konnte den Rest der Partien für sich entscheiden und landete damit 0,5 Zähler vor Tabamsey, der nur gegen die beiden vorgenannten ein Zugeständnis machen musste.

Insgesamt waren 46 Spieler am Start. Die Software hielt den Anforderungen statt, es gab lediglich einige Verbindungsprobleme mit den Spielern. An dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, dass es für die Spieler – und damit auch für die Turnierleiter – einfacher ist und weniger Probleme gibt, wenn man mit der jeweils neuesten Version gespielt wird.

Hier nun die Tabelle mit den Erstplatzierten:

01.

Tobyj1

18,0

02.

Tabamsey

17,5

03.

Bullmover

15,0

04.

Inokione

15,0

05.

Janus

14,0

06.

DesertWolf

14,0

07.

Rolo

11,5

08.

Elch

10,5

09.

Whocares

10,0

10.

Mikromurks

10,0

Vor weiteren 36 Teilnehmern.

Martin Fischer (nach Angaben von Rolf Luckow)

 

 

Montag 25. Juni 2002

Neue Rekordbeteiligung

Am Montag, dem 25. Juni 2002, wurde auf dem Fritz Server erneut ein neuer Rekord im Hinblick auf die Turnier-Beteiligung aufgestellt. Mit zweiundachtzig Teilnehmern konnte ich als Turnierleiter eine Teilnehmerzahl verbuchen, wie Sie es vorher hier noch nie gegeben hatte. Unglücklicherweise erwies sich diese Teilnehmerzahl als etwas zu groß für die Auflösung meines Bildschirm ist, sodass ich unmittelbar nach Turnierbeginn gezwungen war, die Auflösung meines Bildschirms zu verändern. Ansonsten hätte meine Bildschirm Größe, immerhin ein 19 Zoll Monitor, nicht ausgereicht, um die Turnierleiter-Maske anzuzeigen. Ich weiß nicht, ob dies der Grund für den späteren Absturz des Programms gewesen ist, der einen kompletten Neustart des Turniers notwendig machte.

Der bereits erwähnte Absturz des Programms führte dazu, dass das Turnier komplett neu gestartet werden musste. Auch zu diesem Neustart konnte ich 82 Teilnehmer begrüßen. Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, allen Teilnehmern für Ihre Geduld und ihr Durchhalte-Vermögen, auch im späteren Verlauf des Turniers, dass dann leider etwas länger dauerte als angekündigt, zu danken.

Wie nicht unüblich bei einem so großen Teilnehmer-Feld und einer nicht sonderlich hohen (neun) Rundenzahl, lag die Spitze während des Turniers eng beieinander. Bis zwei Runden vor Schluss konnten sich viele Teilnehmer, darunter auch alte Bekannte wie ZoranP und Bullmover,  Hoffnungen auf den Turniersieg machen. Mit Erfolgen in der vorletzten Runde konnten sich vor Beginn der vorletzten Runde konnten sich jedoch die beiden späteren Sieger, Kulio und larygit, vom Feld  absetzen. Vor der letzten Runde hatten sie beide einen Score von 7,0/8. Da beide im Laufe des Turniers noch nicht gegeneinander gespielt hatten sicherten sie sich mit einem kurzen Remis den gemeinsamen Turniersieg. Auf den Plätzen drei und vier landeten ZoranP und  Zeliviano mit jeweils 7,0/9.

Ich hoffe, dass wir unseren weiteren Turnieren, das nächste in unserer  Serie wird das Bullet-Turnier am heutigen Dienstag Abend, unmittelbar vor dem Training von GM Matthias Wahls sein, wieder zahlreiche Spieler begrüßen können. Und jetzt zum Abschluss noch etwas Schach:

Kulio (2484) - bundyboy (2320)

Wie immer, so muss man im Blitzschach etwas Glück haben. Aber man kann seinem Glück auf die Sprünge helfen, in dem man in schwierigen Situationen nach der Initiative greift und es so - gerade mit kurzer Bedenkzeit - dem Gegner schwer macht, kühlen Kopf zu behalten. Hier ein schönes Beispiel aus einer Partie eines der beiden Sieger. Als Weißer steht er hier problematisch, hat aber mit 14. c6 seinem Gegner eine schwere Nuss zu knacken gegeben. Wie sollte Schwarz jetzt antworten?

14...b4
[14...Dc8! wäre der richtige Zug gewesen. Er entschärft den möglichen Vorstoß c7, greift den Bc6 an und fesselt diesen auch noch. Nach 15.Sxb5 (15.c7 Lxa3) Dxc6 16.Sc7 Ta7 wäre eine schwierige Stellung entstanden mit offenem Ausgang. Der Textzug verliert eine Figur, die Weiß in der Folgezeit sicher verwertete.]
15.Sb5 bxa3 16.0-0 Se4 17.cxd7 +-1-0 (65)

 

larygit (2316) - Krausuwe (1914)

Ein alter Blitzspruch lautet "wer kombiniert - verliert". Nun gut, aber dies muss nicht immer gelten, insbesondere nicht, wenn man alte Bekannte anwenden kann. Mit welchem Klassiker konnte der spätere Sieger hier die Partie entscheiden?

13.Lxh7+ Kxh7 [13...Kh8 Wohl objektiv das kleinere Übel, aber Weiß hat dann einfach einen Bauern gewonnen und eine vielversprechende Angriffstellung.] 14.Sg5+ Kg8 15.Dh5 Lf6 [15...Lb4+ 16.Kd1 Te8 17.Dxf7+ Kh8 18.Dh5+ Kg8 19.Dh7+ Kf8 20.Dh8+ Ke7 21.Dxg7# Wie aus dem Lehrbuch!] 16.Dh7# 1-0

Martin Fischer


Freitag, 21.Juni 2002

ZoranP gewinnt zum Wochenende

Am Freitag gab es zum Wochenausklang wieder ein Blitzturnier, erneut im für die schachspielende Gemeinde vertrauten Schweizer System. Souveräner Sieger wurde unser jugoslawischer Schachfreund und alte Vertraute ZoranP, der mit 8/9 das Feld klar dominierte. Sein Erfolg wird noch deutlicher wenn man in Rechnung stellt, dass sein einziger Verlust (in guter Stellung) auf Probleme mit seiner Verbindung zurückzuführen war. Eine überzeugende Vorstellung eines der Favoriten. In der Spitze findet man neben einigen alten Bekannten auch den einen oder anderen Außenseiter.

1 zoranp 2420  8.0/9
2 Dagon 2447  7.5/9
3 elch 2188  6.5/9
4 Kobra 2431  6.0/9
5 Bullmover 2502  6.0/8
6 jbfo 1770  6.0/9
7 Pentium 2092  6.0/9
8 JongosBrongkos 2084  6.0/8
9 Patatov 2105  6.0/9
10 Olaf Heinrich 1726  6.0/9

Vor weiteren 46 Teilnehmern.

Das Turnier war mit 56 Teilnehmern gut besucht und die Disziplin der Teilnehmer, insbesondere das Durchhaltevermögen, war gut. Ein Blick auf die Tabelle zeigt allerdings die Besonderheit, dass zwei der Erstplatzierten nur acht, statt neun, Partien gespielt haben. Der Grund hierfür liegt wieder in Verbindungsproblemen, welche die Spieler hatten. Ich möchte dies zum Anlass nehmen auf einige grundsätzliche Dinge und Regeln für Turniere hinzuweisen.

Verbindungsprobleme gehören, wenn nicht gerade der Server als solcher betroffen ist, in den Verantwortungsbereich der Spieler. Erkennt der Server auf Gewinn wegen Verbindungsabbruch, so wird dies Ergebnis gewertet. Kann ein Spieler eine Partie nicht starten und schlagen die Versuche zum Neustart einer Partie fehl, so wird der Turnierleiter auf Verlust für den Spieler entscheiden, der die Verbindung nicht herstellen kann. Bei einer schlechten Verbindung sollte daher versucht werden, die Verbindung zu unterbrechen (möglichst in einer Spielpause), schnell wieder einzuloggen und zum Beginn der nächsten Runde – mit dann hoffentlich besserer Verbindung – wieder  dazu sein.

Sollte die Partie nicht zügig nach Rundenbeginn starten, so ist sofort der Turnierleiter (via Chat) zu informieren. Seinen Anweisungen ist Folge zu leisten. In der Regel wird er beide Spieler bitten ihre Partiefenster zu schließen damit ein schneller Neustart erfolgen kann.

Bei der Kommunikation mit dem Turnierleiter – gerade zu Beginn einer Runde – wird im übrigen um etwas Geduld gebeten. Der Turnierleiter kann immer nur eine Partie zur gleichen Zeit verarzten und so kann es sein, dass eine Antwort schon mal ein Momenterl dauern kann.

Und nun, zum Abschluss dieser Zeilen, noch etwas Unterhaltungsschach. Nicht unbedingt hochwertig oder gar Prädikatverdächtig, aber es wurde schließlich geblitzt.

Ein besonderer Reiz an Blitzturnieren ist immer, dass hier der schwächere Spieler - im Verhältnis zu einer Turnierpartie -überproportional gute Chancen hat, dem vermeintlichen Goliath ein Bein zu stellen. Heute will ich zwei dieser David gegen Goliath-Duelle vom vergangenen Freitag betrachten. Bereits jetzt möchte ich die Goliaths um Vergebung bitten, dass das Schicksal der öffentlichen Darbietung ausgerechnet sie traf. Ich hoffe jedoch, dass ich bald in der Lage sein werde, gelungene Partien von euch zu präsentieren.

Beginnen wollen wir mit der Partie eines der ersten Turniersieger auf dem Fritz-Server gegen eine wohl eher unbekannte Groesse. Bis hierher hatte die Partien ihren ordnungsgemäßen Verlauf genommen und Schwarz ist bereits überspielt. Weiß, der Goliath, muss nun noch den Sack zumachen. Mit welch unspektakulärem Zug sollte dies geschehen?

 

MichRum (2116) - Olaf Heinrich (1726)

Weiß am Zug

22.Dh5? Direkt gespielt, aber wir sind hier nicht beim Fußball. Ein kleiner Schnörkel mit 22.g3 hätte Schwarz in eine unangenehme Situation gebracht: [ 22.g3 Lc6+ ( 22...Lg5 23.Dxe5+ f6 24.Dc5+-) 23.Kh2 Tg7 24.c4 Tag8 25.Tg1 f6 26.c5 Dd8 27.Le4] 22...Tg7 23.De2 Angesichts des Bedenkzeitverbrauchs von 36 Sekunden wohl schon missmutig gespielt. 23...Tag8 24.Le4 f5 25.g3 Lxg3 Mutig gespielt, allerdings wäre 25. - Lc6 wohl noch besser gewesen. 26.fxg3 Txg3 27.Lxf5?? Selbstmord. Nach 27.Kh2 hätte der Patient möglicherweise noch gerettet werden können. Ist ja schließlich eine Blitzpartie. 27...exf5 Das ist nur ein einfacher Gewinn, 27. - Lc6+ waere forciert matt gewesen. 28.Dxe5+ T8g7 29.Tg1 Txh3+ 30.Dh2 Txh2+ 31.Kxh2 Df2+ 0-1

 

 

captain kirk (2205) - Sina (1697)

 Weiß am Zug

 

Und hier hatte der Goliath in der frühen Phase der Partie bereits eine Qualität gewonnen und der Rest erschien nur noch eine Sache der Technik. Irgendwie hatte er dann jedoch den Faden verloren und trudelte nun bereits etwas im "Orbit", als es zu diesem Schach kam. Wie muss Weiß nun reagieren?

 

37.Kh4?? Der typische Goliath-Missgriff. Er will unbedingt gewinnen, koste es, was es wolle. Selbst der Koenig wird für einen Gewinnversuch „geopfert". Man hätte sich hier wohl doch mit 37. Df4 begnügen sollen, was nach 37. - Sf1+ 38.Kg4 Sh2+ zur Punkteteilung geführt hätte. 37...g5+ 38.Kh5 Df7# Sch ... Taktik 0-1

Martin Fischer (nach Angaben von Stephan Dieckerhoff)

 

 

 

 

 


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