Dresdner Bilderbogen (2)

15.04.2007 – Die Männereuropameisterschaft nahm heute eine dramatische Wende, denn Volokitin verlor gegen Jakovenko. Insgesamt sieben Spieler werden morgen im Stichkampf den Europameister ausspielen. Fast wäre Arkadij Naiditsch dabei gewesen, doch er konnte seine gute Partie nicht zum Gewinn führen. Jan Gustafsson sicherte sich indes mit einem Remis die Qualifikation für den Worldcup in Khanty-Mansysk. Auch Ketino Kachiani-Gersinska qualifizierte sich für die nächste WM. Der Deutsche Schachbund freut sich außerdem über GM-Normen bei Falko Bindrich, Georg Meier und Frank Holzke. Falko Bindrich wird mit 16 Jahren jüngster deutscher Großmeister aller Zeiten sein. Bei den Frauen spielte die vorzeitige Gewinnerin Tatiana Kosintseva trotz ihres Titelgewinns heute noch eine lange Partie. Auch der vorletzte Turniertag lieferte viele Bilder. Mehr...

ChessBase 14 Download ChessBase 14 Download

ChessBase 14 ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan.

Mehr...

Deutsche Erfolge in Dresden
Von André Schulz

Die heutige letzte Runde bei der Europameisterschaft bot noch einiges an Spannung und Dramatik und brachte dem Deutschen Schachbund und seinen Spielern eine Reihe von schönen Erfolgen. Zuerst eines der dramatischsten Ereignisse: Der lange Zeit mit einem halben Punkt Vorsprung führende Andrej Volokitin verlor heute gegen Dmitry Jakovenko und büßte damit seine Hoffnungen auf den Titel ein.


Spitzenpartie


Dmitry Jakovenko


Pechvogel Andrej Volokitin

Jakovenko überholte den bisherigen Spitzenreiter ebenso wie Vladimir Tkachiev, Ivan Cheparinov, Emil Sutovsky, Konstantin Sakaev, Dusko Pavasovic und Artem Iljin. Morgen werden die Medaillenränge in Stichkämpfen ermittelt.

Auch Arkadij Naiditsch hätte fast noch in den Kampf um den Titel eingegriffen. In seiner Partie gegen Kurnosov schien er Gewinnmöglichkeiten zu haben, doch schließlich reichte es nur zum Remis. Seine 7,5 Punkte sind dennoch eine schöne Leistung, besonders, da die deutsche Nummer Eins sich nach zwei Niederlagen wieder nach oben gekämpft hatte.

Auf die gleiche Punktzahl wie Naiditsch kam Jan Gustafsson, dem heute gegen Sergey Tiviakov ein schnellen Remis gelang. Die offizielle Partie dauerte nur 9 Zügen, aber als die beiden sich im Café trafen, wurde sie fortgesetzt.


Tiviakov und Gustafsson

Für den Hamburger bedeutet dies Sibirien, denn die 29 besten Spieler qualifizieren sich für den Worldcup in Khanty-Mansyisk, der nach heutigen Regeln, die Vorstufe zur WM ist. Natürlich kann das in ein paar Monaten schon anders sein, denn die FIDE ist bekanntlich sehr agil im Verfassen von Regeln.

Der Hamburger Mannschaftskollege von Gustafsson Lubomir Ftacnik verlor heute gegen Konstantin Sakaev und ist damit aus den Qualifikationsrängen gerutscht. Einige weitere Hamburger waren am Start, darunter Niclas Huschenbeth mit seinem Trainer Wolfgang Pajeken.


Niclas Huschenbeth, das Bild seines Trainers Wolfgang Pajeken fiel leider der missglückten Schärfeeinstellung zum Opfer

Bundestrainer Uwe Bönsch betreute die Nationalteams und verfolgte die Erfolge bzw, Misserfolge live im Turniersaal.


Uwe Bönsch (li.)

In seinen Gedanken ist der Hallenser schon bei der Schacholympiade 2008, wo der Deutsche Schachbund als Gastgeber mindestens vier Teams, je zwei im Männer- und Frauenturnier stellen darf. Besonders freute er sich über die GM-Doppelnorm von Falko Bindrich. Da der 16-jährige schon in der Bundesliga eine Norm machte, wird er nun zum jüngsten deutschen Großmeister aller Zeiten. Auch Jung-Nationalspieler Georg Meier erreichte eine GM-Norm.


Georg Meier


Alexander Graf


Rainer Buhmann


Tschechiens Nachwuchsstar Viktor Laznicka machte 7,5 P.


Sergei Movsesian


Sergey Volkov


Starautor Dorian Rogozenko

Mit 5 Punkten kam Dorian Rogozenko auf Platz 244. Bei diesem Feld bedeutet das einen Mittelplatz.


Alexander Beliavsky


Vladimir Chuchelov


Francisco Vallejo-Pons


Alexey Dreev

Während das Männerturnier erst morgen entschieden wird, war die Europameisterin der Frauen schon gestern bekannt. Da machte Tatiana Kosintseeva ihren entscheidenden Punkt und war schon nicht mehr einzuholen. Heute hätte sie sich auf die faule Haut legen können. Stattdessen besiegte sie in einer langen Partie Maia Lomineishvili. Der Grund war keineswegs eine Animosität gegen die Georgierin. Die Europameisterin spielte für ihre Schwester Nadezhda und beseitigte eine der Kandidatinnen für Platz Zwei in den morgigen Stichkämpfen.


Tatiana Kosintseva

Durch Tatianas Sieg hat Schwester Nadeshda es morgen nur mit zwei Spielerinnen im Kampf um Platz zwei zu tun, nämlich Antoaneta Stefanova und Hoang Thanh Trang.

Für den Bundestrainer erfreulich gewann Ketino Kachiani-Gersinska ihre heutige Partie und ist damit in den Stichkämpfen für die WM-Qualifikation. Auch Vera Jürgens kam zu einem Sieg, während Jessica Nill leider verlor.


Vera Jürgens


Jessica Nill



Melanie Ohme


Anna Rudolph (GER)

Die 5 Punkte, die Anna Rudolph am Ende auf dem Konto hatte, hatte sie schon drei Runden vor Schluss eingesammelt. Doch dann verlor die Schwester von Alexander Onischuk dreimal in Folge. Ihre Namensvetterin Anna Rudolf machte 1,5 Punkte mehr und ist Ungarin.


Marta Michna

Marta Michna wäre nach Erhalt der deutschen Staatsbürgerschaft ebenfalls für Deutschland spielberechtigt


Elena Winkelmann


Die Berlinerin Brigitte von Herman


Ingrid Lauterbach spielt für England


Corinne Roelli aus der Schweiz


Regina Pokorna (Slowakei)



Carmen Voicu


Anna Sharevich


Natalia Pogonina aus Saratov (RUS)


Svetlana Cherednichenko

Natalia Vovonkina (ISR)

Vor der Runde überreichte Dresdens Bürgermeister Winfried Lehmann einen Schönheitspreis an Andrea Hafenstein. Die Plauenerin hat ihr schweres persönliches Schicksal in einem Buch verarbeitet (www.andrea-hafenstein.de).

Die obige Anzahl Bilder ist groß, aber im Vergleich zur Anzahl der Personen, die an diesem Turnier beteiligt sind gering. Neben den 550 Spielern gibt es zahlreiche Organisatoren, Helfer und bekannte Besucher.



Klaus Bischoff unterhielt das Publikum mit schlauen Kommentaren zu den laufenden Partien und entpuppte sich als virtuoser Computeranwender. Einige Bundesligavertreter wurden ebenfalls gesichtet, denn der Bundesligaausschuss hatte sich hier zu einer Sitzung getroffen.


Sven Noppes (Baden-Baden)


Schwer zu erkennen: Christian Zickelbein ohne roten Pullover

Das Turnier zog natürlich auch viele Schachfreunde von der Straße und aus der Umgebung an.


Rainer Knaak mit Adrian Mihalschischin...


...und jetzt mit Anna Srebenic alias "Lady Malshun"

Außerdem gibt es Stammpersonal eines jeden Turniers wie Yuri Vasiliev, vom russischen Sportexpress.

Das allein sind Bilder, die nur das Turniers bieten. Aber auch die Stadt ist voller Bilder.Einige Tausend bietet die Gemäldegalerie im Zwinger.



Das obige Bild zeigt nicht Dresden, auch nicht so, wie es früher einmal aussah, sondern ist eines der zahlreichen Gemälde, die im Zwinger zu sehen sind.



Leider muss man aber feststellen, dass die Maler des 15. und 16.Jh. nicht davor zurück schrecken, selbst religiösen Themen dafür zu nutzen, um mehr oder minder unbekleidete Weiblichkeit zur Schau zu stellen.

So heißt das folgende Bild...

.. musizierende Frauen. Aber es scheint doch dem Maler hier weniger um Malerei und schon gar nicht um Musik zu gehen.

Sehr viel ernsthafter sind die Bilder von Otto Dix aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, die in einer Sonderausstellung zu sehen sind:


Bildnis einer Frau im braunen Mantel (Otto Dix)

Besonders eindrucksvoll ist das Triptychon "Krieg", das seine Erlebnisse des Ersten Weltkrieges verarbeitet.

Gegenüber der Gemäldegalerie ist die Rüstkammer untergebracht, in der zahlreiche Werkzeuge ausgestellt sind, die wenig wohlwollende Absichten ihrer Besitzer offenbaren.


Heavy Metal



Der gezeigte Bogen ist türkische Bauart und zeugt von frühen Versuchen des Orients mit dem Okzident zum Kulturaustausch zu kommen. Die Türken schickten ihre Grüße per Holzkurier, wurden aber von den Empfängern, so sie noch dazu in der Lage war, meist missverstanden. Heute hilft der türkische Schachverband den Dresdnern bei der Übertragung der Partien. So haben sich die Zeiten geändert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren