Während die deutschen Top- und auch die Nachwuchsspieler durchgehend für positive Nachrichten sorgen, ist das auf der Verwaltungsebene des Deutschen Schachs nicht der Fall. Die Spitzenfunktionäre des Deutschen Schachbundes beschäftigen sich weiterhin vor allem mit sich selber geben für die breite Öffentlichkeit und die deutschen Schachfreunde kein gutes Bild ab.
Die Streitigkeiten zwischen den Landesverbänden und dem Präsidium gingen jüngst in eine neue Runde. Da alle Schachfreunde die Zeit haben, sich in die Vorgänge im Einzelnenn einzulesen, hier ein Überblick in die Ereignisse der letzten Monate und die neueste Entwicklung:
Wiederwahl von Ingrid Lauterbach als DSB Präsidentin
Auf dem letzten Bundeskongress am 31. Mai/ 1. Juni 2025 wurde DSB-Präsidenten Ingrid Lauterbach als DSB-Präsidentin wiedergewählt, allerdings nur mit einem denkbar knappem Vorsprung in einer Kampfabstimmung gegen Paul Meyer-Dunker. Schon damals gab es im Vorfeld des Kongresses Kritik am Führungsstil der Präsidentin, den viele Funktionäre als unpassend für einen Sportverband hielten. Ingrid Lauterbach wurde zudem schlechte Kommunikation und Alleingänge bei diversen Entscheidungen vorgeworfen.
Hitzige Diskussion im Hauptausschuss
Im Herbst letzten Jahres sorgte dann unter anderem die Diskussion um die Behandlung von Transgenderpersonen bei offiziellen deutschen Schach-Meisterschaften, vor allem aber die Personalpolitik und hier im Besonderen die Art und Weise der der Entlassung von Anja Gering als Geschäftsführerin des Deutschen Schachbundes nach 19 Jahren Mitarbeit in verschiedenen Funktionen in der Geschäftsstelle des DSB für viel Diskussionsstoff und reichlich Unruhe im Bundesverband.
Beim Hauptausschuss des Bundesverbandes in Hofgeismar am 4. Oktober 20025 stießen die unterschiedlichen Auffassungen über Inhalt und Stil in der Verbandsführung aufeinander. Nach einer hitzigen Diskussion fanden sich fünf Landesverbände - Bayern, Brandenburg, Thüringen, Berlin und Niedersachsen, die einen Antrag auf Abwahl des Präsidiums stellten. Das Präsidium sollte nun gemäß der Satzung einen Termin für einen außerordentlichen Bundeskongress festlegen, der spätestens vier Monate nach dem Antrag stattzufinden hatte. Auf dem Außerordentlichen Kongress sollte dann ein neues Präsidium gewählt werden.
https://de.chessbase.com/post/der-deutsche-schachbund-kommt-nicht-zur-ruhe...
Die "Berliner Erklärung"
Auf Vermittlung von Thomas Weischede, dem Vorsitzenden der Emanuel Lasker Gesellschaft, trafen sich Vertreter des Präsidiums und der beteiligten Landesverbände in Berlin und verständigten sich auf einen weniger lauten Rückzug des Präsidiums, um dem Ansehen des Deutschen Schachbundes nicht noch mehr zu schaden.
Am 27. November gab das Präsidium des Deutschen Schachbundes auf der DSB-Seite dann folgende Erklärung ab:
Kein außerordentlicher Bundeskongress - Ingrid Lauterbach gibt ihr Amt ab.
Einigung in Berlin - im August wird ein neuer Präsident oder eine neue Präsidentin gewählt
Die Einigung fand in Berlin statt. Ingo Thorn, Präsident des Bayerischen Schachbundes, Michael S. Langer, der Präsident des Niedersächsischen Schachverbandes und Paul Meyer-Dunker, der Präsident des Berliner Schachverbandes, trafen sich mit Ingrid Lauterbach, der Präsidentin des Deutschen Schachbundes und dem DSB-Vizepräsidenten Finanzen, Alexander von Gleich. Nun ist klar: Es wird keinen außerordentlichen Bundeskongress Anfang Februar geben – sondern erst im August. Und Ingrid Lauterbach wird dann ihr Amt als Präsidentin abgeben.
Die Erklärung im Wortlaut
Seit Mitte Oktober liegt ein Antrag auf einen außerordentlichen Bundeskongress mit dem Ziel der Abwahl des Präsidiums vor – unterzeichnet von den Landesverbänden Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Bayern, Thüringen und Schleswig-Holstein. Die Lage hätte zur Zerreißprobe für den DSB werden können – nun haben beide Parteien bewiesen, dass sie weiterhin miteinander kommunizieren und zum Wohle des deutschen Schachsports agieren können. Im Mai 2026 trifft man sich dann turnusmäßig zum Hauptausschuss.
In Berlin hat das Präsidium des Deutschen Schachbundes, vertreten durch Lauterbach und von Gleich, mit den Antragstellern eine gemeinsame Erklärung erarbeitet. Darin heißt es im Wortlaut:
Das Präsidium des DSB verpflichtet sich, bis spätestens Mitte August 2026 einen außerordentlichen Bundeskongress durchzuführen, der als Tagesordnungspunkt insbesondere eine Wahl des Präsidentenamtes beim DSB ab Abschluss dieses Bundeskongresses beinhaltet. Ingrid Lauterbach erklärt, dass sie ihr Amt als Präsidentin des DSB mit Durchführung dieses außerordentlichen Bundeskongresses spätestens Mitte August 2026 aus freien Stücken zur Verfügung stellt und nicht erneut zur Wahl für ein Vorstandsamt im DSB antreten wird, sondern sich künftig auf die Vertretung des DSB beim Weltschachverband FIDE und der Europäischen Schachunion (ECU) in Abstimmung mit dem künftigen Präsidium des DSB konzentrieren wird.
Das Präsidium des DSB und die drei Landesverbände begrüßen und unterstützten diese Entscheidung. Das Präsidium sagt zu, bereits jetzt im Vorgriff auf eine mögliche Wahl von Ingrid Lauterbach in den Vorstand der ECU in zeitlicher Nähe zu diesem außerordentlichen Bundeskongress sicherzustellen, dass sie unabhängig davon diese internationale Vertretung des DSB nach den Vorgaben der Satzung des DSB auch künftig nach diesem außerordentlichen Bundeskongress ausüben kann.
Die drei Landesverbände erklären, dass sich vor diesem Hintergrund die Anträge auf Durchführung eines außerordentlichen Bundeskongresses im Februar 2026 erledigt haben und an diesen Anträgen nicht länger festgehalten wird. Damit hat sich aus Sicht aller oben erwähnten Beteiligten dieser Bundeskongress erledigt, weil damit nachträglich das entsprechende Quorum entfallen ist. |
Rücktritt von Alexander von Gleich als Vizepräsident Finanzen
Das Präsidium arbeitete nun weiter an verschiedenen Projekten, doch schon bald krachte es erneut im Gebälk. Diesmal ging der Riss mitten durchs Präsidium.
Am 17. Februar erklärte Alexander von Gleich, Vizepräsident Finanzen, seinen baldigen Rücktritt von seinem Amt. Der Hamburger Finanzexperte begründete seinen Rückzug mit unterschiedlichen Auffassungen im Präsidium über die Finanzierung von Projekten sowei mit der der Arbeitsweise und der Kommunikation im Präsidium.
Zu den Streitpunkten gehörten unter anderem die nah beieinander liegenden Termine zur Durchführung eines Hauptausschusses und eines Außerordentlichen Wahlkongresse, zwei kostenintensive Veranstaltungen. Von Gleich war für eine Zusammenlegung der Termine, um den Etat des Verbandes nicht zusätzlich zu belasten. Nach seiner Auffassung war auch die Finanzierung des Meisterschaftsgipfels 2026 in Dresden nicht seriös, da mit einem Defizit verbunden.
Alexander von Gleichs Rücktrittserklärung:
|
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Präsidiums, sehr geehrte Vorsitzende der Landesverbände, sehr geehrte Kassenprüferinnen und Kassenprüfer,
das Amt des Vizepräsidenten Finanzen des Deutschen Schachbundes e. V. habe ich seit meinem Antritt im Oktober 2024 mit großem Engagement, Freude und Verantwortungsbewusstsein ausgeübt – und dies trotz meiner erheblichen beruflichen Verpflichtungen in Deutschland sowie in den Ländern des Kaukasus und Zentralasiens.
In den vergangenen Monaten haben sich bedauerlicherweise unterschiedliche Auffassungen über Sachfragen, Arbeitsweise und Kommunikation im Präsidium gehäuft. Auch im Hinblick auf die aktuelle Termin- und Gremienplanung bestehen unterschiedliche Einschätzungen. Vor diesem Hintergrund kann ich die Entscheidung zur Durchführung eines Hauptausschusses im Mai – bei gleichzeitig vorgesehener Durchführung eines außerordentlichen Bundeskongresses in diesem Jahr – persönlich nicht vollständig nachvollziehen und sehe mich daher nicht in der Lage, diesen Weg mitzutragen.
Hiermit erkläre ich nach reiflicher Überlegung meinen Rücktritt vom Amt des Vizepräsidenten Finanzen mit Wirkung zum Abschluss der laufenden Kassenprüfung, voraussichtlich Ende März. Bis dahin werde ich eine geordnete Übergabe im Finanzressort sicherstellen und stehe für den Abschluss der Kassenprüfung selbstverständlich zur Verfügung.
Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen für die Zusammenarbeit und das mir entgegengebrachte Vertrauen und wünsche dem Deutschen Schachbund e. V. für die Zukunft weiterhin eine positive und erfolgreiche Entwicklung. |
Antrag auf Außerordentlichen Bundeskongress, so bald wie möglich
Der Rücktritt von Alexander von Gleich, der in den Landesverbänden großen Rückhalt genoss, verbesserte das Vertrauen der Landesverbände in die Arbeit des Rest-Präsidiums nicht. Fünf Verbände, die laut Satzung notwendige Anzahl, stellten nun einen Antrag auf Durchführung eines Außerordentlichen Bundeskongresses noch vor dem in der "Berliner Erklärung" (s.o.) angedachten Termin - die Absichtserklärung war "bis Mitte August". Die Verbände wünschten einen Kongress nun möglichst noch im Mai 2026. Begründet wurde dies mit den hohen Kosten für zwei große Verbandsmeetings, Hauptausschuss ohne Wahlmöglichkeit im Mai und Bundeskongress vielleicht im August, in kurzem Abstand. Hinter dem Antrag stand aber sicher auch die Absicht, das amtierende Präsidium möglichst schnell abzuwählen.
Am 19. Februar informierte der DSB auf seiner Facebooks-Seite über den Antrag der fünf Landesverbände auf schnellstmögliche Durchführung eines Außerordentlichen Bundeskongresses.
Nun doch früher? Antrag auf außerordentlichen Bundeskongress.
Die Landesverbände Baden, Berlin, Hamburg, Schleswig-Holstein und der Fernschachbund argumentieren: Hauptausschuss und Bundeskongress in einem Jahr sind zu kostenintensiv. Ende November hatten sich Ingo Thorn, Präsident des Bayerischen Schachbundes, Michael S. Langer, der Präsident des Niedersächsischen Schachverbandes und Paul Meyer-Dunker, der Präsident des Berliner Schachverbandes mit dem Präsidium des Schachbundes, vertreten durch Alexander von Gleich und Ingrid Lauterbach, auf eine Kompromisslösung verständigt. Geplant war demnach, einen DSB-Hauptausschuss im Mai und einen Bundeskongress im August (nach dem Schachgipfel in Dresden im Juli) auszurichten. Eine geordnete Amtsabgabe von Präsidentin Ingrid Lauterbach und Neuwahlen für den Kongress waren schriftlich festgehalten worden. Nun gibt es eine neue Sachlage. Fünf Antragsteller wollen aus der für den 16. Mai in Frankfurt am Main turnusmässig angesetzten Hauptausschuss-Sitzung einen Bundeskongress machen.
Der Antrag an das Präsidium des Deutschen Schachbundes wurde von Jürgen Gersinska, Vizepräsident des Badischen Schachverbandes, Dirk Martens, Präsident des Schachverbands Schleswig-Holstein, Klaus-Jürgen Herlan, Vorsitzender des Hamburger Schachverbandes, Manfred Scheiba, Präsident des Deutschen Fernschachbundes und dem Berliner Verbandschef Paul Meyer-Dunker gestellt.
Begründet wird dieser von den Antragstellern in erster Linie mit finanziellen Gründen. Im Antrag heißt es, man halte "die getrennte Durchführung eines Hauptausschusses am 16. Mai sowie einen zusätzlichen außerordentlichen Bundeskongress wenige Wochen später für inneffektiv, kostenintensiv und organisatorisch nicht sachgerecht. Insbesondere angesichts der Vielzahl bedeutender nationaler und internationaler Veranstaltungen in den Jahren 2026 und 2027 (u.a. Kandidatenturnier, Olympiade, Schachgipfel, 150-Jahr.Jubiläum des Deutschen Schachbundes) sollten die finanziellen und personellen Ressourcen des Verbandes gezielt und verantwortungsvoll eingesetzt werden.“ Eine Argumentation, die auch Alexander von Gleich im Rahmen seines angekündigten Rücktritts gewählt hatte.
Das Präsidium werde deshalb aufgefordert, den 16. Mai für diesen Bundeskongress zu nutzen „oder einen anderen Termin zeitnah für einen außerordentlichen Bundeskongress vorzuschlagen“.
Das DSB-Präsidium teilte als Reaktion darauf mit, man werde diesen Antrag "nun in Ruhe prüfen und die verschiedenen Optionen im Sinne des Deutschen Schachbundes bewerten". Auch im Hinblick auf organisatorische Herausforderungen. So sind unter anderem aktuell nur Räumlichkeiten für rund 35 Hauptausschuss-Teilnehmer angemietet, benötigt würden bei einem Bundeskongress aber Kapazitäten für rund 100 Delegierte. |
Zurückweisung des Antrags aus formaljuristischen Gründen
DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach legte nun den Antrag der fünf Landesverbände dem Bundesrechtsberater Thoms Strobl zur Prüfung vor. Thomas Strobl folgte dem Wunsch und kam zu dem Urteil das der Antrag in dieser Form nicht zulässig sei.
In seiner Begründung gibt der Bundesrechtsberater an, die Antragsteller hätten einen Antrag für einen Außerordentlichen Bundeskongress zu einem bestimmten Termin gestellt. Dazu seien sie aber nicht berechtigt, da der Bundeskongress nur von der Präsidentin einberufen werden kann.
Im zweiten Teil seiner Begründung schreibt der Bundesrechtsberater Thomas Strobl, dass ein Antrag auf einen Außerordentlichen Kongress laut Satzung nur dann gestellt werden dürfe, wenn in den kommenden sechs Monaten nicht schon ein Bundeskongress vorgesehen sei. Ein Kongress sei aber ja schon für August vorgesehen gewesen.
Am vergangenen Mittwoch (4. März) ließ Ingrid Lauterbach folgende Meldung auf der DSB-Webseite veröffentlichen:
|
Kein außerordentlicher Bundeskongress im Mai
Präsidentin Ingrid Lauterbach: "Dieser Antrag ist zu diesem Zeitpunkt und in der Form nicht zulässig."
Vor zwei Wochen hatten Jürgen Gersinska, Vizepräsident des Badischen Schachverbandes, Dirk Martens, Präsident des Schachverbands Schleswig-Holstein, Klaus-Jürgen Herlan, Vorsitzender des Hamburger Schachverbandes, Manfred Scheiba, Präsident des Deutschen Fernschachbundes und der Präsident des Berliner Schachverbandes, Paul Meyer-Dunker, einen Antrag auf Ausrichtung eines außerordentlichen Bundeskongresses im Mai gestellt. Den Antrag hat das Präsidium nun zurückgewiesen. Es bleibt dabei, dass im Mai erst einmal, wie geplant, eine Hauptausschuss-Sitzung stattfindet.
Hauptausschuss wie geplant am 16. Mai in Frankfurt
Begründet wurde dieser Antrag von den Antragstellern in erster Linie mit finanziellen Gründen. Im Antrag hieß es, man halte "die getrennte Durchführung eines Hauptausschusses am 16. Mai sowie einen zusätzlichen außerordentlichen Bundeskongress wenige Wochen später für inneffektiv, kostenintensiv und organisatorisch nicht sachgerecht. Insbesondere angesichts der Vielzahl bedeutender nationaler und internationaler Veranstaltungen in den Jahren 2026 und 2027 (u.a. Kandidatenturnier, Olympiade, Schachgipfel, 150-Jahr.Jubiläum des Deutschen Schachbundes) sollten die finanziellen und personellen Ressourcen des Verbandes gezielt und verantwortungsvoll eingesetzt werden.“ Eine Argumentation, die auch Alexander von Gleich im Rahmen seines angekündigten Rücktritts gewählt hatte.
Das Präsidium wurde deshalb aufgefordert, den 16. Mai für diesen Bundeskongress zu nutzen „oder einen anderen Termin zeitnah für einen außerordentlichen Bundeskongress vorzuschlagen“. Das DSB-Präsidium hat den Antrag geprüft – und nun reagiert. (mw)
Hier der Wortlaut der Mail, die Präsidentin Ingrid Lauterbach, auch im Namen der Vizepräsidenten Sport, Professor Jürgen Klüners, und des Vizepräsidenten Verbandsentwicklung, Jannik Kiesel, an die Landesverbände und andere Mitglieder des Hauptausschusses gesandt hat:
"Liebe Mitglieder des Hauptausschusses,
wie Ihr wisst, habe ich zum 16.Mai zum Hauptausschuss nach Frankfurt eingeladen. In der Zwischenzeit ist Alexander zurückgetreten und es ging von 5 Mitgliedsverbänden der Antrag ein, diesen Hauptausschuss in einen außerordentlichen Bundeskongress umzuwandeln.
Ich habe diesen Antrag von Juristen, und speziell dem Bundesrechtsberater prüfen lassen. Das Ergebnis ist, dass dieser Antrag zu diesem Zeitpunkt und in der Form nicht zulässig ist.
Der Hauptausschuss am 16.5. wird also wie geplant durchgeführt, falls Ihr Euch noch nicht angemeldet habt, macht das bitte. Beachtet bitte auch die Frist für Anträge. Im Hauptausschuss kann ein Vizepräsident Finanzen als Ersatz für den zurückgetretenen Alexander von Gleich kommissarisch bestätigt werden. Interessierte Kandidaten bitte ich, sich bei mir zu melden.
Gleichzeitig möchte ich Euch den Termin für den vorgesehenen außerordentlichen Bundeskongress mitteilen: In Absprache mit dem Vizepräsidenten Sport und dem Vizepräsidenten Verbandsentwicklung wird dieser am 8.8.2026 stattfinden. Der Ort wird später bekanntgegeben.
In der Zwischenzeit sollten wir unsere Energie darauf verwenden, die Organisation des Schachgipfels bestmöglich vorzubereiten - mit fast 1000 Teilnehmern stellt dies für Haupt- und Ehrenamt eine große Herausforderung dar. Ich freue mich auf unser Treffen in Frankfurt! Sollte es Fragen geben, meldet Euch bitte bei mir.“
Bundesrechtsberater Thomas Strobl: Zwei Gründe für die Antrags-Ablehnung
Thomas Strobl, DSB-Bundesrechtsberater, im Wortlaut:
"Wunschgemäß habe ich den Antrag auf Durchführung eines außerordentlichen Bundeskongresses am 16.05.2026, eingegangen am 19.02.2026, geprüft und bin zu dem Ergebnis gelangt, dass der Antrag in dieser Form unzulässig ist. Das ergibt sich aus meiner Sicht aus den nachfolgenden zwei Gründen.
17 Abs. 2 der Satzung (die Antragsteller beziehen sich wohl auf diese Regelung, auch wenn in dem Antrag von § 16 Abs. 2 die Rede ist) gibt mindestens fünf Mitgliedsorganisationen das Recht, die Einberufung eines Kongresses zu verlangen, der dann innerhalb von zwei Monaten einzuberufen ist und sodann innerhalb von zwei Monaten nach der Einberufung stattzufinden hat. Nach § 17 Abs. 1 Satz 2 der Satzung wird der Kongress vom Präsidenten einberufen, der damit auch über Ort und Zeitpunkt entscheidet. Dieses Recht wird durch § 17 Abs. 2 nicht eingeschränkt. Die fünf antragstellenden Mitgliedsorganisationen können somit nicht die Einberufung eines Kongresses zu einem konkreten Termin verlangen.
Ferner wäre der Antrag auch deshalb abzulehnen, da den fünf Mitgliedsorganisationen das Recht, einen Kongress zu verlangen, nicht uneingeschränkt zusteht, sondern nur insoweit, als in den nächsten sechs Monaten noch kein Kongress vorgesehen ist. Das ist hier aber der Fall. Wie die Antragsteller selbst schreiben, ist bereits ein Kongress vorgesehen, der spätestens im August 2026 stattfinden wird. Dies ist auch bereits aufgrund der gemeinsamen Erklärung öffentlich bekannt. Von daher kann derzeit kein Antrag auf Einberufung eines Kongresses mehr gestellt werden. Für mich besteht nach alledem kein Anlass, dem gestellten Antrag zu entsprechen." |
Mit dieser Erklärung wollen sich die Antragsteller der Landesverbände jedoch nicht zufrieden geben und werden die Angelegenheit dem DSB-Schiedsgericht vorlegen. Die Landesverbände argumentieren, dass sie keineswegs einen konkreten Termin für die Einberufung vorgegeben hätten, im Wortlaut der DSB-Mitteilung:
Das Präsidium werde deshalb aufgefordert, den 16. Mai für diesen Bundeskongress zu nutzen „oder einen anderen Termin zeitnah für einen außerordentlichen Bundeskongress vorzuschlagen“.
Auch der zweite Teil der Begründung der Antragsablehnung sei nicht stichhaltig. Hier geht es um die Bedeutung der Formulierung "ist vorgesehen". Da die Berliner Erklärung nur eine Absichtserklärung gewesen ist, der kein Beschluss zugrunde lag, war nach Auffassung der Antragsteller auch kein Termin "vorgesehen". Zudem ist ein Termin im juristischen Sinne auch immer ein konkretes Datum, nicht eine vage Zeitangabe.
In der Mitteilung auf der DSB-Seite teilte Ingrid Lauterbach nun nachträglich den 8. August als Termin für den Außerordentlichen Bundeskongress mit. Ein sehr ungeschickter Termin, denn am 8. August sind in den meisten Bundesländern Ferien. Viele Delegierte werden im Urlaub sein.
Die Antragsteller werfen nun dem Restpräsidium vor, aus Angst vor einer Abwahl mit juristischen Winkelzügen einen möglichst frühen Termin für die Durchführung eines Außerordentlichen Bundeskongress verhindern zu wollen und rechnen sich gute Chancen bei der Prüfung durch das Schiedsgericht aus.
Die Angelegenheit ist nun zur Streitsache für Juristen geworden, die sich darüber Gedanken machen müssen, wie die Begriffe "Termin" und "ist vorgesehen" in der Satzung gemeint waren und wie sie ausgelegt werden dürfen, sollen und können.
Die Sache selber tritt dabei in den Hintergrund. Es scheint nämlich, dass ein bedeutender Teil der Landesverbände, nicht nur die fünf Antragsteller, kein Vertrauen mehr in die Arbeit des Präsidiums haben, das nach dem angekündigten Rücktritt von Alexander von Gleich auf drei Köpfe geschrumpft ist.
Es wäre deshalb sehr wünschenswert, wenn im Zuge einer Wahl möglichst rasch ein handlungsfähiges Präsidium, entweder ein neues oder das bestätigte alte, bestellt werden könnte, damit sich der Deutsche Schachbund in der Öffentlichkeit nicht mehr als ewiger Streithaufen präsentiert.
Dass sich die Diskussion nun auf die Ebene juristischer Wortklauberei verlagert hat, verbessert den Eindruck vom Zustand im Deutschen Schachbund keineswegs. Was sollen die Spieler - in Kürze kämpft Matthias Blübaum um die Weltmeisterschaft - angesichts dieser Streitigkeiten von ihrem Sportverband halten?