DSOL: Drama, Drama, Drama

von Thorsten Cmiel
20.07.2020 – Die Runde vier der DSOL ist abgeschlossen. Thorsten Cmiel hat sich die Partien angesehen und stellt einige lehrreiche Momente und spannende Höhepunkte vor. Viele kleine und große Dramen spielten sich auf den virtuellen Brettern ab.

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Ganz viel Drama und interessantes Schach

Nach drei von sieben Runden sind die ersten Tendenzen in den einzelnen Gruppen zu erkennen. In der ersten Liga sind vier der 30 Teams ungeschlagen, wobei Rinteln und Werder Bremen I in Gruppe A bislang dominierten. Am Montag spielt Rinteln gegen die beharrlichsten Verfolger, den SV Horst-Emscher. In Gruppe B ist die SG Porz den anderen sechs Teams bereits drei Punkte enteilt und für diese scheint nur noch der zweite Platz erreichbar. In Gruppe C, die ebenfalls nur mit sieben Team spielen, hat Harksheide II bislang zweimal gewonnen, aber erst zwei Kämpfe ausgetragen. In Gruppe D liegt zurzeit Dinslaken vorne, die in der Vorwoche gegen das favorisierte Team von Tura Harksheide I gewinnen konnten, obwohl der eigene Spitzenspieler im Urlaub war. In den anderen Ligen sind ähnliche Konstellationen im Kampf um die Spitze zu beobachten.

Die vielen Dramen auf den 2-D-Brettern lassen sich vor allem live erfahren. Dabei sind manche Fehler weiterhin auf die oft ungewohnten Spielbedingungen zurückzuführen, aber damit müssen alle Spieler gleichermaßen klarkommen.

Aus der Eröffnung heraus auf Gewinn

Erfreulich ist die Vielfalt der Eröffnungen und Spielkonzepte, die man beobachten kann. Da gibt es zum einen diejenigen Akteure, die auf kleine Vorteile hinarbeiten. Manche Spieler nutzen dafür tief analysierte Varianten und die Eröffnungsvorbereitung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Denn wer in der Eröffnung zu viel Zeit benötigt, der muss in der Schlussphase schwierige Entscheidungen treffen.

In der Partie von Marc Weber und Pierre Wilde konnte der Weiße bereits aus der Eröffnung (Damenindisch) heraus in großen Vorteil kommen. 

 

Weiß spielte 13.Da4. Ein guter Zug, aber es gibt noch einen besseren.

Es gelang Weiß trotz dieser ausgelassenen Chance dennoch, überzeugend zu gewinnen, da Schwarz ein etwas zu optimistisches Konzept verfolgte. 

In der Partie von Oliver Kniest erwies sich erneut die Leningrader Variante in der Holländischen Verteidigung als anfällig.

Zwei interessante Partien aus dem Vierbauernangriff gegen Aljechin wurden ebenfalls in der höchsten Spielklasse diskutiert.

 

Aljechin kommt wieder in Mode. Carlsen spielt es auch.

Eine in der DSOL beliebte Struktur betrifft die Vorstoßvariante gegen die Französische Verteidigung. Neben der Hauptpartie von Moritz Lauer und Bernd Rosen wurden in der letzten Runde neun weitere Vorstoß-Franzosen gespielt. Dieselbe Struktur (mit vorgezogenem f-Bauern) kommt sogar auf das Brett, wenn Schwarz mit Caro-Kann beginnt und Weiß die Fantasy-Variante folgen lässt.

Eröffnungen

 

Dramen und kreative Höchstleistungen

Die dramatischste Partie dieser Auswahl ist die Partie von Andreas Helmer und Julius Ohler. Julius, Jahrgang 2007, spielte etwas zu sorglos und rochiert seinen König auf die andere Seite als sein Gegner. Andreas fackelte nicht lange und öffnete die Stellung. Es entwickelte sich ein spannender Verlauf, den der Weiße eigentlich für sich entscheiden sollte.

 

Schwarz rochierte hier ins Unglück (0-0-0). Eine Partie, die nichts für schwache Nerven ist.

Aber bei begrenzten Zeitressourcen stellen sich manche Dinge in der Praxis oft schwieriger dar als in der Analyse. Leider gab Andreas die Partie letztlich in ausgeglichener Stellung auf, da er ein Turmopfer nicht gewürdigt hatte. 

Ferner sind Stickmatt-Bilder, Damenopfer, Rechenleistungen, Rechenfehler und positionelle Fehlentscheidungen dabei. Besonders hervorzuheben ist das schicke Matt nach einer Treibjagd von Wolfgang Sattler in seiner Partie gegen Cornelius Mühlich in der letzten hier aufgelisteten Partie.

Momente

 

Endspiele sind schwierig und manchmal frustrierend

Lui Engel, gerade für die Teilnahme bei der Online-Schacholympiade nominiert, umging das Risiko in der Eröffnung zu viel Zeit zu verbrauchen, indem er im Zusammenspiel mit seinem Gegner schnurstracks in ein ausgeglichenes Endspiel abwickelte. Die Dinge waren jedoch nicht so einfach und so gelang es dem Großmeister, dennoch nach einer Fehlberechnung des Gegners zu gewinnen.

 

Bessere Chancen für Schwarz, da der weiße König etwas offen steht.

Man hatte als Außenstehender den Eindruck, dass dieser nach der Eröffnungsphase die Partie weiter im Blitzmodus fortsetzte. Neben einer Reihe von Turmendspielen war das Endspiel mit vier Bauern und Springer gegen die Dame spektakulär. Leider endete diese Partie ziemlich abrupt nach einem Fehler, was vermutlich die Folge des Partieverlaufs war. Endspiele mit vielen Leichtfiguren sind extrem unübersichtlich, wie auch in dieser Runde einige Spieler leidvoll erfahren mussten. Auch zeigt sich, dass nach längerer Spieldauer Tricks eine ordentliche Erfolgschance haben.

Endspiele

 

 

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Thorsten Cmiel ist Fide-Meister lebt in Köln und Milano und arbeitet als freier Finanzjournalist.

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