DSOL: Erste Qualifikanten stehen fest

von Thorsten Cmiel
10.08.2020 – In der DSOL stehen die Rundenturniere kurz vor dem Abschluss. Einige Mannschaften haben sich bereits für das Viertelfinale qualifiziert; andere müssen noch zittern. Thorsten Cmiel schildert in seinem Bericht ausführlich die Lage in der 1. Liga und präsentiert alle schachlichen Highlights.

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Erste Qualifikanten stehen fest

64 Teams qualifizieren sich in acht Ligen für die Viertelfinals. Etwa 100 Mannschaften haben eine Runde vor Schluss noch gute Chancen die nächste Runde zu erreichen. Nach der finalen Runde in dieser Woche gibt es dann eine einwöchige Pause. Danach geht es an den Spieltagen der Heimmannschaften weiter. Das Halbfinale (4. September) und das Finale (11. September) sollen dann an einem Freitag stattfinden.

Die Situation in der ersten Liga

Als Beispiel für die anstehenden spannenden Wettkämpfe in der siebten Spielrunde betrachten wir die Situation aller Gruppen in der höchsten Liga. In der A-Gruppe stehen die Finalisten bereits fest. Nach dem Unentschieden im Wettkampf der beiden Spitzenreiter Rinteln und Werder Bremen müssen die Nordlichter darauf hoffen Schützenhilfe zu erhalten, um doch noch Gruppenerster zu werden.

Tabelle Gruppe A

  Mannschaft Rating 1 2 3 4 5 6 7 8 Sp MP BP SB
1. SK Rinteln I 2128  +  2 3   6 11 15 28
2. SV Werder Bremen I 2431 2  +  2   4 4 3 3 6 10 18 23,5
3. SV Horst-Emscher I 2134 2  +    2 3 6 8 13½ 17
4. SF Essen-Katernberg I 2217 1    +  2 3 6 5 12½   9
5. SC Weisse Dame I 2173 0   ½  +  3 3 2 6 5 10   8
6. SK Herzogenaurach I 2213   0 2 2 1  +  2 2 6 4   9   9
7. SF Hamburg 2088 1 1 2  +    6 3   9½   7
8. Kölner SK Dr Lasker 2172 1 1 1 2 2    +  6 2   8½   4,5

Der zweite Platz in der B-Gruppe ist noch vakant. Die besten Chancen hat eindeutig Kastellaun, die zwar mit dem Hamburger SK II keinen einfachen Gegner haben, aber Ettlingen muss gegen die bisher stabilste Mannschaft der ersten Ligen, die SG Porz, antreten.

Tabelle Gruppe B

  Mannschaft Rating 1 2 3 4 5 6 7 8 Sp MP BP SB
1. SG Porz I 2235  +    3 4   5 10 16½ 19
2. SC ML Kastellaun I 2124 ½  +    3 4   5 8 13½ 13
3. SK Ettlingen 2300    +  2   5 7 11 10,5
4. Hamburger SK II 2212    +  2 3   5 5 10½   4,5
5. SG Solingen 2137 ½ 1 2  +    6 3   9   3,5
6. Hamelner SV I 2170 1 ½ 1  +      5 2   6½   3
7. SC Diogenes 2092 0 0 2    +    5 1   5   3,5
8. SC Garching 2173                +         

In der Gruppe C sind die Hamburger um Luis Engel schon qualifiziert und können zuschauen, wenn am Freitag Harksheide II und Lauffen den zweiten Qualifikationsplatz unter sich ausmachen. Aber Vorsicht: Bei einem Unentschieden könnte sich Kelheim durch einen Sieg gegen Werder Bremen II noch qualifizieren.

Tabelle Gruppe C

  Mannschaft Rating 1 2 3 4 5 6 7 8 Sp MP BP SB
1. Hamburger SK I 2240  +  3 2 2 2 3 2   6 8 14 18,5
2. TuRa Harksheide II 2181 1  +    3   5 6 11½ 10
3. SK Lauffen 2146 2    +  2 1   5 6 11 14,5
4. SK Kelheim I 2093 2 ½  +    2   5 6   9½ 13,5
5. SV Werder Bremen II 2168 2 ½ 2    +  2   5 5   9 11
6. SK Ludwigshafen I 2193 1 3 2  +      5 3   9   9
7. SV Osnabrück 2123 2 1 2    +    5 2   8   6,5
8. LSV Turm Lippstadt 2291                +         

Besonders knapp ist die Situation in Gruppe D, da die vier Mannschaften mit Ambitionen in der finalen Runde gegeneinander antreten. Dinslaken reicht am Dienstag ein Unentschieden gegen Landau. In der Begegnung Gründau gegen Eppendorf könnten Letztere durch einen perfekten Sieg (4-0) am Donnerstag noch die Sensation schaffen, zumindest falls Landau nicht gegen Dinslaken gewinnt.

Tabelle Gruppe D

  Mannschaft Rating 1 2 3 4 5 6 7 8 Sp MP BP SB
1. SV Dinslaken 2187  +    1 5 8 11 18
2. SK Gründau 2100  +  3   2 4   5 7 14 14
3. SK Landau 2150   1  +  2 2   5 6 11 10,5
4. SK Johanneum Eppendorf I 2166   2  +  3 2 2 5 5 10½ 10
5. Lübecker SV I 2265 3 ½ 1  +  2 2   6 4 10 11
6. Biebertaler SF 2102 2 2 2 2  +      5 4   9½ 11
7. SV Hemer 2190 0 ½ 2 2    +  5 2   6   4,5
8. TuRa Harksheide I 2271          +         

Die Titelträger

In der letzten Woche verlor erstmals ein Großmeister eine Partie in der DSOL: Thies Heinemann und sein Gegner Ulrich Schwekendiek waren nach anspruchsvollem Spiel und vor allem ausgelassenen Chancen des Großmeisters in höchster Zeitnot. Der Hamburger verlor in einer bewegten Zeitnotphase die Übersicht und die Partie. Luis Engel und Vlastimil Babula konnten relativ mühelose Start-Ziel-Siege verbuchen. Erneut in Topform präsentierte sich der Internationale Meister Christian Braun. Christof Sielecki kassierte nach unvorsichtigem Spiel eine empfindliche Niederlage aus der Eröffnung heraus gegen Pascal Neukirchner.

 

Eröffnungen

Die meisten der diese Woche betrachteten Partien einiger Titelträger kamen für die Eröffnungsübersicht in Betracht, da es dort sehr frühe Entscheidungen gab. Unsere Eröffnungsauswahl zeigt zwei Partien der Arkell-Khenkin-Variante im Caro-Kann. Die dritte Partie betrachtet eine früher häufig diskutierte Variante aus dem Grünfeld-Inder, die vermutlich richtigerweise aus dem Top-Schach komplett verschwunden ist. Ferner gibt es einen verbesserten Semi-Slaven, der wegen eines misslungen postierten Springers schief ging. Eine Moderne Verteidigung mit früher Damenflügelexpansion erweist sich eindeutig als zu gefährlich, wenn der Gegner vorbereitet ist. Hinzu kommt ein erfolgreicher Königsinder von Stephan Buchal. Eine Partie aus dem Londoner System rundet die Betrachtung diese Woche ab. Weiß sollte nach einem provokanten Versuch seines Gegners diesen eigentlich bestrafen.

 

Momente

Die ersten vier Stellungen zeigen Entscheidungen bei fast vollem Brett. In der ersten Partie gerät eine Dame auf Abwege. In der zweiten sizilianischen Stellung zeigt sich die Bedeutung von aktivem Spiel und pragmatischen Entscheidungen. Das dritte Beispiel ist ein vorübergehendes Springeropfer und eine Mahnung in scheinbar gewonnener Stellung die gegnerischen Möglichkeiten nicht zu unterschätzen. In der vierten hier betrachteten Partie gewinnt Patrizio Di Franco, der Präsident des SK Lasker Köln, diesmal in großem Stil mit zeitweiligem Turmopfer, nachdem er in der Vorwoche noch mit einer misslungenen Abschlussphase dabei war. Unser letztes Beispiel zeigt einen Kollaps mit wenig Zeit. Zeitmanagement ist in der DSOL immer wieder ein wesentlicher Faktor.

 

Endspiele

In der letzten Spielphase muss man entweder sehr gut informiert unterwegs sein oder ein gutes Auge haben. Eine ordentliche Restbedenkzeit kann in jedem Fall nicht schaden. Überwiegend Turmendspiele sind in der Auswahl diesmal enthalten. Die Zutaten diesmal sind ein Doppelturmendspiel, das noch einmal Fahrt aufnimmt und einen neuen Zugrekord (117) für die Liga aufstellt, zwei einfache Turmendspiele, die so heißen, aber es sicherlich nicht sind. Zudem ein Endspiel in dem der Angreifer einen überlegenen Springer gegen einen Läufer tauscht, um ein Turmendspiel zu erreichen, das letztlich ein tragisches Ende nimmt. Ein weiteres einfaches Turmendspiel endet nach einer offensichtlicher Fehlberechnung in einem eigentlich ausgeglichenem Damenendspiel mit einem Bauern mehr, das nach einem Königsmarsch des Verteidiger in die falsche Bretthälfte selbst zum Schluss noch gewonnen war, aber dem Spieler mit Vorteil genügte das Remis für den Mannschaftserfolg, weshalb er sich vermutlich nicht weiter quälte und damit nicht die Seeschlange attackierte. Zuletzt sehen wir ein Springer-Läufer-Endspiel, mit vier gegen drei Bauern auf einem Flügel. Solche Endspiele sind für beide Seiten trickreich und keineswegs einfach zu gewinnen oder zu verteidigen. Diesmal lag der Angreifer vorne.

 

 



Thorsten Cmiel ist Fide-Meister lebt in Köln und Milano und arbeitet als freier Finanzjournalist.

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