Echternach gewinnt luxemburgische Mannschaftsmeisterschaft

von Gerd Densing
29.03.2018 – Bei der zentralen Endrunde der luxemburgischem Meisterschaft sicherte sich Echternach den achten Landesmeistertitel. Mit im Team waren Dr. Robert Hübner und IM Michael Wiedenkeller, die sich als wichtige Stützen ihrer Mannschaft erwiesen. Gerd Densing berichtet. (Grafik: Die Flagge Luxemburgs)

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Saisonabschluss in Luxemburg

Echternach zum 8. Mal Landesmeister / GM Robert Hübner und IM Michael Wiedenkeller sorgen für die Entscheidung

Am Sonntag, den 25. März 2018, wurde zum Saisonabschluss der luxemburgischen Mannschaftsmeister eine Zentralrunde ausgerichtet. Teilgenommen haben 40 Teams mit 276 Spielern in 6 Divisionen.

Austragungsort war die Sporthalle im Woiwer Sports Center in Differdange im Südwesten Luxemburgs. Die inzwischen etwas in die Jahre gekommene Halle wird einigen, vor allem stärkeren Großmeistern, vielleicht noch positiv in Erinnerung sein aus den Jahren 2007 und 2008. Dort fand – dank des damals noch finanzstarken Haupt-Sponsors, der isländischen Kaupthing-Bank mit großer Niederlassung in Luxemburg, in den beiden Jahren jeweils ein sehr stark besetztes Open statt. Nach der Finanzkrise 2008 und der hausgemachten Bankenkrise in Island starb das Turnier nach der Pleite der Kaupthing-Bank leider auch.

Blick in die Sporthalle Woiwers

Die laufende Mannschaftssaison in Luxemburg startete am 17. September 2017 mit dem Aufeinandertreffen der starken Teams Gambit Bonnevoie (Landesmeister der Saison 2016/2017) und De Sprenger Echternach (Landesmeister der Saison 2015/2016). Die Auftaktbegegnung endete mit einem Mannschaftsremis (4:4) bzw. nach luxemburgischer Zählweise 16:16 (Sieg: 3:1, Remis 2:2, Kampfloses Brett: 3:0). Während Bonnevoie (bzw. Bonneweg) gegen Differdange in Runde drei knapp mit 15 zu 17 verlor, gelang Echternach in der Vorrunde (7 Runden) ein glatter Durchmarsch. In der Rückrunde (obere 4 Teams und untere 4 Teams spielen jeweils noch einmal jeweils gegeneinander in einer Meisterschaftsrunde und Abstiegsrunde) zeigten Echternach und Bonneweg keine Schwächen, sodass die Meisterschaft erst in der Schlussrunde entschieden wurde. Spannung war auf jeden Fall vorprogrammiert.

Besonderheit bei der Feinwertung ist, dass bei gleicher Anzahl der Mannschaftspunkte nicht die Anzahl der Brettpunkte zählt, sondern zunächst der direkte Vergleich (aus den beiden Begegnungen). Die Mannschafts- und Brettpunkte aus der Vorrunde werden dabei mitgenommen. Echternach hatte die bessere Ausgangslage, ein Mannschaftsremis hätte zur Meisterschaft gereicht.

Die beiden Tabellenführer der Nationaldivision traten jeweils in starker Bestbesetzung mit mehreren GM, IM und FM an. Dabei war natürlich die bestehende Ausländerregelung (eng begrenzte Anzahl von „ETR- und PRO-Spielern“) und Mischung mit Luxemburger Spielern zu beachten. 

Zu Beginn wurden mehrere Interviews geführt, unter anderem mit den beiden Vereinsvorsitzenden. Das luxemburgische Fernsehen (RTL) war mit einem Fernsehteam vor Ort, sammelte viele Eindrücke und zeigte diese in einem kurzen Fernsehbeitrag.

Das Fernsehen war vor Ort

Der Mannschaftskampf begann zunächst sehr vorsichtig und ausgeglichen. An Brett eins wurde zwischen Michael Hoffmann und Alberto David nach gut zweistündiger Spielzeit und nur 18 Zügen ein Remis vereinbart. Fast zeitgleich endeten kurz danach auch die Partien an den Brettern 5, 7 und 8 Remis. Der Druck auf Bonneweg stieg, da bei einem Mannschaftsremis ja Echternach Meister wäre.

Alle Augen der Zuschauer richteten sich dann auf Brett drei, die Begegnung zwischen dem stark spielenden IM Christopher Noe und GM Marko Tratar. Hier erreichte der junge Deutsche eine aussichtsreiche Stellung mit starkem Bauernzentrum und Raumvorteil. Beide Spieler hatten Zeitprobleme und spielten die letzten 6 oder 7 Züge nur noch auf Inkrement (30 Sek. je Zug). Beide Spieler wollten wohl kein unnötiges Risiko eingehen und forcierten eine Stellungswiederholung, sodass die Partie – etwas überraschend – auch nach 33 Zügen mit der Punkteteilung endete (in Luxemburg bei Mannschaftsmeisterschaften 2:2). Da wäre wohl mehr drin gewesen …

An Brett 6 hatte der für Bonneweg spielende FM Jan Bednarich gegen den Echternacher Spieler FM Claude Wagener – Läuferpaar, später Läufer gegen Springer bei etwas besserer Bauernstruktur – die vielleicht angenehmere und aussichtsreichere Stellung.

IM Michael Wiedenkeller konnte an Brett 4 gegen Slobodan Filipovic seine Stellung in einem Turm-Endspiel immer weiter verbessern und schließlich eine Gewinnstellung erreichen, welche er technisch sauber verwertete.

Zeitgleich konnte an Brett zwei die „lebende Schachlegende“ GM Robert Hübner, der bereits seit vielen Jahren immer mal wieder für Echternach am Brett zu sehen ist, eine zwischenzeitlich vielleicht sehr ausgeglichene Stellung stetig verbessern und mit feiner, lehrreicher Endspielkunst die Partie gewinnen. Schön war das zum Ende der Partie mögliche Matt-Motiv.

Dr. Robert Hübner

Mit den beiden „Matchwinnern“ Wiedenkeller und Hübner war der Mannschaftskampf und die Meisterschaft für Echternach nach rund viereinhalb Stunden Spielzeit entschieden und die Freude groß. In der Partie an Brett sechs war nicht mehr viel los und hier wurde kurz danach Remis vereinbart. Echternach wurde mit 19 von 20 möglichen Mannschaftspunkten dieses Mal besonders souverän, eindeutig und hochverdient Meister.

Partien des Wettkampfs Bonneweg - Echternach

 

Meister Echternach

Interessant war, dass nicht nur in der höchsten Spielklasse GMs eingesetzt wurden, sondern auch in der zweithöchsten Spielklasse einzelne Vereine am Spitzenbrett ein paar Mal GMs einsetzten und hier oft eine ELO-Differenz von mehr als 400 Punkten war.

Spieler und Ergebnis der TOP-Begegnung zum Saisonabschluss:

Hier die Abschlusstabellen der beiden höchsten Spielklassen in Luxemburg (Nationaldivision und Ehrenpromotion, jeweils Meisterschafts- bzw. Aufstiegsgruppe sowie Abstiegsgruppe):

Für den European-Chess-Club-Club im Herbst in Griechenland sind aus „dem Ländchen“ die Vereine Echternach, Bonneweg und Dudelange qualifiziert.  

Die Zentralrunde wurde vorbildlich und ohne Streitfälle vom Internationalen Schiedsrichter Oliver Jeitz geleitet. Dank bei dieser Gelegenheit auch an den Gastgebenden Verein Differdange für die Organisation der diesjährigen Zentralrunde und gute Verpflegung. Einziger Wehrmutstropfen: Auf dem Mannschaftsfoto des Meisters fehlt der Pokal. Es wird derzeit ein neuer Pokal erstellt, welcher dann vom Verband demnächst feierlich an den Meister übergeben wird.

Für das Meister-Team-Echternach waren in der Saison folgende Spieler im Einsatz (Kampflose Partien nicht berücksichtigt, Reihenfolge nach Meldeliste):

GM Andrey Sumets 1,5/2

GM Alberto David 2,5/3

GM Robert Hübner 1,5/2

GM Aleksandar Berelovich 1/1

IM Michael Wiedenkeller 6/8

IM Christopher Noe 2,5/3

GM Gennadi Ginsburg 0,5/1

GM Slim Belkhodja 1/1

IM Hans-Hubert Sonntag 1/1

FM Robert Philipowski 2/2

FM Danijel Gibicar 2/2

FM Claude Wagener 5/8

FM Gleb Vorapev 1/1

FM Serge Brittner 8/9 (Herzlichen Glückwunsch an den Vereinsvorsitzenden für diese tolle Performance)

Gerd Gnichtel 1/2

Dr. Michael Trauth 2,5/5

Axel Doison 5,5/7

Paul Oberweis 4,5/7

Ivan Lopez Popov 2/5

Hier die Internetseite des Luxemburgischen Schachverbandes:

www.flde.lu

Wikipedia-Eintrag der Vorsaison:

https://de.wikipedia.org/wiki/Division_nationale_(Schach)_2016/17

Internetseite des Luxemburgischen Fernsehens mit einem kurzen Bericht in luxemburgischer Sprache:

http://tele.rtl.lu/emissiounen/de-journal/3119815.html

Ausblick auf das diesjährige Open des Landesmeisters und Turnier-Ausschreibung:

https://www.desprenger-echternach.lu/index.php/de/open

 

Abschlusstabellen der Saison 2017/2018 aller Luxemburgischen Schach-Ligen hier als PDF zum Download.



Gerd Densing ist ein begeisterter Vereins- und Turnierspieler. Seine Eindrücke hat er in vielen Berichten auf der ChessBase-Nachrichtenseite festgehalten.
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