Nachdem er seine herausragenden Schachfähigkeiten vor allem bei Wettkämpfen im Café Dominik und in anderen Lokalitäten in St. Petersburg bewiesen hatte, unternahm Schiffers im Sommer 1887 seine erste schachliche Auslandsreise und nahm am Meisterturnier des 5. DSB-Kongresses in Frankfurt teil. Bei 21 Teilnehmern belegte Schiffers hier im internationalen Feld mit 10 Punkten einen Platz im Mittelfeld. Der in Schottland geborene Amerikaner George MacKenzie, ein vormaliger Berufssoldat, gewann das Turnier mit beeindruckenden 15 Punkten.
Für die Kombination in seiner Partie gegen Max Harmonist erhielt Emanuel Schiffers bei diesem Turnier den Schönheitspreis. Michail Tschigorin hat die Partie seines Lehrers und Freundes seinerzeit für die Schachkolumne in der Zeitschrift „Niva“ kommentiert. Die Schlusskombination begeisterte auch noch spätere Kommentatoren.
Zwei Jahre später kehrte Schiffers ins Deutsche Reich zurück und spielte auch das Meisterturnier des 6. DSB-Kongresses in Breslau mit. Siegbert Tarrasch gewann in seiner Geburtsstadt den ersten Preis. Schiffers belegte diesmal nur den vorletzten Platz bei 18 Teilnehmern. Es vergingen fünf Jahre, bevor Schiffers sein nächstes internationales Turnier spielte, wieder im Deutschen Reich, diesmal in Leipzig, das Meisterturnier des 9. DSB-Kongresses. Mit 9 Punkten bei 18 Teilnehmern wurde Schiffers diesmal Neunter. Sieger war erneut Siegbert Tarrasch.
Im August/September 1895 war Schiffers einer der Teilnehmer im berühmten Turnier von Hastings. Es war das Turnier des Harry Pillsbury, der bei 20 Teilnehmern mit 16,5 Punkten und einem halben Punkt Vorsprung vor dem zweifachen WM-Herausforderer Michail Tschigorin (1889 und 1892) sowie einem weiteren halben Punkt Vorsprung vor dem neuen Weltmeister Emanuel Lasker gewann. Der im Vorjahr entthronte Ex-Weltmeister Wilhelm Steinitz wurde hinter Tarrasch Fünfter. Emanuel Schiffers, inzwischen 45 Jahre alt, belegte bei diesem Superturnier einen ausgezeichneten sechsten Platz.

Die Teilnehmer von Hastings 1895. Von links: Sitzend: Albin, Schlechter, Janowski, Marco, Blackburne, Maróczy, Schiffers, Gunsberg, Burn, Tinsley. Stehend: Vergani, Steinitz, Tschigorin, Lasker, Pillsbury, Tarrasch, Mieses, Teichmann. Nicht abgebildet: von Bardeleben, Bird, Mason, Walbrodt
Unter anderem gelang Schiffers aber ein schneller Sieg gegen seinen ansonsten überlegenen Schüler Michail Tschigorin.
Im März 1886 spielte Schiffers in Rostov-am-Don einen Wettkampf gegen Ex-Weltmeister Steinitz, der sich auf seinen Revanche-Wettkampf gegen Lasker in Moskau vorbereitete. Schiffers hielt gut mit, führte sogar zeitweise, verlor aber am Ende doch mit 4,5:6,5. Nur eine einzige Partie endete remis. Die Umstände, unter denen der Wettkampf zustande kam, sind dokumentiert und werden an anderer Stelle erzählt.
Im Sommer des Jahres 1896 war Schiffers auch einer der Spieler beim Nürnberger Meisterturnier und belegte bei 18 Teilnehmern mit 9,5 Punkten zusammen mit Tschigorin den geteilten 9./10. Platz. Turniersieger wurde Weltmeister Emanuel Lasker.
Gegen den aufsteigenden Superstar Pillsbury gelang Schiffers ein Sieg mit dem Evans-Gambit.
Mit den schwarzen Steinen besiegte Schiffers Schallopp mit dem Sizilianischen Vierspringerspiel, das heute in dieser Form etwas außer Mode ist.

Teilnehmer und Organisatoren des internationalen Schachturniers in Nürnberg.
Von links nach rechts, 1. Reihe: A. Albin (Rumänien), M. Porges (Österreich-Ungarn), M. Tschigorin (Russland), S. Tarrasch (Deutschland), S. Winawer (Russland), W. Steinitz (Österreich-Ungarn), J. Blackburne (Großbritannien), E. Schallopp (Deutschland), E. Schiffers (Russland), H. Pillsbury (USA), K. Walbrodt (Deutschland), R. Teichmann (Deutschland).
2. Reihe: E. Lasker (Deutschland), R. Charousek (Österreich-Ungarn), C. Schlechter (Österreich-Ungarn), zwei Organisatoren, D. Janowski (Russland), G. Maroczy (Österreich-Ungarn), G. Marco (Österreich-Ungarn), J. Showalter (USA), drei Organisatoren.
1897 spielten Schiffers und Tschigorin in St. Petersburg einen weiteren Wettkampf, den Schiffers aber mit 4:10 klar verlor. Schiffers konnte nur eine Partie gewinnen, verlor aber sieben. Die übrigen Partien endeten remis.
Im September 1897 nahmen Schiffers und Tschigorin beide am Jubiläumsturnier der Berliner Schachgesellschaft teil, die ihren 70. Gründungstag feierte. Der 24-jährige Tscheche Rezső Charousek gewann den ersten Preis (2000 Mark). Seine kurze glänzende Karriere endete zwei Jahre später tragisch mit seinem frühen Tod infolge von Tuberkulose. Tschigorin (9,5 Punkte) und Schiffers (9 Punkte) belegten bei 19 Teilnehmern Plätze im Mittelfeld.
Schiffers und Tschigorin gehörten ein Jahr später auch zum Kreis der Teilnehmer beim großen Jubiläumsturnier in Wien, zu Ehren von Kaiser Franz Josef veranstaltet, der den 50. Jahrestag seiner Thronbesteigung feierte.

19 Topspieler spielten das Turnier vom 1. Juni bis 25. Juli 1898 doppelrundig. Jeder absolvierte also nicht weniger als 36 Partien. Siegbert Tarrasch und Harry Pillsbury beendeten das Turnier gemeinsam mit 27,5 Punkten als Sieger. Den folgenden Stichkampf entschied Tarrasch für sich. Tschigorin belegte mit Amos Burn den geteilten 6./7. Platz (20 Punkte). Schiffers teilte mit Joseph Henry Blackburne den 11./12. Platz (17 Punkte).
Tschigorin und Schiffers reisten von Wien weiter nach Köln und spielten im Meisterturnier des 11. DSB-Kongresses mit. Diesmal gewann Amos Burn mit 11,5 Punkten und einem Punkt Vorsprung vor Charousek, Wilhelm Cohn und Tschigorin. Schiffers landete mit 7 Punkten auf dem geteilten 10./11. Platz.
1899, 1900 bis 1902 war Schiffers jeweils einer der zahlreichen Teilnehmer bei den Allrussischen Meisterschaften, die alle in Moskau gespielt wurden, und gewann jeweils den zweiten Preis hinter seinem Schüler Tschigorin. 1901 und 1902 spielte hier schon Dawid Janowski, der 1910 gegen Emanuel Lasker um die Weltmeisterschaft spielen durfte, aber keine Chance hatte.

1901 Moskau, 2. Allrussische Meisterschaft: Von Links: Stehend: Dus-Chotimirsky, K.V. Rosenkrantz, D.M. Janowski, S.V. Lebedev, V.N. Kulomzin; Sitzend: E. S. Schiffers, S.V. Antushev, V.I. Tabunshchikov, M.I. Tschigorin
1903 gehörten bereits Ossip Bernstein, Georg Salwe und Akiba Rubinstein zum Teilnehmerkreis, konnten aber Tschigorin nicht vom ersten Platz verdrängen.
Emanuel Schiffers wurde diesmal nur Elfter. Es war sein letztes Turnier. Aus dem Jahr 1904 sind noch drei Partien eines Matches gegen Eugene Snosko-Borowsky überliefert.
Das war das Ende von Emanuel Schiffers schachlichen Hinterlassenschaft.
Kommen wir nun zur dunklen Seite dieses so begabten Mannes. Schiffers war Alkoholiker und musste sich mehrfach in Kliniken behandeln lassen. In seinen letzten Lebensjahren hatte er keinen eigenen Wohnsitz mehr, sondern lebte mit wechselnden Adressen bei Verwandten. Infolge seines Alkoholismus war er gestürzt und erholte sich davon nicht mehr.
Siegbert Tarrasch hatte Gelegenheit, Schiffers bei mehreren gemeinsamen Turnieren kennenzulernen. In seinem Buch Die moderne Schachpartie (1912) schreibt er: „Der aus St. Petersburg stammende Schiffers war ein vielseitiger, hochintelligenter Mann mit einem ausgezeichneten Sinn für Humor, einem Talent für anregende Gespräche und einem gewinnenden Wesen. Aber – wie es in dem Studentenlied heißt: ‚Der Kerl war in allem unübertroffen, nur sein übermäßiger Alkoholkonsum war sein Problem.‘ Leider tat er dies konsequent und systematisch, und so ist es nicht verwunderlich, dass er mehrmals in einer psychiatrischen Klinik landete und jedes Mal, wenn er entlassen wurde, früher oder später rückfällig wurde. Seine Krankheit war eine Alkoholpsychose, und die hatte nichts mit Schach zu tun.“
Emanuel Schiffers starb am 12. Dezember 1904 (gemäß dem Gregorianischen Kalender. Der damals in Russland noch verwendete Julianische Kalender zeigte den 29. November 1904). Begraben wurde er am 15. Dezember auf dem Smolenskoje-Friedhof in St. Petersburg, im evangelisch-lutherischen Teil des Friedhofs, der früher auch „Deutscher Friedhof“ genannt wurde.

Der Smolensker Friedhof, Schiffers Grabstelle ist unbekannt.
Die deutschsprachige St. Petersburger Zeitung würdigte das Schaffen ihres Schachkolumnisten mit einem Nachruf, der auch von russischen Schachzeitschriften übernommen wurde.
Nachruf in der deutschsprachigen St. Petersburger Zeitung:

Schiffers kleinen Nachlass, darunter eine Sammlung von Gogols Werken und ein Schachspiel, erbte sein Neffe Eduard Talvik (1881–ca. 1943), der Sohn von Emanuel Schiffers Schwester Josephine. Auch Eduard Talvik war ein starker Schachspieler, einer der Teilnehmer der Allrussischen Meisterschaften von 1906 in St. Petersburg, wo er unter anderem gegen Salwe und Rubinstein spielte. Nach der Russischen Revolution lebte Talvik als Musiker in Tiflis und gewann 1928 sogar die Meisterschaft von Georgien. Wegen seiner halb deutschen, halb estnischen Herkunft wurde Talvik nach dem Angriff der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg nach Turkmenistan deportiert, wo sich seine Spur verliert. Seine Enkelin Tatiana Pruzhinina, Schiffers Urenkelin, führte die Schachtradition der Familie als Spielerin, Schiedsrichterin und Jugendtrainerin in St. Petersburg fort.
Emanuel Schiffers: Ein deutscher Schachspieler in St. Petersburg (Teil I)