29.10.2026 – Das Clutch Chess-Turnier in Saint Louis begann nicht gut für Praggnanandhaa, zurzeit die Nummer 7 der Welt und damit hinter Nakamura, Caruana und Sindarov Letzter der Setzliste in Saint Louis. An Tag 1 des Turniers holte Praggnanandhaa 2 von 6 möglichen Punkten und war Tabellenletzter. An Tag 2 lief es besser: Er holte 9 von 12 möglichen Punkten und übernahm die Tabellenführung. | Foto: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club
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Clutch Chess erfordert gute Nerven. Drei Tage dauert das Turnier, an jedem Tag stehen sechs Schnellschachpartien auf dem Programm, die Pausen zwischen den Partien sind kurz. Außerdem steht viel Geld auf dem Spiel, im Turnier und in jeder einzelnen Partie. Der Turniersieger erhält ein Preisgeld von 125.000 Dollar, für jede Gewinnpartie bekommt man einen Bonus von 1.000 Dollar an Tag 1, 2.000 Dollar an Tag 2 und 3.000 Dollar an Tag 3. Für ein Remis gibt es keinen Bonus, aber dafür fließt in einen Jackpot, den am Ende der Turniersieger zusätzlich zu den 125.000 Dollar erhält. Nach zwei Tagen sind bereits 19.000 Dollar zusammengekommen.
Wie wichtig es ist, bei einem solchen Modus das Glück auf seiner Seite zu haben, zeigt der Turnierverlauf von Praggnanandhaa. Am ersten Tag, in der ersten Partie des Turniers, stand er mit Weiß gegen Sindarov lange besser, aber verdarb dann in Zeitnot durch einen kurzen Blackout ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern, das man "eigentlich" nicht verlieren konnte.
Dieses Endspiel ist remis, aber auf der Suche nach einem Gewinn zog Praggnanandhaa 47.g4??. Wahrscheinlich hatte er mit nur noch wenigen Sekunden auf der Uhr übersehen, dass Schwarz nach 47...hxg448.Kg3 Kh5 49.Le6 Le1+ den g-Bauern hält und den h-Bauern gewinnt. In der Partie verzichtete Praggnanandhaa auf 48.Kg3 und spielte 48.Lf7, aber überschritt dabei die Zeit.
Von da an lief für Praggnanandhaa nicht mehr viel zusammen. Aus den nächsten vier Partien holte er nur zwei Remis, musste aber auch zwei weitere Niederlagen hinnehmen. Erst in der letzten und sechsten Partie des Tages gelang ihm gegen Caruana der erste Sieg.
Am zweiten Tag lief es besser: Praggnanandhaa gewann die Auftaktpartie gegen Sindarov, der in einem komplizierten Schwerfigurenendspiel nicht die beste Verteidigung fand. Doch in der zweiten Partie gegen Sindarov wurde Praggnanandhaa mit Weiß in einem Königsinder nach allen Regeln der Kunst überspielt.
"Ich spiele sehr gerne Königsindisch. Natürlich stehe ich nach der Eröffnung immer schlecht, aber ich bin ziemlich gut darin, taktische Tricks zu finden", meinte Sindarov anschließend gut gelaunt.
Javokhir Sindarov im Interview mit Maurice Ashley
In der dritten Partie des Tages hatte Praggnanandhaa Weiß gegen Hikaru Nakamura und es schien zunächst, als ob er zum zweiten Mal in Folge verlieren würde. Nakamura hatte in einem Endspiel mit einem Mehrbauern klare Gewinnchancen, aber es war Praggnanandhaa, der am Ende mit viel Glück gewann.
"Ich stand völlig auf Gewinn, aber habe dann den Kopf verloren", meinte Nakamura nach der Partie.
Hikaru Nakamura im Gespräch mit Maurice Ashley
Das gab Praggnanandhaa Rückenwind und er gewann die zweite Partie gegen Nakamura überzeugend.
Tag 2 lief nicht gut für Hikaru Nakamura | Foto: Lennart Ootes
Mit einem Sieg gegen Caruana in Partie 5 sorgte Praggnanandhaa dann für den dritten Sieg in Folge, und so reichte ihm in der sechsten und letzten Partie des Tages ein Remis gegen Caruana, um die Tabellenführung zu übernehmen, nicht zuletzt, weil es am zweiten Tag für jeden Sieg zwei Punkte gab, und nicht nur einen, wie an Tag 1.
Praggnanandhaa im Gespräch mit Maurice Ashley
Stand nach Tag 2
Grafik: Saint Louis Chess Club
Der Tabellenstand nach dem zweiten Tag zeigt, wie schnell sich das Blatt beim Clutch-Chess-Turnier drehen kann: Nach Tag 1 führte Nakamura vor Sindarov, Caruana und Praggnanandhaa.
Stand nach Tag 1
Grafik: Saint Louis Chess Club
Nach Tag 2 ist es beinahe genau umgekehrt: Praggnanandhaa führt, Caruana und Sindarov teilen sich die Plätze zwei und drei, und Nakamura liegt am Tabellenende.
Aber entschieden ist noch nichts, denn am dritten und letzten Tag des Turniers gibt es für jeden Sieg drei Punkte, für ein Remis jedoch nur einen Punkt. Jeder der vier Teilnehmer kann also mit Glück und guten Nerven noch 18 Punkte holen und das Turnier gewinnen.
Fabiano Caruana erklärt, warum und wie noch jeder das Turnier gewinnen kann
Wie Großmeister ohne Feuerwerk gewinnen: GM Jan Markos zeigt Ihnen 11 sehr praktische Tipps, von „Wie man in verlorener Stellung spielt“ bis „Geduldig sein wie Carlsen“, die Ihr Turnierschach verbessern werden.
Die meisten Schachbücher zeigen Ihnen, worüber Sie nachdenken sollen. Diese Reihe zeigt Ihnen, was Sie tatsächlich tun, wenn die Uhr läuft und das Ergebnis auf dem Spiel steht. Band 1 ist aus GM Jan Markos’ viel beachteter Kolumne „Practical Tips for the Tournament Player“ im ChessBase Magazin hervorgegangen. Er behandelt die Entscheidungen, vor denen jeder Turnierspieler steht, noch bevor die Stellung überhaupt kompliziert wird: wie Sie Ihre Bedenkzeit einsetzen, wie Sie mit Druck umgehen und wie Sie denken, wenn es wirklich um etwas geht.
Johannes FischerJohannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
28.10.2026 – Hikaru Nakamura war zum Auftakt des Clutch Chess: Champions Showdown in Saint Louis gut in Form und setzte sich mit zwei Siegen und vier Remis mit 4 aus 6 an die Spitze des Feldes. Sindarov liegt mit 3,5 aus 6 auf Platz zwei, Caruana blieb mit 2,5 aus 6 knapp unter 50 Prozent und auch für Praggnanandhaa lief mit 2 aus 6 wenig zusammen. "Ich glaube, ich habe Fabi und Pragg recht überzeugend überspielt", lautete Nakamuras selbstbewusstes Fazit am Ende des ersten Turniertags. | Foto: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club
26.10.2026 – Vom 27. bis 29. Oktober treffen beim Clutch Chess: Champions Showdown in Saint Louis vier Weltklassespieler aufeinander: Fabiano Caruana, Hikaru Nakamura, Praggnanandhaa Rameshbabu und Javokhir Sindarov (Bild). An drei Tagen spielen sie jeweils sechs Schnellschachpartien gegeneinander, wobei Siege von Tag zu Tag mehr Punkte bringen. Für zusätzliche Spannung sorgt ein Jackpot, der mit jeder Remispartie größer wird. | Foto: Nils Rohde / ChessBase
Die Aljechin-Verteidigung ist ein eher seltener Gast im Turnierschach, vielleicht zu Unrecht. Die Praxis zeigt nämlich, dass Schwarz gegen die Hauptvarianten ganz gut gewappnet ist. Hier setzt das Autorenduo Luther/Jordan an und schlägt nach den Anfangszügen 1.e4 Sf6 2. e5 Sd5 3. d4 d6 eine giftige Antwort vor: 4.Lc4. Damit vermeidet Weiß die theoretisch zum Teil tiefe analysierten Hauptabspiele und versucht eine gesunde Stellung mit Angriffschancen zu erhalten. Die beiden Autoren setzen sich in ihrer Präsentation mit den Antworten …Sb6, …dxe5, …c6 und …e6 auseinander und zeigen auf, wie der Anziehende jeweils auf Vorteil spielen und den Gegner mit „giftigen“ Zügen unter Druck zu setzen kann. Ein für die Praxis leicht zu erlernendes Angriffsrepertoire für den Weißspieler!
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Den meisten Spielern fehlt nicht die Lust am Angriff, sie schlagen nur im falschen Moment zu, und GM Sipke Ernst zeigt Ihnen, welche Signale für den Angriff auf den König sprechen und wann ein anderer Plan gefragt ist.
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Der Nimzo-Inder hat sich seit über einem Jahrhundert bewährt: Bis heute ist er eine erste Wahl der Weltelite, von Magnus Carlsen bis Praggnanandhaa, und er bleibt eine der zuverlässigsten Möglichkeiten für Schwarz, nach 1.d4 2.c4 3.Sc3 um echte Chancen zu
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