07.08.2023 – Mit einer überzeugenden Vorstellung gegen den Iraner Amin Tabatabei hat Vincent Keymer (Bild) die vierte Runde des World Cups erreicht. Dort trifft er auf Magnus Carlsen, der sich gegen seinen Landsmann Aryan Tari durchsetzen konnte. Rasmus Svane sicherte sich mit einem schnellen Remis gegen Mamedyarov-Bezwinger Tin Jingyao ebenfalls den Einzug in Runde 4, aber Matthias Blübaum muss gegen Vidit Gujrathi ins Stechen und Alexander Donchenko schied gegen Parham Maghsoodloo aus. Im World Cup der Frauen kam Elisabeth Pähtz mit einem Endspielsieg gegen Blitzweltmeisterin Bibisara Assaubayeva eine Runde weiter. | Fotos: Stev Bonhage, Anna Shtourman, Maria Emelianova (FIDE)
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FIDE World Cup 2023, Runde 3, Tag 2
Die erste Partie des Wettkampfs gegen den Iraner Amin Tabatabaei in der dritten Runde des World Cups hatte Vincent Keymer mit Schwarz gewonnen, und so brauchte er in der zweiten Partie des Wettkampfs mit Weiß nur ein Remis, um eine Runde weiterzukommen. Keymer löste diese Aufgabe mit Bravour. In einem Fianchetto-Königsinder gewann er im beginnenden Mittelspiel eine Qualität und nach einer Ungenauigkeit seines Gegners auch die Partie.
Als Lohn für diesen klaren 2-0 Sieg wartet in Runde 4 Magnus Carlsen auf Keymer. Carlsen musste in Runde 3 gegen seinen Landsmann und Freund Aryan Tari antreten und war an Tag 1 der dritten Runde mit Weiß 1-0 in Führung gegangen. Mit einem Remis in Partie 2 sicherte er sich dann den Einzug in Runde 4. Allerdings verpasste Tari im entscheidenden Moment eine gute Chance, die Nummer 1 der Welt ernsthaft unter Druck zu setzen.
Konzentriert: Magnus Carlsen
Vielleicht hatte er zuviel Respekt: Aryan Tari verpasste gegen Carlsen eine gute Chance
Außer Keymer sind im offenen Turnier noch zwei weitere Deutsche im Rennen: Rasmus Svane, der nach nur 23 Zügen gegen Tin Jingyao im c3-Sizilianer Remis durch Zugwiederholung schaffte, was ihm zum 1,5-0,5 Wettkampfsieg reichte, und Matthias Blübaum, der gegen Vidit Gujrathi nach 16 Zügen Remis machte und jetzt auf seine Chancen im Tiebreak hoffen kann.
Alexander Donchenko musste nach seiner gestrigen Niederlage gegen Parham Maghsoodloo mit Weiß gewinnen und setzte den Iraner auch die ganze Partie hindurch unter Druck, aber musste am Ende ins Remis einwilligen und seine Träume vom Weiterkommen im World Cup begraben.
Alexander Donchenko
Parham Maghsoodloo
Ebenfalls ausgeschieden ist Maxime Vachier-Lagrave, der in einer theoretisch und taktisch interessanten Partie gegen den 17-jährigen Usbeken Javokhir Sindarov verlor.
Mit Maxime Vachier-Lagrave musste sich ein weiterer Spitzengroßmeister aus dem Rennen um den World Cup verabschieden.
Weiter im Rennen ist jedoch Hikaru Nakamura, der mit Weiß gegen Benjamin Gledura zu einem überzeugenden Sieg kam. Nach der Partie kommentierte Nakamura die Partie auf seinem Streaming-Kanal - so wie er bislang alle seine Partien beim World Cup nach der Runde analysiert hat und damit immer wieder bemerkenswerte Einblicke in das Denken eines Großmeisters liefert.
Eine Reihe von Spitzengroßmeistern müssen hingegen in den Tiebreak, unter anderem Fabiano Caruana, Ian Nepomniachtchi, Teimour Radjabov, Wesley So, Anish Giri, Yu Yangyi, Nikita Vitiugov, Wang Hao, Wei Yi und Vasyl Ivanchuk.
Im World Cup der Frauen kam Elisabeth Pähtz zu einem wichtigen Sieg gegen die Kasachin Bibisara Assaubayeva, die 2021 und 2022 die Blitzweltmeisterschaft der Frauen gewinnen konnte. Assaubayeva hatte Weiß, aber schien mit einem Remis und anschließendem Stichkampf zufrieden zu sein und tauschte munter Figuren. So stand bald nach der Eröffnung ein Springerendspiel auf dem Brett, in dem Pähtz ihre Gegnerin allmählich überspielte und sich so für Runde 4 qualifizieren konnte.
Elisabeth Pähtz
In Runde 4 wartet allerdings schon die nächste schwere Gegnerin auf Elisabeth Pähtz: Frauen-Weltmeisterin Ju Wenjun.
Auch Mariya und Anna Muzychuk konnten sich für die Runde der letzten 16 qualifizieren, allerdings treffen sie dort aufeinander. In Turnieren trennen sich die beiden Schwestern immer Remis, aber in diesem Wettkampf müssen sie die Entscheidung suchen.
Der überzeugendste Auftritt beim World Cup der Frauen gelang bislang der Holländerin Eline Roebers: Sie konnte alle ihre bisherigen sechs Partien gewinnen. In Runde 3 setzte sie sich 2-0 gegen die Polin Klaudia Kulon durch.
Mit 6 aus 6 ist Eline Roebers bislang die erfolgreichste Punktesammlerin beim World Cup.
Johannes FischerJohannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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