Fiona Sieber in ihrem Schachjahr
Du bist nun in der Mitte deines Schachjahres angelangt. Wie gefällt es dir?
Ich spiele und trainiere sehr gerne für Schach, daher ist es toll mich darauf fokussieren zu können. In den letzten Monate habe ich viele Turniere gespielt, wodurch ich viel gereist bin.
Dein größter Erfolg war sicherlich dein Sieg beim German Masters im August. Wo hast du noch gespielt?
Danach ging es nach Gran Canaria, Norwegen und von dort zum U25 Open in Berlin. Im Dezember stand dann das Turnier in Skopje auf dem Plan, wo ich nach einer starken zweiten Turnierhälfte als beste Frau abschloss. Anschließend habe ich noch bei den Open in Nancy und Sevilla gespielt. Natürlich durfte auch der Ligabetrieb nicht fehlen: Seit dieser Saison spiele ich für Werder Bremen. Der Verein unterstützt mich in meinem Schachjahr. In der Frauenbundesliga bin ich bereits seit drei Jahren für die Rodewischer Schachmiezen aktiv. Insgesamt komme ich seit August auf 70 klassische Partien.
Bist du zufrieden, wie es läuft? Und geht es weiter in diesem Rhythmus?
Natürlich wünscht man sich, dass ein Jahr voller Schach automatisch eine Serie von Erfolgen bedeutet. Doch realistisch betrachtet dauert es oft Monate, bis sich intensives Training auch in den Ergebnissen widerspiegelt. Zwischen Erfolgen gibt es immer wieder Rückschläge. Trotzdem bin ich optimistisch, dass sich meine Hingabe langfristig auszahlen wird. Ich arbeite kontinuierlich auf mein Ziel, den IM-Titel zu erreichen, hin.
Im Februar liegt mein Fokus auf gezieltem Training: Anfang des Monats fand ein Trainingslehrgang der Nationalkader in Oberhachingen statt. Dort forderte uns Bundestrainer GM Yuri Yakovich mit intensiven Einheiten zu Variantenberechnung, Strategie und Turmendspielen. Die Männer hatten sich den berühmten indischen Trainer GM Ramachandran Ramesh als Dozenten eingeladen, den auch wir Frauen kennenlernen durften. Sein Training basiert auf computerähnlicher Variantenberechnung, wie er in seinem Taktikbuch Improve Your Chess Calculation beschreibt – einem Buch, mit dem ich seit einigen Monaten arbeite.
Gibt es weitere Bücher, mit denen du regelmäßig trainierst?
Natürlich gibt es einige Schachklassiker, die in meinem Regal stehen, doch ich nutze sie hauptsächlich als Nachschlagewerke. In den meisten Fällen benötige ich sehr spezifisches und hochaktuelles Material, besonders zu Eröffnungen. Dabei hilft mir die MegaBase, um relevante Partien herauszufiltern und aus deren Kommentaren Hintergründe und Pläne zu erlernen.
Vor kurzem ist auch der Maroczy-Kurs von GM Evgeny Romanov herausgekommen: Der Kurs ist wie ein strategischer Kompass mit dem ich mich in den Varianten und Zugumstellungen besser orientieren kann!
Was sind deine nächsten Pläne?
Aktuell ist mein Trainings- und Turnierplan auf die Frauen-EM vom 30. März bis 12. April ausgerichtet. Das Turnier wird in diesem Jahr erneut auf Rhodos ausgetragen. Zur Vorbereitung spiele ich Ende Februar bis Anfang März das Open des Prager Schachfestivals.
Was war die überraschendste Lektion, die du bisher durch dein Schachjahr gelernt hast?
Dass für eine gelungene Schachpartie unzählige kleine Aspekte zusammenkommen müssen: Trifft die Vorbereitung genau ins Schwarze? Liegt einem der entstehende Stellungstyp? Bekommt man die kritische Stellung gerade vor oder nach der Zeitnotphase aufs Brett? Kann man mental gut mit dem Druck umgehen? Ist man gut ausgeruht und voll konzentriert? Und vieles mehr…
All diese „Kleinigkeiten“ sind entscheidend für den Erfolg – und genau diese Komplexität fasziniert mich am Schach.
Vielen Dank für die Einblicke!
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