Die Sizilianische Verteidigung gilt schon immer als Antwort kämpferischer Spieler auf 1.e4. Sie wird für ihr Ungleichgewicht, das Gegenspiel und die Gewinnchancen mit Schwarz geschätzt. Ihre bekanntesten Varianten – darunter die Najdorf-, die Sveschnikov- und die Drachenvariante – zählen jedoch auch zu den am intensivsten analysierten Bereichen der Eröffnungstheorie. Umfangreiches Auswendiglernen ist dabei unabdingbar. Vor diesem Hintergrund können weniger bekannte Systeme eine praktikable Alternative bieten, die solide Ideen mit Überraschungseffekt verbinden.
Eine solche Variante ist die Löwenthal-Variante. Sie entsteht nach 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 e5 5.Sb5 a6.
Traditionell trifft das frühe ...a6 aufgrund der strukturellen Zugeständnisse von schwarzer Seite auf gewisse Skepsis. Die Variante konnte dennoch immer wieder wagemutige Denker auf ihre Seite ziehen. Anstatt etablierten Urteilen unkritisch zu folgen, untersucht der niederländische IM Nico Zwirs die Variation eingehend. Er widmet sich den Grundlagen und prüft ihr praktisches Potenzial.
Das Ergebnis ist ein auf Flexibilität basierendes Repertoire. Der Kurs liefert keine starrköpfige Herangehensweise, sondern zwei sich ergänzende Ansätze:
Dieses Vorgehen des Autors erlaubt es dem Lernenden, seine Wahl an den Gegner, die Turniersituation oder einfach an die eigene Stimmung am Brett anzupassen.
Ein Teil dieses Kurses kann kostenlos angeschaut werden. Nachfolgend finden Sie einige Einblicke, um herauszufinden, ob in Ihnen ein Löwenthal-Spezialist steckt!
Die Rückkehr der Dame nach d1 nach dem schwarzen Zug 7…Df6 ist die Hauptvariante der Löwenthal-Verteidigung. Die Hauptvariante wird dann mit 8.Dd1 Dg6 fortgesetzt.
Diese Stellung war beispielsweise in der 11. Runde des Kandidatenturniers 1962 in Curaçao zu sehen. Bobby Fischer besiegte damals Michail Tal mit Weiß. 2005 schlug Paco Vallejo den damals auf seinem Höhepunkt befindlichen Vladimir Kramnik mit Schwarz im Blindschach beim Melody-Amber-Turnier.
Nico Zwirs beginnt an dieser Stelle, die vielen Alternativen zu dieser Stellung zu untersuchen. In vielen Varianten bietet Weiß mit dem Springer auf c7 Schach, worauf Schwarz mit ...Ke8-e7 antworten muss. Wie Zwirs erklärt, sollte Schwarz, selbst wenn Weiß den Turm auf a8 schlägt, nicht voreilig Material zurückgewinnen, sondern sich darauf konzentrieren, die Initiative zu ergreifen!
Zum Beispiel in der Nebenvariante, die aus 8.Dd1 Dg6 9.Sc3 d5 10.Sxd5 Sxe4+ 11.Le2 Sd4 12.Sc7+ Ke7 13.f3 Sxc2+ ... entsteht
...und nach 14.Kf2 Dc6 15.Sxa8 Dc5+ 16.Kf1...
Schwarz sollte nicht übereilt den Turm mit 16…Sxa1 zuschlagen, sondern stattdessen 16…Sf6 spielen und sich auf die Entwicklung konzentrieren.
Sobald wir die Stellung verstanden haben, erkennen wir, dass es genau diese Art von Entscheidungen ist, die diese Variante rechtfertigen. In verschiedenen Phasen der Eröffnung und des frühen Mittelspiels wird deutlich, dass Weiß schwierige Entscheidungen treffen muss – und wenn er nicht gründlich auf diese Variante vorbereitet ist, wird er wahrscheinlich Fehler machen – das erklärt Zwirs sehr anschaulich!
Übertragung aus dem Englischen: Stefan Liebig