Helmut Pfleger in der ZEIT

von ChessBase
05.02.2026 – In der Ausgabe 6/2026 seiner Schachkolumne im ZEITmagazin taucht Deutschlands dienstältester Schachkolumnist Helmut Pfleger mithilfe eines Beitrags von Michael Ehn im Schachmagazin Karl ins Wiener Kaffeehausschach ab. Der große Kenner der österreichischen Schachgeschichte löst in seinem Artikel unter anderem das Rätsel um die verschwundenen Semmeln.

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Im Kulturellen Schachmagazin Karl berichtet Michael Ehn, der große Kenner der Schachgeschichte Österreichs beziehungsweise Wiens, von einem besonderen Gast des Kaffeehausschachs: „Als ich in den Siebzigerjahren einen Abend im Café Laudon, einem der letzten Wiener Schachcafés, verbrachte, fiel mir ein großer hagerer Mann auf, der wie ein nervöser Schmetterling von Partie zu Partie flatterte, kurz kiebitzte und zu jeder Partie ein, zwei zynische Bemerkungen von sich gab, was aber niemanden zu stören schien. Nachlässig wirkte seine Kleidung, ab und zu verschwand er in Richtung Toilette.“

Als dieser Gast freilich mampfend und kauend aus dem stillen Örtchen vor dem auf der Lauer liegenden Kaffeehausbesitzer wieder auftauchte, löste sich das Rätsel um die (frei liegenden) verschwundenen Semmeln: „Jetzt haben wir Sie endlich, Sie Semmeltod!“, stieß dieser hervor. Der langjährige Semmel- und Kuchendieb war enttarnt und bekam Lokalverbot.

Die großen Momente und die kleinen Anekdoten der Schachgeschichte: wer wüsste besser davon zu erzählen als Dr. Helmut Pfleger?

Dies war Ehns erste Begegnung von vielen mit Heinrich Bernleitner (1937–2010). Dieser hatte etliche Talente, auch als Karikaturenzeichner, aber nicht den Willen, damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Nie übte er einen Beruf aus und war viele Jahre obdachlos. Auf den Toiletten der Kaffeehäuser verköstigte und wusch er sich auch. Seine Heimat war im wortwörtlichen Sinn das Kaffeehaus. In manchen bekam er Lokalverbot, in anderen durfte er sogar übernachten. Ein bürgerlicher Alltag war ihm völlig fremd, oft stellte er sich in Verballhornung seines Namens als „Leibrentner“ vor, was bald zu seinem Spitznamen wurde. Trotz elender Lebensbedingungen komponierte er allerdings mit sprühender Fantasie bemerkenswerte (Problem-)Kunstwerke. Seine Erklärung dafür: „Probleme kann ich nur in einem Zustand großer Konzentration und innerer Reinheit komponieren. Ich esse dann tagelang vorher ausschließlich Semmeln und trinke Milch.“

Wie setzt Weiß am Zug in dieser selten schönen Komposition, bei der der eigene König eine entscheidende Rolle spielt, in vier Zügen matt?

Zur Kolumne von Helmut Pfleger...

Das Kulturelle Schachmagazin Karl

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