Frisch rezensiert: 60 Minuten gegen Caro-Kann

von Jochen Schwarz
11.01.2026 – Das Konzept der Chessbase „60 Minuten“-Kurse ist einfach: 1 Stunde Video-Kurs für knappe 10 Euro. Es gibt auch Kurse zu Mittel- oder Endspiel-Themen, die meisten Kurse stellen allerdings teilweise recht „spezielle“ Eröffnungsvarianten vor. In seinem zweiten Beitrag einer kleinen Serie stellt Jochen Schwarz hier die wichtigsten 60-Minuten-Kurse für 1.e4-Spieler gegen die Caro-Kann-Verteidigung vor.

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In den ersten beiden Beiträgen dieser Serie wurden 60-Minuten-Videokurse gegen die Sizilianische Verteidigung und Kurse gegen die Französische Verteidigung vorgestellt

60-Minuten-Kurse gegen Caro-Kann

Für diesen Beitrag habe ich Kurse untersucht, die jeweils ein komplettes Repertoire gegen die Caro-Kann-Verteidigung präsentieren. Diese Kurse eignen sich zum einen für Vereinsspieler, die das aufwendige Studium der Hauptvarianten vermeiden und trotzdem aussichtsreiche Varianten spielen möchten. Stärkere Spieler und Spielerinnen finden hier Alternativen für ihr Repertoire, mit denen sie gut vorbereitete Gegner überraschen können.

In Amateurkreisen sehr beliebt ist die Abtausch-Variante 1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5. Sie ist recht einfach zu erlernen und bietet bei geringem Risiko Chancen auf einen leichten Eröffnungsvorteil. Drei der hier vorgestellten Kurse haben die Abtausch-Variante in unterschiedlichen Ausprägungen zum Thema.

The Caro-Kann Exchange Variation with 4.Nf3 (Nico Zwirs)

Dieser neue Kurs des niederländischen IM behandelt die Variante 4.Sf3 (statt des häufiger gespielten 4.Ld3).

Das Ziel ist eine sogenannte „Carlsbad-Struktur“, die mit vertauschten Farben auch z.B. in der Abtausch-Variante des Damengambits entstehen kann. Weiß strebt in der Folge den Abtausch des schwarzfeldrigen Läufers an und erhält dann eine sehr angenehme und solide Stellung. Der Autor behandelt nach einer einführenden Zusammenfassung der Theorie die folgenden Varianten:

1.e4 c6 2.d4 d5 3.cxd5 cxd5 4.Sf3

  • 4...Sc6 5.c3 Sf6
  • 4...Sc6 5.c3 Lg4
  • 4...Sc6 5.c3 Lf5
  • 4...Sc6 5.c3 Dc7 und g6

Frühe Abweichungen: 4...Sf6/Lf5

Der Kurs eignet sich sehr gut für Spieler, die Komplikationen in der Eröffnung vermeiden und sich mehr auf den strategischen Aufbau der Partie konzentrieren möchten.

A dangerous weapon against the Caro-Kann in 60 Minutes (Andrew Martin)

Einen anderen Ansatz stellt der englische IM und Trainer Andrew Martin vor: 1.e4 c6 2.Sf3 d5 3.exd5 cxd5 4.Se5!? Es handelt sich hier auch um eine Abtausch-Variante, bei der Weiß aber den Zug d4 verzögert und stattdessen mit 2.Sf3 und 4.Se5 versucht, dem Schwarzen z.B. auf der Diagonale a4-e8 Probleme zu bereiten.

Daneben gibt es weitere Ideen wie Tricks auf c6 und f7, oder die Verstärkung des Springers mit f4. Nicht selten ist damit ein Angriff auf die schwarze Königsstellung verbunden. Es handelt sich hier um eine trickreiche Nebenvariante, in der sich der Nachziehende gut auskennen muss, um nicht in Nachteil zu geraten. Der Autor präsentiert die Ideen und Pläne anhand von 10 beispielhaften Partien.

Als Ergänzung zum Thema Abtausch-Variante dienen kann der etwas ältere Kurs:

Play the Exchange Variation against the Caro-Kann (Nigel Davies)

Hier wird der klassische Ansatz dieser Variante erläutert, also 1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.Ld3.

Der englische GM präsentiert hier eine klare Erklärung der Strategie für beide Seiten sowie Antworten auf beliebte Erwiderungen wie 4...Sc6 5.c3 Dc7.

Wir verlassen nun das Gebiet der Abtausch-Variante und betrachten zwei Kurse des englischen IM Lawrence Trent.

The Ne2 Caro-Kann (Lawrence Trent)

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Die Idee des recht ungewöhnlichen Zuges 2.Se2 ist, auf die „normale“ Erwiderung 2...d5 mit 3.e5 eine Art Vorstoß-Variante zu erreichen, bei der der Se2 schon auf den weißfeldrigen schwarzen Läufer lauert, um diesen dann mit Sg3 oder Sf4 zu attackieren.

Wenn Schwarz hier zu sehr nach dem üblichen Caro-Kann-Schema mit frühem ...Lf5 fortsetzt, kann er Probleme bekommen.

Gut gefällt mir, dass der Autor seine Analyse-Videos noch mit vier Übungen im interaktiven FritzTrainer-Format ergänzt, bei denen wir das Erlernte gleich testen können:

Sehr beliebt in Amateurkreisen ist auch die „Fantasy-Variante“  1.e4 c6 2.d4 d5 3.f3, die Lawrence Trent in diesem Kurs vorstellt:

Winning with the fantasy variation (Lawrence Trent)

Weiß lädt den Nachziehenden ein, nach 3...dxe4 mit 5.Sf3 ein Gambit zu spielen, da 4.fxe4 aus taktischen Gründen nicht funktioniert.

Die Annahme des Gambits ist sehr gefährlich, daher ist Schwarz vielleicht gut beraten, auf solidere Varianten wie 3...e6 oder 3...g6 zu setzen. Diese werden vom Autor ebenfalls in eigenen Videos besprochen.

Auch in diesem Beitrag möchte ich wieder einen Kurs vorstellen, der etwas „aus der Reihe tanzt“. Er ist zwar primär für Caro-Kann-Spieler gedacht, ist aber auch für Weiß-Spieler, die gerne den Panow-Angriff spielen, sehr interessant. Ganz nebenbei war dieser Kurs mein erster 60-Minuten-Kurs!

A clear program to fight the Panov Attack (Henrik Danielsen)

In diesem Kurs stellt der dänische Großmeister ein Repertoire für Caro-Kann-Spieler gegen den „Panov-Angriff“ (2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.c4) vor. Er empfiehlt die Variante mit 5...Sc6 (nach 3.exd5 cxd5 4.c4 Sf6 5.Sc3) und stellt dann die einzelnen Abspiele vor. Der Clou seines Repertorievorschlages ist, dass er das nach 6.Sf3 Lg4 7.cxd5 entstehende berühmte Panow-Endspiel vermeidet, ohne dabei in obskure Nebenvarianten abzugleiten. Konkret geht es um diese Stellung, die in dieser Variante regelmäßig entsteht:

Üblicherweise setzt Schwarz hier mit 13...Dd7 fort, was nach dem Tausch der Damen zum angesprochenen „Panov-Endspiel“ führt. 13...Sxc3 ist eine riskante, aber auch chancenreiche Variante, in der Weiß sehr genau spielen muss, um nicht in Nachteil zu geraten. Ich habe selbst einmal mit dieser Variante einen deutlich stärkeren Spieler geschlagen, der die Variante nicht gut kannte. Hier ein Beispiel:

In dieser Stellung (nach 14.bxc3 Tb8) sollte Weiß keinesfalls das einladende 15.La3+ spielen, denn nach 15...Kf6 16.Da4 Lxa3 17.Dxa3 Dd3! steht Weiß aufgrund der Drohung ...Tb5 und ...Te5+ quasi auf Verlust.

Die Varianten nach 6.Lg5 (statt 6.Sf3) dxc4 bilden einen weiteren Schwerpunkt der Ausführungen.

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Jochen Schwarz spielt für die Schachabteilung des SV Werder Bremen – aktuell als Ersatzspieler in der vierten Mannschaft in der Landesliga Nord. In seinem Heimatverein, den Schachfreunden Heimersheim (Alzey, Rheinhessen), ist er als Trainer und Spielleiter aktiv. Bei ChessBase ist er seit über 35 Jahren Kunde (erste Version: ChessBase 2.3 für DOS), und schätzt neben den Programmen vor allem das Angebot an interaktiven Trainings-Videokursen und das ChessBase Magazin.
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