Frisch rezensiert: ChessBase Magazin 232

von Lukas Köpl
25.07.2026 – Die aktuelle Ausgabe des ChessBase Magazin trägt die Nummer 232 und ist wieder reichlich gespickt mit Trainingsinhalten zu verschiedenen Bereichen des Schachs. In seiner Rezension untersucht Lukas Köpl die verschiedenen Inhalte und legt hierbei den Schwerpunkt auf den Praxisartikel von Jan Markos.

„Matt macht Laune!“: Taktiktraining mit Oliver Reeh - „Normale Züge reichen nicht!“: Andy Woodward analysiert seine Partie gegen Magnus Carlsen - 11 Repertoireartikel vom Londoner System bis Nimzo-Indisch. Inkl. hochwertiger Print-Edition.
Das ChessBase Magazin bietet erstklassiges Trainingsmaterial für Vereinsspieler und Profis! Weltklassespieler analysieren ihre Glanzpartien und erklären Ihnen die Ideen hinter den Zügen. Eröffnungsspezialisten präsentieren die neuesten Trends in der Eröffnungstheorie und spannende Ideen für Ihr Repertoire. Meistertrainer in Sachen Taktik, Strategie und Endspiel zeigen Ihnen genau die Tricks und Techniken, die man als erfolgreicher Turnierspieler braucht! Download-Version (inkl. pdf-Datei)
Im Lieferumfang enthalten: CBM #232 als „ChessBase Book“ für iPad, Tablet, Mac etc.! Auf books.chessbase.com


ChessBase Magazin

Die in zwei Monatsabständen regelmäßig bei ChessBase erscheinende Schachzeitschrift Chessbase Magazin (kurz: CBM) hat eine lange Tradition. Aktuellste Turniere, neueste Eröffnungstrends sowie Endspiele aus der gegenwärtigen Turnierpraxis finden hier, neben Taktik- und Mittelspieltraining ihre eigenen Abschnitte, die zu einem umfangreichen und umfassenden Training beitragen sollen.

Jan Markos: Die 8. Reihe (in: Praxistipps für Turnierspieler)

In meiner vorherigen Rezension habe ich bereits die Magazinstruktur erläutert. Ich möchte für diese Rezension jedoch einen etwas anderen Schwerpunkt setzen. Anstatt das gesamte Angebot im CBM #232 zu untersuchen, habe ich als Schwerpunkt den Artikel von GM Jan Markos herangezogen, welcher unter der Rubrik „Praxistipps für Turnierspieler“ mit dem Titel „Die 8. Reihe“ erschienen ist.

Um das Thema richtig zu verorten, muss man etwas weiter ausholen. Bereits im CBM#231 hatte GM Jan Markos begonnen, eine Artikelreihe zum strategischen Element der Offenen Linien zu untersuchen. Im Vergleich zu halboffenen Linien besitzen offene Linien in der Regel tiefere Einbruchsfelder, da kein Bauer mehr auf der 7. Reihe (bzw. 2. Reihe) steht. Dies hat Einfluss auf die Bewertung offener Linien und deren Nutzen.

Lassen Sie uns gemeinsam lernen, wie man die besten Felder für die Dame im frühen Mittelspiel findet, wie man diese Figur auf dem Brett navigiert, wie man den Damenangriff zeitlich abstimmt, wie man entscheidet, ob man sie tauscht oder nicht, und vieles m

Unter Jan Markos Artikelreihe geht man von offenen Linien aus, in denen eine Seite bereits gute Aussichten hat, diese zu besetzen, zu kontrollieren oder zu dominieren. Laut gängiger Theorie (siehe auch Mikhalchishins „Master Your Technique – Vol. 3 – Practical Techniques you must know“) sind offene Linien neben der Abschneide-Funktion (z.B. des gegnerischen Königs) anhand von Einbruchsfeldern zu bewerten. Einbruchsfelder sind schwache/starke Felder, die in der Regel in der gegnerischen Bretthälfte liegen.

Im Vereinstraining vergleiche ich offene Linien gerne mit der Autobahn und ein Einbruchsfeld mit deren Ausfahrt. Wie wertvoll eine solche Ausfahrt bzw. ein solches Einbruchsfeld ist, beschreibt Markos in seiner Reihe als „Länge der Reihe“ und das Vorhandensein von Schwächen entlang der Reihe des Einbruchsfeldes. In der Mittelspieltheorie besitzt die 7. Reihe einen nahezu heiligen Status, was statistisch zu decken ist, da sich hier über eine längere Zeit die meisten gegnerischen Bauern befinden und der gegnerische König für einen möglichen Angriff der Schwerfiguren bereits abgeschnitten und später mittels Königsangriff angegangen werden könnte.

In diesem Videokurs werden wir einige bekannte Konzepte in Bezug auf die Läufer eingehend untersuchen. Zum Beispiel weiß jeder, dass ein Läuferpaar ihm einen positionellen Vorteil verschaffen sollte.

Im CBM#232 konzentriert sich Jan Markos jedoch auf das Einbruchsfeld der 8. Reihe, was meist im Schatten der populäreren 7. Reihe untergeht. Wie er aufzeigt, gibt es im Bezug auf die 8. Reihe einige nennenswerte Aspekte, die man wissen sollte, um etwaige Situationen in der eigenen Praxis entsprechend erkennen und – sofern möglich – verwerten zu können.

Aus seinem Artikel konnte ich zwei Aspekte herausfiltern, die für die Bewertung wichtig sein können:

  • Grundreihenschwäche
  • Umgehungsmanöver

Springer verleihen jeder Position eine unkonventionellen Richtung. In diesem Video-Tutorial erfahren Sie jedoch, wie Sie mit Springern umgehen können.

Im Bereich der Grundreihenschwäche unterscheidet man allgemein zwei Formen. Die natürliche Grundreihenschwäche (alle Bauern stehen auf der 7. bzw. 2. Reihe und bieten dem eigenen König kein „Luftloch“ bzw. Fluchtfeld) und die künstliche Grundreihenschwäche (oder Pseudo-Grundreihenschwäche), bei der ein Luftloch durch eine Figur blockiert oder durch die Wirkungsweise einer Figur bzw. eines Bauern genommen wird. Dadurch kann die Grundreihenproblematik erneuert werden.

Die folgenden Beispiele illustrieren diese beiden oben genannten Aspekte. Die Lösung finden Sie im Video unter den Aufgabe und am Ende des Textes als pgn.

Abbildung 1 - Bruzon - Jobava. Capablanca Memorial 2005

Hier spielte Jobava den entscheidenden Fehler 17…Tc8?. Wie würden Sie das mit Weiß bestrafen (Lösungen am Ende des Beitrags)?

Das zweite Motiv, welches über die 8. Reihe als Einbruchsfeld möglich ist, ist das Umgehungsmanöver. Dabei ist nicht das gleichnamige Motiv des Königs aus den Endspielen gemeint, sondern vielmehr das Eindringen des Turms auf die 8. Reihe, um dann entsprechend im Hinterland mittels Turmschwenks die vorhandenen Schwächen von hinten angehen zu können. Hierzu bedient sich Markos einer Stellung aus der Partie zwischen Giri und Tari.

Abbildung 2: Giri gegen Tari, Stavanger 2023

Schwarz zog im letzten Zug 32…T8b6? Wie kann Weiß das direkt bestrafen?

In diesem Videokurs werden Könige die Hauptrolle als starke und aktive Figuren spielen. Wir werden untersuchen, wie Könige bei der Verteidigung und Prophylaxe oder sogar beim Angriff hilfreich sein können!

Zusatzmaterial

Zusätzlich zur Videoerklärung gibt es im Anschluss an den Artikel noch fünf Übungsstellungen, die GM Jan Markos bereitgestellt hat, um das Gelernte zu vertiefen. Für eine kurze Trainingseinheit und somit für den Umfang des Artikels völlig ausreichend. Die Kommentare sind meist im Original gehalten und nicht für die Lektion angepasst worden, was manchmal wünschenswert gewesen wäre.

Einzig die Partien aus der Videoerklärung sind schwierig zu finden. Unter „Alle Partien dieser Ausgabe“ sind die per Filter zumindest nicht entnehmbar, was dessen Einbettung in die eigenen Datenbanken etwas umständlich gestaltet, da man abwarten muss, bis das Partiefragment in der Videoerklärung erscheint, ehe man es abspeichern kann.

Fazit

Ein sehr instruktiver Artikel zu einem wichtigen Thema. Zwar ist das Motiv nicht das häufigste in der Praxis vorkommende, wenn es um den Kampf um offene Linien geht. Jedoch besitzt es dennoch einen nicht zu überschätzenden Wert, da man die Dynamik einer gestörten gegnerischen Koordination ausnutzen muss, um hier Vorteil zu schlagen. Das verdeutlicht Markos mit seinem Beitrag sehr gut und zeigt diverse Aspekte auf, die es bei der Bespielung des vorliegenden Motivs zu beachten gilt.

Gesamtwertung: ★★★★ 4/5

-----------------

Lösung der Aufgaben:

ChessBase Magazine im ChessBase-Shop


Lukas Köpl, geboren 1989, ist ein leidenschaftlicher Vereins- und Turnierspieler, der mit aktiver Trainer- und Schiedsrichterlizenz seit mittlerweile über 15 Jahren erfolgreich als Schachtrainer tätig ist. Zu seinem erweiterten Themenfeld zählen journalistische Tätigkeiten für Schachzeitschriften und Verlage sowie die aktive Vereins- und Jugendarbeit. Als Schachspieler vertrat er über die Jahre in diversen Ligen bei mehreren Vereinen das Spitzenbrett.
Diskussion und Feedback Senden Sie Ihr Feedback an die Redakteure