Generation Cup: Carlsen sorgt für einen Eklat

von André Schulz
20.09.2022 – Am zweiten Spieltag des Julius Bär Generation Cups sorgte Magnus Carlsen für einen Eklat. Er gab seine Partie gegen Niemann nach einem Zug auf. Das war die meist diskutierte Partie, obwohl es auf den anderen virtuellen Brettern viel spannender zuging, auch in Carlsens Partie gegen Praggnanandhaa. Carlsen applaudierte seinem jungen Gegner.

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Magnus Carlsen und Hans Niemann in einem Turnier, das geht offenbar nicht. Im Sinquefield Cup zog sich Carlsen nach seiner Niederlage gegen Niemann aus dem Turnier zurück und eröffnete damit den Spekulationen über den Grund Tür und Tor. Beim Julius Bär Generation Cup, einem Online-Schnellschachturnier der Play Magnus Group, waren überraschenderweise beide Spieler in der Teilnehmerliste zu finden. 

In Runde sechs kam es zum direkten Aufeinandertreffen. Die Partie dauerte nicht lange. Carlsen gab nach einem Zug auf und führte Hans Niemann damit vor.

Alejandro Ramirez, der sich gerade im Interview befand, kommentierte das spontan so: "Carlsen spielt diese Partie aus Protest nicht. Das ist ein noch stärkeres Statement als der Rückzug aus dem Sinquefield Cup. Er weiß etwas, was wir nicht wissen. Aber dann muss er es sagen. Sonst ist sein Verhalten respektlos."

Magnus Carlsen hätte es nicht nötig gehabt, sich dieser Konfrontation mit Hans Niemann bei seinem eigenen Turnier auszusetzen. Er hätte das Turnier für sich auch absagen können. Oder er hätte die Partie auch einfach spielen können. Stattdessen wiederholte und vertiefte er mit dieser symbolischen Geste sein Statement aus dem Sinquefield Cup. Das wird  er nicht gemacht haben, wenn er nicht ganz sicher ist, dass "mit Niemann irgendetwas nicht stimmt", wie Ramirez es formulierte. Die Schachwelt ist in Aufruhr. 

Carlsen hat gegenüber dem Norwegischen TV erklärt, dass er während des Turniers keine Interviews geben wird. Aber Alejandro Ramirez hat recht. Carlsen kann Niemann nicht auf diese Weise vorführen, wenn er nicht irgendeine Form von Beweis für seinen Protest und die damit unausgesprochenen Beschuldigungen hat. Er muss sich dazu äußern.

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Es gab aber auch noch längere Partien. Carlsen selber war mit einem Remis gegen David Navara in den zweiten Spieltag gestartet. Nach der Sehrkurzpartie gegen Niemann besiegte der Weltmeister Levon Aronian und kam in Runde acht gegen einen stark aufspielenden Praggnanandhaa mit einem Remis davon. Vor dem Bildschirm applaudierte der Norweger dem jungen Inder. Dieser hatte zwei Runden zuvor Keymer besiegt und auch auch die übrigen Partien remisiert, was ihm zusammen mit Carlsen den zweiten Platz einbrachte. Vor den beiden liegt noch Pragnanands Landsmann Arjun Erigaisi, der mit Siegen über Hans Niemann und Levon Aronian den Tag begann und mit zwei Remisen abschloss.

Veteran Vassily Ivanchuk war am zweiten Spieltag nicht so erfolgreich wie am ersten. Gegen Radoslaw Wojtaszek verrechnete er sich und musste bald die Waffen strecken.


 

 

 

In der Schlussrunde rang der Ukrainer aber in einer spannenden und hochkomplizierten Partie Vincent Keymer nieder. 


 

 

 

Man konnte Hans Niemann im Video ansehen, dass Carlsen mit seiner Aufgabe einen Wirkungstreffer erzielt hatte. Am ersten Spieltag hatte Niemann drei Partien gewonnen, eine verloren. Vor der Begegnung gegen Carlsen hatte der US-Großmeister gegen Erigaisi verloren. Danach spielte er gegen Adhiban remis und verlor gegen Le. Seine 4,5 Punkte sind aber noch für den vierten bis achten Platz gut. Das wäre am Ende der Vorrunde die Qualifikation für die K.o.-Runde. Vincent Keymer belegt mit einem Punkt weniger Platz neun, was nicht reichen würde. Die Vorrunde wird mit einer Dreipunkteregel gespielt.

 

 

Partien

 

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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