Georg Meier ist in den Verband von Uruguay gewechselt

von André Schulz
20.10.2021 – Der Streit zwischen den Nationalspielern Georg Meier und Elisabeth Pähtz im letzten Jahr weitete sich zu einem handfesten Krach im Leistungsbereich des Deutschen Schachbundes aus. Seit Oktober ist Georg Meier nun als Konsequenz wie angekündigt in den Schachverband von Uruguay gewechselt. In Berlin gab Georg Meier ein Video-Interview zu diesem Thema. | Bild: Grenke Chess

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Ein Streit zwischen den Nationalspielern Elisabeth Pähtz und Georg Meier, der auf sozialen Medien begann, wuchs sich schließlich zu einem Konflikt zwischen Georg Meier und dem Deutschen Schachbund aus, da Meier dem DSB mangelnde Unterstützung vorwarf.

Die Zeitschrift Schach schrieb in ihrer Ausgabe vom August 2020 im Rahmen eines Interviews mit DSB-Präsident Ullrich Krause:

Elisabeth Pähtz kontra Georg Meier

Die beiden deutschen Nationalspieler gerieten auf den sozialen Netzwerken und, im Rahmen der Deutschen Schach-Internetmeisterschaft im Mai, auf dem Server von ChessBase aneinander. Fortwährende Sticheleien Meiers, die massiv ihre Psyche beeinflusst hätten, sie das Turnier völlig in den Sand setzen und zur direkten Partie nicht antreten ließen, führten, so Pähtz, zu einer öffentlichen Beleidigung. Meier forderte ihre Disqualifikation, rief später intern den DSB an und gab schließlich der Webseite »Perlen vom Bodensee« ein Interview, in dem er im Falle einer ausbleibenden Reaktion mit der Abwendung vom Deutschen Schachbund und einem Wechsel nach Uruguay, dem Heimatland seiner Mutter, liebäugelte. Im Zuge dessen veröffentlichte er einen privaten Chat mit Pähtz, den er mit dem DOSB verlinkte. Beide haben inzwischen anwaltliche Hilfe in Anspruch genommen. Zum Zeitpunkt unseres Redaktionsschlusses war eine Schlichtung des Konfliktes noch nicht abzusehen.


Georg Meiers Großeltern wanderten während der Nazizeit als Flüchtlinge nach Uruguay aus. Er selber ist 1987 in Trier geboren und dort aufgewachsen, hat aber familiäre Verbindungen in das südamerikanische Land. Als der Streit mit dem DSB eskalierte, drohte Meier mit einem Verbandswechsel nach Uruguay und bat den Schachbund später auf das "Ablösegeld" zu verzichten. Der Weltschachbund erlaubt Verbandswechsel von Spielern, danach wird der Spieler aber zunächst für zwei Jahre für offizielle Turniere gesperrt. Wenn sich die Verbände einigen, in der Regel durch Zahlung einer Entschädigung für geleistete Ausbildungsarbeit, kann der abgebende Verband auf die Sperre verzichten. Georg Meiers Anfrage lehnte der DSB aber ab.

Inzwischen, im letzten Dezember hat der Weltschachbund die Regeln für den Verbandswechsel bzw. die damit verbundene Sperrfrist geändert. Als Stichtag für die zweijährige Pause gilt nun nicht mehr der Tag des Antrages aus Verbandswechsel, sondern der letzte Einsatz für den abgebenden Verband. 

Georg Meier wurde 2003 Deutscher U16-Jugendmeister. Als Nationalspieler vertrat er Deutschland bei sechs Schacholympiaden. Der größte Erfolg in der deutschen Nationalmannschaft war der Gewinn der Goldmedaille bei der Europameisterschaft 2011.

Bei den europäischen Makkabiot 2011 in Wien und 2015 in Berlin gewann Meier die Goldmedaille im Schach, außerdem bei der internationalen Makkabiade 2017 in Jerusalem. 

Georg Meier spielte in der Bundesliga für eine Reihe von Mannschaften. Mit Baden-Baden wurde er viermal Deutscher Mannschaftsmeister. Zur Zeit spielt er für Deizisau.

Im Oktober hat Meier nun wie angekündigt seinen Verbandswechsel nach Uruguay vollzogen und wird von der FIDE seit dem 12. Oktober mit der Flagge von Uruguay geführt.

Im Rahmen der zentralen Endrunden der Bundesliga gab Georg Meier ein Video-Interview, in dem auch der Verbandswechsel angesprochen wurde.

Meldung beim Deutschlandfunk...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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rollinghills rollinghills 26.10.2021 10:34
Reisende soll man nicht aufhalten.
Klataro Klataro 26.10.2021 10:00
Ich sag nur: Kindergarten ...
Pemoe6 Pemoe6 24.10.2021 03:49
@Phantasy: Man sollte immer beide Seiten hören. Schließlich wurde dort das genaue Gegenteil behauptet: nämlich dass Georg im Internet selbst "gemobbt" hat (bzw. von fortwährenden Sticheleien war die Rede), und zwar so lange, bis endlich die Beleidigung, um die es geht, herausgekitzelt war.
Tja ... und welche Darstellung stimmt jetzt? Wir wissen es nicht genau.
schachkwak schachkwak 23.10.2021 08:45
So eindimensional kann man das wohl nicht sehen. Außerdem ist die Spitze des DSB nach der großen Eskalation inzwischen eine andere. Was man da alles lesen musste, war auf alle Fälle starker Tobak. Ich möchte davon nichts wiederholen. Deshalb meine Hoffnung - dass sich in Zukunft ein kooperatives Klima einstellt mit gegenseitigem Respekt ohne Grüppchen und Klientelpolitik (wenn es das gab - die verschiedenen Texte haben sich jedenfalls so gelesen). Und bei Georg Meier würde ich vermuten, dass er auch in Zukunft wahrscheinlich weiter irgendeine Rolle spielen wird - trotz Urugay-Verband.
Phantasy Phantasy 23.10.2021 08:15
Meiner Meinung nach ist überhaupt nicht alles gut. So wie ich den Fall verstehe, ist Georg Meier gegangen, weil er sich gemobbt fühlte und seine Leistungen nicht gewürdigt wurden. Warum sollte er das akzeptieren? Als sich der Sportverband für ihn einsetzen sollte, kam zuwenig, wenn überhaupt etwas zurückkam.

Wenn man schlecht behandelt wird, ist es besser zu gehen. Ein Beispiel: Es ist wohl Allgemeinwissen, dass Frauen, die von ihrem Mann geschlagen werden, den Mann verlassen sollten und zwar schnell. Sie gehen, weil sie schlecht behandelt werden.


Von verschiedenen Menschen oder Institutionen werden bestimmte Dinge erwartet. Wenn diese Dinge nicht erfüllt werden, löst man die Verbindung. Einem Stromanbieter, der keinen Strom liefert, wird auch gekündigt.

Kurz gesagt: Manche Dinge darf man sich nicht bieten lassen, sonst versauert man einfach. Es ist sehr schade für Deutschland, aber Georg Meier hat richtig gehandelt. Ich wünsche ihm alles Gute, er hat es verdient.
schachkwak schachkwak 23.10.2021 02:20
Georg Meier hat tatsächlich gute Leistungen für Deutschland gebracht, wurde vorher wahrscheinlich vom DSB gefördert, was eine Win-Win-Situation war, von der alle Parteien profitiert haben. Er gehört eigentlich immer noch zu den Top 8 von Deutschland. Bei den Top 4 gibt es aber gerade eine Ablöse.

Deshalb kann man sich auch einfach bedanken, ihm viel Glück wünschen. Er hat von Deutschland profitiert und für Deutschland Leistung gebracht. Er spielt auch jetzt noch für Deizisau, hat sich also nicht ganz verabschiedet. Keine Ahnung, ob die zusammen analysieren oder jeder für sich. Meiner Meinung nach ist damit alles gut.

Aber man muss auch hoffen, dass es keinen weiteren Streit gibt, sondern dass alle lieber etwas zusammen erreichen wollen - kooperativ.
CrimsonSeahawk CrimsonSeahawk 23.10.2021 01:27
Wenn man sich die "Fahnenflucht" von deutschen Spitzenspieler in andere Länder ansieht, nachdem sie in der Deutschen Nationalmannschaft sehr gute Leistungen gezeigt haben in den letzten Jahren steht endweder in der Spitze des DSB etwas nicht zum allerbesten, bei unterschiedlichen Präsidenten, oder aber man sollte darauf achten das bei den Spitzenspielern beide Elternteile einen deutschen Pass haben damit sowas nicht zur Routine wird bei Streiterein.
Pemoe6 Pemoe6 21.10.2021 02:08
Letzten Endes geht es aber nicht allein um die Leistungsfähigkeit. Auch die Chemie muss stimmen - zum einen bei den Kaderspielern untereinander, zum anderen mit dem Verband. Wenn man all die Berichte der letzten Jahre so verfolgt, war das Klima nicht allzu angenehm (zartfühlend ausgedrückt). Derzeit sehe ich gute Chancen, dass sich alle wieder zusammenraufen.
Lt Marseille Lt Marseille 20.10.2021 11:42
Trotzdem ist diese Verbandswechselei Blödsinn - egal in welche Richtung. Der DSB sollte die Regeln der Fußballer adaptieren: Wer für eine A - Nationalmannschaft gespielt hat, bleibt sein Leben lang ein ...
Für ... kann man nun die besagte Nationalität einsetzen.

MfG, Lothar
Fortgeschritten Fortgeschritten 20.10.2021 11:38
Man hat in letzter Zeit schon von einigen ehemaligen Deutschen Nationalspielern gelesen, welche dem Deutschen Schachbund mangelnde Unterstützung vorwerfen.. Sage nur mal Arkadij Naiditsch..
Phantasy Phantasy 20.10.2021 09:33
Sehr schade für Deutschland.

Georg Meier hat ein Weltklasseschachverständnis,
ist ein toller Typ
und Rückrad hat auch.

Wie kann man so dumm sein und ihn ziehen lassen?
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