Gestalkt: Nihal Sarin in Schweden

von Thorsten Cmiel
14.05.2019 – In seiner Reihe "Gestalkt" schaut sich Thorsten Cmiel die Entwicklung junger Spieler an. Diesmal betrachtet er Nihal Sarins Spiel beim TePe Sigeman % Co - Turnier in Malmö. Es war Nihal Sarins erstes Rundenturnier gegen starke Gegener. | Fotos: Lars OA Hedlund /Sigemann & Co

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Nihal Sarins erstes Rundenturnier: Willkommen bei den Top-Spielern

Nihal spielte bisher ausschließlich Turniere nach Schweizer System. Im letzten Jahr war er in einem hervorragend besetzten Turnier, gesponsert von Tata Steel, in Indien dabei, aber das war ein Schnellschachturnier. Bei einem normalen Open sind die ersten zwei oder oft drei Runden vor allem lästige Pflichtaufgaben und stellen spezielle Herausforderungen: Ohne große Risiken soll gewonnen werden. Etwas anders ist das natürlich bei einem Turnier wie dem Aeroflot-Turnier in der A-Gruppe in der die Spieler Ratingzahlen von 2550 oder besser aufweisen und bei denen Nihal regelmäßig mitspielt. In einem Rundenturnier sind die Gegner planbar und die Eröffnungsvorbereitung sowie eine Turnierstrategie spielen eine besondere Rolle.

Nihal hatte bereits erfolgreich in Schweden gespielt und wurde zum „TePe Sigeman“ Turnier in Malmö eingeladen. Der Ratingdurchschnitt der acht Teilnehmer lag bei 2664 - Nihal spielte als zweitschwächster Teilnehmer nach Rating gegen einen etwas stärkeren Widerstand. Das Turnier stellte in der Karriere von Nihal bisher die größte Herausforderung für den jungen Inder. Die erste gute Nachricht gab es bei der Auslosung: Nihal würde viermal Weiß haben.

Das Turnier begann für Nihal mit seiner Partie gegen den Kroaten Ivan Saric, dem Europameister von 2018. Nihal zog zunächst seinen Damenbauern und konnte sich recht zügig einen leichten und dauerhaften Vorteil sichern. Nachdem der Inder nach etwas ungenauem Spiel seinen Vorteil verloren hatte, wurde der Kroate zu forsch und geriet erneut in Probleme. Nach seiner Zeitnotphase hatte Nihal einen Mehrbauern und es gelang ihm später durch gutes Spiel eine klare Gewinnstellung zu erreichen. Saric schwindelte sich mit Nihals Hilfe erneut aus seinen Problemen und die Partie endete friedlich.

Nihal gegen Sarin

 

In der zweiten Runde wartete der deutsche Topspieler Liviu-Dieter Nisipeanu auf Nihal. Dieser spielte erstmals in seiner Karriere einen Svechnikov-Sizilianer und hätte es nach einer Abwicklung fast bereut: Nihal spielte im 19.Zug mit dem Feuer; ihm gelang es jedoch ein Turmendspiel mit einem Bauern weniger recht problemlos zu halten.

Nihal Sarin

 

In der dritten Runde trat Nihal gegen Gawain-Jones an. Dieser spielte wie zuletzt nicht den Drachen, sondern griff auf ein klassisches Konzept zurück. Es entwickelte sich ein spannender Kampf in dem es nach dem Opfer eines Läufers durch den Engländer eine hitzige Phase gab. Als sich die Verwicklungen in einem Endspiel mit jeweils Dame und Turm verzogen, fanden die Spieler einen netten Weg zum Ausgleich durch eine Art taktischer Schaukel.

Sarin-Jones

 

In Runde 4 kam es zum indischen Duell mit der Nummer Zwei der Landesrangliste, Pentala Harikrishna, der zuvor in Shenzhen erfolgreich agiert hatte. Lange Zeit konnte Nihal gut mithalten, ihm gelang es im Endspiel mit ungleichen Läufern jedoch nicht, seine Kräfte ausreichend zu mobilisieren und durch einen taktischen Schlag verlor der Vierzehnjährige recht abrupt.

 

In der fünften Partie kam Nihal sofort zurück, da der Iraner Parham Maghsoodloo, U20-Weltmeister, etwas viel in der Eröffnung probierte und von Nihal letztlich ausgekontert wurde.

 

In Runde 6 spielte Nihal gegen den meist kreativ attackierenden und zurzeit besten Schweden.

Nils Grandelius, Nihal Sarin | Foto: Lars OA Hedlund

Nils Grandelius opferte Material recht früh einen Bauern und Nihal musste sich verteidigen. Das gelang nur eine gewisse Dauer, bis Nihal seinem in diesem Turnier etwas schlechten Zeitmanagement zum Opfer fiel.

 

In der letzten Runde trat Nihal gegen den zweiten Schweden an. Beide Spieler gerieten offenbar in ungewohntes Fahrwasser. Nachdem die Hauptprobleme und die Rauchschwaden verzogen waren, geriet Nihal erneut unter Druck, konnte aber nach einer Ungenauigkeit knapp ausgleichen.

Fazit:

Das Ergebnis von 3 aus 7 brachte Nihal Sarin einen Ratingzuwachs von zwei Punkten ein, wodurch er erstmals die Grenze von 2600 nahm. Man vergisst oft, dass Nihal immer noch erst 14 Jahre (13. Juli 2004) alt ist.

Nihal Sarin | Foto: Lars OA Hedlund

Nihal macht zwar keine riesigen Sprünge bei seiner Rating, aber seit er über 2500 liegt, kamen jeden Monat stetig einige Punkte hinzu – ohne Einbussen in einem einzigen Monat! 

Nihal hatte im Turnierverlauf eine ganze Menge Chancen auf den vollen Punkt, konnte sich aber im Gegenzug ebenfalls einige glückliche halbe Punkte anschreiben lassen. Trotz aller Erfolge fehlt Nihal (noch) die Praxis gegen Gegner der erweiterten Weltspitze anzutreten. Entsprechend wirkte der junge Inder noch etwas beeindruckt und während des Turniers kam seine alte Schwäche, schlechtes Zeitmanagement, erneut zutage.

Die Eröffnungswahl von Nihal war durchaus typisch. Er mag es, seinen Gegnern unerwartete Fortsetzungen vorzusetzen und wechselt regelmäßig beispielsweise den Startzug. In den Varianten sucht er regelmäßig nach seltener gespielten Fortsetzungen.

 




Thorsten Cmiel ist Fide-Meister lebt in Köln und Milano und arbeitet als freier Finanzjournalist.
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