Harshit Raja verteidigt Titel beim Tirol Open

von Stefan Liebig
02.09.2026 – Das Tirol Open 2026 bot in Innsbruck acht Tage lang Schach auf hohem Niveau. Im A-Open setzte sich GM Harshit Raja wie im Vorjahr durch – allerdings nur dank der besseren Wertung vor dem punktgleichen FM Tobias Kolb. Mit Philipp Schlosser, Timur Kocharin und Cedric Chassard landeten drei weitere Deutsche unter den Top 10 des 57 Teilnehmer zählenden Feldes.

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Harshit Raja erneut an der Spitze

Vom 22. bis 29. August wurde im Haus der Begegnung in Innsbruck die dritte Auflage des Tirol Open ausgetragen. In neun Runden nach Schweizer System kämpften die Teilnehmer in drei Spielklassen um die Spitzenplätze. Das Open A war Spielern mit einer Elozahl von mindestens 1800 vorbehalten, das Open B richtete sich an Spieler zwischen 1500 und 1999 Elo, während im Open C Teilnehmer bis 1699 Elo startberechtigt waren. Gespielt wurde mit einer Bedenkzeit von 90 Minuten für die ersten 40 Züge, anschließend 30 Minuten für den Rest der Partie sowie 30 Sekunden Zeitgutschrift pro Zug.

Im Mittelpunkt des A-Opens stand erneut GM Harshit Raja aus Indien. Der Vorjahressieger behauptete sich auch diesmal an der Spitze und kam nach neun Runden ungeschlagen auf sieben Punkte. Allerdings reichte das starke Ergebnis nicht für den alleinigen Turniersieg. FM Tobias Kolb aus Deutschland erzielte ebenfalls sieben Punkte und machte Raja den ersten Platz bis zum Schluss streitig. Entscheidend war schließlich die Wertung: Raja kam auf 48 Buchholzpunkte nach Cut-1, Kolb auf 47,5. Damit verteidigte der indische Großmeister seinen Titel aus dem Vorjahr.

Raja hatte einen starken Turnierverlauf. Nach vier Runden standen drei Siege und ein Remis zu Buche, ehe er in den folgenden Runden weitere Siege und Remisen folgen ließ. Besonders bemerkenswert war seine Ausdauer über das gesamte Turnier: In den letzten vier Runden gab er nur einen Punkt durch zwei Remisen ab und sicherte sich damit erneut den ersten Rang.

Vorne rechts: Turniersieger Harshit Raja, Mitte links: Tobias Kolb. | Foto: Veranstalter

Kolb blieb ebenfalls bis zum Ende im Rennen um den Turniersieg. Der deutsche FIDE-Meister startete mit einem Sieg und einem Remis, gewann anschließend drei Partien in Folge und traf in der sechsten Runde auf Raja. Diese Partie verlor Kolb, womit Raja zunächst einen entscheidenden Vorteil hatte. Kolb reagierte jedoch mit zwei weiteren Siegen sowie einem abschließenden Remis und schloss das Turnier punktgleich mit dem Titelverteidiger ab.

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Stanec auf dem Podium, Schlosser Vierter

Hinter dem Führungsduo lagen GM Nikolaus Stanec und GM Philipp Schlosser mit jeweils 6,5 Punkten. Stanec, der für Österreich spielte, belegte aufgrund der besseren Buchholzwertung Rang drei. Schlosser folgte auf Platz vier. Beide blieben damit nur einen halben Punkt hinter der Spitze.

Neben Hauptschiedsrichter Gerhard Bertagnolli (l.): Tobias Kolb, Harshit Raja und Nikolaus Stanec. | Foto: Veranstalter

Dahinter folgten mehrere Spieler mit sechs Punkten. Besonders stark präsentierten sich die jungen Teilnehmer. FM Timur Kocharin war einer von ihnen und kam auf Rang fünf. Der österreichische FM Arthur Kruckenhauser belegte Rang sechs, während Elia Cafasso auf Rang sieben folgte. Joachim Beisteiner wurde Achter, Julian Jetzl Neunter und FM Cedric Chassard komplettierte mit sechs Punkten die Top Ten.

Für die beiden stark spielenden Deutschen gab es aber einen kleinen Wermutstropfen:
Kolb hat trotz seiner starkten Performance von 2484 keine Norm erzielt, da er nur gegen zwei GM gespielt hat. Er hätte einen dritten IM oder GM als Gegner gebraucht. Auch Kocharin hat die IM-Norm trotz seiner Performance von 2413 nicht erreicht: Er hätte die letzte Runde gegen Julian Jetzl gewinnen müssen – die Partie endete Remis.

Sicherlich für beide unglücklich verlaufen.

Endstand nach 9 Runden:

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Raja Harshit 7 48
2 Kolb Tobias 7 47,5
3 Stanec Nikolaus 6,5 45
4 Schlosser Philipp 6,5 42,5
5 Kocharin Timur 6 48
6 Kruckenhauser Arthur 6 46
7 Cafasso Elia 6 44
8 Beisteiner Joachim 6 41,5
9 Jetzl Julian 6 40
10 Chassard Cedric 6 38,5
11 Benedikt Noah 5,5 44
12 Kauth Lukas 5,5 43
13 Hengl Philip 5,5 41
14 Tumanyan Gor 5,5 37,5
15 Von Schlippe Nikolai 5,5 37
16 Foksha Mischa 5 42,5
17 Maurer Jochen 5 41,5
18 Guba Viktor 5 40
19 Simenon Jozef 5 39
20 Latzke Boris 5 38,5

57 Teilnehmer

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Turniersieger Harshit Raja überreicht Jugendpreis. |
Foto: Veranstalter

Partien:

Marcel Auer gewinnt das Open B

Im Open B sicherte sich ebenfalls ein Spieler mit sieben Punkten den Turniersieg. Der Österreicher Marcel Auer gewann das Turnier mit 7/9 und setzte sich damit knapp vor Stefano Damele aus Italien durch, der ebenfalls sieben Punkte erzielte. Auer verfügte mit 42 Buchholzpunkten über die bessere Zweitwertung gegenüber Damele, der 39,5 Punkte erreichte.

Auf Rang drei landete der österreichische Nachwuchsspieler Christoph Neuhauser mit 6,5 Punkten. Neuhauser lag damit nur einen halben Punkt hinter den beiden Spitzenreitern. Ebenfalls 6,5 Punkte erzielte Marco Schranzhofer, der aufgrund der Wertung den vierten Platz belegte.

Blick in den Turniersaal. | Foto: Veranstalter

Dahinter folgten der Deutsche Stefan Sommer und Stefan Greussing mit jeweils sechs Punkten. Milana Hyassat belegte mit ebenfalls sechs Punkten Rang sieben und war zugleich die bestplatzierte Frau im Open B. Walter Pregl kam auf Rang acht, Michael Ampferer auf Rang neun.

Bei den Frauen folgten auf Hyassat Magdalena Wielander und Vanessa Heinrich. Damit gingen die drei genannten Frauenpreise an österreichische Spielerinnen. Wielander kam insgesamt auf fünf Punkte und belegte Rang 16, Heinrich erzielte vier Punkte und wurde 32.

Endstand nach 9 Runden

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Auer Marcel 7 42
2 Damele Stefano 7 39,5
3 Neuhauser Christoph 6,5 44,5
4 Schranzhofer Marco 6,5 43
5 Sommer Stefan 6 46,5
6 Greussing Stefan 6 46
7 Hyassat Milana 6 45,5
8 Pregl Walter 6 43
9 Ampferer Michael 5,5 44
10 Aeberhard Dennis 5,5 41

56 Teilnehmer

Tiroler Nachwuchs gewinnt das Open C

Im Open C setzte sich mit Julian Strasser ein Tiroler Jugendspieler durch. Strasser erreichte sieben Punkte und lag damit punktgleich mit Omer Hogr, hatte aber die bessere Buchholzwertung. Hogr kam ebenfalls auf sieben Punkte und wurde Zweiter. Den dritten Platz belegte mit 6,5 Punkten der Tiroler Kaderspieler Luka Schwarzl.

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Strasser legte damit einen bemerkenswerten Turnierverlauf hin. Nach einem Auftaktsieg folgten drei Remisen, ehe er mit drei Siegen in Folge die Führung übernahm. In den letzten beiden Runden sicherte er seinen Vorsprung mit einem Remis und einem Sieg. Seine sieben Punkte bedeuteten schließlich den Turniersieg.

Auch Hogr blieb bis zur letzten Runde im Kampf um Platz eins. Nach einem Sieg und einem Remis zu Beginn gewann er die Runden drei bis fünf, musste dann allerdings gegen Schwarzl eine Niederlage gegen Markus Guseck hinnehmen. Mit zwei Siegen und einem Remis in den letzten Runden schloss er wieder zu Strasser auf, blieb in der Wertung jedoch knapp zurück.

Endstand nach 9 Runden

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Strasser Julian 7 44
2 Omer Hogr 7 42
3 Schwarzl Luka 6,5 44
4 Hoefel Luis 6 39,5
5 Guseck Markus 5,5 45,5
6 Lang Mathias Armin 5,5 40,5
7 Kofler Albin 5,5 39
8 Hyassat Violetta 5,5 38,5
9 Prenner Robert 5 39
10 Mayr Aeneas 5 34,5

33 Teilnehmer

Arthur Kruckenhauser ist Tiroler Meister

Parallel zum Open A wurde die Tiroler Einzelmeisterschaft ausgetragen. Auch hier fiel die Entscheidung erst im Endspurt.

FM Arthur Kruckenhauser (Mitte) vom Verein Schach ohne Grenzen sicherte sich mit sechs Punkten den Titel des Tiroler Meisters 2026. | Foto: Veranstalter

Die Tiroler Einzelmeisterschaft fand ebenfalls im Zuge des Tirol Open 26 statt und bot bis zum Ende einen spannenden Wettkampf. Schlussendlich setzte sich FM Arthur Kruckenhauser (Schach ohne Grenzen) durch, der 6 Punkte erreichte, vor Noah Benedikt (5,5 Pkt., SC Absam) und Philip Hengl (5,5, SC Absam).

Für Kruckenhauser war der Erfolg damit gleichbedeutend mit einem zweiten wichtigen Turniersieg innerhalb des Wettbewerbs. Auch den ASKÖ Cup im Open A entschied der Spieler von Schach ohne Grenzen für sich. Auf den weiteren Plätzen folgten Gor Tumanyan vom SK Völs & Hak Innsbruck und Nikolai von Schlippe vom SK Pradl.

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Erfolgreiche dritte Auflage

Der Landesverband Tirol zog nach Abschluss des Turniers eine positive Bilanz. Acht Tage lang standen im Haus der Begegnung lange Partien und enge Entscheidungen im Mittelpunkt. Besonders die Kämpfe um die Spitzenplätze in den drei Gruppen sorgten für Spannung bis zur Schlussrunde.

Für einen reibungslosen Ablauf sorgte das Schiedsrichterteam um Hauptschiedsrichter IA Gerhard Bertagnolli. Unterstützt wurde er von FA Florian Kampl sowie den Hospitanten RS Sabrina Pribozic und RS Stefan Widner. Als Turnierdirektorin fungierte die Präsidentin des Landesverbands Tirol, Ina Anker.

Das Tirol Open hat sich damit nach drei Austragungen als fester Bestandteil des Tiroler Turnierkalenders etabliert. Die nächste Auflage ist bereits terminiert: Das Tirol Open 2027 soll vom 21. bis 28. August stattfinden:

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Stefan Liebig, geboren 1974, ist Journalist und Mitinhaber einer Marketingagentur. Er lebt heute in Barterode bei Göttingen. Im Alter von fünf Jahren machten ihn seltsame Figuren im Regal der Nachbarn neugierig. Seitdem hat ihn das Schachspiel fest in seinen Bann gezogen. Höhenflüge in die NRW-Jugendliga mit seinem Heimatverein SV Bad Laasphe und einige Einsätze in der Zweitligamannschaft von Tempo Göttingen waren Highlights für den ehemaligen Jugendsüdwestfalenmeister.
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