Wer ChessBase regelmäßig nutzt, kennt das Phänomen: Für die grundlegenden Aufgaben ist das Programm schnell zu verstehen, doch mit zunehmender Erfahrung wächst auch die Zahl der Funktionen, deren Möglichkeiten sich nicht auf den ersten Blick erschließen. Genau hier setzt Walter Saumweber an. Sein als Printausgabe (29,90 €) und Ebook (24,99 €) erschienenes „ChessBase – Das Praxisbuch“ versteht sich nicht als vollständige Dokumentation jedes einzelnen Menüpunktes, sondern als sorgfältig ausgewählte Sammlung praxisrelevanter Themen.
Statt den Leser durch eine lückenlose Bedienungsanleitung zu führen, konzentriert sich Saumweber auf Funktionen, die besonders wichtig, interessant, erklärungsbedürftig oder schlicht nützlich sind. Die einzelnen Abschnitte sind weitgehend eigenständig angelegt. Wer beispielsweise gerade seine Datenbanken besser organisieren möchte, kann gezielt in diesem Bereich arbeiten, ohne vorher die Kapitel zur Engineanalyse oder zu den Online-Funktionen lesen zu müssen.
Das macht das Buch zugleich zu einem Lernbuch und zu einem Nachschlagewerk. Gerade für Anwender, die ChessBase schon länger besitzen, aber regelmäßig feststellen, dass sie vermutlich nur einen Teil des Programms ausschöpfen, liegt darin eine besondere Stärke.
Die ersten Kapitel widmen sich der grundlegenden Bedienung. Das klingt zunächst unspektakulär, ist aber ausgesprochen praxisnah umgesetzt. Saumweber erklärt unter anderem, wie sich die Funktionsleiste anpassen lässt, wie Fenster angeordnet und Layouts gespeichert werden können und wie eigene Tastaturkürzel eingerichtet werden. Auch scheinbare Kleinigkeiten wie die Direktliste oder die Möglichkeit, ChessBase-Einstellungen zurückzusetzen, werden berücksichtigt.

Solche Hinweise sind für Einsteiger unmittelbar hilfreich. Fortgeschrittene Nutzer dürften dagegen gerade bei den weniger offensichtlichen Funktionen fündig werden. Wer ChessBase täglich verwendet, kann mit individuell angepassten Schnellzugriffen, Tastenkürzeln oder gespeicherten Fensterlayouts manche Arbeitsabläufe deutlich effizienter gestalten.
Besonders viel Raum erhält anschließend das Herzstück der Software: die Arbeit mit Datenbanken. Das Buch erläutert, wie Datenbanken sinnvoll organisiert, geöffnet, erstellt, durchsucht und miteinander verbunden werden. Einfache und erweiterte Suchfunktionen, Referenzdatenbanken, Suchbeschleuniger, Datenbankarchive und die Clipdatenbank gehören ebenso dazu wie Eröffnungsbücher und die Suche nach besonders spektakulären Partien.
Gerade hier zeigt sich der praktische Anspruch des Buches. Es geht nicht nur darum, welche Funktion vorhanden ist, sondern auch darum, wann und warum sie sinnvoll eingesetzt werden kann. Hinweise zur Ordnerstruktur oder zu den verschiedenen Datenbankbereichen wirken zunächst nebensächlich, sind in der täglichen Arbeit aber ausgesprochen wertvoll. Wer seine eigene Partiensammlung, Turnierdatenbanken oder Eröffnungsrecherchen dauerhaft übersichtlich halten möchte, erhält dafür konkrete Orientierung.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Brettfenster und der Partieneingabe. Varianten und Nebenvarianten, das Korrigieren von Zugeingaben, das Kommentieren von Partien oder das Erstellen und Kopieren von Stellungen werden ausführlich behandelt. Für den praktischen Schachspieler ist das ein wichtiger Bereich: ChessBase wird schließlich nicht nur zur Archivierung fertiger Partien eingesetzt, sondern auch als Arbeitsumgebung für die eigene Analyse.
Besonders interessant wird das Buch im Kapitel über das Training. Hier reicht das Spektrum von der Einbindung einer Engine und der Konfiguration des Enginefensters über die Assisted Analysis bis zur taktischen und tiefen Analyse. Auch Analyseaufträge, Remoteengines und die parallele Arbeit mit mehreren Engines werden behandelt.
Für ambitionierte Spieler ist dieser Teil besonders relevant. Wer ChessBase bislang vor allem als Datenbank benutzt hat, bekommt einen guten Eindruck davon, wie weit sich das Programm als Trainingswerkzeug einsetzen lässt. Das Nachspieltraining und die Datenbank „Best Games For Replay Training“ erweitern diesen Ansatz noch einmal. Ebenso interessant ist die Möglichkeit, ein Dossier über einen Spieler zu erstellen – eine Funktion, die gerade für gezielte Turniervorbereitung nützlich sein kann.
Den vielleicht größten Mehrwert bietet das Kapitel über spezielle Funktionen. Hier zeigt sich besonders deutlich, dass Saumweber nicht einfach eine Einsteigeranleitung geschrieben hat. Funktionen wie der Nullzug, das Verschmelzen von Partien, das Einfügen von Varianten per Drag-and-drop oder das Generieren von Eröffnungsübersichten sind nicht unbedingt Bestandteile des täglichen ChessBase-Gebrauchs jedes Anwenders.

Mit dem Plan Explorer wird zudem ein Werkzeug vorgestellt, das bei der Untersuchung strategischer Motive helfen kann. Auch die Zentibauernanalyse, die im Zusammenhang mit der Untersuchung eines möglichen Betrugsverdachts erläutert wird, gehört zu den eher speziellen Möglichkeiten des Programms.
Solche Themen machen das Buch auch für erfahrene ChessBase-Nutzer interessant. Selbst wer seit Jahren mit der Software arbeitet, dürfte kaum sämtliche Funktionen regelmäßig verwenden. Das Buch lädt deshalb dazu ein, den eigenen Umgang mit ChessBase zu überprüfen und bislang ungenutzte Möglichkeiten zu entdecken.
Besonders wichtig für die aktuelle Ausgabe ist die Berücksichtigung von ChessBase´26. Das Buch wurde im März 2026 aktualisiert und enthält ausdrücklich die Neuerungen der aktuellen Programmversion. Dazu gehören unter anderem die Buddy Engine, die Monte-Carlo-Analyse, Remoteengines sowie die Suche nach Partien bei Lichess und Chess.com. Damit ist das Buch nicht lediglich eine Neuauflage eines älteren Handbuchs, sondern auf die aktuelle Softwaregeneration zugeschnitten.
Auch die Online-Funktionen werden ausführlich behandelt. Der ChessBase-Account, Playchess, Premium-Angebote, die Onlinedatenbank und der Update-Service für die Mega Database bilden einen eigenen Schwerpunkt. Besonders praktisch ist die Erläuterung, wie Partien von Lichess oder Chess.com direkt aus ChessBase heraus gesucht und anschließend in der gewohnten Datenbankumgebung weiterverarbeitet werden können.
Damit trägt das Buch der Entwicklung von ChessBase Rechnung: Moderne Schachvorbereitung findet längst nicht mehr ausschließlich in lokal gespeicherten Datenbanken statt. Onlinepartien, aktuelle Turnierdaten und verschiedene Cloud- und Engine-Angebote gehören inzwischen selbstverständlich zum Arbeitsumfeld vieler Spieler.
Walter Saumweber ist mit dieser Aufgabe bestens vertraut. Er hat bereits frühere Ausgaben der ChessBase-Ratgeberreihe verfasst und sich dabei auf praxisorientierte Erklärungen konzentriert. Bereits die früheren Ausgaben waren ausdrücklich darauf angelegt, weniger erfahrenen Nutzern den Einstieg zu erleichtern und gleichzeitig fortgeschrittenen Anwendern ausgewählte Funktionen detaillierter nahezubringen. Saumweber ist darüber hinaus als Autor von Büchern zu Microsoft-Themen ausgewiesen. Auch seine eigene Verbindung zum Schach ist bemerkenswert: In der ChessBase-Spielerdatenbank wird er als Spieler mit einer historischen Elo-Bestmarke von 2220 geführt.
Diese Kombination aus technischem Verständnis und eigener Schacherfahrung passt gut zum Charakter des Buches. Die Erklärungen bleiben auf die konkrete Anwendung ausgerichtet und verlieren sich nur selten in abstrakten Beschreibungen.

„ChessBase – Das Praxisbuch“ ist kein Buch, das man zwingend von der ersten bis zur letzten Seite lesen muss. Gerade darin liegt seine Qualität. Die 310 Seiten lassen sich ebenso als systematische Einführung wie als Nachschlagewerk verwenden. Einsteiger können sich Schritt für Schritt mit der Software vertraut machen, während erfahrene Nutzer gezielt nach Funktionen suchen können, die ihnen bisher unbekannt waren.
Die klare Gliederung, die zahlreichen konkreten Arbeitsschritte und die Orientierung an typischen Anwendungssituationen machen den Band angenehm praxisnah. Besonders überzeugend ist die Auswahl der Themen: Neben den unverzichtbaren Grundlagen finden sich zahlreiche Funktionen, die erst dann ihren Wert zeigen, wenn man sie kennt.
Verlegt wird die aktualisierte Ausgabe vom BILDNER Verlag in Passau.