Im Gespräch: Michael Langer und Alexander von Gleich über die Situation im Schachbund

von André Schulz
26.03.2026 – Die Streitigkeiten im Deutschen Schachbund sind von außen nicht leicht zu verstehen. Michael S. Langer und Alexander von Gleich erläutern im Gespräch bei ChessBase, worum es bei den unterschiedlichen Auffassungen ging und wie es zur Eskalation kam.

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Völlig geräuschlos ging es im Deutschen Schachbund selten ab, besonders in den letzten Jahren, aber die intensiven Streitigkeiten zwischen Präsidium und Vertretern der Landesverbände, die seit einer Hauptauschuss-Sitzung im letzten Herbst zunehmend eskaliert sind, sind in der Geschichte des Verbandes doch eher ohne Beispiel. 

Mit vielen Erklärungen und Gegenerklärungen sind die Vorgänge für Außenstehende nur schwer nachzuvollziehen. Während auf sportlicher Ebene viele Erfolge zu vermelden waren und sind, werfen die Streitigkeiten im Bundesverband kein gutes Licht auf die Verwaltungsebene des Deutschen Schachbundes.

Im Gespräch mit André Schulz rekapitulieren Michael S. Langer, Präsident des Niedersächsischen Schachverbandes, und Alexander von Gleich, der als Vizepräsident Finanzen im DSB wegen unterschiedlichen Auffassungen über das Finanzwesen im Verband von seinem Amt inzwischen zurückgetreten ist, den Verlauf der Ereignisse und erläutern, wie der Konflikt nach und nach eskaliert ist.

Der Streit entzündete beim Hauptausschuss sich vor allem an der Personalentscheidung des Präsidiums um die Geschäftsführerin Anja Gering, seit 19 Jahren mit verschiedenen Aufgaben Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle, nachdem diese kurzfristig entlassen wurde. Die Frage, ob die Mehrheit der Landesverbände überhaupt noch hinter dem Präsidium stehe, konnte aus formalen Gründen nicht mit einer Abstimmung geklärt werden.

Fünf Verbände beantragten daraufhin die Durchführung eines Außerordentlichen Bundeskongresses. Später trafen sich die Konfliktpartien in Berlin und einigten sich auf einen Fahrplan. Dann kam es innerhalb des Präsidiums zu einem Bruch über verschiedene Finanzfragen. Finanzchef Alexander erklärte seinen Rücktritt. 

Kurz vor dem Gespräch bei ChessBase war Von Gleich von einer Reise aus Usbekistan zurückgekehrt und berichtet, welche große Schachbegeisterung dort herrscht und wie diese dazu führte, dass dort die nächste Schacholympiade stattfinden wird. Alexander von Gleich ist in Usbekistan Mitglied des Aufsichtsrates einer großen Bank, die das Schach in Usbekistan finanziell unterstützt. Alexander von Gleich ist auch in Kasachatsna geschäftlich aktiv und hat mit einem Partner, der sich wie er am Schach begeistert, auch eine Schachschule gegründet. In Kasachstan sorgen besonders die internationalen Erfolge der Frauen für großes Interesse am Schach. Inzwischen werden Lehrer im Schach ausgebildet, um an den Schulen selber Schach unterrichten zu können. Auch in Deutschland gibt es Erfolge zu vermelden. Nachdem Matthias Blübaum sich für das Kandidatenturnier qualifiziert hat, war Alexander daran beteiligt, eine angemessene finanzielle Unterstützung zu organisieren.

Michael S. Langer erläuterte, dass Von Gleichs Rücktritt für einen weiteren Vertrauensverlust gegenüber dem restlichen Präsidium gesorgt hat. Auch aus diesem Grund drängte eine Reihe von Verbänden, zuletzt waren es neun, mit einem Antrag auf rasche Durchführung eines Außerodentlichen Bundeskongresses. Der Antrag wurde vom Präsidium aus formalen Gründen zunächst zurückgewiesen. Inzwischen hat das Schiedsgericht aber entschieden, dass die Zurückweisung des Antrages nicht rechtens war.


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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