International Women of Courage Award für Shohreh Bayat

von André Schulz
10.03.2021 – Die iranische Schiedsrichterin Shoreh Bayat ist eine von 21 Preisträgerinnen des International Women of Courage Award 2021. Der Preis wird seit 2007 vom US State Department an Frauen vergeben, die sich für Frieden, Gerechtigkeit, Menschenrechte, Gleichberechtigung der Geschlechter und die Stärkung der Rolle der Frau eingesetzt haben. | Foto: US State Department

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Seit 2007 vergibt das US-Außenministerium den "International Women of Courage Award". Der Preis wurde seinerzeit von der US-Außenministerin Condoleezza Rice ins Leben gerufen. Mit dem Preis werden Frauen ausgezeichnet, "die außergewöhnlichen Mut und Führungsstärke bewiesen haben, indem sie sich für Frieden, Gerechtigkeit, Menschenrechte, Gleichberechtigung der Geschlechter und die Stärkung der Rolle der Frau eingesetzt haben, oft unter großen persönlichen Risiken und Opfern". Bisher wurden etwa 100 Frauen aus 60 Ländern ausgezeichnet.

In den "normalen" Jahren werden die die Preisträgerinnen nach Washington D.C. eingeladen, um ihre Auszeichnungen von der First Lady und dem Außenminister in einer Gala-Zeremonie am oder in der Nähe des Internationalen Frauentags (8. März) entgegenzunehmen. Im Anschluss reisen die Preisträgerinnen durch die USA und nehmen an einem besonderen Besucherproramm teil. Die Organisation der "American Women for International Understanding" (AWIU) lädt die Preisträgerinnen zu einem Bankett ein und stellt ihnen Stipendien zur Verfügung, um ihre Arbeit zu unterstützen. 

Wegen der Corona-Pandemie konnte die Preisvergabe in diesem Jahr nur virtuell durchgeführt werden. Der neue US-Außenminister Antony Blinken stellte die Preisträgerinnen vor.

|Foto: US State Department

Als Ehrengast nahm die First Lady Dr. Jill Biden an der Zeremonie im US-State Department teil. 

Foto: US State Department

Die Iranerin Shohreh Bayat wurde als eine von 21 Preisträgerinnen ausgezeichnet. Sie war die Schiedsrichterin des Weltmeisterschaftskampfes der Frauen im Januar 2020 zwischen Ju Wenjun und Aleksandra Goryachkina und konnte nicht in ihre Heimat zurückkehren.

Foto: US State Department

Die Laudatio aus dem Booklet zur Preisvergabe:

Als Shohreh Bayat ihren Flug zur Schachweltmeisterschaft der Frauen 2020 buchte, hatte sie keine Ahnung, dass sie ihre Heimat Iran zum letzten Mal sehen würde. Shohreh, die erste weibliche internationale Schachschiedsrichterin der Kategorie A in Asien, wurde bei der
Weltmeisterschaft ohne ihren Hidschab fotografiert, der im Iran Pflicht ist. 

Auf Anfrage von Shoreh weigerte sich der iranische Schachverband, deren Generalsekretärin sie war, eine Garantie für ihre Sicherheit geben, falls sie in den Iran zurückkehren würde, ohne sich vorher zu entschuldigen.

Da sie um ihre Sicherheit fürchtete und nicht bereit war sich zu entschuldigen, traf Shohreh die herzzerreißende Entscheidung, in in Großbritannien Zuflucht zu suchen und ihren Mann - der kein Visum für Großbritannien hatte - im Iran zurückzulassen.

In diesem Moment entschied sich Shohreh, für die Rechte der Frauen einzutreten, anstatt sich von den Drohungen der iranischen Regierung einschüchtern zu lassen.

Shohreh Bayat

Shohreh Bayat leitete als Internationale Schiedsrichterin den WM-Kampf zwischen Weltmeisterin Ju Wenjun und Aleksandra Goryachkina, der Anfang 2020 in Shanghai und Wladiwostok ausgetragen wurde. Auf der Turnierseite der FIDE wurden Bilder gezeigt, auf den die Spielerinnen und die Schiedsrichterin zu sehen waren. Im Iran meldeten sich daraufhin Geistliche, die der Auffassung waren, Shohreh Bayat würde ihr Kopftuch (Hijab) nicht korrekt tragen. Die Schiedsrichterin wurde aus ihrer Heimat unter Druck gesetzt und trug zum Schluss des Wettkampfes aus Protest gar kein Kopftuch mehr.

Foto: FIDE

Von Freunden wurde sie gewarnt, dass sie bei ihrer Rückkehr in die Heimat verhaftet werden würde. Ihr Bild wurde von der Webseite des iranischen Schachverbandes entfernt. Der iranische Schachverband teilte ihr mit, dass er im Falle ihrer Rückkehr nicht für ihre Sicherheit garantieren. Shohreh Bayat entschloss sich deshalb, nicht mehr in den Iran zurückzukehren. Sie erhielt in Großbritannien Asyl.

In einem Interview mit den englischen Telegraph hat Shohreh Bayat später enthüllt, dass sie jüdische Wurzeln hat. Ihre Großmutter war Jüdin und aus Aserbaidschan in den Iran gekommen. Diesen Umstand hatte Shohreh Bayat im Iran geheim halten müssen.

Shohreh Bayat im Interview mit der BBC

Alle 21 Preisträgerinnen 2021

Maria Kalesnikava, Belarus
Phyoe Phyoe Aung, Burma
Maximilienne Chantal Ngo Mbe, Cameroon
Wang Yu, China
Mayerlis Angarita, Kolumbien
Julienne Lusenge, Demokratische Republic Kongo
Judge Erika Aifran, Guatemala
Shohreh Bayat, Iran
Muskan Khatun, Nepal
Zahra Mohamed Ahmed, Somalia
Sister Alicia Vacas Moro, Spanien
Ranitha Gnanarajah, Sri Lanka
Canan Gullu, Turkei
Ana Rosario Contreras, Venezuela

Sieben Frauen wurden posthum ausgezeichnet. Sie wurden in Afghanistan ermordet:

Fatema Natasha Khalil
Fatima Rajabi
Freshta
Freshta Kohistani
Malalai Maiwand
Maryam Noorzad
Sharmila Frough

alle Afghanistan
 

Mehr beim State Department...

2021-IWOC-Program-Book.pdf

Kampf ums Kopftuch...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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