Interview mit Elisabeth Pähtz

04.11.2019 – Im Rahmen der Karpov-Trophy in Cap d'Agde gab Elisabeth Pähtz dort ein Interview. Die deutsche Nummer eins spricht über ihre Karriere, ihre Probleme mit dem Deutschen Schachbund und über die Rolle der Frauen im Profischach.

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Schach kann süchtig machen, fast wie eine Droge

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Elisabeth Pähtz wurde zu einer Zeit in Erfurt geboren, als es noch zwei deutsche Staaten gab und kann auf eine lange Liste von Erfolgen blicken. Mit neun Jahren gewann sie die Deutsche U-11-Meisterschaft, 1999 wurde sie Deutsche Meisterin, 2002 Jugendweltmeisterin und 2004 Juniorenweltmeisterin U20. Seitdem spielte sie als Schachprofi bei unzähligen Turnieren mit. 

Georges Bertola: Du bist in der DDR geboren, hast du irgendwelche Erinnerungen an den Mauerfall von 1989?

Elisabeth Pähtz: Nein, ich habe keine konkreten Erinnerungen. Als Kind habe ich die politische Situation mit einem Ost- und einem Westdeutschland nicht verstanden.

G.B. Dein Vater Thomas Pähtz ist Schachgroßmeister und war dein erster Trainer. Ist er noch aktiv?

E.P. Nein, er hat seine Profikarriere mit der letzten DDR-Meisterschaft 1990, nach dem Mauerfall, eingestellt. Er gewann die Meisterschaft mit GM Raj Tischbierek. Dann trainierte mein Vater uns, mich und meinen Bruder und 3 andere jungen Leuten, in regelmäßigen Sitzungen dreimal pro Woche.

G.B. Bist du Schachprofi oder gehst du noch einem anderen Beruf nach.

E.P. Derzeit bin ich wahrscheinlich die einzige Profi-Spielerin in Deutschland.

G.B. Ich habe gehört, dass deine Beziehung zum Deutschen Verband nicht sehr gut ist. Du wirst nicht mehr unterstützt?

E.P. Die Beziehung war schwierig wegen einer Person, die heute aber nicht mehr im Verband aktiv ist. Das größte Problem für mich war, dass Frauen anders behandelt wurden als Männer. Ich habe für die Gleichbehandlung von Männern und Frauen im Schach gekämpft. Ich habe auch etwas erreicht und und im nächsten Jahr werden die Bedingungen für Frauen besser sein.

G.B. Kann eine Frau heutzutage vom Schach leben?

E.P. Es kommt darauf an, wo man lebt. Wenn ich wie Harika Dronavalli oder Tania Sachdev Inderin wäre, wäre es anders, weil sie dort Sponsoren haben. Es ist einfacher, in einem Land mit Schach Geld zu verdienen, in dem Schach im Gegensatz zu Deutschland sehr beliebt ist. Ich nehme an einigen Mannschaftsmeisterschaften teil und gebe vier bis fünf Simultanvorstellungen. Manchmal gewinne ich ein Turnier, das hilft mir.

G.B. Wie hast du die Dominanz chinesischer Spieler in den letzten Jahrzehnten erlebt und wie erklärst du sie?

E.P. Die Chinesen haben ein ganz besonderes System, um Talente zu finden und zu fördern. Talentierte Kinder werden nach Peking gebracht und arbeiten dann sechs Stunden am Tag am Schach. Auf diese Weise entstehen sehr starke Spieler. Das ist in Deutschland oder Frankreich nicht der Fall, nehme ich an. Es ist schwierig, das Niveau der Spieler in Ländern zu verbessern, die dem Sport und insbesondere dem Schachspiel keine große Bedeutung beimessen.

G.B. Was hältst du Sie von den Initiativen des derzeitigen FIDE-Präsidenten Arkady Dvorkovich zur Verbesserung von Frauenwettbewerben?

E.P. Dvorkovitch hat das System geändert und ich freue mich darüber. Wir hatten einen Punkt erreicht, in dem es keine Turniere mehr gab. Die Situation war für das Frauenschach kompliziert. Das wurde erkannt und die Dinge bessern sich. 

G.B. Was sind deine aktuellen Ziele ?

E.P. Ich möchte in die Top Ten zurückkehren. Emotional bin ich leider nicht sehr stabil. Wenn ich Probleme habe, werden meine Ergebnisse dadurch beeinträchtigt, zum Beispiel mit meinen Konflikten mit meinem Verband. Das Problem ist jetzt gelöst. Ich hoffe, mehr Selbstvertrauen zu finden und die 2500 Elo Punkte Marke wieder zu überschreiten.

G.B. Kannst du eine Persönlichkeit aus der Schachwelt nennen, die dich beeindruckt hat?

E.P. Ich habe große Bewunderung für Judit Polgar, die beste Spielerin aller Zeiten. Sie schien mir immer ein ausgeglichener und bescheidener Mensch zu sein. Seitdem sie aufgehört hat zu spielen, tut sie mit ihrer Popularität weiter sehr viel für das Schachspiel. Was Judit für das Schachspiel leistet, ist einzigartig.

G.B. Was findest du am spannendsten beim Schach ?

E.P. Ich mag Schach, weil jede Partie anders ist und einen eigenen Charakter hat. Das Problem ist, dass man nach einem Sieg zwar sehr glücklich sein kann, nach einer Niederlage aber völlig am Boden ist. Es gibt so viele Emotionen beim Schach. Es kann einen süchtig machen, wie eine Droge...

G.B. Wer ist Ihrer Meinung nach der beste Spieler in der Geschichte Deutschlands?

E.P. GM Robert Hübner.

G.B. Wie gefällt dir das Format bei der "Karpov Trophy"?

E.P. Ich mag diese gemischten Turniere, bei denen ich gegen sehr starke Spieler wie Bacrot oder Amin spielen kann. Wenn es dir gelingt, gegen einen von ihnen zu gewinnen, gibt es dir starke Empfindungen und das Gefühl, dass du nicht so schlecht spielst. Der Sieg in meinem ersten Spiel gegen Bassem war sehr vorteilhaft für mein Selbstvertrauen.

 

Übersetzung: André Schulz

 



Themen: Interview
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crizzy crizzy 06.11.2019 11:28
@schachkwak 04.11.2019: "Elli" mit einer Performence von 2575 bei 14 Partien! Da wären aber sehr viele Männer stolz drauf. Schade um die verpaßte Norm. Unbedingt weitermachen, dann klappt´s!

@Isolini 05.11.2019: Was hältst du von der These, daß die Entwicklung der Menschheit von der Entwicklung der Frauen, deren Gleichberechtigung abhängt?

In den besonders rückschrittlichen, meist islamistischen, Ländern werden Frauen unterdrückt.
Und wer sich politisch interessiert und für Macho-Kulturen und kriminelle Clans in Deutschland, der lese mal dies: "Wenn die Frauen rebellieren, zerfallen die Clans"
https://www.berliner-zeitung.de/berlin/islamwissenschaftler-ralph-ghadban-wenn-die-frauen-rebellieren--zerfallen-die-clans-33400586
04.11.19
Islamwissenschaftler Ralph Ghadban: Wenn die Frauen rebellieren, zerfallen die Clans
schachkwak schachkwak 05.11.2019 11:47
@Isolini
"Ich frage mich immer, warum diese Dame so viel Aufmerksamkeit bekommt. "
- mit Abstand beste deutsche Spielerin?

- Deutsche Meisterin der Frauen schon mit 14
- Jugendweltmeisterin U18 und U20
- Europameisterin im Schnellschach
- Vize-Europameisterin im Blitzschach
- Dritte bei den Europameisterschaften der Frauen
- individuelle Bronze Medaille World Team Championship Brett 1 für Deutschland 2007 (ungeschlagen)
- 2001 individuelle Bronze Brett 2 (sie ist 1985 geboren)
- ...
Da kommen wohl nur ganz wenige Deutsche wie z.B. Lasker, Hübner, Tarrasch, Uhlmann drüber oder eingebürgerte wie Jussupow, Hort, Bogoljubow.


Zu der angesprochenen Äußerung:
Die unglückliche Äußerung war in der Zeit. In der SZ habe ich nichts dazu gefunden. Es ging um das Thema, warum Männer besser als Frauen sind. Sie meinte, dass Männer häufig eine bessere Kondition haben, auch kämpferischer sind. Sie meinte auch, dass Männer auch härter trainierten. Es bleibt aber ein Fakt, dass Frauen häufig in der Pupertät mit dem Schachspielen aufhören. Das ist so, auch wenn die sich bis dahin sehr wohl beim Schachverein gefühlt haben. Elisabeth Pähtz hat da einen etwas zu offensiven Satz gesagt. Ja und?

Sie hat in der Vergangenheit regelmäßig gute Ergebnisse geliefert. Sie ist die mit Abstand am besten platzierte deutsche SchachspielerIn. Absichtlich mit großem I, also in Studentenschrift, weil ich die Männer hier natürlich mit einbeziehen möchte.

Wieder mal ziemlich bescheuert, wie wir unsere besten Sportler behandeln. Und benutzen Sie doch bitte nicht das Wort Intelligenz. Schach ist nur ein Spiel, wo ein paar Inselbegabungen hilfreich sind.

PS: Danke, MaxFeelgood
Isolini Isolini 05.11.2019 12:02
Frau Pähtz klagt ständig über die Benachteiligungen von Frauen im Schach. In der Regel sind aber die Ratings der Weltklasse-Damen um etwa 200-300 Punkte niedriger als die der Männer. Wenn man davon ausgeht, dass Frauen nicht weniger intelligent sind als Männer, dann frage ich mich, warum sie für sich und ihre Geschlechtsgenossinnen trotz geringerer Leistung ein Mehr an Einkommen einfordert. In Wirklichkeit ist dies nämlich eine Benachteiligung der Männer, die ein Rating zwischen 2400 und 2500 haben, welche diese zusätzliche Unterstützung nicht haben.
Frau Pähtz ist eine Dauernörglerin, die trotz bester Förderung nur eine Zahl von ehrgeizigen Hobbyspielern erreicht hat. Ich erinnere mich noch an ein Interview in der SZ, bei dem sie Fabiano Caruana unterstellte, er sei nur so gut, weil er keine Freundin habe. Ich frage mich immer, warum diese Dame so viel Aufmerksamkeit bekommt.
MaxFeelgood MaxFeelgood 04.11.2019 11:44
@schachkwak:
In der Kreuztabelle von Chessbase sind die Elo-Zahlen der Spieler im Turnierschach angegeben.
Die Kreuztabelle von Chess-Results enthält die Elo-Zahlen der Spieler im Schnellschach, welches in Cap d'Agde gespielt wurde.
Da Nihal Sarin nur selten Elo-gewertete Schnellturniere spielt,wird er lediglich mit einer Rating von 2292 geführt.
Titel-Normen im Schnellschach sind nicht möglich.
schachkwak schachkwak 04.11.2019 11:01
Kann mir das jemand erklären:

Auf Chessbase finde ich folgende Turniertabelle
https://live.chessbase.com/crosstable/17th-karpov-trophy-2019/?displayTitle=17th%20Karpov%20Trophy%202019%2C%20Cap%20d%27Agde

Es ist leicht zu rechnen - die Gegner hatten im Schnitt 2604, Elisabeth Pähtz hat also die GM-Norm um einen halben Punkt verpasst, sofern dieses Turnier normwürdig war. Also wieder mal nur 2575-Performance zusammengepatzt. Das ist kaum zu ertragen.


Aber was haben die Zahlen auf Chess-Results zu sagen? Warum sind die so dermaßen kleiner? Besonders GM Nihal Sarin hat eine Wertungszahl von 2285.
https://chess-results.com/tnr483133.aspx?lan=1&art=1&fed=IND

Versteht das jemand?
aerumnosus aerumnosus 04.11.2019 09:09
In welcher Sprache wurde das Interview geführt wenn es dann in die Muttersprache der beiden Teilnehmer übersetzt wurde?
crizzy crizzy 04.11.2019 08:24
@Arelius: Elisabeth Paehtz hatte im September 2018 ihre (bisher) beste Elo-Zahl von 2513.
Im „Top 100 Women September 2018 – Archive“ der FIDE ist unsere beste deutsche Schachspielerin Top Ten!
https://ratings.fide.com/toparc.phtml?cod=514
.
Schach ist eine Kunst. Und es ist eine noch größere, davon zu leben.
Nicht einmal jeder Musiker mit abgeschlossenem Musikstudium kann von Musik leben.
Bei Schachspielern ist es ein kleiner, erlauchter Kreis in jungen Jahren. Noch einmal schwieriger wird es, wenn man älter wird: Bücher schreiben, DVD´s herausgeben, Turniere moderieren, besser organisieren, ne Schachschule eröffnen, Youtube-Kanal, Trainer, Redakteur. In Berlin leben einige wenige von Schach-Unterricht in der Schule mit Lehrergehalt.
Elisabeth soll sehr sprachtalentiert sein: Englisch, Russisch. Das Interview war auf französisch!
Arelius Arelius 04.11.2019 04:49
Wann war denn die Frau Paehtz in der Top Ten? Sie hatte doch auch nur mal kurze Zeit eine ELO von gerade mal etwas über 2500. Ja mit dem Frauen-Schach das ist so eine Sache. Besser einen richtigen Beruf ausüben, wo man auch gutes Geld verdient. Für den Großteil bleibt Schach einfach brotlose Kunst.
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