Interview mit Elisabeth Pähtz

26.07.2013 –  Elisabeth Pähtz war kürzlich zu Gast in Hamburg und nahm eine DVD zum Thema Sizilianisch auf. Aus schwarzer und weißer Sicht erklärte sie mit Hilfe geeigneter Musterpartien aus ihrer eigenen Praxis typische Pläne und taktische Motive dieser Eröffnung. Zwischen den Aufnahmen war Zeit für ein Interview, in dem die Erfurterin Fragen zu einigen aktuellen Themen beantwortet. Zum Interview...

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Interview mit Elisabeth Pähtz

Du warst zuletzt etwas in den Schlagzeilen, als du eine Stelle beim Türkischen Schachverband angenommen hast. Nun bist du wieder in Deutschland. Wie kam es zu der Anstellung beim Türkischen Schachverband und weshalb ist das Engagement wieder zu Ende?

Nach einem Gespräch mit dem damaligen Präsidenten des Schachverbandes Ali Nihat Yazici ergab sich die Möglichkeit, dass ich als Trainerin mit türkischen Kindern schachlich arbeiten konnte. Ich fand das eine spannende Aufgabe und habe mich auch deshalb dazu entschlossen, weil ich etwas Neues erleben wollte. Die Türkei bietet ja eine ganz andere Kultur, als Länder wie Spanien, Frankreich oder Norwegen, wo alles fast so wie hier in Deutschland ist. Das habe ich dann auch ordentlich zu spüren bekommen...

Inwiefern?

Die schlimmste Erfahrung, die ich gemacht habe, war, dass dort alles auf ganz andere Weise organisiert wird - oder eben auch nicht. Ich wurde als Trainerin eingestellt und erhielt ein festes Gehalt. Für den Türkischen Schachbund entstanden fixe Kosten, dafür stand ich als Trainerin zur Verfügung. Statt mich dann aber so gut wie möglich einzusetzen, wurden extra zusätzliche Trainer für die Jugendeuropameisterschaft oder die Jugendweltmeisterschaft angeheuert, während ich eher unter Beschäftigungsmangel litt, obwohl sogar die meisten meiner Schülerinnen dort mitspielten. Statt mir wurden also 2000er oder 2100er-Trainer eingesetzt, die man sogar noch extra bezahlen musste, während ich mehr oder weniger beschäftigungslos in meinem Büro saß - gut, ich habe ein paar Texte übersetzt oder auf Englisch verfasst, einen Fragebogen für die Olympiade erstellt, etwas fürs Schach gemacht. Ich hätte aber genug Zeit gehabt. Das Prinzip habe ich nicht verstanden.

Elisabeth Pähtz im sonnigen Hamburg

Aber du warst auch als Trainerin angestellt?

Ja, ich habe Kinder im Schach unterrichtet. Es gab ein regelmäßiges Training mit einer Gruppe von fünf bis sieben Mädchen. Einmal im Monat kam die Gruppe und wir haben dann über fünf Tage zusammen Schach gemacht, das heißt, ich habe mein Trainingsprogramm durchgeführt. Mehr war das nicht. Natürlich habe ich mich jedes Mal vorbereitet, hatte aber auch mein Trainingsmaterial zur Verfügung, das ich über die Jahre gesammelt habe. Bis auf das Training habe ich mit den Mädchen aber nicht viel zu tun gehabt, was ich sehr schade fand. Ich hätte gerne mehr Zeit mit ihnen verbracht, zum Beispiel eben, indem ich sie zu den Jugendturnieren begleitet hätte. Dazu ist aber eben nicht gekommen. Ich weiß nicht, wer dafür verantwortlich ist. Wahrscheinlich Alis Mitarbeiter im Verband. Ali selbst hatte neben seinen Hauptaufgaben keine Zeit, sich darum zu kümmern.

Du hast die also von deinem Job in der Türkei mehr versprochen?

Ja, vor allem von der Arbeit als Trainerin. Das klingt vielleicht komisch, wenn jemand sagt, "Ich will mehr arbeiten," obwohl er sein Gehalt so oder so bekommt. Wenn man aber die ganze Zeit in einem Büro sitzt und dort auch nicht in Arbeit ertrinkt, dann wünscht man sich eben doch mehr Abwechslung durch mehr Arbeit. Das war das größte Problem.

War das der Grund dafür, dass du aufgehört hast?

Nein, das war nicht der Grund. Der Grund für das Ende meiner Tätigkeit war noch viel lustiger. Ich hatte nach einiger Zeit bemerkt, dass ich schon fast die 90 Tage erreicht hatte, die man sich in der Türkei als Tourist aufhalten kann. Ich hatte aber noch gar keine Art von Visum. Ich bin also zu Yasin gegangen, der rechten Hand von Ali, und habe ihn gefragt: Ich überschreite bald die 90 Tage, wie ist das denn dann, bekomme ich nicht irgendwelche Probleme?" und er sagte: "Nein, nein, Gurevich und Mohr kommen auch jeden Monat für zwei Wochen und haben noch nie Probleme bekommen, das geht alles automatisch, du hast deinen Arbeitsvertrag", und ich naives dummes Ding habe das auch noch geglaubt, wobei ich aber doch kein wirklich gutes Gefühl bei der Auskunft hatte und Probleme befürchtete.

Wie sich herausstellte, hatte ich recht behalten. Zwei oder drei Monate später, am 5. Oktober, wollte ich dann nach längerer Zeit zum ersten Mal wieder ausreisen. Der Witz bei der Sache ist der, dass ich eigentlich schon Mitte August wegen einer Hochzeit nach Wien hatte ausreisen wollen. Das habe ich dann aus privaten Gründen gecancelt. Wäre ich nämlich da schon ausgereist, wäre die Kacke am dampfen gewesen, weil das noch vor der Schacholympiade war. Dadurch, dass ich im Land geblieben bin, habe ich die Einreisesperre dann im Oktober bekommen. So hat sie zumindest der Olympiade in Istanbul keinen Schaden zugefügt. Wenn ich mir das nur vorstelle, ich hätte während der Olympiade eine Einreisesperre bekommen...Oh je... Ich hätte dann ja nicht spielen können.

Mit St. Pauli-Shirt hat sie zumindest die Hälfte der Hamburger Fußballfans auf ihrer Seite

Wieso, was passiert denn bei der Ausreise?

Na, in dem Moment, wo du ausreisen willst, musst du zur Passkontrolle und bei der Passkontrolle sehen die Polizisten, was in deinem Ausweis steht. Dann heißt es "Oh, oh, die ist schon über 90 Tage hier geblieben. Kommen Sie mal mit in the Office." Dann wird nachgezählt. Bei mir waren es 120 Tage. 30 Tage überschritten. Heißt drei Monate Einreisesperre. 300 Euro Strafe.

Wenigstens nicht 30 Tage Zuchthaus...

Haha, das nicht. Aber ich musste sofort zahlen. Wenn ich das Geld nicht dabei gehabt hätte, ich weiß gar nicht, was dann passiert wäre. Ich hatte aber Gott sei Dank an dem Tag genug Bargeld dabei.

Du hattest also kein Arbeitsvisum...?

Was ich gebraucht hätte, wäre ein Sportarbeitsvisum. Mit dem Visum hätte ich in der Türkei zur Ausländerbehörde gehen müssen, um eine Aufenthaltserlaubnis zu beantragen. Mit dieser hätte ich automatisch auch die Arbeitserlaubnis erhalten. Ich bin in Ankara mehrere Male zur Behörde gegangen, allerdings ohne Unterstützung der TCF, sondern auf eigene Faust. Die Auskünfte dort waren recht spärlich und somit wusste ich nicht wirklich, welches Dokument ich benötigte.

Letztendlich klärte mich dann eine Mitarbeiterin in der türkischen Botschaft in Berlin auf. Es fehlte mir nicht nur das Visum, sondern, wie oben bereits erwähnt, auch die Arbeitserlaubnis. Letztendlich schaffte ich es durch sehr gute Beziehungen Ufuk Tuncers die Einreisesperre aufheben zu lassen und mit einem Arbeitsvisum einzureisen. Ich finde es peinlich für den TCF, Leute einzustellen, ohne sich um die formellen und rechtliche Angelegenheiten der Anstellung kümmern zu wollen. Das meinte ich u.a. mit "Organisation".

Das war dann auch der Grund, warum du aufgehört hast...

Einer der Gründe. Der Hauptgrund war, dass sie mich als Trainerin nicht ordentlich eingesetzt haben.

Mit St. Pauli-Shirt und Kappe im ChessBase-Office

Nun bist du also wieder in Deutschland. Würdest du denn von dir sagen, dass du Schachprofi bist?

Naja, zur Zeit mehr schlecht als recht. Ich habe es seit Anfang des Jahres versucht, aber das ging total nach hinten los. Ich denke, es liegt auch daran, dass irgendwo die Motivation fehlt, weil dem Frauenschach in Deutschland in den letzten zwei Jahren zu  wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Wieso hast du diesen Eindruck?

Im letzten Jahr habe ich drei Medaillen gewonnen. Bei der Blitz-Europameisterschaft bekam ich Silber, bei der Schnellschach-Europameisterschaft Bronze und bei den World Mind Games wurde ich Dritte im Blitzschach und immerhin Fünfte im Schnellschach. Seitens des Schachbundes gab es dafür aber kaum irgendeine Art von Anerkennung. Gemäß den eigenen Richtlinien wird Schnellschach und Blitzschach vom Schachbund allerdings auch nicht gefördert. Das muss ich dann akzeptieren.

Was mich aber viel mehr ärgert, ist die Budgetverteilung der letzten zwei Jahre im Leistungssport. Das Verhältnis zwischen Männer-und Frauenschach bei der finanziellen Unterstützung beträgt nämlich 100:0%. Letztes Jahr flossen für die Männer-Nationalmannschaft 15.000 Euro Zuschuss nach Dortmund, das gleiche in diesem Jahr plus zusätzliche 20.000 Euro Zuschuss für das Superturnier in Baden Baden. Ich musste hingegen für das Erfurter Frauenturnier um 1.000 Euro Aufstockung betteln. Dann kommt ja noch das Geld hinzu, das bei den Schaukämpfen während der Deutschen Jugendmeisterschaften ausgegeben wird. Gut, hier sagt der DSB, dass er keinen Einfluss darauf hat, wie die DSJ ihr Geld verteilt.

Aber sind denn die Männer nicht auch etwas näher dran an der Weltspitze als die Frauen. Sie sind ja auch sogar Europameister geworden...?

Ja, das sehe ich ja ein. Ich verlange ja auch nicht, dass die vorhandenen Gelder im Verhältnis von 50:50 aufgeteilt werden. Aber ein Verhältnis von 75:25% wäre ja schon schön. Aber in diesem Jahr hatten wir bisher 0:100%. Im letzten vermutlich ca. 5%-95%

Elisabeth Pähtz...

Das Frauenschach wird deiner Meinung nach also zu wenig gefördert?

Nach der Klage der Männer 2010 hat sich einiges verbessert, auch für uns. Dank des Sponsors UKA bekommen wir etwas höheres Antrittsgeld in der Nationalmannschaft. Außerdem haben wir nach langem Betteln auch mal einen Zweittrainer bekommen.

Wer war das?

Das war der Michael Prusikin, der auch wirklich ein sehr guter Zweittrainer ist, weil er ein sehr gutes Eröffnungsrepertoire besitzt. 

... in einer neuen abhörsicheren Kammer...

Man merkt, dass du angriffslustig bist und für das Frauenschach kämpfst. Wie sehen das denn deine Kolleginnen? Freuen sie sich, wenn du hier um mehr Mittel kämpfst. Bekommst du da Unterstützung?

Ich bin ja keine Aktivensprecherin mehr. Zu meiner Zeit als Aktivensprecherin konnte ich kaum etwas erreichen, da meine Vorschläge entweder abgelehnt oder gar nicht erst diskutiert wurden. Einer meiner damaligen Schwerpunkte war die deutschen Frauenmeisterschaft. Sie ist bis zum heutigen Tag eine relativ peinliche und unbedeutende Veranstaltung. Die letzten zwei Jahre hat sich zwar das Preisgeld deutlich erhöht, aber es ist immer noch nicht attraktiv genug, um die gesamte Frauennationalmannschaft zu einer Teilnahme zu bewegen. In vielen Ländern zählt die Landesmeisterschaft als Nominierungskriterium für die Nationalmannschaft, in Deutschland leider nicht und daher drückt man sich auch gerne davor.

Schade ist die Tatsache, dass unser jetziger Präsident vor seiner Kandidatur versprochen hatte, sich besonders für das Frauenschach in Deutschland stark zu machen. Davon sehe ich bis heute leider nicht viel. Das WGM Turnier in Erfurt 2012 mit einem Schnitt von 2320 und einem lächerlichen Gesamtpreisfonds von 3.000 Euro erkenne in dem Zusammenhang nicht als den großen Schritt im deutschen Frauenschach an. Dies war lediglich für unsere Nachwuchstalente Hanna Maria Klek und Filiz Osmanodja schachlich attraktiv. Man bedenke, der Schnitt der ersten fünf deutschen Topspielerinnen liegt bei ca. 2390.

Wünschenswert wäre es zum Beispiel, wenn den ersten vier deutschen Topspielerinnen die Einzel-EM bezahlt würde, wenigstens im Doppelzimmer. Der Zuschuss von 500 Euro für den B-Kader ist dafür viel zu wenig. Die Europameisterschaft wäre das beste Vorbereitungsturnier für die Mannschaftswettkämpfe.

Auch ein geschlossenes Frauenturnier mit Schnitt von 2420-2450 wäre durchaus lobenswert. Beides zusammen würde den DSB nicht mehr als 10.000 Euro Zuschuss kosten. Für Erfurt im letzten Jahr musste man den DSB um eine Erhöhung von 1.000 Euro nahezu anflehen...

... um Geheimvarianten vor der NSA zu verstecken?

Und ist das Leben als Schachprofi nun eine reine Qual, weil man immer dem Geld hinterher rennen muss, oder gibt es auch Vorzüge, reisen zum Beispiel...?

Ich bin Gott sei Dank finanziell nicht abhängig, denn vom Schach in Deutschland kann man nicht wirklich leben. Die Einnahmen durch den DSB sind für uns Frauen LEIDER auf die Mannschaftskämpfe  beschränkt.

Und die Vorzüge...?

Ja, ich reise viel und gerne. Ich war in diesem Jahr, glaube ich, weniger Zeit in Deutschland als im Ausland.

Mit viel Schwung...

Wohin reist man denn am liebsten, wo spielt man am liebsten?

Also, in diesem Jahr war ich Indien. Das war allerdings eine Katastrophe. Ein Appell an alle Spielerinnen: Spielt niemals ein Turnier in Indien mit! Die versprochenen Konditionen sehen am Ort dann nämlich ganz anders aus. Uns wurde zum Beispiel versprochen: Ein Schnitt von 2400 Elo mindestens, zehn Teilnehmerinnen, davon sechs Ausländerinnen, vier indische Topspielerinnen, Übernachtung im Viersterne-Hotel und ein Preisgeld von 3.000 Dollar für den ersten Platz und garantiert 1.000 Dollar für die nächsten Plätze. Dafür mussten wir allerdings unseren Flug selber bezahlen, zumindest nach Indien. Der Weiterflug nach Südindien wurde vom Organisator getragen. Das waren also die Versprechungen.

Wir kamen dann dort an und ich war heilfroh, dass ich zusammen mit Elina Danielian, Lilit Mkrtchian und Olga Gyria in der gleichen Maschine eintraf. Am Flughafen hieß es dann: "Bringt die Spielerinnen ins Guesthouse." Wir schauten uns an: "Guesthouse?" Da wir alle vier Russisch sprachen, konnten wir uns unterhalten, ohne dass die Inder uns verstanden. "Sollten wir nicht in einem Hotel untergebracht werden, oder heißt das hier so?" Wir wurden dann tatsächlich in so ein Guesthouse geschickt, wo Kakerlaken im Bad rumgelaufen sind. Wir haben dann zu Elina gesagt, weil sie die Älteste war, "Sag doch mal was!" Elina hat sich dann an die Organisatoren gewandt: "Das akzeptieren wir nicht. Wenn wir nicht in einem Hotel untergebracht werden, reisen wir ab!" Wir haben dann noch eine Stunde gewartet. Dann wurden wir tatsächlich in ein Hotel gebracht. Als nächstes wurde versucht, uns in Doppelzimmern unterzubringen. Das war allerdings auch nicht ausgemacht und wir konnten uns erneut durchsetzen. So weit, so gut.

Am nächsten Tag sehe ich ein Turnierplakat, auf dem nicht zehn, sondern zwölf Spielerinnen verzeichnet sind. Ich dachte "Nanu, sollten es nicht zehn Spielerinnen sein?" Auf Nachfrage hieß es: "Ja, die Regierung, und so weiter, also es mussten zwei Inderinnen mehr sein." Aus dem geplanten neunrundigen Turnier mit Ruhetag wurde so ein elfrundiges Turnier mit Doppelrunde. Natürlich stimmte auch der avisierte Eloschnitt nicht mehr. Statt 2400 waren es nur noch 2370 und statt drei plus brauchte man nun bei elf Runden plus vier oder fünf, um die eigene Zahl zu halten.

... bereit für neue Aufgaben.

Ich fasse mal zusammen: Reisen macht Spaß, aber man erlebt auch viele Überraschungen...

Ja. Ich habe mit Harika Dronavalli und Tania Sachdev gesprochen. Und die sagten, das sei ein bekanntes Phänomen und deshalb würden sie schon seit Jahren keine Turniere mehr in Indien spielen. Die Konditionen sind so schlecht, dass sie dort ständig Elo lassen. Wenn sie in Indien spielen, verlieren sie Elo, im Ausland gewinnen sie die Elo dann wieder langsam zurück. Ich habe in Indien auch 20 Punkte gelassen, weil ich mich dort nur aufgeregt habe und nicht mehr abschalten konnte.

Du wurdest ja schon früh als großes Talent erkannt und bist dann deinen Weg gegangen. Würdest du denn rückblickend sagen, es ist alles gut gelaufen, so wie es kam, oder hätte man das eine oder andere auch besser machen können?

Ich habe zwei WM-Titel erzielt. Das war mehr oder weniger so angestrebt gewesen und ich bin auf diesen Erfolg stolz. Ich hätte mir dann vielleicht etwas mehr erhofft, wobei ich zugeben muss, dass ich nicht immer die Fleißigste war. Das war aber vielleicht nicht das größte Problem - den mangelnden Fleiß konnte ich durch das Talent, das ich hatte, zumindest einigermaßen ausgleichen. Ein großes Problem ist für mich immer, dass ich durch äußere Einflüsse, zum Beispiel die schlechten Bedingungen in Indien oder die Streitigkeiten innerhalb der Mannschaft oder Konflikte mit dem DSB, erheblich in meinen Leistungen negativ beeinträchtigt werde. Ich kann dann einfach nicht mehr Schach spielen.

Ist das im Frauenschach ausgeprägter als im Männerschach? Sind Frauen im Schach emotionaler?

Ich denke, insgesamt sind Frauen viel emotionaler als Männer und bei mir ist es extrem. Ich bin in dieser Hinsicht sehr empfindlich. Wenn mir jemand von außen Stress bereitet, in Emails, auf der Homepage oder durch irgendwelche Artikel, dann nimmt mich das extrem mit. Ich kann das nicht wegstecken, das können andere wesentlich besser. Man schaue sich zum Beispiel mal Tatiana Kosintseva an. Die zeigt während einer Partie nicht mal die kleinste Emotion. Man fragt sich, wie sie das nur macht.

Und was planst du für die Zukunft?

Mittlerweile habe ich eine Schülerin, eine Engländerin, deren Familie aus Indien stammt. Ein sehr talentierte Zwölfjährige. Mit ihr traniere ich regelmäßig online. Außerdem gibt es im badischen Schachverband ein Projekt für den weiblichen Nachwuchs, an dem ich mich gerne beteiligen möchte. Der badische Schachverband möchte viel Energie in den Bereich Mädchenschach/Frauenschach stecken, um dort etwas aufzubauen. Das wird in Zukunft wohl auch mehr meine Richtung sein. Ich fahre auch nach Südafrika mit der Delegation der Deutschen Schachstiftung. In den Schachentwicklungsländern geht es vor allem darum, Trainer auszubilden, die dann Schach in den Schulen unterrichten.

Das heißt, dein Weg geht in die Richtung Training?

Auf Dauer, ja. Vielleicht werde ich aber vorher noch ein bisschen Familienplanung anstreben...

Vielen Dank für das Interview.

Fotos und Interview: André Schulz



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