Interview mit Juga di Prima

von ChessBase
15.01.2020 – Die chilenische Sängerin Juga die Prima hat die Musikwelt mit Schachmotiven und die Schachwelt mit ihrer Musik bereichert. Anlässlich ihres Besuchs bei der Münchener Schachstiftung gab es Gelegenheit zu einem Interview. Franziska Kurz sprach mit der Musikerin. | Fotos: Münchener Schachakademie

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Pressemitteilung:

Ein Interview mit Juga di Prima

Eine brillante Probe ihres Könnens und unglaublich breiten Repertoires gab bei der jährlichen Veranstaltung der Münchener Schachstiftung für Freunde und Sponsoren am 18.10. 2019 die in Südamerika schon berühmte Künstlerin Juga di Prima.

Die vielseitige Songwriterin aus Chile rockt mit ihren Schachsongs & Musikvideos im James-Bond-Stil die Schachwelt und liebt die deutsche Kultur:

Sie wurde von Marlene Dietrich inspiriert und studierte an der Musikakademie romantische deutsche Komponisten.

Im Anschluss gab sie weitere Einblicke in ihr breites Repertoire bis hin zu einem Haka und anderen polynesisch inspirierten Liedern.

Der Höhepunkt für die versammelte Schachgemeinde Münchens waren natürlich ihre Schachlieder.

Ihre Schach-Musikvideos sind so einzigartig, dass sie von der Schach-Elite gefeiert wurden und den Goodwill Ambassador Chess Award für künstlerische Werte erhielten.

Juga hielt in der gleichen Woche einen Vortrag zum Thema „Chess & Music: Emotionen und Symbole erkunden“ beim Rotary Club München mit Songs, die bereits auf dem ungarischen Global Chess Festival präsentiert wurden.

Zu jedem Song beantwortete sie Fragen des Publikums zu den Schachreferenzen in den Texten oder Videos, die auf der Leinwand gezeigt wurden.

Im Gespräch mit ihr nach der Veranstaltung erfuhren wir mehr über sie:

Sie sind in Chile aufgewachsen und haben schon in Ihrer frühen Jugend angefangen, Gesang zu studieren – woher kam diese Leidenschaft? Hat Ihre Familie eine Tradition im Singen oder Musizieren?

Seit ich 4 Jahre alt war, wusste ich, dass ich Komponistin und Sängerin werden würde!

Ich begann Gesangsunterricht zu nehmen, als ich 13 war, und mein natürlicher Stil war Blues – Classic Rock.  Ich erweiterte meinen Stil, während ich Komposition an der Akademie (Pontificia Universidad Catélica de Chile) studierte, wo ich die erste Frau war, die jemals ihren Abschluss in diesem Studiengang machte.

Ich bin aktuell die einzige Künstlerin meiner Familie, obwohl mein Großvater ein französisch-italienischer Bariton war. Leider habe ich ihn nur bei seiner Beerdigung getroffen, aber das ist eine andere Geschichte...

Wenn Sie Ihre Songs Ihres letzten Albums Maururu (2016) hören, ist der Einfluss der traditionellen polynesischen Musik nicht zu überhören. Sie lebten zwei Jahre auf der Osterinsel und waren offensichtlich tief berührt von Geist und Musik des Ortes.

Wie war Ihr erster Kontakt mit der polynesischen Kultur und Musik?

Ich besuchte die Osterinseln, als ich ein Teenager war, auf dem Rückweg von Tahiti, mit meiner Familie.

Ich fühlte eine so starke, unerklärliche Verbindung mit diesem Land, den Vulkanen, dem Ozean und den Symbolen, dass ich fühlte, dass ich eines Tages dort leben und die polynesische Kultur der Rapa Nui von innen kennen lernen musste. Das habe ich auch getan. Im Jahr 2009, nach Abschluss meines Kompositionsstudiums. Ich kaufte ein One-Way-Ticket und ging, um mein erstes Album in einem Studio der Insel aufzunehmen. Ich verliebte mich in die Kultur und blieb dort, komponierte und arbeitete mit lokalen Musikern zusammen.

Seit damals kehrte ich mehrmals zurück, um weitere musikalische und kulturelle Projekte zu entwickeln.

Sie sind eine bekannte Künstlerin in der Schachwelt. In einem Interview mit SKY News im Jahr 2018 haben Sie gesagt, dass Schach eine universelle Sprache für Sie mit ihrer ganz eigenen Poesie ist. Wie kommen Sie zu diesem Schluss?

Schach ist eine universelle Sprache. Es gibt etwa 500.000.000 Schachspieler auf der Welt!

Da Schach für den menschlichen Geist immer noch unendlich ist, hat es seine Regeln seit mehr als 500 Jahren nicht geändert. Das bedeutet, dass Sie in jeder Ecke der Welt mit einem Schachbrett sitzen können und ohne Worte spielen und tiefe Gedanken mit jedem teilen, unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft. Unsere Geschichte als Menschheit kann durch Schach erzählt werden...

In Ihrem Song OH CAPABLANCA geben Sie einen Einblick in die Emotionen und Gedanken während eines Schachspiels – vor allem in einem Spiel, in dem der Gegner einen höheren (Elo) Rang hat und erfahrener ist. Können Sie mir mehr über die Geschichte hinter dem Song erzählen?

"Oh Capablanca" beschreibt meine emotionale Reise während eines Schachspiels, in dem ich unter übertriebenem Optimismus litt.

Gleich nach einer Partie schrieb ich diesen Song, um meine Trauer über den Verlust einer theoretischen Gewinnstellung zu lindern - die ich später analysierte, nur um herauszufinden, dass ich überhaupt keine Chance hatte.  "Oh Capablanca" wurde mitten in einem Turnier geboren, das ich im Dezember letzten Jahres in Rom gespielt habe. Es war die 5. Runde und ich mochte meine Position. Meine Züge waren gut und ich glaubte, dass ich einen starken Angriff hatte. Plötzlich merkte ich, dass ich Gegenspiel zuließ. Ich geriet in Zeitnot, alles ging sehr schnell... Ich war allein damit und beendete das Spiel mit dem Gefühl, dass ich Schach überhaupt nicht verstanden habe. Das Schreiben dieses Songs hat mir wirklich geholfen, meine Frustration auszudrücken. Es hat mich mich viel besser fühlen lassen.

 

Welchen Rat würden Sie Frauen geben, die in die Welt des Schachs eintreten wollen?

Schach hat kein Geschlecht. Spielen Sie also so viel wie möglich, mit Männern und Frauen, mit jedem, der besser spielt als Sie, selbst wenn Sie oft verlieren, werden Sie viel schneller lernen. Es gibt immer noch eine große Lücke zwischen den Geschlechtern, aber das liegt am kulturellen Kontext der Frauen in Wissenschaft und Sport im Laufe der Geschichte. Wir sollten immer die Schönheit des Schachs genießen, egal auf welchem Niveau. Judit Polgar, die beste Schachspielerin der Geschichte, sagt: Chess Connects Us!

Vielen Dank, Juga, für Ihre Zeit und Ihre Antworten!

 

Mehr Informationen zu Juga die Prima gibt es auf:

www.jugamusica.com