Interview mit Marco Bode

05.01.2010 – Mit der ersten Ausgabe im neuen Jahr erscheint die Bremer Traditionszeitschrift Schachmagazin 64 (Probeabo: 3 Ausg./ 6,50 Euro) nun in neuem Look. Ein frisches Layout und farbiger Druck auf allen Seiten sorgen neben abwechslungsreichen Inhalten für ein buntes Abbild der facettenreichen Schachwelt. Im Zentrum der Januarausgabe stehen Berichte von den Turnieren Chess Classic in London, dem World Cup in Khanty-Mansiysk, der Moskauer Blitz-Weltmeisterschaft und der ND-Gala in Berlin. Die Weltmeisterin Alexandra Kosteniuk wird in einem Portrait vorgestellt und mit Marco Bode stellte sich ein Urgestein des Bremer Sports im Interview. Der frühere Fußball-Nationalspieler ist dem Schach eng verbunden und blitzt regelmäßig auf dem Fritz-Server, wie er im Gespräch bekennt. Beruflich ist Bode in der Hamburger Werbeagentur Deepblue aktiv und in mehrere TV-Fußballproduktionen involviert. Wir veröffentlichen hier einen Auszug des Interviews.Inhalt des Heftes beim Schünemann Verlag...Nachdruck des Interviews...

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Interview mit Marco Bode
Von Hartmut Metz
Nachdruck in Auszügen mit freundlicher Genehmigung von Schachmagazin 64


Marco Bode hat als Fußballer zahlreiche Erfolge gefeiert. 1996 wurde das Urgestein von Werder Bremen Europameister und 2002 Vizeweltmeister. Danach beendete der gebürtige Niedersachse seine Karriere. Der 40-Jährige, der 40 Mal in der Nationalmannschaft auflief, bleibt den Fans jedoch vor allem wegen seiner Fairness in Erinnerung – und den Schachspielern wegen seiner Verbundenheit zum königlichen Spiel. Sitzt Marco Bode heute noch ab und zu am Brett? Hartmut Metz verriet der ehemalige Profi, dass er regelmäßig bei ChessBase Blitz- und Bulletpartien spielt. Und als Inhaber einer Marketing-Firma namens Deepblue Sports und Mitproduzent von Kinderfernsehen denkt der Hanseat natürlich daran, mit Felix Magath eine Schachsendung für das Fernsehen zu produzieren.


Schach-Magazin 64:
Was macht ein ehemaliger Fußball-Nationalspieler, wenn er nicht Trainer oder Manager nach seiner Karriere wird? Im Online-Lexikon Wikipedia heißt es, dass Sie Ihr unterbrochenes Philosophie-Studium in Bremen wieder aufgenommen haben.

Bode: Nein, das stimmt nicht. Während meiner Fußball-Karriere studierte ich ein wenig Mathematik an der Fernuni Hagen und später kurz in Bremen ein bisschen Philosophie. Das jedoch im Grunde genommen nur aus privatem Interesse, weniger um einen Abschluss zu machen. Das nahm ich auch nicht mehr nach dem Fußball auf, sondern eignete mir mehr betriebswirtschaftliches Handwerkszeug an. Ich absolvierte in einem Jahr einen Kompaktkurs. Danach legte ich mit verschiedenen Projekten los, die ich bis heute verfolge.

SM64: Diese sind?

Bode: Unter anderem Fernsehproduktionen. Mit der Hamburger Firma Nordisch entwickele ich Kinderfernseh-Formate und produziere diese ebenso. Vor Jahren entwickelten wir zum Beispiel eine Fußballshow für RTL, TOGGO United. Zuletzt setzten wir „Abenteuer Action!“ für den Kinderkanal um. Und im Frühjahr produzieren wir für den Südwestrundfunk eine Serie namens „Das große Bolzplatz-Duell“, was auch wieder im Ki.Ka laufen soll. Der zweite Punkt ist, dass ich seit vier Jahren Inhaber einer Agentur in Hamburg bin, die sich um Sportmarketing und Kommunikation kümmert, Deepblue Sports.

SM64: Oho, Deep Blue!

Bode: Da haben wir den ersten Zusammenhang zum Thema Schach: Den Namen leiteten wir nicht von dem Film über die Tiefsee ab, sondern natürlich vom Schachprogramm, das als Erstes den amtierenden Weltmeister, Garri Kasparow, schlug. Unser Bestreben ist es wie damals bei IBM, Kompetenzen an einen Tisch zu bringen, um ein Ziel zu verfolgen.

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SM64: Hat Ihr Hang zur Mathematik und einem einst begonnenen Studium auch mit der Liebe fürs Schach zu tun? Viele Naturwissenschaftler neigen zum königlichen Spiel.

Bode: Solch eine Verbindung ist vermutlich da. Neben Sport zählte Mathematik in der Schule zu meinen besten und Lieblingsfächern. In der fünften Klasse begann ich mit Schach. Wir mussten nachmittags an einer Arbeitsgemeinschaft teilnehmen. Da ich in der Fußball-AG nach einem Losverfahren nicht zum Zuge kam, erfüllte sich mein Zweitwunsch: Schach, weil ich es bis dahin noch nicht konnte. Es machte mir enormen Spaß, und ich belegte es drei Halbjahre hintereinander. Ich spielte mit 13, 14 dann ein Jahr lang in meinem Heimatort, beim SV Osterode-Südharz. Es blieb aber nur ein Hobby, weil natürlich der Fußball im Vordergrund stand und mehr und mehr Zeit erforderte.

SM64: Klar, mit Auswahlmannschaften etc. waren Sie dann sicher viel unterwegs.

Bode: Genau. Den Kontakt zum Schach hielt ich trotzdem. Wenn ich meine beiden Brüder an Weihnachten wieder sehe, spielen wir sicher wieder ein paar Partien.

SM64: Ihre Brüder heißen?

Bode: Der ältere Oliver, der jüngere Michael. Der ältere Bruder ist promovierter Statistiker, was sein Faible für den Denksport erklärt – obwohl ich ihm Schach erst beigebracht habe. Bei Werder spielte Schach auch stets eine große Rolle. Die Abteilung war mal Deutscher Meister und besitzt noch immer eine starke erste Mannschaft. Zudem machen sie sehr gute Jugendarbeit, auch mit Schulschachmeisterschaften. So trug ich gegen Kinder aus dem Baumschulenweg ein Simultan aus. Die Zehn- bis Zwölfjährigen spielten schon richtig gut.

SM64: Wie stark sind Sie?

Bode: Ich bin etwas mehr als ein Hobbyspieler, aber wäre sicher eher ein dürftiger Vereinsspieler – also irgendwo dazwischen bin ich anzusiedeln.

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SM64: Wie gut ist Ihre Wertungszahl auf dem Server?

Bode: Ich schwanke meist zwischen 1600 und 1700. Bei mir ist oft viel Bewegung drin: Einmal spiele ich 20 Partien in einer halben Stunde gut und schieße im Bullet auf 1800 hoch – und dann geht es wieder runter auf 1500. Ich möchte daher unterscheiden zwischen diesem anderen Spiel und Fünf-Minuten- oder gar Schnellschach-Partien. Bei Letzteren bin ich auf jeden Fall stärker. Meine größten Erfolge am Brett waren ein Remis gegen einen Bundesligaspieler des SV Werder und der Vergleich mit Garri Kasparow. In dem Online-Simultan unterlag ich zwar, hielt jedoch ziemlich lange durch.

SM64: Auf welchem Server spielen Sie hauptsächlich?

Bode: Ich spiele mit Fritz auf dem ChessBase-Server. Ich hatte einen guten Draht zu der Hamburger Firma. Als ich auf meiner Webseite die Online-Partien austrug, unterstützten die mich.

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SM64: Wer war unter den Kollegen Ihr gefährlichster Gegner auf den 64 Feldern?

Bode: In der Nationalmannschaft spielte ich unter anderem mit Oliver Bierhoff und Jens Lehmann. Gegen die hatte ich, würde ich mal behaupten, immer die Nase vorne. Felix Magath soll auch stark sein, mit dem kreuzte ich allerdings nie die Klingen. Als ich ihn unlängst traf, unterhielten wir uns aber über Schach. Es interessiert ihn noch immer, er fungierte ebenso als Olympiade-Botschafter. Bei Werder fällt mir Uwe Harttgen ein, ein alter Freund von mir. Andreas Herzog und Wynton Rufer waren dagegen hoffnungslos unterlegen ... Gegen Andy und Wynton spielte ich einmal blind – und da wollten sie mich bescheißen. Ich merkte das allerdings, so dass sie beeindruckt sofort aufgaben! Die Regeln kennen eben viele, richtig spielen können indes nur die wenigsten. Im Gegensatz zu anderen Sportarten entfällt der Zufall völlig. Deshalb hat einer mit bloßer Regelkenntnis natürlich überhaupt keine Chance.

SM64: Eine Vereinsmitgliedschaft in der Schach-Abteilung des SV Werder oder jetzt beim Hamburger SK kam nie in Betracht?

Bode: Momentan glaube ich nicht, weil so viele andere Dinge und Hobbys im Vordergrund stehen. Aber mit 60, vielleicht komme ich da auf den Geschmack ...

SM64: Promoten Sie Schach stattdessen mal mit einer Sendung im Kinderkanal?

Bode: Wer weiß, darüber nachgedacht haben wir schon einmal, aber ein fertiges Konzept haben wir bisher noch nicht. Am ehesten könnte etwas wie die Kindersoftware „Fritz&fertig“ von ChessBase funktionieren. also Schach nicht nur zu zeigen und zu analysieren, sondern pädagogisch heranzugehen. Den richtigen Dreh fanden wir aber noch nicht ganz raus. Und einen Sender dafür zu begeistern, dürfte auch nicht so leicht sein, obwohl ja viele Kinder Schach spielen und die Zielgruppe nicht zu klein sein sollte.

SM64: Vielleicht wird es also noch etwas mit einer Fernsehsendung.

Bode: Leider muss ich einschränken: Schach ist insgesamt weniger fernsehtauglich und eher fürs Internet geeignet. Schade, ich verfolgte früher immer die Schachsendungen mit Helmut Pfleger und Vlastimil Hort. All die großen Kämpfe zwischen Karpow und Kasparow. Das sieht man heute gar nicht mehr – es ist eben Fernsehen, wie es heute nicht mehr existiert. Ich denke, man müsste eher schauen, dass man Felix Magath gegen vier Kinder ein Simultan spielen lässt. Zudem baut man noch ein bisschen etwas Drumherum mit „Tipps und Tricks“, dann könnte es funktionieren.

SM64: Haben Sie einen Schach-Lieblingsspieler oder –literatur?

Bode: Ich habe mir gerade ein Buch des Mathematikers Christian Hesse besorgt, der auch ein Schachbuch verfasste. Ich liebe logische Knobeleien wie in diesem Buch und häufig kann man Beispiele aus dem Schach verwenden: Das probieren wir mal gleich an Ihnen aus. Stellen Sie sich vor, Sie haben 256 Schachspieler, die im K.-o.-System gegeneinander antreten. Wie viele Partien benötigt man mindestens, um einen Sieger zu ermitteln?

SM64: 128 plus 64 ... Obwohl, das geht doch schneller: Ich meine, n-1. Es müssten folglich 255 Partien sein.

Bode: Genau. Das ist die normale Variante, dass man erst mal mit 128 anfängt zu rechnen. Bei Hesse muss man gar keine Formel kennen, sondern er erklärt es – was mich fasziniert –, so dass man ganz anders an die Probleme herangeht. Das ist dann Mathematik auf hohem Niveau, so dass es auch ein sechsjähriges Kind begreift. Man überlegt sich: Es spielen immer zwei gegeneinander und 255 müssen ausscheiden. Somit müssen 255 verlieren, also müssen es 255 Partien sein. Ansonsten habe ich wenige Schach-Theoriebücher gelesen. An eines erinnere ich mich allerdings: „Erfolgreich eröffnen“ hieß es. Und „Angriff auf den König“, das klassische Angriffspartien enthielt, fällt mir ein. Mein erstes Buch, mit dem ich Schach gelernt habe, war ein ganz dickes Werk von Theo Schuster. So lernte ich ein bisschen Eröffnungen, ein bisschen Mittel- und ein bisschen Endspiel. Viel mehr ist es nicht geworden. Das unterschätzen viele Laien, was die Großmeister alles können. Man sieht es ja in der Bundesliga, wie die die ersten Züge runterrasseln und sich bis zur Neuerung erinnern.

SM64: Herr Bode, vielen Dank für das Gespräch.

Das vollständige Interview kann in Schachmagazin 64, Ausgabe Januar/2010 nachgelesen werden.

 

 

 

 

 

 



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