Neulich im ChessBase Büro: Matthias Wüllenweber

von Nadja Wittmann
13.03.2018 – Als 1986 ChessBase gegründet wurde, sprach noch niemand von „Startup“, aber eigentlich fühlt sich es sich auch heute, 30 Jahre nach der Gründung, in dem Hamburger Büro wie in einem ein Startup an: auf den Fluren zwischen Lagerregalen und PCs entstehen täglich neue Ideen, mit fröhlichem Enthusiasmus wird neue Schachsoftware entwickelt und Taktgeber für die Innovation ist seit eh und je Matthias Wüllenweber, ChessBase Gründer, Gesellschafter und Chefentwickler. Wir haben ihm ein paar Löcher in den Bauch gefragt. | Foto: Frederic Friedel (ChessBase)

Fritz 16 Fritz 16

Sehen Sie das? Fritz 16 freut sich schon auf Sie! Und Sie werden mit dem neuen Fritz auch viel Spaß haben. Freuen Sie sich auf viele packende Partien und Siege mit "Easy Play" und der "Assisted Analysis"!

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Ein kurzes Interview mit Matthias Wüllenweber

Nadja Wittmann: Matthias, Du bist unser Chef und auch der Chefprogrammierer bei ChessBase. Welches ist Dein Lieblingsprogramm und warum?

Als Entwickler steht einem immer das aktuelle Projekt am Nächsten. Programme zu schreiben, ist eine Art Handwerk. Was den Charme dieses Berufs ausmacht, ist, dass man eine Idee wachsen und Formen annehmen sieht, und am Ende vielleicht etwas nützliches Neues entsteht, dass andere Leute gerne verwenden. Mein aktueller Favorit sind die Funktionen "Easy Game" und "Assisted Calculation” in Fritz 16. Das Besondere an der Funktion "Easy Games" ist nicht nur, dass Fritz dabei einen menschlichen Gegner mit typischen Fehlern simuliert, sondern auch, dass er dem Benutzer während der Partie verschiedene versteckte Gewinnchancen bietet, so dass man ihn mit scharfem Spiel überrumpeln kann.

Matthias Wüllenweber, Miteigentümer von ChessBase und Chefprogrammierer

Matthias Wüllenweber, ChessBase Gründer, Gesellschafter und Chefentwickler

Was ist Dein Lebensmotto auf dem Brett (aber vielleicht ja sogar auch im Leben)?

Genieße den Moment und mache Dir keine Sorgen.

Was gefällt Dir am Schachspielen am allermeisten?

Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll! Die Spannung eines Mannschaftskampfes. Das Adrenalin während der Partie. Das Dopamin, wenn man mal richtig gut steht. Das Bewusstsein, sich in einem historischen und kulturellen Kontext zu bewegen, der den "Test of Time" bestanden hat und heute noch mindestens genauso lebendig und erfüllend ist wie vor hundert Jahren. Ich denke, Schach bietet eine gute Balance zwischen tiefer, reichhaltiger Komplexität und ansprechenden, vertrauten Mustern. Diese wiedererkennbaren Muster, die einem das Gefühl vermitteln "ich kenne das, ich beherrsche das", sind wichtig, damit man sich in so einer so anspruchsvollen Sache wie Schach zu Hause fühlen kann. So ein Muster kann eine Eröffnungsvariante, ein Mittelspielmotiv oder eine bestimmte Endspieltechnik sein. Mir missfallen Regeländerungen, die diese gute Balance zerstören. Der Charakter von Schach wird im Übrigen durch viele starke ästhetische Symmetrien geprägt. Und gerade die leichten Störungen dieser Symmetrien bringen Gehalt ins Spiel. So z.B. die Unausgewogenheit zwischen Weiß und Schwarz, das unterschiedliche Wesen von Damenflügel und Königsflügel.

Glaubst Du, dass Dir neben der Arbeit noch genügend Zeit für andere Beschäftigungen und Deine Hobbies bleibt?

Wir haben so viele verschiedene Projekte, die wir am Laufen halten und weiterentwickeln müssen, dass wir alle ziemlich intensiv arbeiten. Aber das macht ordentlich Spaß und wir haben wahrscheinlich größere Freiheiten und mehr direkt umsetzbare Kreativität, als siche größere Firmen als wir vielleicht erlauben können. Es gibt ständig viele coole Ideen, die wir gern umsetzen würden, aber die auch liegen bleiben, weil wir einfach nicht genug Zeit für alles haben. Aus diesem Grunde sind wir auch immer auf der Suche nach neuen Entwicklern, die gleichzeitig ambitionierte Schachspieler sind.

Persönlich verbringe ich viel Zeit mit verschiedenen musikalischen Aktivitäten, das ist ziemlich entspannend.

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Welches ChessBase Programm gebrauchst Du am häufigsten (und wofür genau) - als "Benutzer Deiner eigenen Programme"?

Um mein Eröffnungswissen auf dem neuesten Stand zu halten, nutze ich unsere Anwendung openings.chessbase.com, weil ich selbst nicht genug Turnierpartien spiele, um alles gut im Gedächtnis zu behalten. Zwei oder drei Tage vor einer wichtigen Schachpartie, beginne ich damit, Taktik auf dem Taktik-Server von ChessBase zu trainieren, bevor ich zu Bett gehe. Alles andere an praktischer Schacharbeit erledige ich mit ChessBase 14. Außerdem habe ich in jüngster Zeit so ungefähr 100 - 200 "Einfache Partien" mit Fritz 16 gespielt, um diese Funktion zu tunen. Aber den größten Spaß machen mir Blitzpartien auf play.chessbase.com.

Matthias hat die Übersicht

Matthias klettert auch mal ganz nach oben, um einen anderen Blickwinkel zu bekommen

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Woher nimmst Du die Inspiration für neue Funktionen, wenn Du die neuen Versionen von ChessBase und Co. entwickelst?

Dafür gibt es mehrere Quellen. Brainstorming im direkten Gespräch mit meinen Kollegen ist der wichtigste und produktivste Weg, um weiterzukommen. Auch die Vorschläge unserer Kunden können brillant und ziemlich überzeugend sein. Manchmal schreibe ich auch Dinge, die ich einfach selbst schachlich brauche. Programme oder Funktionen, die nicht von den Entwicklern selbst benutzt werden, wirken zuweilen etwas ungeschlacht.

Matthias´view (and leg) sitting at the top of the mast

Die ganze Sache aus Matthias Blickwinkel überschaut... (Mannomann, ganz schön hoch!)

Was ist der schwierigste Teil der Arbeit, wenn Du eine neue Programmversion entwickelst?

Der Beginn, denn da funktioniert ja noch überhaupt nichts. Die Phase kurz vor der Fertigstellung ist auch recht schwierig, denn dann müssen mögliche Fehler beseitigt werden, die Optik braucht Feinschliff,  Performance und Benutzbarkeit müssen abgerundet werden. Viele Programmierer unterschätzen oder fürchten gar diese entscheidende letzte Phase. Es ist spannender und manchmal leichter, anspruchsvolle Algorithmen zu erdenken, als lange am qualitativ notwendigen letzten Schliff zu arbeiten. Das ist aber unverzichtbar, sonst wirkt alles unfertig.

"Captain of ChessBase"

"Käpt´n ChessBase"

Was geht Dir, schachlich gesprochen, dieser Tage so durch den Kopf?

Schach ist ausgesprochen vital und das Internetschach ist eine fantastische Entwicklung. Ich glaube, dass es kein Zufall ist, dass Schach so gut ins Netz passt. Nun ist es aber so, dass unser heutiges hektisches Leben zwar Zeit für ein paar Blitzpartien im Netz lässt. Doch der klassische Vereinsabend, bei dem man seine Freunde trifft, bleibt zu häufig auf der Strecke. Ich bedauere das und hoffe, dass der Auftrieb, den Schach im Netz erfährt, auch dazu führt, dass sich wieder mehr Leute in richtigen Schachvereinen treffen.

Matthias Wüllenweber does not even bother to sit on a chair while testing the "Tactics App" at the ChessBase office

Wer braucht schon Bürostühle?! Matthias Wüllenweber testet spontan vor dem Schreibtisch hockend die "Tactics App"

Und woran arbeitest Du gerade? Falls das kein Geheimnis ist...

Momentan beschäftige ich mich gerade mit diversen Anpassungen und Verbesserungen unserer Systeme, dabei ist viel Qualitätssicherung im Spiel. Mein Hauptaugenmerk liegt zur Zeit auf play.chessbase.com.

Interview und Fotos: Nadja Wittmann (ChessBase)

Links

Eröffnungstraining: http://openings.chessbase.com/

Taktiktraining: http://tactics.chessbase.com/

Online-Blitzschach: http://play.chessbase.com/

 



Chefredakteurin der spanischen ChessBase Nachrichtenseite es.chessbase.com, Marketing
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Treborsualk Treborsualk 14.03.2018 02:53
Hallo Herr Wüllenweber,

wirklich interessanter Artikel mit anprechenden Einblicken in Ihre Arbeit - was sage ich - in Ihr "Werk". Sie sagen: "Auch die Vorschläge unserer Kunden können brillant und ziemlich überzeugend sein." Ich suche immer noch nach einer Plattform, einem Forenabschnitt oder ähnlichem, wo Vorschläge von Usern gesammelt auftauchen und besprochen werden können. Wenn man die Schwarmintelligenz seiner User hegt und nutzt, schafft das viel Bindung und Nähe. Ich sehe das bei einem (völlig) anderen Softwareprojekt, an dem ich mitarbeite. Da sind die User ein unersetzlicher Motor der Entwicklung. Dann könnten vielleicht zwischen den einzelnen Versionsveröffentlichungen noch größere Nutzen-Schritte erreicht werden.
Beste Wünsche an das ganze Team.
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