Jimmy Adams gestorben

von Michael Negele
18.06.2026 – Der englische FIDE-Meister, Publizist und Historiker Jimmy Adams war Autor vieler herausragender Schachbücher, zumeist Biografien bedeutender Spieler der Schachgeschichte. Er starb nach langer Krankheit am 6. Juni 2026 im Alter von 78 Jahren. Ein Nachruf von Michael Negele.

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Dieser Nachruf erschien zuerst bei der Chess History & Literature Society. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung.

Unser geliebtes Hobby: "Vom Hölzchen auf Stöckchen kommen ..." - doch manches dicke Brett wurde durchbohrt

Der britische FIDE-Meister, Schachautor und langjährige Redakteur des CHESS-Magazins, James „Jimmy“ Bernard Adams (7. Februar 1947 - 6. Juni 2026), ist am 6. Juni 2026 nach langer Krankheit im Alter von 79 Jahren verstorben.

Für mich wurde Jimmy nach unserer ersten persönlichen Begegnung im Juni 2007 zu einem humorvollen Freund, der stets mit großem Respekt vor der Leistung anderer Gleichgesinnter war, obwohl er selbst eine herausragende Rolle einnahm.

Ich erinnere mich daher mit großer Freude an seinen Kommentar zu meinem Vortrag in Norwich (KWA-Treffen 2012): „Erstaunlicherweise, Michael, machst du sogar auf Englisch Witze.“ Und an unser „Chasing the rabbits …“ beim Abendessen.

Dies belegt die folgende Zusammenstellung, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann.

Jimmy Adams, Owen Hindle, Tony Gillam und Leonard Skinner, London 2007

Jimmy Adams leitete das bekannte britische Magazin CHESS (ehemals CHESS Monthly) insgesamt 19 Jahre lang bis zu seinem Rückzug im Jahr 2010. Zudem war er als stellvertretender Redakteur für das American Chess Magazine (ACM) tätig.

Jimmy war seit Ende 2006 Mitglied der KWA und ich habe mich sehr gefreut, ihn beim KWA-Treffen in London persönlich kennenzulernen.
Ein ungewöhnlich freundlicher, stets lächelnder Mensch mit enormem Wissen über das Schach und seine Exponenten.

Michael Negele, Jimmy Adams, Calle Erlandsson und Tony Gillam, 2007

Ohne Menschen wie Jimmy Adams, die nahezu ihr gesamtes aktives Leben dem Schach gewidmet haben, wird unser kleines Königreich auf 64 Feldern stetig ärmer. Es ist unsere Aufgabe, in Jimmys Sinne zu handeln und seinen Enthusiasmus auf eine (hoffentlich) folgende Generation zu übertragen.

Ein trauriger Michael Negele

Gruppenbild vor Simpon's in the Strand, London


PS: Unser Freund Jimmy hat über mehrere Jahrzehnte hinweg eine Vielzahl an bedeutenden Schachbüchern verfasst. Seine Bibliografie lässt sich am besten in seine monumentalen historischen Biografien sowie seine früheren Monografien zu Schacheröffnungen unterteilen:

Große Biografien & Historische Werke

  • Johannes Zukertort: ​​Artist of the Chessboard (1989; neu aufgelegt bei New In Chess 2014)
  • Mikhail Chigorin: The Creative Chess Genius (1987; spätere Erweiterung unter dem Titel Mikhail Chigorin: The Creative Genius, New In Chess 2015)
  • Gyula Breyer: The Chess Revolutionary (New In Chess 2017) – Ein über 800-seitiges Werk über den Pionier der Hypermodernen Schule.
  • Paul Keres: The Eternal Second (Vierteilige Biografie-Reihe, veröffentlicht zwischen 2022 und 2024 bei New In Chess)
    Volume 1: The Early Years
    Volume 2: The World Championship Candidate
    Volume 3: The Soviet Champion
    Volume 4: The Later Years
  • Salo Flohr: Master of Tactics (The Chess Player, 1985); erneut als monumentale Spätwerk von 2026 unter dem Titel: Salo Flohr: From Chess Fighter to Chess Writer (New In Chess, Juni 2026).
  • Isaac Boleslavsky: Selected Games (Caissa Books 1988)
  • The Games of Anatoly Karpov (with Kevin J. O’Connell; Batsford 1974,  erweitert 1976)
  • Bled 1931: International Chess Tournament (Caissa Editions 1987) – Übersetzung und historische Aufarbeitung.
  • Ähnlich wie bei Bled 1931 hat Adams die originalen, oft raren Aufzeichnungen und zeitgenössischen Berichte bedeutender Turniere übersetzt und als Buch zugänglich gemacht:
    Paris 1900;
    Baden-Baden 1925;
    Dresden 1926;
    Moscow 1935 (The Second International Chess Tournament);
    Moscow 1936

Bücher zu Schacheröffnungen (Auswahl)

In den 1970er- und 1980er-Jahren verfasste er zahlreiche spezialisierte Theoriebücher, meist für den Verlag The Chess Player oder Batsford:

  • Main Line Najdorf (1977)
  • Najdorf Poisoned Pawn (1977)
  • Sicilian Najdorf: Polugaevsky Variation (1978)
  • Richter-Veresov System (1978)
  • The Trompowsky Attack (1979)
  • The Torre Attack (1981)
  • Schliemann/Jaenisch Gambit (1982)

Lehrbücher für Einsteiger

  • Chess for Absolute Beginner (2006)

Michael Negele ist einer der profundesten Kenner der Schachgeschichte, insbesondere der deutschen Schachgeschichte. Er ist Mitglied der Chess History & Literature Society und der Emanuel Lasker Gesellschaft. Neben vielen anderen Publikationen war er einer der Herausgeber der Biographien (deutsch und englisch) über Emanuel Lasker und hat zudem eine Biographie den estnisch-deutschen Meisterspieler Paul Felix Schmidt veröffentlich. Als promovierter Chemiker hat Michael Negele lange im Management der Bayer AG gearbeitet.
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