Vor knapp einem Monat machte ich in der 4NCL in Gewinnstellung Remis – der Gewinn wurde erst nachträglich, nachdem die Engines auf die Stellung angesetzt wurden, entdeckt. Ich war ein wenig unzufrieden mit mir, aber der Gewinn war so versteckt, dass ich ihn für „übersehbar“ hielt. In meinen Berechnungen hatte ich ein paar Züge meiner Gegnerin übersehen, und in der Vorausberechnung in einer Variante auch die Dame eingestellt, und so war das Remis am Ende wohl in Ordnung. Sie finden die Partie in der pgn-Datei weiter unten – die beiden folgenden Diagramme lassen die kritische Phase Revue passieren.
Hier zog ich sehr schnell und fast ohne Nachdenken 23.d5 und ärgerte mich über mich selbst, als ich sah, dass Schwarz nach 23...cxd5 das von mir geplante 24.Lc3 mit 24…Se4 beantworten kann, was zu einer unklaren Stellung führt. Ich dachte einige Zeit nach, und entschied mich dann für das Opfer 24.Lxh6, was zum Remis reicht. Allerdings hoffte ich, dass ich in der kritischen Stellung noch etwas Besseres als das Remis finden würde. In der Partie geschah 24...gxh6 25.Dd2 Sg8 Natürlich nicht 25...Kg7? 26.Txc8! 26.Dd3 Sf6 27.De3 Sg8
Und hier biss ich in den sauren Apfel und spielte 28.Dd3? und forcierte das Remis. Es ist ziemlich offensichtlich, dass man zur Fortsetzung des Angriffs 28.Txc8 Dxc8 29.Dd4+ f6 spielen muss...
...doch der Rückgewinn der Qualität sah unklar aus, aber ich konnte nichts Besseres finden. Können Sie es besser machen und den nächsten Zug finden – und vor allem, was er droht? Mitten in einem Opferangriff ist die Idee zugleich sehr einfach und konzeptionell schwierig.

Jon Speelman beim Blitzturnier zur Feier des 60. Geburtstags von John Nunn 2015 | Foto: John Saunders
Ich schreibe diese Zeilen (mit einem Tag Verspätung) direkt nach dem Ende von Wijk aan Zee. Ich habe im Laufe der Jahre unzählige Turniere verfolgt, aber dieses war eines der besten, die ich je gesehen habe. Mit einem so jungen und ehrgeizigen Teilnehmerfeld wurden die meisten Partien mit großer Härte geführt, oft in Stellungen, die – zumindest für mich – ungewohnt waren.
Die eigentliche Geschichte des Turniers war, dass die beiden Usbeken in Topform waren, die Inder unter ihren Möglichkeiten blieben und die Jugend ganz klar auf dem Vormarsch ist (viel mehr gibt es eigentlich nicht zu berichten). Besonders hervorzuheben ist der 14-jährige Yagiz Kaan Erdogmus, den Magnus Carlsen als „den stärksten 14-Jährigen der Geschichte“ bezeichnet hat.
Ich streame inzwischen nicht mehr besonders viel, aber ein paar Runden habe ich doch live verfolgt, darunter auch die Schlussrunde am Sonntag, und wie Erdogmus eine äußerst gefährlich aussehende Stellung verteidigt hat, war sehr beeindruckend.
21.Txf7! Moralisch erzwungen, denn sonst führt ...Le6 zum Ausgleich. 21...Txf7 22.Dg6
Nun gibt es nur eine Verteidigung. Haben Sie eine Idee?
Es ist 22...Lg4! Das geschah auch in der Partie, und Blübaum spielte jetzt 23.Tf1, und beim Streamen dachte ich, dass 23.Dxg4 besser ist. Sehen Sie, was Weiß dann nach 23...Taf8 (der für mich offensichtliche Zug) spielen wollte? Und sehen Sie die clevere Verteidigung, mit der Schwarz völlig ausgleicht?

Yagiz Kaan Erdogmus | Foto: Tata Steel Chess
Jon Speelmans Kolumne im Stream