In Telefongesprächen vor
dem Wettkampf äußerten sich die jeweiligen Offiziellen optimistisch über die
Aussichten ihrer jeweiligen Schützlinge. Der Präsident des türkischen
Schachverbandes, Mr. Yazici, sprach von einem sehr starken türkischen Team und
auch der Betreuer der Deutschen Mannschaft, Bernd Vökler, sah sein eigenes Team
favorisiert.
Die Deutsche Mannschaft setzte auf Blockbildung und benannte ein Team, dass
im wesentlichen aus Spielern des Sportgymnasiums Dresden zusammengesetzt war.
Die türkische Vertretung hingen setzte auf landesübergreifende Spielstärke und
hatte Spieler aus Izmir, Ankara und Istanbul nominiert. Nach der 1. Runde ließ
sich noch keine Tendenz erkennen, denn es stand 3:3, wobei Falko Bindrich für
Deutschland allerdings nahezu kampflos punktete. Der Server erklärte ihn nach
drei Minuten Unterbrechung automatisch zum Sieger.
Die Weichen für den Ausgang des Kampfes wurden in der 2. Runde gestellt, als
die Türkei das erste Mal Weiß hatte. Mit 5:1 gab es böse Dresche für die
Deutsche Mannschaft und der Gesamtstand war nun 8:4 für den Bosporus. Das war
schon ein recht deutlicher Vorsprung.
Die Leistungssteigerung der Deutschen Mannschaft in der 3. Runde fiel leider
etwas mager aus. Mit 1,5:4,5 gab es zwar einen halben Punkt mehr, aber der
Rückstand betrug nun 7 Punkte und selbst dreimal 4:2 hätte die Kiste nicht mehr
gerettet. Im Zuschauerraum wurden schon Wetten abgeschlossen, ob die Deutschen
noch die 10-Punkte grenze schaffen würden.
Eine gewisse Skepsis schien hier angebracht, nachdem es auch in der 4. Runde
wieder eine 1,5:4,5 Niederlage setzte. Der Rückstand betrug nun 7:17 und nur
noch die Höhe des türkischen Erfolges war fraglich.
Nun allerdings fühlten sich Deutschen wohl an der Ehre gepackt. Vielleicht
auch aufgerüttelt durch die mitunter nicht nur freundlichen Kommentare im Chat
legten sie einen netten Schlussspurt hin und konnten die letzten beiden Runden
gewinnen und so das Gesamtergebnis mit 19,5:16,5 für die Türkei im Rahmen
halten.
Herzlichen Glückwunsch an die Mannschaft der Türkei und Dank an beide
Mannschaften für einen spannenden und unterhaltsamen Nachmittag.
Martin Fischer
Turnierleiter schach.de