Kann man Byrne-Fischer besitzen?

von Matthias Wüllenweber
10.01.2022 – Am Dienstag, den 11.1.2022 endet mittags die erste Auktion der Schachweltmeister-NFTs (Wilhelm Steinitz). Die weiteren Auktionen folgen grob im Stundentakt. Daher fassen wir hier noch einmal die Punkte zusammen, die diese Serie einzigartig machen. In einem Satz: Sie wird für alle Zeiten die erste ihrer Art bleiben! Außerdem: Was für einen tieferen Sinn haben NFTs? Und eine kurze aber heftige Anleitung zur technischen Seite der Auktion.

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Welches Problem lösen NFTs?

Seit einem knappen Jahr sind NFTs einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Sie lösen ein dringendes technisches Problem: Kunst wird heute digital. Nicht jeder Maler arbeitet mehr mit Ölfarben und Leinwand. Digital gespeicherte Bilder lassen sich jedoch verlustfrei kopieren. Wie kann ein Künstler dann noch sagen: „Ich schenke oder verkaufe Dir dieses Bild“,  wenn das Konzept eines handwerklich geschaffenen Originals nicht mehr existiert?  Wie kann ein Sammler ein digitales Kunstwerk weiterverkaufen?

Falls Sie z.B. eine Kopie der „Les Baigneuses“ von Auguste Renoir besitzen, würde man unschwer Unterschiede zum Original feststellen können: Auch wenn Ihre Kopie jeden Pinselstrich Renoirs in perfekter Textur reproduzierte, so deckten physikalische Datierungsmethoden das unstimmige Alter sofort auf. Eine verlustfreie Kopie wäre unmöglich.

Renoir Baigneuses

Auguste Renoir: Les Baigneuses, 1918-1919, Musée d’Orsay, Paris

Die technische Lösung für diese Eigentumsfrage sind die NFTs. In der Blockchain, einer unzerstörbaren digitalen Buchhaltung, wird damit das Eigentumsrecht eingetragen. Kritiker von NFTs fragen: Was nützt mir dieses Eigentumsrecht, wenn ich doch eine perfekte Kopie besitzen kann? Die Frage ist äquivalent zu: „Warum soll ich 20 Millionen für einen Renoir ausgeben, wenn ich doch im Museumsshop für 20 Euro ein vernünftiges Poster kaufen kann?“. Beides hat seine Berechtigung.

Die Schachweltmeister als Künstler

ChessBase hat eine NFT-Serie der Schachweltmeister herausgegeben. Diese Serie ist aus folgenden Gründen einzigartig:

  • Die Spieler Spassky, Karpov, Kramnik, Anand sowie Miyoko Watai, die Witwe Bobby Fischers haben ihr NFT autorisiert.
  • Die Serie ist die erste NFT-Serie von Schachweltmeistern, in der die Spieler selbst durch ihre Autorisierung als Künstler und Miturheber auftreten. Dies wird durch die Unterschrift der Spieler auf ihrem Porträtfoto dokumentiert.
  • Egal, was je dazu in Zukunft veröffentlicht werden wird, diese Serie wird für immer die erste ihrer Art bleiben.

Unabhängig von der speziellen historischen Bedeutung kann man auch einfach die gestalterische Umsetzung von Carl Eriksson wertvoll finden, die das Porträtfoto als geniale Collage der Notation fragmentiert darstellt.

Die Auktionen bei Opensea

Weltmeister

Auktionsende 

William Steinitz

11. Januar 11:59

Emanuel Lasker

11. Januar 12:56

José Raúl Capablanca

11. Januar 14:57

Alexander Alekhine

11. Januar 15:59

Max Euwe

11. Januar 17:00

Tigran Petrosian

11. Januar 17:54

Mikhail Tal

11. Januar 18:56

Mikhail Botvinnik

11. Januar 19:55

Vassily Smyslov

11. Januar 20:57

Boris Spassky

11. Januar 21:57

Bobby Fischer

12. Januar 0:38

Anatoly Karpov

12. Januar 9:56

Vladimir Kramnik

12. Januar 10:58

Vishy Anand

12. Januar 11:56

https://opensea.io/collection/chess-world-champions

 

Anleitung zum Bieten

Für Besitzer der Kryptowährung Ethereum nachfolgend noch eine Anleitung zu Abgabe eines Gebotes.

  1. Besuchen Sie die Seite https://metamask.io und installieren Sie die MetaMask Wallet in ihrem Browser als Extension. Sie wissen, dass die aus 12 Wörtern bestehende „Seed Phrase“ der Wallet geheim gehalten werden muss. Damit können Sie Metamask und Ihr Guthaben und Ihre NFTs in jedem anderen Browser wiederherstellen.
    Falls Sie von Ihrem Regime verfolgt werden und Ihr Land verlassen müssen, lernen Sie diese 12 Wörter auswendig und nehmen auf diese Weise Ihre Ersparnisse und Ihre Kunstsammlung mit ins Ausland.
  2. Nach Installation steht Metamask in Ihrem Browser zur Verfügung. Klicken Sie auf das kleine Fuchs-Symbol oben rechts z.B. in FireFox, um die Wallet zu öffnen.
     

    Metamask in Firefox

     

  3. Überweisen Sie von einer Kryptobörse Ihrer Wahl Ethereum an die Adresse Ihrer Metamask Wallet. Die Adresse beginnt mit „0x…“. Sie finden Sie oben unter „Account 1“. Klicken Sie auf das Kopiersymbol rechts neben der Adresse, um sie bequem zu übertragen. Die Adresse ist nicht geheim. Sie können nicht gebrauchte Ethereum jederzeit wieder zurück überweisen.
    Dabei werden allerdings Gaskosten in Höhe von derzeit rund 30 USD fällig. Die Überweisung geht in der Regel im Bereich von Minuten durch.
  4. Besuchen Sie https://opensea.io und klicken Sie oben rechts auf den stilisierten Kopf, um „Profile“ aufzurufen. Nun werden Sie aufgefordert, Ihre Wallet zu verbinden. Sie werden eindeutig durch die Wallet identifiziert, weitere Registrierung ist nicht notwendig, die Sache bleibt vollständig anonym.
  5. Wählen Sie Metamask aus. Manchmal dauert die Verbindung der Wallet zu lange, dann hilft es, mit Strg-F5 den Browser zu erfrischen.
  6. Nun haben Sie einen vollwertigen Opensea-Account. Das Bieten erfolgt jedoch nicht in ETH, sondern in WETH. Klicken Sie in der Metamask-Wallet auf „Swap“, um 1:1 ETH in WETH zu tauschen. Das kann jederzeit wieder zurück getauscht werden. Die Auktionen brauchen WETH, damit Ihr Gebot verbindlich gemacht werden kann, ohne Gaskosten zu beanspruchen. Gaskosten werden nur fällig, falls Sie wirklich ein NFT erwerben.
  7. Wenn Sie ein NFT aufgerufen haben, klicken Sie auf „Place Bid“, um ein Gebot abzugeben. Opensea warnt nun, dass diese Kollektion nicht „reviewed“ sei, was keine Rolle spielt. Bestätigen Sie die Warnung durch ankreuzen.
  8. Im nachfolgenden Dialog klicken Sie einmal auf die Schaltfläche „Place Bid“. Es dauert immer einige Zeit, bis die Wallet antwortet, falls Sie mehrfach klicken, geben Sie mehrfache Gebote der gleichen Höhe ab. 

Abgabe eines Gebotes – nur einmal klicken.

Viel Erfolg mit Ihrem Gebot! Falls es nicht erfolgreich ist, fallen bis auf einen möglichen Rücktausch der Ether keine weiteren Kosten an. Sie haben jedoch die Chance, nun Viktor Korchnoi zu gewinnen.

Finden Sie das kompliziert? Natürlich! Schließlich gehören Sie damit zu den Pionieren der Kryptotechnologie, die einmal unser gesamtes Leben durchdringen wird. Aber Chancen (und Risiken) bieten sich halt den Leuten, die die Bedeutung von Dingen früh erkennen.

 

 


Matthias Wüllenweber, Gesellschafter und Geschäftsführer von ChessBase
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Rainbow66 Rainbow66 12.01.2022 12:33
Ja, Herr Wüllenweber, Neuerungen stoßen oft auf Misstrauen. Diese Skepsis ist jedoch oft berechtigt. Beispiel Papier- und Sparbuchgeld : Es kann jederzeit über Nacht entwertet werden. Das hat meine Generation nach dem 2. WK schmerzlich erfahren müssen. Ein Teil wurde 10:1 umgetauscht, der Rest auf null abgeschrieben. Gold- und Silbermünzen hingegen behalten ihren Metallwert. Heute erhalten Sie z.B. für 20 Reichsmark (7,16 g Feingold) etwa 360 Euro und für einen Dukaten (3,44 g Feingold), wie alt er auch sei, ca. 175 Euro.
Zu den Kryptowährungen: Um Steuerflucht und Geldwäsche zu erschweren, wurde das Bankgeheimnis aufgehoben und die Nachweispflicht über den rechtmäßigen Besitz für Bürger eingeführt, die mit größeren Bargeldbeträgen unterwegs sind. Die Kryptos unterlaufen diese Bemühungen. Wenn jemand Ihren PC hackt und Sie dann erpresst, müssen Sie mit Krypto zahlen, anderenfalls können Sie Ihr Gerät entsorgen. Bei einer Überweisung auf ein normales Konto würde der Täter erkannt oder er ginge leer aus.
Vor wenigen Stunden erhielt ich eine freudige Nachricht: Das BitcoinSystem #67115543 bescheinigt mir ein Guthaben von EUR 184.914,00 . "Nur noch 24 Stunden gültig!" "Hier anfordern (Klick)" Absender: valeska.blumenschein@jurait.de Ich stelle den Betrag zur freien Verfügung für jeden hier im Forum. Man könnte damit NFTs ersteigern. ;-)
Bitte den Begriff "Gaskosten" im Zusammenhang mit den NFTs erläutern.
Barral Barral 11.01.2022 07:02
Was sind wir dank NFT weit gekommen gegenüber dem Mittelalter, in dem Kloster Andechs, Antwerpens Liebfrauenkirche, die Abtei Charroux, Katarina von Siena und der Planet Saturn um den Originalbesitz von Christi Praputium konkurrierten. Wie wär's mit der künstlerisch erlesenen gestalteten Wiedergabe von Capablancas Nabelschnur, als blockchain-garantierter Besitz für die Ewigkeit? Ich böte eine Duck'sche Fantastillion...
Krennwurzn Krennwurzn 11.01.2022 03:50
Wen es gefällt sollte es sich kaufen, wenn er die finanziellen Mittel dafür entbehren kann - wie bei einem Buch, Bild, DVD, ...
Wen es nicht gefällt - auch ok, aber warum aufregen?
Like Mischa Like Mischa 11.01.2022 03:30
SgH Wüllenweber, die Kreditkarte ist relativ risikolos weil Haftung auf 50 Euro begrenzt, die WÄHRUNG wird regelmäßig an die Wand gefahren! Für 1000 DM in 1965 müssen sie heute 2220 Euro aufwenden. Merkt kein Mensch. Die Niedrigzinsphase haben wir weil die südeuropäischen Länder so staatsverschuldet sind, dass sie sonst nicht mehr zahlungsfähig wären. Kryptowährung, hinterher sagen wir, wenn es schief gehen sollte, war doch klar. Schneeballsystem oder ähnliches. Ich habe 500 Schachbücher auf dem Dachboden und 50 DVDs z Teil noch verpackt. Denke mir damit hast du Schach unterstützt. Die FIDE hat einen Etatposten für Veteranen lt. Präse Dworkowitsch. Ich bin begeistert. Alles pro Schach. Dieses inovative Produkt ist, für mich, unzureichend erklärt, ich erkenne einen spekulativen Teil und halte micht mit einer Wertung schwer zurück.
acepoint acepoint 11.01.2022 12:01
Zwei Anmerkungen: Vielleicht sollte man zumindest in einem der Artikel mal für Unbedarfte auch die Abkürzung NFT (Non Fungible Token - Nicht austauschbare Zeichen/Merkmale) erläutern.

Dann, was sind in dem Zusammenhang «Gaskosten»? Klingt für mich im unteren Teil des Artikels ein wenig nach Google-Translate. ;-)
Matthias Matthias 11.01.2022 11:20
Liebe Schachfreunde,

es scheint normal, dass die Einführung neuer Technologien nicht immer mit überschäumendem Jubel begrüßt wird. Gerade wenn's auch um Geld geht. Die Einführung von Papiergeld traf auf den ein oder anderen Skeptiker, und viele Leute begegnen auch heute noch Kreditkarten nicht ganz zu unrecht mit Unbehagen.

Bei unserem Weltmeister NFT-Projekt war es von höchster Bedeutung, die Ersten zu sein. Warum, wird sich wohl erst in einigen Jahren zeigen. Weil die Zielgruppe aktuell noch recht klein ist, muss man in Kauf nehmen, dass die Akzeptanz in der breiten Mehrheit noch zu wünschen übrig läßt.

Schönen Gruß, Matthias
belzisch belzisch 11.01.2022 08:30
100% Zustimmung zu Rainbow66.
Ich tummele mich seit 30 Jahren beruflich in der IT-Branche und habe so viele Hypes kommen und gehen gesehen.
Der Hype um NFT's erinnert mich sehr daran. Und wenn nicht, dann ist es mir auch Schnuppe...
BSW Wuppertal BSW Wuppertal 11.01.2022 05:59
Kann mich Rainbow66 nur anschließen. Bis vor kurzem hatte ich wirklich darüber nachgedacht mich mit einem Gebot zu beschäftigen. Und dann kam dieser Krypto Mist. Sorry ChessBase, da mache ich nicht mit und kann nur den Kopf schütteln. Ich gibt viele Schachfans hier, die noch auf die üblichen Zahlungsmittel zurückgreifen.
Rainbow66 Rainbow66 11.01.2022 01:23
@rgorn: Der Vortrag ist wirklich lesens- und schmunzelnswert.
Warum kann man die NFT-Serie der Schachweltmeister nur mittels Kryptowährung ersteigern?
Wie wäre es mit einem ähnlich seriösen Angebot gegen Euro: Mondgrundstück "mit permanenter Sichtbarkeit von der Erde" und "mit persönlichem Mondduft" und einem T-Shirt, auf dem die Aufschrift "stolzer Besitzer eines Mondgrundstücks“ aufgedruckt ist? Dazu gibt es noch "ein 90-tägiges Rückgaberecht sowie einen Versand innerhalb von 24 Stunden."
Aber vielleicht machen uns die NFTs letztlich doch glücklicher, denn wir gehören ja "damit zu den Pionieren der Kryptotechnologie, die einmal unser gesamtes Leben durchdringen wird."
Wie kommt es nur? Das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern geht mir nicht aus dem Sinn.
rgorn rgorn 10.01.2022 08:16
Die Blockchain, eine unzerstörbare digitale Buchhaltung:

https://ptrace.fefe.de/Blockchain

Sehr schöner Vortrag für Dummies, wie das (nicht) funktioniert.
nudgegoonies nudgegoonies 10.01.2022 07:56
Bei der Überschrift "Kann man Byrne-Fischer besitzen?" muss ich sofort an Robert Hübner denken, der Schachpartien urheberrechtlich schützen lassen wollte. Sogar der Bundestag musste sich damit befassen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_H%C3%BCbner#Urheberrecht

Hier geht es, so wie ich es verstehe, aber um Kunstwerke bzw. Collagen, welche unter anderem die Notation enthalten.
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