Laskers Depromotion wird rückgängig gemacht

von André Schulz
02.07.2026 – Als Jude war auch der einzige deutsche Schachweltmeister Emanuel Laske nicht vor Verfolgung geschützt. 1939 entzog die Universität Erlangen ihm den Doktortitel. Dies soll nun rückgängig gemacht werden. Helmur Pfleger beschäftigt sich in seiner jüngsten Zeit-Kolumne mit diesem Vorgang. | Bild: Matt in sechs.

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Emanuel Lasker (1868-1941) wurde mit seinem Wettkampf-Sieg über Wilhelm Steinitz 1894 der zweite Schachweltmeister der Geschichte und bleib es 27 Jahre lang. 1921 verlor Lasker den Titel an Raul Capablanca. 

Lasker hatte Mathematik studiert und 1900 an der Universität Erlangen mit seiner Dissertation zur Analysis "Über Reihen auf der Convergenzgrenze" promoviert. Seine Arbeiten zu den nach ihm benannten Lasker-Ringen und dem Lasker-Noether-Theorem fand viel Anerkennung. Gerne hätte Lasker als Mathematiker an einer Universität gearbeitet, doch seine Bemühungen in dieser Richtung blieben ohne Erfolg. 

In den Mathematischen Annalen findet man noch einige von Laskers Arbeiten:

So blieb Lasker dem Schach treu, verteidigte mehrfach seinen Weltmeistertitel, nahm an Turnieren in Deutschland und in vielen anderen Ländern teil und war weltweit eine angesehene Persönlichkeit mit großem Bekanntheitsgrad.

1933 änderte sich das politische Klima durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten radikal. Juden wurden schon bald drangsaliert, verfolgt und vertrieben und dann ermordet. 

1938 wurde auch der inzwischen 65-jährige Emanuel Lasker, ebenso seiner Frau Martha, die Deutsche Staatsbürgerschaft entzogen. Sie wurden offiziell ausgebürgert, hatten Deutschland aber schon verlassen und lebten nun zeitweise in Moskau. Die gesetzliche Grundlage für die Ausbürgerung bildete das "Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit", das schon am 14. Juli 1933 formuliert worden war. Zudem hatte sich Lasker in der Sowjetunion kritisch zum Nationalsozialismus in Deutschland geäußert. 

Auf dieser DVD zeigen unsere Autoren alle Facetten des Spiels von Emanuel Lasker, der von 1884 bis 1921 Weltmeister war, länger als jeder andere vor oder nach ihm: Eröffnungen, Strategie, Taktik und Endspiele!

Rolf-Dietrich Beran entdeckte, dass die Depromotion von Emanuel Lasker niemals rückgängig gemacht worden war und setzte sich dafür ein, dass die Depromotion rückgängig gemacht werden müsse. Bei den Professoren der Universität Erlangen fand er die nötige Unterstützung. Am 11. Juli 2026 soll Lasker posthum nun der Titel des Dr. phil. im Rahmen der jährlichen Promoviertenfeier wieder zuerkannt werden.

In seinem jüngsten Beitrag für das Zeit Magazin und Zeit-online beschäftig sich auch Helmut Pfleger mit diesem Vorgang. Der deutsche Großmeister hat selber in Erlangen studiert und in Medizin promoviert.

Die großen Momente und die kleinen Anekdoten der Schachgeschichte: wer wüsste besser davon zu erzählen als Dr. Helmut Pfleger?

Wie üblich ist Helmut Pflegers Beitrag mit einer kleinen Schachaufgabe verbunden: In einer Partie gegen Jaques Mieses aus dem Jahr 1889 konnte Lasker in sechs Zügen Matt setzten.

Zum Beitrag von Helmut Pfleger bei Zeit-online...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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