Der Titelverteidiger Faustino Oro bleibt beim zweiten „Leyendas y Prodigios“ in Madrid ungeschlagen. Der zwölfjährige Argentinier, der das Turnier im vergangenen Jahr noch als großes Nachwuchstalent gewonnen hatte und inzwischen offiziell Großmeister ist, kam am zweiten Turniertag allerdings nicht über zwei Remis hinaus. Sowohl gegen José Fernando „Pepe“ Cuenca Jiminez als auch gegen David Anton Guijarro musste sich Oro mit der Punkteteilung begnügen. Nach drei von zehn Runden führt er die Tabelle gemeinsam mit Anton Guijarro mit jeweils zwei Punkten an.
Der Dienstag begann für Oro mit den schwarzen Steinen gegen Cuenca Jiminez. Der spanische Großmeister, der neben seiner Spielstärke auch als einer der bekanntesten Schachkommentatoren im spanischsprachigen Raum gilt, erwies sich als der erwartet unangenehme Gegner. Oro, der am Montag zum Auftakt mit einem überzeugenden Angriffssieg gegen den achtfachen argentinischen Meister Diego Flores gestartet war, stand im Mittelspiel um den 23. bis 25. Zug herum sogar auf Verlust. Nach dem Patzer seines Gegners im 28. Zug stand Oro plötzlich auf Gewinn. Diesen Vorteil gab er in Zug 37 ab und Cuenca Jiminez hatte zwar einen Springer mehr, traute seiner offenen Königsstellung aber nicht und die beiden einigten sich auf eine Punkteteilung. Damit kam Oro nach seinem Auftaktsieg auf 1,5 Punkte.
Auch David Antón blieb am Dienstagvormittag ungeschlagen. Der Spanier hatte am Montag gegen Jiminez Cuenca wie Oro einen erfolgreichen Einstand gefeiert und spielte in Runde 2 gegen Jose Eduardo Martinez Alcantara. Der Spanier erarbeitete sich nach der Eröffnung einen leichten Vorteil. Die Partie pendelte sich dann aber ausgeglichen ein und der Mexikaner konnte eine dreifache Stellungswiederholung erzielen.
Damit gingen Oro und Anton Guijarro als Führungsduo des sechsköpfigen Feldes in die direkte Begegnung in der dritten Runde am Nachmittag. Anton Guijarro ging mit einer Elozahl von 2632 leicht favorisiert in die Partie. Oro hatte aber Weiß und die gesamte Partie über die Kontrolle und teilweise sogar recht deutlichen Vorteil. Anton Guijarros Plan, mit der Caro Kann-Verteidigung den Angriffsschwung des Jugendlichen abzubremsen, funktionierte zunächst ganz gut. Doch in einem verschachtelten Mittelspiel erarbeitete Oro sich eine vielversprechende Stellung und gewann nach einem Fehler des Schwarzen dessen Springer.
Oro behielt die Kontrolle und zumeist einen Vorteil, doch der entscheidende Durchbruch wollte ihm mit seiner Mehrfigur nicht gelingen und so einigten sich die beiden in dieser Stellung auf Remis:
Der zweite Turniertag war damit weniger spektakulär als der Auftakt, an dem Oro gegen Flores mit energischen Angriffen Auftaktsiege errungen hatten. Doch Oro bestätigt erneut seine Widerstandsfähigkeit gegen erfahrene Großmeister. Der zwölfjährige Titelverteidiger hat nach drei Runden noch keine Niederlage kassiert und bleibt an der Spitze.
Am Mittwoch wird die erste Hälfte des Rundenturniers abgeschlossen. Für Oro stehen dabei zwei weitere Partien auf dem Programm. Am Vormittag trifft er auf den niederländischen Großmeister Ivan Sokolov, am Nachmittag folgt das Duell mit Martinez Alcantara. Von Donnerstag bis Samstag werden die Begegnungen in umgekehrter Farbverteilung wiederholt.
Die sechs Spieler treten in insgesamt zehn Runden zweimal gegeneinander an. Eine Einzelrunde findet am Montag, dem 7. September, statt, gefolgt von Doppelrunden vom 8. bis 11. September. Die Finalrunde ist für Samstag, den 12. September, angesetzt.
Die Bedenkzeit beträgt 60 Minuten plus 30 Sekunden Zeitzugabe ab dem ersten Zug. Das Turnier wurde von der FIDE genehmigt, sodass die Partien in die Standardwertungsliste einfließen. Die FIDE erlaubt ausgewählten Turnieren, unter den von ihrer Qualifikationskommission festgelegten Bedingungen kürzere Standardbedenkzeiten zu testen.
Der komprimierte Spielplan bedeutet, dass acht der zehn Runden an Doppelrundentagen ausgetragen werden, wodurch den Teilnehmern zwischen den Spielen nur wenig Zeit zur Vorbereitung und Erholung bleibt.