Was Schach von der Luftfahrt lernen kann – neues Programm der CSA-Akademie

von Stefan Liebig
08.09.2026 – Die ChessSports-Akademie geht in ihre sechste Staffel und setzt erneut auf eine ungewöhnliche Mischung aus hochkarätigem Schachtraining, aktuellen Themen rund um den Sport und Impulsen aus anderen Bereichen. Von November 2026 bis Februar 2027 stehen zwölf Online-Termine auf dem Programm. Großmeister, Trainer und ausgewiesene Experten beschäftigen sich unter anderem mit Zeitmanagement und Kandidatenzügen, Eröffnungen und Trainingsplanung, Taktik und Positionsspiel. Gleichzeitig geht der Blick über das eigentliche Schachbrett hinaus: Human Factors, Kommunikation, Ehrenamt, Sportmarketing und die gesellschaftliche Bedeutung des Schachs gehören ebenfalls zum Programm. Zu den Referenten zählen unter anderem Valentin Dragnev, Elisabeth Pähtz, Rainer Buhmann, Matthias Wahls, Felix Blohberger und Keti Kachiani-Gersinska. Ergänzt wird das Programm durch Experten wie Michael Busse, Jacqueline Kroker, Norbert Quitter und Dirk Schröter. Start der sechsten Staffel ist am 10. November. | Fotos: CSA/Eigene Fotos, Nils Rohde

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Die ChessSports-Akademie hat sich in den vergangenen Jahren zu einem festen und sehr beliebten Bestandteil des deutschsprachigen Online-Schachangebots entwickelt. Am 10. November 2026 beginnt die sechste Staffel der Veranstaltungsreihe, die bis zum 16. Februar 2027 insgesamt zwölf Live-Termine umfasst. Alle Veranstaltungen beginnen um 19.30 Uhr und werden online über Zoom durchgeführt. Die Aufzeichnungen stehen den Teilnehmern anschließend zur privaten Nachschau zur Verfügung.

„Das Besondere an unserem Format der CSA-Akademie ist, dass sich die Teilnehmer direkt und live mit den jeweiligen Referenten austauschen und Fragen stellen können. Das ist ein großer Vorteil gegenüber Youtube-Videos.“

Harald Schneider-Zinner, CSA-Präsident

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Das Konzept der Reihe bleibt dabei bewusst breit angelegt. Ein Teil der Abende widmet sich unmittelbar der Verbesserung der Schachfähigkeiten. Die weiteren Veranstaltungen beschäftigen sich mit Themen, die für Spieler, Trainer, Vereine und Verbände ebenfalls relevant sind. Damit will die CSA-Akademie Schach nicht ausschließlich als Wettkampfsport betrachten, sondern auch Fragen von Training, Organisation, Kommunikation, Digitalisierung und gesellschaftlicher Verantwortung einbeziehen.

Das Programm der CSA-Akademie 2026/27 zum Download

Vom Schachtraining bis zu Human Factors

Den Auftakt macht am 10. November Großmeister Valentin Dragnev mit dem Thema „Das Konzept von Zeit im Schach“. Der österreichische Großmeister beschäftigt sich damit mit einem Faktor, der in praktisch jeder Partie eine zentrale Rolle spielt: der sinnvollen Nutzung der verfügbaren Bedenkzeit. 

Eine Woche später folgt mit GM Elisabeth Pähtz eine der bekanntesten deutschen Schachspielerinnen. Ihr Vortrag am 17. November trägt den Titel „Wie findet man Kandidatenzüge?“

Am 24. November steht mit „Neue Tools im Schach“ ein technologisches Thema auf dem Programm. Referent ist Michael Busse, der bereits in einer früheren Staffel zu den besonders stark nachgefragten Referenten gehörte. Der Blick auf neue digitale Möglichkeiten gehört damit erneut zum Konzept der Akademie.

Im Dezember geht es zunächst um die Frage, wie Schachtraining sinnvoll vermittelt werden kann. FM Pascal Karsay widmet sich am 1. Dezember dem Thema „Eröffnungen (zielgruppengerecht) lernen und verstehen“.

Am 8. Dezember folgt GM Rainer Buhmann mit einem praktisch orientierten Ansatz: „Einen Trainingsplan erstellen – anhand der eigenen Partien“. Beide Themen zielen darauf, Schachwissen nicht nur zu vermitteln, sondern in konkrete Trainingsarbeit zu überführen.

Einen anderen Schwerpunkt setzt die Veranstaltung am 15. Dezember. Anita Stangl und Renato Frick sprechen über „Schach als verbindendes Tool in unserer Gesellschaft“. Dabei geht es um die Möglichkeiten des Schachs, Menschen zusammenzubringen und gesellschaftliche Impulse zu setzen. Beide Referenten verfügen über umfangreiche Erfahrungen innerhalb und außerhalb des Schachsports. Frick gilt als besonders gut international vernetzter Vertreter des liechtensteinischen Schachs. Stangl ist ebenfalls seit vielen Jahren in unterschiedlichen Bereichen des Schachs aktiv.

Im Januar wird das Spektrum noch einmal erweitert. WGM Keti Kachiani-Gersinska stellt am 12. Januar „Die georgischen Weltklassespielerinnen“ vor. Eine Woche später folgt ein besonders ungewöhnlicher Abend: Jacqueline Kroker und Norbert Quitter sprechen über „Human Factors – Was Schach und Luftfahrt voneinander lernen können“.

Was Schach von der Luftfahrt lernen kann

Kroker bringt dafür einen beruflichen Hintergrund mit, der im Schach eher ungewöhnlich ist. Die Gründerin und Trainerin von Human Factors Training war unter anderem als Offizierin und Fluglotsin bei der Bundeswehr tätig. Heute beschäftigt sie sich mit menschlichen Faktoren, Entscheidungsprozessen, Kommunikation und Leistungsfähigkeit in komplexen Situationen. Human Factors Training wird dabei unter anderem eingesetzt, um Fehlerquellen frühzeitig zu erkennen, Entscheidungsprozesse zu verbessern und die Handlungssicherheit zu erhöhen.

Gerade für den Schachsport ergeben sich daraus zahlreiche Anknüpfungspunkte. Zeitnot ist ein offensichtliches Beispiel: Unter hohem Zeitdruck müssen Entscheidungen getroffen werden, obwohl Informationen fehlen und Fehler gravierende Konsequenzen haben können. Aber auch Kommunikation innerhalb eines Vereins oder Verbandes, das Verhältnis zwischen Spielern und Trainern oder die Zusammenarbeit zwischen Funktionären sind Situationen, in denen menschliche Faktoren eine wichtige Rolle spielen.

GM Blohberger präsentiert in dieser zweiteiligen Reihe ein vollständiges Repertoire für Schwarz: praxisnah, verständlich, flexibel – statt seitenlanger Theoriewüsten gibt es klare Konzepte und leicht erlernbare Strategien.
Die Königsindische Verteidigung ist seit Jahrzehnten eine der dynamischsten und beliebtesten Antworten auf 1.d4. Spieler wie Garri Kasparow, Bobby Fischer oder Hikaru Nakamura haben sie auf höchstem Niveau eingesetzt – und sie begeistert bis heute, weil sie Schwarz nicht nur solides Spiel, sondern auch reiche Angriffs- und Gegenspielmöglichkeiten bietet. Der besondere Vorteil: Königsindisch ist ein universelles System, das sich gegen 1.d4, 1.c4 und 1.Sf3 gleichermaßen anwenden lässt. Großmeister Felix Blohberger, mehrfacher österreichischer Meister und erfahrener Sekundant, präsentiert in dieser zweiteiligen Reihe ein vollständiges Repertoire für Schwarz. Sein Ansatz: praxisnah, verständlich, flexibel – statt seitenlanger Theoriewüsten gibt es klare Konzepte und leicht erlernbare Strategien.
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Unterstützt wird Kroker bei dem Vortrag von Quitter, der sich beruflich intensiv mit menschlicher Leistungsfähigkeit, Entscheidungsfindung und dem Umgang mit Fehlern in komplexen Arbeitssituationen beschäftigt. Damit dürfte der Abend deutlich über klassische Schachpsychologie hinausgehen und einen Blick auf Prozesse ermöglichen, die Spieler und Funktionäre aus ihrem Alltag kennen, aber selten systematisch betrachten.

Am 26. Januar übernimmt GM Matthias Wahls. Sein Thema lautet „Gegnerische Figuren einschränken – Die Macht der Restriktion“. Damit kehrt die Akademie wieder zu einer klassischen schachlichen Fragestellung zurück: Wie kann man die Möglichkeiten des Gegners systematisch begrenzen und daraus eigene Vorteile entwickeln?

Dirk Schröter spricht am 2. Februar über „Kommunikation und Mitarbeitergewinnung für das Ehrenamt“. Der Sportmarketingberater und Dozent beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Sportmarketing, Sponsoring, Kommunikation und Digitalisierung. Auch im Schach ist er seit Langem aktiv und hat unter anderem bei Veranstaltungen des Deutschen Schachbundes und der Deutschen Schachjugend zu Marketing- und Sponsoringfragen gearbeitet.

Den schachlichen Abschluss bildet am 9. Februar FIDE-Trainer Markus Regez mit „Taktik im Endspiel – Muster, Fallen und typische Fehler“. Am 16. Februar endet die sechste Staffel mit einem persönlichen Blick auf das internationale Turniergeschehen: GM Felix Blohberger berichtet über die Weltmeisterschaft und das Tata Steel in Wijk aan Zee.

Blick zurück: Von der Online-Reihe zur etablierten Akademie

Dass die Veranstaltungsreihe inzwischen in ihre sechste Staffel geht, ist auch vor dem Hintergrund ihrer bisherigen Resonanz bemerkenswert. Bereits die Zahlen der Saison 2024/25 zeigten eine beachtliche Reichweite: 52 Vereine waren damals angemeldet, im Durchschnitt verfolgten 93 Zuschauer die einzelnen Veranstaltungen live, insgesamt wurden 1110 Live-Zuschauer gezählt. Diese Rekorde wurden in der vergangenen Saison mit mehrfach dreistelligen Teilnehmerzahlen geradezu pulverisiert.

Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist dabei die unmittelbare Kommunikation. Anders als bei einem klassischen aufgezeichneten Lehrvideo können Teilnehmer während der Veranstaltung Fragen stellen und direkt mit dem Referenten diskutieren. Gerade dieser Austausch wurde von den Veranstaltern als wesentlicher Unterschied zu herkömmlichen Angeboten hervorgehoben. Gleichzeitig bleiben die Veranstaltungen durch die Aufzeichnungen auch nach dem eigentlichen Termin verfügbar.

Ein Beispiel für die Bandbreite der vergangenen Staffel war im Januar 2025 der Abend mit Matthias Wüllenweber, dem Geschäftsführer und Chefentwickler von ChessBase. Unter dem Titel „ChessBase 18 – Das Wissen, das Du jetzt brauchst“ ging es unter anderem um Stilanalyse, strategische Themen, die Einbindung von Lichess und die API von chess.com, den Abgleich von Lichess-Accounts, neue Cloud-Engine-Technik und die ChessBase-Mobile-App.

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Damit knüpfte die damalige Veranstaltung an einen Grundgedanken der Akademie an: Die Teilnehmer sollen nicht nur klassische Schachlektionen erhalten, sondern auch Entwicklungen kennenlernen, die ihre praktische Arbeit mit dem Spiel verändern. Dieses Prinzip findet sich auch im neuen Programm wieder – etwa beim Vortrag über neue Schach-Tools oder bei den Themen Kommunikation, Human Factors und Digitalisierung.

Persönliche Verbindungen und neue Perspektiven

Für die Verantwortlichen hat die sechste Staffel zudem eine persönliche Dimension. Besonders erfreulich ist die Beteiligung von Valentin Dragnev und Felix Blohberger, die beide früher selbst von Harald Schneider-Zinner trainiert wurden. Schneider-Zinner übernimmt auch in der kommenden Staffel wieder die Moderation aller zwölf Veranstaltungen.

Mit Elisabeth Pähtz kehrt zudem eine Persönlichkeit in das Programm zurück, die für den deutschen Schachsport eine besondere Bedeutung besitzt. Ihr Vortrag im Rahmen der Reihe stieß bereits in der vergangenen Saison auf großes Interesse. Rund 380 Zuschauer verfolgten ihren Vortrag live – ein Wert, der die Bedeutung prominenter Referenten für die Reichweite der Akademie deutlich macht.

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Gleichzeitig zeigt das Programm, dass die CSA nicht ausschließlich auf bekannte Namen aus dem Schachsport setzt. Gerade die Einbindung von Fachleuten aus anderen Bereichen gehört zu den charakteristischen Merkmalen der Reihe. Jacqueline Kroker und Norbert Quitter bringen Erfahrungen aus Hochrisiko- und komplexen Arbeitssystemen ein, Dirk Schröter kommt aus dem Sportmarketing und beschäftigt sich seit Jahren mit Sponsoring, Kommunikation und Digitalisierung. So entstehen Verbindungen zwischen Schach und Bereichen, in denen ähnliche Fragen nach Entscheidungsqualität, Leistungsfähigkeit, Kommunikation und Organisation gestellt werden.

Zwölf Abende für Schachspieler und Schachorganisationen

Die sechste Staffel beginnt am 10. November mit Valentin Dragnev und endet am 16. Februar mit Felix Blohberger. Dazwischen liegen zehn weitere Veranstaltungen, die von der Suche nach Kandidatenzügen über Eröffnungen, Trainingsplanung und Positionsspiel bis zu Endspieltaktik reichen. Hinzu kommen Themen wie neue digitale Werkzeuge, gesellschaftliche Wirkung des Schachs, Human Factors und Ehrenamt.

Im 1.Band der Strategieschule geht es um die großen Fragen. Soll ich eine Stellung taktisch, dynamisch oder positionell behandeln? Wie beurteile ich eine Stellung und vor allem: wie finde ich einen guten Plan?
Im 1.Band der Strategieschule geht es um die großen Fragen. Soll ich eine Stellung taktisch, dynamisch oder positionell behandeln? Wie beurteile ich eine Stellung und vor allem: wie finde ich einen guten Plan? Ziel dieses Videokurses ist es, dem Studierenden zahlreiche Muster und Ideen aus der Praxis für sein Training mitzugeben, um so den nötigen Feinschliff zu erlangen.

Einzelteilnehmer zahlen acht Euro pro Seminar oder 40 Euro für die gesamte zwölfteilige Reihe. Für Vereine kostet die Teilnahme 95 Euro für sämtliche zwölf Veranstaltungen und für alle Mitglieder des Vereins. Bezirke und Landesverbände können individuelle Konditionen anfragen. Die Anmeldung erfolgt über die ChessSports Association.

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Stefan Liebig, geboren 1974, ist Journalist und Mitinhaber einer Marketingagentur. Er lebt heute in Barterode bei Göttingen. Im Alter von fünf Jahren machten ihn seltsame Figuren im Regal der Nachbarn neugierig. Seitdem hat ihn das Schachspiel fest in seinen Bann gezogen. Höhenflüge in die NRW-Jugendliga mit seinem Heimatverein SV Bad Laasphe und einige Einsätze in der Zweitligamannschaft von Tempo Göttingen waren Highlights für den ehemaligen Jugendsüdwestfalenmeister.
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