Letztmalig: Doping im Schach

19.01.2009 – Die Diskussion um das Thema Dopingkontrollen im Schach wurde zwar teils sehr emotional, aber dennoch auf hohem Niveau geführt. Viele Schachfreunde machten sich die Mühe, Argumente für oder mehr noch gegen die Sinnhaftigkeit oder Rechtmäßigkeit solcher Kontrollen in der Schachwelt anzuführen. Dabei gab es unterschiedliche Auffassungen darüber, ob Doping im Schach überhaupt denkbar, möglich oder sinnvoll ist. Dem Regelwerk der WADA (World Anti Doping Agency) bzw. NADA (Nationale Anti Doping Agentur) und seinen Durchsetzungsmethoden wurde autokratische Züge vorgeworfen. Der Entscheidungsprozess des DSB wurde ebenfalls kritisiert. Inzwischen gab es noch eine Reihe weiterer Zuschriften, die das bisher Gesagte um einige Aspekte ergänzen. Zwei Leserbriefe verdienen ganz besondere Hervorhebung: Dr. Walter Wittmann aus Wien weist darauf hin, dass der eigentliche Dopingbegriff, bei dem die Absicht der Leistungssteigerung eine Rolle spielt, durch die WADA völlig verbogen wurde und dass das Schach eine Sonderrolle beanspruchen sollte. Insbesondere die Behauptung des DSB, es gebe "Doping im Schach" fordert seinen Widerspruch heraus. "Wo sind die Beweise dafür?", fragt er. Werner Schwamb weist darauf hin, dass "Schach im juristischen Sinne noch nie Sport gewesen ist", da der Gedanke der "körperlichen Ertüchtigung" im Schach fehlt. Es ist in Bezug auf seine Förderungswürdigkeit dem Sport aber "gleichgestellt". Eine Unterwerfung unter die Dopingvorschriften sei also überhaupt nicht erforderlich gewesen. Damit ist die Diskussion geschlossen. Wir danken allen Schachfreunden, die sich beteiligt haben. Leserbriefe bis 23.12.2008...Neue Beiträge...

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Diskussion: Doping im Schach

In seinem Beitrag "Von der Willkür der Dopingkontrollen" hat Robert Hübner sich gegen Dopingkontrollen im Schach ausgesprochen, Argumente für die Sinnlosigkeit derselben im Schach dargestellt und auf den unangemessenen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte durch die Kontrollen hingewiesen. Als Reaktion auf den Beitrag erhielten wir Hinweise von Lesern auf evtl. Möglichkeiten zum Doping auch im Schach mit Hilfe von konzentrationsfördernden Mitteln. GM Gerald Hertneck begrüßt explizit die Dopingkontrollen im Schach und sieht in modernen Designermedikamenten zur Steigerung der Hirnleistung durchaus eine Bedrohung für den Schachsport. Wir laden daher zur Diskussion ein: Gibt es (leistungsförderndes) Doping im Schach? Ist Doping im Schach zumindest denkbar? Sind die Dopingproben im Schach sinnvoll oder überflüssig? War es richtig vom Deutschen Schachbund, sich dem Anti-Doping-Code der NADA zu unterwerfen oder hätte der DSB mehr um seine Sonderstellung kämpfen sollen, auch auf die Gefahr hin, von der Sportförderung ausgeschlossen zu werden? Bitte schicken Sie uns ihre Meinung zu diesen Fragen und weiteren Aspekten des Themenkreises. Nach Abschluss der Diskussion verlosen wir unter allen Einsendern drei Ausgaben des ChessBase Magazins Nr. 123 mit original Autogramm von Weltmeister Viswanathan Anand. Schicken Sie ihre Zuschrift an andreschulz@chessbase.com

 

 

 

Leserbriefe


Veröffentlichung vom 19.1.2009


Chessbase hat in den letzten 20 Jahren den Schachsport entscheidend mitverändert und bietet jetzt dankenswerterweise die "Bühne" für Diskussionsbeiträge hinsichtlich "DOPING".Deutschland, die Schweiz und Österreich "sitzen in einem Boot", daher sollten auch aus dem deutschsprachigen Raum Stellungnahmen zugelassen werden. Als Verwaltungsjurist beim Lande Steiermark (seit 10 Monaten im Ruhestand) sind für mich die Vorgänge betreffend Doping im Schach aus rechtlicher Sicht ein Ärgernis.Hinzufügen möchte ich noch, ich bin kein "Funktionär", NUR Schachspieler!

Ich habe alle Beiträge gelesen und interessante Perspektiven erfahren. Neben den Stellungnahmen von Herrn GM Dr. Hübner und Herrn GM Hertneck haben mir insbesondere die informativen und umfassenden Ausführungen von Herrn Dr. Balló gefallen. Ich habe selbst schon erfahren wie man sich fühlt, wenn man trotz hervorragender Argumente "gegen Gummiwände anrennt". Ursprünglich wollte ich nur einen Beitrag hinsichtlich der Rechtsstellung eines Schachspielers in einem Dopingverfahren übermitteln und zur Abrundung des Gesamtproblems deutsche (Schach-)Juristen animieren, ihre rechtliche Einschätzung bekanntzugeben.

Die Beitrag des DSB fordert jedoch grundsätzlich zum Widerspruch heraus, daher habe diesen (er betrifft vom Inhalt her auch Österreich, auch bei uns werden ähnliche "Argumente" verwendet) entsprechend kommentiert.


Antidopinggesetz - SCHACH - Gleichheitsgrundsatz

A: Begriffsbestimmung DOPING:

Nach dem Duden, Bedeutungswörterbuch, 2. Auflage, Mannheim 1985 bzw. 3. (und aktuelle) Auflage, Mannheim 2002, bedeutet "DOPING" die "Anwendung von unerlaubten Mitteln zur Steigerung der sportlichen Leistung".

Im Österreichischen Anti-Dopinggesetz BGBl. Nr. 30/2007 gibt es keine Legaldefinition des Begriffs "Doping". Im § 1 leg.cit. wird lediglich ausgeführt, "Doping kann die sportliche Leistungsfähigkeit beeinflussen, der Gesundheit der Sporttreibenden schaden und widerspricht dem Grundsatz der Fairness im sportlichen Wettbewerb".

Artikel 1 des "WELT ANTI DOPING CODES" (WADC) bestimmt:
"Doping wird definiert als das Vorliegen eines oder mehrerer der nachfolgend in Artikel 2.1 bis Artikel 2.8 festgelegten Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen (Vorhanden sein eines verbotenen Wirkstoffes im Körper eines Athleten; Anwendung oder der Versuch der Anwendung eines Wirkstoffs, es ist "NICHT ENTSCHEIDEND, OB DIE ANWENDUNG LEISTUNGSSTEIGERND WIRKT ODER NICHT"(!!); Verweigerung der Dopingkontrolle" u.a.).

B: SCHACH - SPORT(?):

Für mich persönlich ist SCHACH allein wegen des Zweikampfcharakters unter Wettbewerbsbedingungen (Bedenkzeitbegrenzung!) SPORT. Seit Jahrzehnten sind der Österreichische Schachbund und die neun Landesverbände ähnlich wie andere Sportverbände (Tennis, Fussball etc.) strukturiert (Mannschaftsbewerbe von der Kreisklasse, bis zur Bundesliga, Einzelbewerbe von der Vereinsmeisterschaft bis hin zur Staatsmeisterschaft). Beim Schach kommt es insbesondere auf konkretes Wissen (Eröffnungs- und Endspieltheorie etc.) an, erst dann kommt die sportliche Komponente (Konzentration, (geistige) Ausdauer, Stressbewältigung) zum Tragen. NUR beim Schach kann von Dritten (Eröffnungsvorbereitung durch Jugendtrainer bzw. durch GM betreffend die "hinteren Bretter" bei Mannschaftskämpfen) massiv in den Zweikampf eingegriffen werden. Keine (SUPER-) PILLE könnte so wirken!! Die meisten Sportarten werden von Athleten wettkampfmäßig zwischen dem 10. und 40. Lebensjahr ausgeübt, beim Schach werden auch im fortgeschrittenen Alter Leistungen auf Bundesliga-Niveau erzielt.

Schach ist eben ANDERS und MUSS differenziert behandelt werden!

C: STAATLICHE FÖRDERUNGEN:

Nach meinen Informationen besteht die einzige Möglichkeit, um in den Genuss von gesicherten Förderungen zu gelangen, in der Mitgliedschaft bei der (Österreichischen) Bundessportorganisation (BSO).
Nur dadurch ist die Aufrechterhaltung der derzeitigen (finanziellen) Situation beim ÖSB (Jugendförderung, Bestellung von bezahlten Trainern z. B. GM Ribli) möglich.
Ohne die staatlichen Förderungen wären die herausragenden Leistungen von Eva Moser und Markus Ragger bei der Olympiade in Dresden 2008 kaum möglich gewesen.

D: DOPING laut WADA und NADA:

Die WADA und die (deutsche bzw. die österreichische) NADA wollen zu Recht verhindern, dass sich Athleten (im Regelfall) durch Zuhilfenahme von Substanzen der Pharmaindustrie einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.
Gemeint sind offensichtlich insbesondere jene Sportarten, die als Säulen der Olympischen Spiele anzusehen sind und bei denen viel Geld (TV-Gelder, Sponsoring, Einnahmen der Athleten etc.) im Spiel ist.

In Wirklichkeit trifft der Gesetzgeber aber auch Sportarten, in denen "Doping" nur eine geringe oder überhaupt keine Rolle spielt. Man hat den Eindruck, einige Politiker (und auch einige Funktionäre) wollen sich - nach der Winter-Olympiade Turin 2006 bzw. nach J.Ulrich und B. Kohl - als "Saubermänner" profilieren und verlieren dabei den Blick auf das Ganze.
Mit denselben "Kanonen" auf uns Schachspieler loszugehen ist absolut unverhältnismäßig!

Für mich besteht der Eindruck, dass WADA und NADA aus reiner Bequemlichkeit, um Dopingsanktionen leichter vollziehen zu können, willkürlich auf einer Dopingliste beharren!

E: SCHACH - DOPING:

Grundsätzlich vertrete ich die Auffassung, dass die Einnahme von leistungssteigernden Mitteln zwecks Erzielung eines Wettbewerbsvorteils zu sanktionieren ist.
Sollte es betreffend den Schachsport tatsächlich derartige Mittel geben (was erst zu beweisen wäre!), so sollten diese - auf Vorschlag von DSB und ÖSB - vom Gesetzgeber auf eine für diese Sportart spezifische Dopingliste gesetzt werden.

Es kann doch nicht sein, dass "Kraft"sportler wie Ski-Langläufer, Radrennfahrer etc. und Schachspieler nur wegen des Justamentsstandpunktes von WADA und NADA in einen "Topf geworfen" werden!

Ein Schachpieler, der während eines Turnieres (Dauer in der Regel 9 bis 13 Tage) eine starke Erkältung erleidet und dadurch ohnedies schon arg gehandicapt ist, darf nicht einmal einen Nasenspray verwenden!
Dazu kommt, dass Schachspieler (Profis und Amateure) an Open in verschiedenen Ländern teilnehmen und ungarische, polnische oder spanische "Beipackzettel" für Spieler aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz im Normalfall nicht verständlich sind.

F: RECHTSSTELLUNG EINER EINZELPERSON IN EINEM DOPINGVERFAHREN:

Es erhebt sich die grundsätzliche Frage, ob sich eine Einzelperson (Schachspieler), die sich z. B. vor einer Verschlimmerung einer Erkrankung schützen will oder ein Mittel eingenommen hat, welches nachweisbar keine Leistungssteigerung bewirkt - gegen überzogene Dopingsanktionen - rechtlich wehren kann.

Nach dem Österreichischen Anti-Dopinggesetz entscheidet in erster Instanz eine Rechtskommission, dagegen kann binnen 4 Wochen eine Überprüfung durch die Unabhängige Schiedskommission begehrt werden.
Diese Entscheidung kann nur mehr beim Internationalen Sportgerichtshof angefochten werden.
Eine Inanspruchnahme des Verfassungsgerichtshofes ist auf diesem (Schiedsgerichts-)Wege nicht zulässig.

Ungeachtet des Schiedsverfahrens steht der Partei der Zivilrechtsweg offen und könnte beim letztinstanzlichen Gericht "angeregt" werden, beim Verfassungsgerichtshof möge ein Gesetzesprüfungsverfahren (Art. 140 B-VG) beantragt werden. Allenfalls wäre ein "Individualantrag" möglich.
Inwieweit eine Individualbeschwerde (Art. 34 MRK) zulässig ist, wäre noch zu klären.

Zum (behaupteten!) "fairen" Dopingverfahren (Art. 6 MRK):
Die Beweislast trifft immer den Sportler, der Grundsatz "in dubio pro reo" wird dadurch ausgeschaltet!
Bei der derzeitigen Rechtslage ist ein Schachspieler auch bei kleinen Vergehen (ohne Steigerung der Leistungsfähigkeit!) auf "Gedeih und Verderb" der Rechtskommission ausgesetzt.
Das "Damoklesschwert" zwei Jahre Sperre steht immer im Raum.
Durch die Einrichtung eines "Schiedsverfahrens" ist in Österreich ein direktes ao. Rechtsmittel (Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof bzw. beim Verfassungsgerichtshof) nicht zulässig.
Die Verfahrenskosten (Anwaltskosten!) können enorm sein!

Der derzeitige Zustand, dass ALLE SPORTLER "gleich" behandelt und bei einer "positiven" Dopingprobe in der Regel 2 Jahre und im Wiederholungsfall lebenslang gesperrt werden, steht aus Sicht eines Schach"sportlers" wegen der Unverhältnismäßigkeit mit den Denkgesetzen nicht im Einklang.

Ich vertrete die Auffassung, dass eine Änderung der derzeitigen rechtlichen Situation nur über die verfassungsgesetzlich gewährleisteten(?) Grundrechte möglich ist.

Nach dem Gleichheitsgrundsatz (Art. 7 der Österreichischen Bundesverfassung bzw. Artikel 14 der Europäischen Menschenrechtskonvention) müssen "wesentlich ungleiche Tatbestände zu entsprechend unterschiedlichen Regelungen führen" (VfSlg. 2956, 11190, 14521; VwGH 02.07.1992, Zl 90/16/0167.)

Es sollte daher für Schach und andere (auch olympische) Sportarten wie z.B. den Schießsport eine eigene Dopingliste erstellt werden, um der sachlichen Differenzierungspflicht zu entsprechen.

Es wäre interessant, wenn das Problem "Dopingbestimmungen" - "Anwendungsbereich - Schach(-Sport)" verfassungsrechtlich (Gleichheitsgrundsatz, Recht auf ein faires Verfahren....) von deutschen (Schach-)Juristen beleuchtet werden würde.
Allenfalls könnte ein "Musterprozess" angedacht werden...

Die Diskussion auf chessbase.de verfolge ich mit großem Interesse, die rechtliche Komponente fehlt mir bis jetzt!

IM Dr. Walter Wittmann, Graz am 11.01.2009

post scriptum:

Vor Absenden habe ich noch die Stellungnahme des Deutschen Schachbundes vom 08.01.2009, verfasst von Herrn Dr. Ernst Bedau gelesen und möchte dazu (Deutschland, die Schweiz und Österreich sind vom WADC gleichsam betroffen) Folgendes anmerken:

1.: "Was ist Doping?":

Vor der Erstellung eines neuen Gesetzes wird jeder verantwortungsvolle Legist bei einer unklaren Begriffsbestimmung das Duden-Bedeutungswörterbuch zu Rate ziehen.
Jeder erwachsene Bürger mit durchschnittlichem Hausverstand würde die Frage sinngemäß ähnlich (siehe Punkt A, erster Satz) beantworten.
Das Bedeutungswörterbuch bringt die Definition genau auf den Punkt.
Die Feststellung "eine einfache Definition für den Begriff Doping gibt es nicht" ist daher eine tatsachenwidrige Behauptung!

Die WADA hat den Dopingbegriff (siehe Punkt A, Artikel 1 und 2 WADC) bis zur Unkenntlichkeit entstellt.
Es besteht der Eindruck, dass das deswegen geschehen ist, damit weiterhin undifferenzierte Sanktionen angeordnet werden können!
.
2.: "Warum keine eigene Dopingliste für den Schachsport?"

Die Erklärung von Herrn Dr. Ernst Bedau, die Vorgaben von NADA und WADA seien quasi SAKROSANKT, ist unter Hinweis auf das Verfassungsrecht einschließlich der Europäischen Menschenrechtskonvention völlig unakzeptabel.
Erst durch die "Verbiegung" des Dopingbegriffs wurde ermöglicht, dass es aus Sicht von NADA und WADA irrelevant ist, ob die Substanz leistungssteigernd ist oder nicht!
Gerade der Deutsche Schachbund mit seinen 100.000 Verbandsmitgliedern könnte sich mit Sportverbänden, bei denen es auch überwiegend um Konzentrationsfähigkeit und (auch "geistige") Ausdauer geht, zusammenschließen und sich um eine auf diese Sportarten abgestimmte und differenzierende gemeinsame Dopingliste (inklusive Drogen!) bemühen.

NADA und WADA haben seit Jahrzehnten das Problem, immer hinter den Forschungsergebnissen der Pharmaindustrie "NACHJAGEN" zu müssen. Daraus ist keinesfalls eine Berechtigung zur Verweigerung der Differenzierungspflicht ableitbar!

3."Die Behauptung, Doping im Schach gäbe es überhaupt nicht, ist "OBJEKTIV FALSCH".

Diese Feststellung fordert folgende Gegenfrage heraus:
Kann diese GEGENBEHAUPTUNG des DSB durch geeignete wissenschaftliche Gutachten (Tests?) belegt werden?
Wenn ja, bitte um Veröffentlichung!
Die Aufzählung von Mitteln, die im Bereich Schachsport leistungssteigernd sein könnten, ist bestenfalls ein INDIZ, aber kein objektiver (schlüssiger) BEWEIS!

4."Der DSB (und auch der ÖSB) sind gegen "Doping", wollen ihre Schachsportler gegen die Nebenwirkungen von verbotenen Instanzen schützen und vor gesundheitlichen Risiken bewahren."

Ich, und sicher weit über 99% aller Turnierschachspieler (in Deutschland, wie in Österreich und der Schweiz) wollen "faire" Schachpartien - also ohne verbotene leistungssteigernde Mittel - spielen, sind daher gegen "Doping", aber nicht laut der künstlich erzeugten Definition von NADA und WADA, sondern laut Definition unserer gemeinsamen Sprache!

Das "Sendungsbewußtsein" von DSB und ÖSB, alle Schachsportler gesundheitlich schützen zu wollen (warum erst jetzt?!), "klingt sehr edel", kann aber auch so verstanden werden, dass man den erwachsenen
MÜNDIGEN Schachsportlern (für Kinder tragen ohnedies die Eltern die Verantwortung) nicht zutraut, darüber selbst entscheiden zu können.
Man merkt die Absicht (Propaganda für "Doping" laut Definition NADA und WADA) und ist verärgert!

5. Die Übernahme des Österreichischen Modells betreffend "moderate" Dopingkontrollen hat sicher ein "Aufatmen" in der deutschen Schachszene (insbesondere bei "Amateuren") bewirkt, löst aber das Grundsatzproblem nicht.
 

Dr. Walter Wittmann


Als Historiker, der sich auch mit Wissenschaftsgeschichte beschäftigt, und als Abteilungsleiter eines Vereins, der sein Geld mit Fußball verdient, erlaube ich mir einige kurze Anmerkungen zur Doping-Diskussion, die zur Zeit dankenswerter Weise bei ChessBase dokumentiert wird.

Es steht außer Frage, dass Äußerungen von Dr. Robert Hübner, dessen Intervention die Debatte um Doping im Schachsport angestoßen hat, immer Anspruch auf ungeteilte Aufmerksamkeit erheben können. Allerdings scheinen mir seine beiden Kernthesen außerordentlich anfechtbar, nämlich dass es keine biochemischen Verfahren geben könne, die Leistungsfähigkeit beim Schach zu erhöhen, und dass Dopingkontrollen auch deshalb abzulehnen seien, weil sie gegen die Menschenwürde verstießen.

Die Wissenschaftsgeschichte lehrt – soweit der Mensch überhaupt in der Lage ist, Lehren aus der Geschichte zu ziehen -, dass ihr Progress darin bestand und besteht, das vorgeblich Undenkbare zu denken und dann bei entsprechenden Voraussetzungen zu versuchen, es zu gestalten. Wenn wir heute gesagt bekommen, das menschliche Genom sei entschlüsselt, wenn die Neurologen ständig Staunenswertes etwa über das quasi in Echtzeit arbeitende System der Spiegelneurone mitteilen, warum sollte es dann nicht eines Tages möglich sein, den Mechanismus des eidetischen Gedächtnisses synthetisch nachzubauen, also einen biochemisch basierten Schachcomputer auf zwei Beinen zu produzieren?

Außerdem sind mir natürlich die Argumentationsfiguren zur Begründung von Unmöglichkeiten künstlicher Leistungssteigerungen bei auch nur etwas komplexeren sportlichen Betätigungen sehr geläufig, werden diese doch gern für die These herangezogen, dass zwar Profifußballer ohne jeden Zweifel Sportler sind, aber es ein fußballspezifisches Dopingmittel nicht geben „kann“. Würde eigentlich jemand heute noch in einer ernsthaften Diskussion deshalb die Abschaffung der Dopingproben in der Fußball-Bundesliga fordern?

Ebenso wenig vermag Hübners Argument der Verletzung der Menschenwürde durch Doping-Kontrollen zu überzeugen. Die Menschenwürde ist unteilbar, eine spezifische „Schachspieler-Menschenwürde“ wäre eine contradictio in adjecto; sie ist also auch dem mit Dopingmitteln vollgestopften Radfahrer etc. zu eigen. Die Konsequenz wäre also ein völliger Verzicht auf jegliche Dopingkontrolle. Dann aber würde man – und diese Geschichte hat sich ja schon abgespielt – auch jene nicht abschrecken, die schon Kinder ohne deren und ihrer Eltern Wissen mit Anabolika füttern. Zudem kann man das Abtasten auch des Genitalbereichs mittels Metalldetektoren ebenso als Verletzung der Menschenwürde betrachten – eine Stellungnahme Dr. Hübners gegen diese ja nicht nur auf Flughäfen, sondern auch bei Schachturnieren durchgeführten Maßnahme ist mir jedenfalls nicht bekannt – und die Wirksamkeit des elektronischen Dopings für die Steigerung der Spielstärke beim Spitzen-Schach wird doch wohl nicht ernsthaft bestritten.

Die prinzipielle Debatte mit allerlei verbandstaktischem Quark zu vermengen, blieb dann allerdings jenen Geistern überlassen, die sich im Schatten Dr. Hübners hervorwagten und sich in einer Weise äußerten, als hätte es Goethes Warnung aus dem Westöstlichen Diwan: „Getretener Quark wird breit, nicht stark“ nie gegeben. Dass Dopingkontrollen im Schach auf die Leistungsspitzen zu beschränken sind, also das wegen Nichterreichbarkeit gesperrte österreichische Mädchen mit ELO 1.700 nicht dazu gehört, ist doch die selbstverständliche Basis jeder ernsthaften Diskussion zu diesem Thema.

Till Schelz-Brandenburg
(Leiter der Schachabteilung des SV Werder Bremen)
 


Anbei eine Kopie meiner Austrittsankündigung an den DSB. Es geht auch ohne zb im Netz oder sonstwo...

Betreff Austritt

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin seit Jahren ein begeisterter, wenn auch wenig begabter Vereinsspieler. Nun allerdings scheint der Zeitpunkt gekommen an dem ich aus dem Vereinsleben werde ausscheiden müssen. Seit Jahren wurmt mich schon meine Mitgliedschaft in der völlig Korrupten FIDE, und nun werde ich auch dem DSB jede Unterstützung entziehen müssen. Schach ist kein Sport, sonst wären es Poker Monopoly und Mensch Ärgere dich nicht ebenfalls.Lesen Sie mal Ihren Tarrasch oder Zweig. Nur um sich vielleicht irgendwann als Sonderling in einen Olympiarummel einreihen zu können, was hoffentlich niemals der Fall sein wird, kann man doch nicht seine Verandsmitglieder mit einem derartigen Schwachsinn wie Dopingkontrollen belästigen. Alle Drogen  sind Gift für das Hirn und setzten dessen Leistungsfähigkeit herab, siehe Verkehrsrecht etc. die ganze Diskussion ist vorgeschoben, ohne mich, viel Spaß auch noch.

Kopfschüttelnd

Christian Schröder


In der bisherigen Diskussion kommt die Rechtslage zu kurz, dass Schach im juristischen Sinne noch nie Sport gewesen ist, sondern der seinerzeitige Kompromiss nach wie vor lautet: "Schach gilt als Sport" (eine Fiktion). D.h. im Klartext, Schach war und ist kein Sport, auf den die für Schach größtenteils gar nicht passenden Dopingregeln des Sports angewendet werden müssten. "Schach gilt als Sport" im Sinne der gesetzlichen Regelung, was seine Förderungswürdigkeit (und die Mitgliedschaft in den Verbänden) angeht. Das war der Sinn, als § 52 der Abgabenordnung 1977 zugunsten des Schachs erweitert wurde (§ 52 Abs. 2 Nr. 2 Satz 2 Abgabenordnung 1977, jetzt § 52 Abs. 2 Nr. 21 Abgabenordnung in der Fassung vom 1.10.2007), obwohl dem Schach ein Merkmal - und zwar gerade das für die Dopingdiskussion wichtige - der "körperlichen Ertüchtigung" des klassischen Sportbegriffs nun einmal fehlt. In einem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 17.02.2000 (I R 108, 109/98) zur abgelehnten steuerlichen Förderungswürdigkeit des Skatspiels heißt es deshalb, "dass das (hinsichtlich der körperlichen Aktivität der Spieler vergleichbare) Schachspiel im Sinne der Vorschrift des § 52 Abs. 2 Nr. 2 Satz 2 AO 1977 lediglich als Sport gilt. Dieser Sonderregelung hätte es nicht bedurft, wenn auf das Erfordernis der körperlichen Ertüchtigung durch den Sport verzichtet werden könnte."

Aus Rechtsgründen besteht danach jedenfalls kein Erfordernis, die auf den Sport mit seinem unverzichtbaren Merkmal körperlicher Ertüchtigung ausgerichteten Dopingvorschriften zu übernehmen.

Werner Schwamb
(Schachklub Marburg; 1990 - April 2008 Vors. des Turnierausschusses des Hess. Schachverbandes)
 


Eins vorweg: ich bin im Gegensatz zu so mach einem anderen Diskussionsteilnehmer leider ein lausiger Schachspieler. Das liegt zu einem nicht geringen Teil an zwei Umständen:

1. bin ich sehr reizoffen und leicht ablenkbar, was bei den Spielbedingungen auf unterklassiger Ebene mit lärmenden Vereinsversammlungen im Nebenraum etc. ein großes Handicap darstellt und
2. habe ich nach 4 oder 5 Stunden Spielzeit keine Kondition mehr und remisiere gewonnene Stellungen oder verliere diese gar noch.

Mit Methlphenidat (=Ritalin) oder ähnlichen Mitteln könnte man beide Probleme ohne Zweifel ausbremsen. Ich hätte wenig Mühe, an diese Substanzen heranzukommen, als Facharzt für Neurologie sitze ich da quasi an der Quelle.

Drei Dinge sind es, die mich davon abgehalten haben:
1. mein Sinn für Fairness
2. meine Liebe zum Schach - auch mit seinen Unzulänglichkeiten - und dass Schach mehr ist als nur Sport, nämlich in gewisser Weise auch Kunst oder, wie es ein anderer Diskutant schrieb: eine Kulturleistung
3. meine Angst vor den Veränderungen, die ich meinem Gehirn antue und die vielleicht irreversibel sind

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass nicht alle Schachspieler diese Skrupel teilen. Die Verfügbarkeit dieser Mittel ist kein Problem. Im Zweifelsfall lässt man sich von irgendeinem Arzt ein ADS bescheinigen, was auch im
Erwachsenenalter mit Ritalin etc. behandelt werden kann, wenn auch off label (auf eigenes Risiko und ohne Erstattung durch die Kassen). Die Symptome kann jeder im Internet nachlesen, einen objektiven Test gibt es nicht. Dagegen ist
das Clenbuterol-Doping schon aufwändig (alle Radrennfahrer haben Asthma, seltsam.....:))

Viele Diskussionsbeiträge zielen darauf ab, dass Schach etwas Schönes, Völker verbindendes ist und dass der letzte Hort von Individualismus und Freiheit nicht durch Kontrollen reglementiert werden sollte. Diese Argumente sind mir so
sympathisch wie die Menschen, die diese vorbringen. Genau wegen dieser sympathischen Menschen spiele ich auch Schach. Aber jeder Schöngeisterei haftet leider auch ein gerüttelt Maß an Naivität an.

Hirn-Doping ist keine Fiktion. Es ist eine Entwicklung, der wir uns stellen müssen und für die es dringend eines schlüssigen Konzepts bedarf. Leider.

Manfred Dwenger, Neurologe, Schachklub Weißer Turm Rastede, DWZ 1705
 


Um es vorweg zu nehmen: Ich weiß nicht, ob man mir seitens der Verbandsfunktionärsschaft mit Freuden einen Strick drehen wird, ist doch meine nun folgende Einlassung konträr zur offiziellen Funktionärslinie, deren Kaste ich auch angehöre. Nestbeschmutzung? Nein, nur ein aufrechtes Gewissen! Außerdem bin ich Funktionär, weil ich etwas für den Schachsport tun will. Was ich tue, ist relativ klar, wenn man bedenkt, dass ich seit fast 20 Jahren Referent für Ausbildung in einem großen Flächenbundesland (Niedersachsen) bin.

Ich frage mich aber sehr, ob viele andere Funktionäre etwas für Schach tun wollen - oder gegen ihre eigene Profilneurose. Anders kann ich die Diskussion über Doping im Schach nicht sehen. Seit Jahren - nein, schon 2 Jahrzehnte - wird das Schach systematisch vergewaltigt. Dies geschah u.a. durch:

- massive Bedenkzeitverkürzungen
- Schnellschach- und Blitzentscheide
- Verkürzte Turniere, Wegfall klassischer Qualifikationen
- Gewinngier so genannter Schachprofis
- Turniere mit Doppelrundenhäufigkeit, was zu Spielzeiten von bis zu 14 Stunden am Tag (natürlich ohne Ruhepause und Hängepartien) führte.

Und so ist es auch mit dem Doping. Mit aller Gewalt versucht man zu begründen, dass mit bestimmten Substanzen (Traubenzucker, Coffein, Tranquilizern, Schmerzmittel) gegen bestimmte Erscheinungen beim Schach angekämpft werden kann. Doch genau das ist Unsinn. Natürlich fördert Traubenzucker die körperliche Leistungsfähigkeit - für ein paar Minuten. Ein sehr effizientes Doping bei einer Stunden währenden Partie. Auch Workaholics wissen um die Doping-Wirkung des Kaffees: 1-2 Tassen helfen ein wenig - kommt man aber in den dopingrelevanten Bereich, so wird man zu Hypernervösität, Muskelzucken, Magenproblemen und der diuretischen Wirkung des Kaffees gelangen. Das Doping nutzt dann allenfalls für einen Schnelllauf zur Toilette.

Um es kurz zu machen: Alles, was auch nur im entferntesten als Doping "funktionieren" könnte, hat derartige Nebenwirkungen, dass diese schneller zum Partieverlust führen wird als dass eine puschende Wirkung eintritt. Aber: Wir sind ja Athleten, darum sind wir gegen Doping. Sorry, wir sind keine Athleten. Wir wollen nur in Ruhe Schach spielen. Schach, wie es der Eigenart dieses Spiels - oder meinetwegen: dieser Sportart entspricht. Und das dauert nunmal 4, 6 oder auch 8 Stunden. Doping schadet dem Körper. All das, was verboten ist, tun Schachspieler gar nicht. Und wenn, dann unbeabsichtigt, ineffizient für schachliche Leistungssteigerung, und nur im geringen Maße. Was nicht verboten ist, tun viele Schachspieler: Sie rauchen in rauen Mengen (das ist zwar am Brett verboten, aber draußen nicht. So wird trotzdem geraucht und sich zusätzlich noch schwer erkältet). Rauchen ist aber wirklich massiv schädlich - und nicht verboten. Alkohol steht auch auf der Doping-Liste. Alkohol ist sehr schädlich, auch das ist klar. Wenn ich dann sehe, was manche Spieler nach ihren Partien, besonders nach verlorenen, alles in sich `reinschütten, frage ich mich, wo die Doping-Kontrolleure bleiben. Wie hießen nochmal die beiden Berliner Bundesligacracks vom Empor, die generell jeden Tag im Buli-Kampf eine Flasche Whiskey killten? Der Leser wird es wissen. Viele unserer Schachfreunde sind schon älter und müssen viele Medikamente nehmen, selbst ich mit meinen 46 Lenzen leide an chronischen Erkrankungen. Wann wird der Doping-Kontrolleur kommen und mich sperren? Bei vielen Schachspielern, die älter oder chronisch krank sind, hilft auch Anmelden der Medis nichts. Eine chronische Erkrankung ist kein Schnupfen und kein Zahnschmerz! Doch die Medis muss ich nehmen, will ich nicht schweren gesundheitlichen Schaden nehmen.

Ergo halte ich fest: Alkohol und Zigaretten verkürzen das Leben massiv, in Kombination bis zu 20 Jahren. Dagegen tut keiner was. Medikamente verlängern das Leben. Die verbietet die Doping-Agentur.
Auch das Argument, Anti-Doping-Maßnahmen müssten sein, weil wir ja Sportler sein wollen und einen Sport ausüben, erscheint mir fadenscheinig. Hat man eigentlich die Schachfreunde in Deutschland basisdemokratisch gefragt, ob sie Sportler sein wollen? Man verfuhr ähnlich wie mit EU-Gesetzgebungen und der Einführung des Euro. Weiß eigentlich nur ein Bruchteil der Schachfreunde um die negativen externen Effekte, die die Sportbundmitgliedschaft mit sich bringt? Eine simple Kosten-Nutzen-Rechnung im volkswirtschaftlichen Sinne müsste sofort zum Austritt aus dem Sportbund führen! Darum: Wacht endlich auf und beendet diesen Blödsinn! Denkt über Schach und seine Förderung nach - nicht über Doping!

Viele Grüße,

Lothar Karwatt
 


Doping im Schach

Jetzt also Dopingkontrollen – und was dann??? erst einmal wird man zum „Sportler“ ernannt, ohne dass dies sich mit den wirklich üblichen Kriterien von Sport belegen liesse ... (nur so nebenbei: ist Go und das japanische Shogi Sport? Nach körperlichem Einsatz und Wettkampcharakter der Betätigung müssten natürlich auch alle mehr oder weniger süchtigen LAN-Gamer zu den Sporttreibenden gezählt werden.) Eine endlose Diskussion mit einem tatsächlich nun fast vollendeten Sport-Status-Verleih könnte man meinen. Aber die Dopingkontrollen sind wohl das kleine Fünkchen, das unser Faß von Ungereimtheiten im Falle des Schachspiels als Sportdisziplin zur Explosion bringen wird. Kaum vorstellbar, dass man sich bei einer auf dem Spiel stehenden Sportförderung von „mehr als 1 Euro pro Mitglied“ (Herbert Bastian.) völlig sinnlos (denn die „schachwirksamen“ Substanzen werden von der WADA ja gar nicht gesucht) einer solchen Schikane und einem solch massiven Eingriff in die persönliche Datenhoheit unterziehen möchte. Warum eigentlich sollen es unter diesen Gegebenheiten ausgerechnet die Nichtbefürworter der Unterwerfung unter den DOSB sein, die mit der Zukunft des DSB Vabanque spielen ...

Solange es im Schach gang und gäbe ist, sich mit Mannschaftskameraden, Turnierkollegen und „Kiebitzen aller Art“ während laufender Partien unterhalten zu können – solange ist es schon ein kabarettreifer Geniestreich, klingelnde Handys zum Anlass von Partieverlust-Bestrafungen zu nehmen. Und gar Dopingkontrollen? Was soll da eigentlich kontrolliert werden, wenn dem „Sportler“ auf dem Flur vor dem Turniersaal gerade der Gewinnzug verraten wurde? Soll der Kontrolleur der WADA nicht besser den Kiebitz testen? Bei normalen Turnierpartien braucht es ja gar nicht den Computer 2 Stockwerke höher (wie seinerzeit in Böblingen) oder die chemische Keule von hirnwirksamen Medikamenten, um löchrige Kenntnisse in der Endspielführung mit hilfreichen Tips zu umschiffen. Es genügen doch die (nach derzeitigem Definitionsstand) über jedes Doping erhabenen Ohren.

Aber Vorsicht: wollte man nun anfangen, die Schachspieler mit einem Redeverbot zu belegen, so denke man bitte auch an die anderen bisher glücklicherweise noch regelfreien Nebenkriegsplätze wie Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme während der Partie (im Triathlon gibt es z.B. „Verpflegungspunkte“, beim Schach darf man völlig unmotiviert auch schon vor dem 20.Zug trinken), Sitzenbleiben oder Aufstehen während einer Partie, Bekleidung und Schuhwerk usw. Wir sind doch (fast) alle mit dem Schachspiel zufrieden, so wie wir es zur Zeit betreiben (mal abgesehen davon, dass mir persönlich die Tendenz zur stetigen Verringerung der Bedenkzeit nicht gefällt). Wenn das IOC uns nicht so will, wie wir sind, dann sollten wir das IOC auch so lassen, wie es ist. Diese 1 oder 2 Euro pro Mitglied werden wir doch aufbringen können, immerhin würden ja im Gegenzug sogar die Sportbund-Abgaben für die Schachvereine entfallen.

Natürlich mangelt es mir auf der anderen Seite nicht an Fantasie, den olympischen Gedanken weiterzuspinnen, stelle mir also eine Schachpartie analog zum heute bei Olympia üblichen 50-km-Gehen vor ... das Fernsehen zeigt die ersten 5 Züge, dann schalten wir mal schnell zum Rudern, dann zum Reiten, um später nochmals beim Schach vorbeizuscha.... upps, da hat der Ukrainer doch den Russen schon Matt gesetzt, wir haben es leider verpasst, und die beiden haben ja auch gar nicht die 40-Züge-Grenze erreicht, sowas von fernsehfeindlich  –  ALSO DIESE SCHACHSPIELER SIND JA WIRKLICH ECHTE SPIELVERDERBER. (Diese Beschimpfung durch den Reporter wurde Ihnen präsentiert von Denkhirnfit – dem dopingfreien Medikament für Denksportler).

- Aber will ich sowas wirklich ???

Abseits dieser Fantasie nochmals konkrete Fragen: Warum sollte eigentlich Ritalin im normalen Schulalltag erlaubt bleiben, wenn es im Schulschach zur Disqualifikation führen muss? Wo ist die Grenze zu ziehen bei der Einnahme von leistungssteigernden Medikamenten und Drogen? Sollten wir nicht lieber die WADA zu unseren krisengeschüttelten Banken schicken, damit sie die „positiven“ Manager aus dem Verkehr zieht? Und sollten – allein schon der Fairness und der demokratischen Grundordnung halber – nicht alle Schulen und Universitäten ihre Prüfungen durch Dopingkontrollen absichern? oder unsere Politiker im Wahlkampf .... das Thema ist endlos und die vielen Fragen sind kaum zu beantworten. Im Grunde ist es auch nicht möglich, das menschliche Gehirn auf „erlaubte“ und „unerlaubte“ Stimulantien“ zu verpflichten. Dazu produziert der Mensch zu eifrig und zu vielschichtig selber Hormone. Schlussendlich finde ich denn in der ganzen Diskussion Herrn Dr. Hübners Hinweis am nachhaltigsten, dass man sich die Spielkenntnisse erst einmal aneignen muss, bevor man sie mit welchem „Gedächtnistrick“ auch immer am Brett einsetzen kann. Dopingkontrollen – nein danke!

Norbert Kugel


Nachtrag zu „Eine Immergrüne, gespielt in Sperrejahren?“ (6. Januar)

Man ersetze bitte am Anfang zweimal „Hauptversammlung“ durch „Hauptausschusssitzung“ und ergänze am Schluss von Punkt 2:
(...) und sich nicht Maßnahmen anschließt, die für den Athletensport bestimmt sind. Die Unterstellung, bei Verzicht auf Dopingkontrolle werde Schach nicht gefördert, ist ein Argument für schwache Nerven. Im Ernstfall wäre die Bundesrepublik Deutschland blamiert.

G. Braun
 


Ach wie schön waren doch die 70er und die 80er Jahre, als es noch darum ging, dass neueste Buch über Königsindisch zu bekommen, sich für eine Landesmeisterschaft zu qualifizieren oder eine moderne GARDE Schachuhr zu organisieren, das waren noch echte Themen und Aufgaben und vor allem schöne Zeiten.

Der Deutsche Schachbund wäre gut beraten, sich mit Spielbetriebsorganisation, Einsatz der finanziellen Mittel und vor allem Nachwuchsförderung anstatt mit Doping zu beschäftigen. Vielleicht kommen dann sogar mal wieder Zeiten, wo unsere Nationalspieler/-innen andere Vornamen als Arkadij, Igor oder Ketino haben.

Alexander Okrajek


Manchmal braucht man ein Beißholz

Wenn man die Diskussionsbeiträge, so weit sie bei chessbase veröffentlicht sind, verfolgt, der erkennt grundsätzlich zwei Stoßrichtungen. Erstens wird die Sport-Verteidigung mit der beachtenswerten Hübner-Variante erörtert. Ist Schach Sport? Kann das Denkspiel gar olympisch werden, damit die Schachfunktionäre auch endlich mal in die vom IOC gesponsorten 5-Sterne-Hotels kommen? Natürlich ist Schach Sport. Schon der Vergleich mit den Sportschützen beantwortet das glasklar. Hie die Kleinkaliberpistole dort die Schachuhr, die zu vielen Opens getragen werden muss. Hie stundenlanges Starren auf Zielscheiben in absoluter Bewegungslosigkeit, dort sogar hektische Bewegungen beim Ausführen der Züge und einem Delfinschwimmer gleich wuchtige Hiebe mit den Armen in Zeitnot Richtung Uhr. Okay, das hätten wir! Jungs, bucht die Suiten!

Die zweite Stoßrichtung der Diskussion ist das abgelehnte oder angenommene Doping-Gambit. Hilft Doping im Schach, ist es überhaupt sinnvoll? Lassen wir mal alle ethischen Aspekte völlig außen vor. Doping ist natürlich möglich. Und es teilt sich in zwei Anwendungsgebiete. Wer kennt das nicht (der Autor zählt sich zur Gruppe der ambitionierten, aber hoffnungslosen Alt-Talente): Man sitzt am Brett, der Gegner war am Zug und man weiß genau, dagegen gibt es was. Gestern Abend noch gelesen, heute Morgen schon vergessen. Das muss nicht sein! Völlig überraschend greift der Schachspieler in der Vorbereitung auf einen wahren Cocktail an Hilfsmitteln zurück, um die Fülle an Informationen der einzelnen Varianten auch dauerhaft zu behalten. Da ist Epo für besseres Gedächtnis und verstärkten Transport der Lerninhalte vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis. Wirkt auch noch drei Woche nach der Kur, ist dann nicht mehr nachweisbar! Wir singen: Que Cera, Cera!

L-Dopa oder Donepezil gegen Parkinson verbessern die Merkfähigkeit um 20 Prozent. Positive Nebenwirkung: Das Zittern vor schwachen Zügen wird unterdrückt, gibt dem Gegner keine Hinweise auf den körperlichen Zustand! Neue Medikamente sorgen sogar für den Wuchs zusätzlicher Zellen fürs Langzeitgedächtnis. Eine Art Gendoping per Pille.

So präpariert, geht es ans Brett. Auch hier braucht man verschiedene Medikamente, um entsprechend reagieren zu können. Zum Frühstück gibt es Modafinil gegen ADS, das Aufmerksamkeitssyndrom, und als Stresshemmer. Nicht, dass man Figuren einzügig einstellt! Kurz vor dem Kampf noch Ritalin, was die Aufmerksamkeit zusätzlich erhöht, die per Epo und L-Dopa gezüchteten Varianten leichter abrufbar macht. Dann braucht man auf jeden Fall Provigil, das verhindert das Einschlafen am Brett, narkoleptische Anfälle der Schachblindheit. Das Medikament wirkt in der niedrigsten Dosierung wie sechs Tassen Espresso. Aber wer nimmt schon die kleinste Dosis . . .

Fazit: Schach ist Sport, Doping hilft. Und jetzt freue ich mich auf die Heerscharen an Dopingfahndern, die morgens, mittags, nachts die Schachspieler aufsuchen, sie im Training kontrollieren. 365 Tage im Jahr, selbst an Heiligabend. Hunderttausende Emails am Tag an die NADA, wo sich wer gerade befindet, bis der Server raucht und mit Microsoft gedopt werden muss. Und das alles, um einmal in einer Suite im 5-Sterne-Hotel übernachten zu dürfen? Ach so, die Medikamente sind ja alle Verschreibungspflichtig. Mal beobachten, ob der DWZ- oder Elo-Zuwachs bei Medizinern nicht statistisch deutlich über dem Schnitt liegt!

Moral: Schon an Universitäten hat man bereits eingelenkt, man habe gar keine Chance das aufkommende, weil wirksame Prüfungs-Doping zu kontrollieren. Und so kommt, was kommen muss: Schachspieler reisen demnächst mit der Laptop-Tasche in der Linken und dem Medikamenten-Koffer in der Rechten an. Und bei den oben beschriebenen Open die Schachuhr um Mund, als Beißholz. O Tempora, O Schach-Mores.

Philipp Müller, Solingen, 6. Januar 2009

 


Die Sache ist simpel einfach: Entweder ist Schach ein Sport und will entsprechend gefördert werden, dann haben sich die Spieler, und da geht es ja wirklich nicht um Partien in weiss-nicht-welcher-Liga, den entsprechenden Kontrollen zu stellen. Punkt. Oder Schach ist kein Sport, dann .....

Urs Niggli


Schach hat viel mit Kondition und Konzentration zu tun, und beides lässt sich mit legalen wie illegalen Mitteln steigern. Mir gefällt nicht, dass Spieler wie Robert Hübner es als prinzipiell absurd ansehen, von Doping in Bezug auf Schach zu sprechen, nur weil sie glauben, Schach sei ein Spiel kristallreinster Logik, in der, wie Hübner selbst kürzlich sagte, selbst kein Platz für einen persönlich Stil sei.

Schach ist nicht nur ein Denksport, es ist auf Spitzenniveau konditionell nicht weniger anspruchsvoll als bestimmte andere Sportarten. Allerdings gibt es m. E. keinen akuten Handlungsbedarf in Bezug auf Doping im Schach. Was sind legale, was illegale Substanzen, und welcher Hirnforscher würde sich ernsthaft an diese Frage bezüglich Schach heranwagen? Welcher Großmeister ist denn in den letzten Jahren nach einem grandiosen Sieg an Leberversagen gestorben? Gibt es überhaupt Doping-Vorwürfe gegenüber Spielern, die einen konkreten Hintergrund haben? Eher nicht.

Es geht meines Erachtens bei der ganzen Frage eher ums große Geld: Die FIDE will olympisch werden. Beim (in hohen Maße anrüchigen) IOC liegt nämlich das ganz große Geld, und ohne Doping-Kontrollen geht bei Olympia zur Zeit gar nichts. Die Gesamtspielzeit einer Partie wollte man ja schon unter die Zwei-Stunden-Marke drücken, um sich einzubilden, dann fernseh- und somit olympiatauglich zu sein (ca. zwei Stunden dauert die längste olympische Sportart, der Marathon). Witz-Weltmeister wie Khalifman, Ponomariov oder Kasimdshanov haben wir dieser Philosophie zu verdanken.

Vor diesem Hintergrund halte ich Dopingkontrollen im Schach für entbehrlich. Wer will schon Schach im Fernsehen sehen, wenn das TV vom Internet schon längst überholt wurde? Hier geht es FIDE-Funktionären nur darum, sich die Taschen zu füllen.

Teoman Bressel 


Zunächst möchte ich mal festhalten: Doping im Schachspiel bringt überhaupt nichts. Das Zeug muss in den Spieler! OK, Spaß beiseite. Bevor man irgendwelche Mittel für eine wie auch immer geartete Leistungssteigerung verbietet, muss man erst einmal nachweisen, das dieser Effekt überhaupt erzielt wird. Gerade im Bereich des Gehirns dürfte dies schwierig sein, denn wie bereits an anderer Stelle erwähnt, gibt es keine Mittelchen, die einem Wissen und Verständnis vermitteln.

Anders sieht es bei Aufputschmitteln aus: Ich kenne eine Reihe von Spielern (und gehöre auch selbst dazu), die sich während einer Partie, die morgens um 0900 Uhr beginnt, eine Menge Kaffee oder Tee in den Hals schütten, um überhaupt erst wach zu werden und eine halbwegs brauchbare Partie spielen zu können. Diese Spieler sind definitv gedopt!

Soll man sie deshalb sperren?

Was ist mit folgendem Fall: Jemand hat eine Erkältung (oder etwas anderes) und geht zum Arzt. Der verschreibt ein Medikament, das auch wunderbar hilft. Doch leider fällt der Spieler bei der anschließenden Dopingkontrolle durch, weil keiner dran denkt, dass das verschrieben Mittelchen auf der WADA-Liste steht - aber trotzdem legal ist und auch für den korrekten Gebrauch verschrieben und eingesetzt wurde.

Schließlich wirkt sich dieses Mittel auch Leistungsfördernd auf's Gehirn aus - bekanntlich hat ja noch nie jemand gegen einen gesunden Schachspieler gewonnen!

Was ist mit Alzheimer- oder Parkinsonpatienten? Ausnahmegenehmigung?

Also legales Doping?

Und wie ist das mit dem Vorschlag, Dopingtests auch für Fernschachspieler durchzuführen? Dann muss man ihnen auch den Zugang zu einem PC und zu Schachbüchern nehmen, die im Fernschach legale Mittel sind, deren Einsatz ohnehin nicht zu kontrollieren ist.

Und was soll der Blödsinn, Spieler im Schnitt nur alle drei Jahre zu kontrollieren? Es gibt keine Mittelchen, die im menschlichen Körper eine Wirkungsdauer von drei Jahren haben, geschweige denn über einen solchen Zeitraum nachweisbar sind (außer vielleicht in Haarproben, bei denen aber auch nur die Einnahme nachgewiesen werden kann).

Wenn schon Dopingkontrollen, dann richtig!

Dann möchte ich noch auf einen Artikel hinweisen, in dem Wissenschaftler die Freigabe solcher Mittel fordern, weil deren Einsatz ohnehin nicht zu verhindern ist:

http://www.heise.de/newsticker/Wissenschaftler-fordern-Freigabe-von-Gehirnboostern--/meldung/120834

Das wirft dann nämlich wieder die Frage auf: Ist man immer noch gedopt, wenn die Medikamente legal sind?

Herrn Bastian zu Folge verliert der DSB ca. 1€ pro Mitglied an Fördergeldern. Mit anderen Worten: ca 150.000€! Wahnsinn! Und das schlimme ist: Dem DSB werden die Mitglieder zu tausenden davonlaufen, wenn die Beiträge um 1,50€ erhöht werden!

Mein Fazit: Hier haben wieder einige Funktionäre eine Sache entschieden, von der sie eigentlich keine Ahnung haben (wissenschaftliche Nachweise!), aber eine große Zahl von Menschen unter den Generalverdacht eines Betruges stellt. Der DSB täte besser daran, sich um Sponsoren zu kümmern und Schach vernünftig zu präsentieren, als solchen Unsinn zu verzapfen.

Henrik Schlößner


Liebe deutschsprachige Schachfreunde!

Der Verlauf der Diskussion um Doping im Schach wird zunehmend unerträglicher! Ich vermisse klare Aussagen aller Schachsportler, die sich als Ärzte welcher Fakultät auch immer in die Diskussion einbringen! Grundsätzlich sind Gesetze einzuhalten! Gesetze müssen aber auch eingehalten werden können !

Daher müssten mehrere Klarstellungen erfolgen:

1) Was ist Doping im allgemeinen ?
2) Was ist unter Doping im oder beim Schachspiel zu verstehen ?
3) Welche Substanzen werden in die Liste der für Schachspieler aus welchen Gründen als verbotene Mittel aufgenommen ?
4) Welche Konsequenzen hat eine Schachspielerin, ein Schachspieler nach einem erstmaligen Verstoß zu gewärtigen ?
5) Wie sehen die Sanktionen aus, die eine Schachspielerin, ein Schachspieler nach mehrmaligen Verstößen zu gewärtigen hat ?
6) In welcher Art werden Dopingkontrollen in standardisierter Form nach bzw. während Bundesligarunden, internationalen Turnieren, Schacholympiaden, Weltmeisterschaftsqualifikationsturnieren bzw. Weltmeisterschaften durchgeführt ?

Ich vermisse sehr den Hinweis aller sich an der Diskussion beteiligt habenden Ärzte, dass die Anfertigung einer Liste von vermeintlichen oder echten Dopingsubstanzen für Schachspieler ohne die Durchführung von langwierigen Forschungsarbeiten schlicht unmöglich ist. So sollten alle die geistige Leistung von Schachspielern vermeintlich zu deren Vorteil unterstützenden Substanzen zuerst in ausführlichen Doppelblind-Studien, für die man gut bezahlte Freiwillige (mit etwa Fidemeisterstärke oder darüber) einsetzen sollte, unter ärztlicher Beobachtung und unter genauer protokollarischer Beschreibung ihrer psychischen bzw. physischen Empfindungen während einer Partie nach (verdeckter) Einnahme einer Droge oder eines Placebos stattfinden. Die Ergebnisse sollten dann entsprechend ausgewertet werden und schließlich sollte ein Gremium aus Neurologen, Psychologen und Physikalischen Medizinern gemeinsam jene Liste erarbeiten, die dann für Urteile gemäß Punkt 3 der oben angeführten Liste verbindlich sein würde.

Solange solche Forschungsarbeiten nicht durchgeführt werden, ist die Ankündigung der Aufnahme von Anti-Doping-Bestimmungen in egal welche Verbandsstatuten nichts als lächerlicher, wertvolle Zeit vernichtender, sarkastischer Hyperaktivismus, wie die bisher „einzige“ in Österreich erfolgte „Dopingkontrolle“ beweist: Hatte man doch für diese nicht einen der zahlreichen in Österreich tätigen internationalen „Großmeisterlegionäre“ sondern eine fünftklassige österreichische Schachspielerin ausersehen ! Und weil sie für einen Betrieb an einem Mittwoch gespielt hatte, läutete man „überaus prompt“ am darauf folgenden Sonntag „pünktlich“ um sechs Uhr morgens an ihrer Tür, um sie um eine Urinprobe zu bitten…………………… Die den Kontrollidioten mit voller Berechtigung vor die Nase geknallte Tür brachte der Spielerin eine zweijährige Sperre ein……. Seither sind in Österreich keine weiteren „Dopingkontrollen“ passiert oder zumindest nicht mehr berichtet worden……….. ; und auf „Dopingkontrollen“ in der beschriebenen Form können alle Schachspieler nicht nur Österreichs sondern der ganzen Welt gerne verzichten !!!

Die Diskussion zum Thema Doping im Schach soll daher nicht verstummen; im Gegenteil: Sie soll lauter und fachlich fundierter werden und alle mit psychogenen Substanzen vertrauten Ärzte, die gleichzeitig auch Schachspieler sind, sollten sich ganz besonders laut in diese Diskussion einbringen und danach immer mehr ähnliche Geister aus anderen Ländern im Sinne des FIDE-Mottos „Gens una sumus“ in eine immer internationaler werdende Diskussion einbinden, die die FIDE aus dem gegenwärtigen Jammertal einer durch und durch korrupten FIDE-Präsidentschaft in die Höhen einer positiven, den Weltfrieden befördernden Gemeinschaft aller Schachspieler der Erde zu führen vermag, in der „sinnvolle“ Dopingkontrollen selbstverständlich sind und außer Diskussion stehen.

Ich möchte auf diesem Wege allen Schachspielerinnen und Schachspielern Österreichs, Deutschlands, der Schweiz und der Welt ein erfolgreiches und vor allem „dopingkontrollfreies“ Jahr 2009 wünschen; Schachspieler mögen kraft ihres Schaffens zu weltweiten Botschaftern des Friedens werden. Ich gebe hiermit allen Schachspielern ein altes ewiggültiges Indianermotto für das Jahr 2009 mit, welches vor allen endlosen Diskussionen um Doping gelten sollte: „Walk together, talk together all you people on the earth, then, then, and only then we shall have peace !“

Hans Josef LINZER (Wien)


Veröffentlichung vom 8.1.2009


Das dem Schach aufgezwungene Thema "Doping" hat zu einer kontroversen Diskussion, auch innerhalb des Schachbundes geführt. Wegen der Drohung evtl. aus der Sportförderung ausgeschlossen zu werden, glaubte der Schachbund in seine Satzung die Bestimmungen des Anti-Doping-Codes aufnehmen zu müssen und Dopingkontrollen durchzuführen. Dies hat er in einer Hauptausschusssitzung während der Schacholympiade mit den Gegenstimmen der Präsidenten von Hessen und Bayern beschlossen. Nachdem sich der hessische Verbandspräsident Dr. Harald Balló, selbst Mediziner, bereits mit einer ausführlichen Stellungsnahme an der öffentlichen Diskussion beteiligte, meldet sich nun auch der bayrische Verbandspräsident Dr. Klaus Norbert Münch in einer sehr gründlichen Stellungsnahme zu Wort. Dr. Münch stellt die verschiedenen Aspekte des Doping-Komplexes in seinen Auswirkungen für den Schachbund und die Landesverbände, sowie für deren Mitglieder dar. Wie viele andere auch bezweifelt der bayrische Verbandspräsident, dass im Schach mit Hilfe von medizinischen Dopingmitteln eine mehr als marginale Leistungsverbesserung erzielt werden kann und sieht in den sehr rigiden Bestimmungen des ADC der NADA, die in vielen Punkten jenseits des Rechtsverständnisses unserer Gesellschaft stehen, eine Entrechtung des kontrollierten Sportlers. Den Entscheidungsprozess innerhalb des DSB kommentiert Dr. Münch sehr kritisch.
Über die Willkür von Dopingkontrollen (pdf)...

 


Veröffentlichung vom 6.1.2009



Der lesenswerte Beitrag von Harald Balló hat mir u. a. deutlich gemacht, dass die Debatte um die Frage, ob durch Doping beim Schach eine Leistungssteigerung möglich ist, letztlich am Thema vorbeigeht. Balló legt unter Nr. 2 seiner Ausführungen (Seite 4 der pdf-Datei) dar, dass die Leistungssteigerung gar nicht Bestandteil der Doping-Definition der WADA (World Anti-Doping Agency) sei. Balló hat Recht: Im WADC (World Anti-Doping Code) heißt es unter Nr. 2.2.1: "Es ist nicht entscheidend, ob die Anwendung eines verbotenen Wirkstoffs oder einer verbotenen Methode leistungssteigernd wirkt oder nicht. Es ist ausreichend, dass der verbotene Wirkstoff oder die verbotene Methode angewendet wurde oder ihre Anwendung versucht wurde, um einen Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen zu begehen."
Hieraus und aus den weiteren Bestimmungen des WADC geht hervor: Doping ist nicht die Einnahme leistungssteigernder Substanzen. Doping ist vielmehr der Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen, und die besagen zusammengefasst im Wesentlichen: Ein Verstoß liegt vor bei Anwendung eines auf der Dopingliste aufgeführten Wirkstoffs oder beim Versuch, sich einer entsprechenden Kontrolle zu entziehen.


Das heißt: Das von den Befürwortern von Dopingverboten und -kontrollen im Schach häufig angeführte und sicherlich auch populärste Argument, es gehe um Fairness im Wettkampf, indem verhindert wird, dass sich Spieler ungerechtfertigte Vorteile verschaffen, ist bei Licht betrachtet ein Scheinargument. Auch die Einnahme eines Wirkstoffs, der unstreitig keine Leistungssteigerung hervorrufen kann, ist Doping, wenn der Wirkstoff in der Dopingliste aufgeführt ist.


Dies wird bestätigt durch die in Nr. 4.3 des WDAC niedergelegten Kriterien für das Verbot eines Wirkstoffs: Es müssen von den drei Kriterien - a) Leistungssteigerungspotential, b) Gesundheitsrisiko und c) Verstoß gegen den Sportsgeist - lediglich zwei erfüllt sein, damit ein Wirkstoff verboten werden kann. Da die Definition (genauer gesagt: Umschreibung) des "Sportsgeistes" im WDAC u. a. Werte wie "Gesundheit" und "Anerkennung von Regeln und Gesetzen" enthält, kann praktisch jede Substanz, die nach Auffassung der WADA gesundheitsgefährdendes Potential hat, auf die Dopingliste gesetzt werden. Zudem gibt es keine Möglichkeit, sich darauf zu berufen, ein Wirkstoff sei zu Unrecht auf die Dopingliste gesetzt worden. In Nr. 4.3.3 des WDAC heißt es nämlich: "Die Festlegung der WADA von verbotenen Wirkstoffen und verbotenen Methoden in der Liste verbotener Wirkstoffe und verbotener Methoden ist verbindlich und kann weder von Athleten noch von anderen Personen mit der Begründung angefochten werden, dass es sich bei dem Wirkstoff bzw. der Methode nicht um ein Maskierungsmittel handelt oder dass der Wirkstoff bzw. die Methode nicht das Potenzial haben, die Leistung zu steigern, dass sie kein Gesundheitsrisiko darstellen oder gegen den Sportsgeist verstoßen."
 

Zu Deutsch: Alles, was die WADA verbietet, ist verboten. Und es gibt keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren. Wenn die WADA beschließt, dass Leute, die rauchen, Kaffee oder Alkohol trinken oder Schokolade essen, keine "richtigen Sportler" sind und deswegen bei Sportwettkämpfen nichts zu suchen haben, dann dürfen auch Schachspieler, die derlei Verwerfliches tun, nicht mehr in Ligen und DWZ/ELO-gewerteten Turnieren mitspielen, wenn sich der DSB den Regeln der WADA unterwirft.


Ich bleibe dabei: Die Funktionäre des DSB haben kein Recht, uns im DSB organisierten und Beiträge zahlenden - also das Einkommen der hauptamtlichen Funktionäre finanzierenden - Schachspielern direkt oder indirekt vorzuschreiben, wie wir zu leben haben. Erst recht ist der DSB nicht dazu befugt, die Schachspieler einer Gesundheitsdiktatur der WADA auszuliefern. Die WADA ist eine Organisation, die von uns Schachspielern nicht ansatzweise demokratisch legitimiert ist und die festgelegt hat, dass ihre Verbote von niemandem überprüft werden können. Die Unterwerfung unter den WADC verstößt mithin gegen elementarste Grundsätze von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Wer seine Mitmenschen darüber belehren will, was gesund ist und was nicht, mag Arzt, Ernährungsberater oder Missionar werden. Als Schachfunktionäre sind solche Leute fehl am Platz. Von einem DSB-Funktionär erwarte ich, dass er sich für die Rechte der Schachspieler einsetzt und nicht gegen uns Spieler arbeitet. Und wenn (was kaum glaubhaft ist) die Bereitstellung staatlicher Fördermittel (deren Höhe die Dopingverbot-Befürworter, die sich hierauf berufen, in der Chessbase-Diskussion nicht einmal überschlägig angegeben haben) wirklich davon abhängen sollte, dass wir uns der Willkür der WADA unterwerfen, dann müssen wir eben auf diese Mittel verzichten.


Kleiner Denkanstoß zum Schluss: Wenn es um "Gesundheitsvorsorge" geht, ist es dann nicht der beste Rat, überhaupt kein Turnierschach mehr zu spielen? Ernsthaftes Schachspielen ist (wie übrigens auch die meisten Sportarten, insbesondere im Bereich des Leistungssports) ganz bestimmt nicht "gesund"; man sitzt stundenlang am Brett und der Körper wird infolge des psychischen Drucks extrem beansprucht, ohne dass man sich bewegt.


Matthias Budzyn
 


Diskussion „Doping im Schach“ bei ChessBase  27.12.2008

In der aktuellen Doping-Diskussion melde ich mich noch einmal zu Wort, weil die meisten der vorliegenden Beiträge sich nicht zum entscheidenden Punkt äußern und insofern am Thema vorbeigehen.

Zuerst ein kurzer Rückblick. Als die Diskussion über Doping-Kontrollen im DSB vor 2007 in den offiziellen Gremien des DSB begann, wurden inhaltlich die gleichen Argumente vorgetragen, wie wir sie jetzt in den Leserbriefen lesen können. Dies führte zu der Haltung, erst einmal abzuwarten, vielleicht käme man ja um Doping-Kontrollen herum, weil im Schach doch gar kein Doping möglich sei. Keiner unserer Ärzte hat damals z.B. auf das auf der Liste verbotener Substanzen stehende Methylphenidat (Ritalin) hingewiesen, obwohl die Problematik in den Schulen seit Jahren bekannt ist.

Dies ging so lange gut, bis der erste Landesverband seinem Landessportbund Rechenschaft über die Doping-Bekämpfung ablegen musste. Abwarten war nun nicht länger möglich. Als wir das Problem auf Bundesebene erörterten, sprach sich eine klare Mehrheit dafür aus, es nicht den einzelnen Landesverbänden zu überlassen, jeweils eigene Regelungen zu erarbeiten, sondern eine bundeseinheitliche Lösung anzustreben. Inzwischen ist das wegen des Drucks des Bundesinnenministeriums und des DOSB auch kaum noch anders möglich.

Es wird stets betont, dass die Landesverbände Hessen und Bayern (als einzige) der Einführung von Doping-Kontrollen nicht zugestimmt haben. Das ist nur insofern richtig, als dies für die Präsidenten dieser Landesverbände gilt. Ich kenne Spitzenfunktionäre aus diesen beiden Landesverbänden, die genau der entgegen gesetzten Meinung sind. Dies weist für mich auf ein Grundübel des Deutschen Schachbundes hin, nämlich auf die fehlende Diskussionskultur, die ein moderner Sportverband benötigt, wenn er sich weiterentwickeln will. Das unschuldige „wir wollen doch nur Schach spielen“, das mich seit den ersten Anfängen begleitet, wird künftig nicht mehr reichen, wenn man z.B. den Mitgliederbestand halten und vielleicht sogar eine noch bessere Rolle im Weltschach spielen will. Insofern bezweifle ich, dass die Verweigerungshaltung in der Doping-Frage in den genannten Landesverbänden mehrheitstauglich ist. Andererseits haben auch die Befürworter längst nicht alle die Diskussion mit ihren Mitgliedern geführt, so dass uns noch Überraschungen bevorstehen könnten.

Die inzwischen geklärte Frage, welchen spezifischen Status der Deutsche Schachbund innerhalb des organisierten Sports künftig erhalten solle, ist ein weiteres Problem, das dazukam und inhaltlich mit dem Doping-Thema zusammenhängt, aber es hat auch eigene Dimensionen.

Das Kernproblem ist für mich die strategische Ausrichtung des DSB in den kommenden Jahren. Im März 2007 fand in Eisenach eine Tagung statt, die sich dieses Problems annehmen sollte. Leider befindet sich der Strategieprozess nach vielversprechenden Anfängen momentan in einer Sackgasse. Damals wurde angeregt, die Strategiediskussion in die Basis zu tragen und beginnend mit den Vereinen die Erneuerung des DSB von unten nach oben anzugehen. Die Mitglieder könnten sich dann z.B. dazu äußern, ob sie weiter im organisierten Sport verbleiben oder eine Neuorientierung anstreben wollen.

Ob es jemals zu einer solchen Diskussion kommen wird, ist zweifelhaft. Im Moment muss sich jeder verantwortlich handelnde Funktionär an den Gegebenheiten orientieren. Diese besagen ganz einfach: Wer sich nicht aktiv an den Doping-Kontrollen beteiligt, riskiert den Ausschluss aus der Förderung. Für den DSB würde das kurzfristig wahrscheinlich bedeuten, dass durch Streichung von Zuschüssen und geförderten Stellen mehr als 1 € pro Mitglied fehlen, die durch eine Beitragserhöhung wieder hereingeholt werden müssten, wenn man den Leistungsstand erhalten will. Zwar sind die WM und die Olympiade inzwischen über die Bühne gegangen, aber es wäre fraglich, ob vergleichbare Veranstaltungen künftig noch gefördert werden. Besonders naiv wäre es zu glauben, dass der DSB beim Ausscheren aus der Sportorganisation mehr Sponsorengelder einwerben könnte als bisher. Auf jeden Fall müsste vor einem Ausscheren ein Alternativkonzept her, damit man in der Übergangsphase überleben könnte.

Wenn man also die Unterwerfung unter die Anti-Doping-Politik des DOSB ablehnt, was ich durchaus nachvollziehen kann, dann spielt man Vabanque mit der Zukunft des DSB. Der in diesem Zusammenhang häufig gehörte Vorwurf, die Funktionäre seien nur hinter dem „schnöden Mammon“ her, ist eine Beleidigung für alle Ehrenamtlichen, die ihre Zeit und ihr Geld einsetzen, um die finanzielle Basis des Deutschen Schachbundes zu sichern, von der letzten Endes die Gesamtheit aller Schachspieler profitiert.

Herbert Bastian
Präsident des saarländischen Schachverbandes


Mit Aufmerksamkeit verfolge ich die Diskussion um das Thema Doping auf der ChessBase-Website. Da die Diskussion so sehr polemisiert wird, möchte ich gerne von Seiten unseres Verbandes folgende Fakten klarstellen:

1.    Geld von Sportorganisationen
Schach ist in den meisten der FIDE zugehörigen Föderationen als Sport anerkannt UND bekommt von den nationalen Sportorganisation sehr viel Geld für Leistungssport und Jugendarbeit. In diesem Sinne sind alle entsprechenden Bestimmungen des Sports einzuhalten, es sein denn Schach will aus der Sportfamilie austreten und auf die entsprechenden Förderungen für den Schachsport verzichten. Hier gibt es keinen Mittelweg, weil die Anti-Doping-Bestimmungen in vielen Länder sogar den Status von Bundesgesetzen haben.

2.    Doping im Schach
Es ist nicht wesentlich, ob es für den Schachsport leistungssteigernde Mittel gibt oder nicht. Wesentlich ist, dass niemand gezwungen sein soll solche Mittel zu nehmen um in seinem Sport erfolgreich sein zu können. Wenn Doping in einer Sportart kein oder nur ein kleines Problem ist, dann sollte es für seine Vertreter auch kein Problem sein dies hin und wieder nachzuweisen. Schach hat bei den Anti-Doping-Agenturen den niedrigsten Prioritätslevel. Daher kommt es sehr selten zu Kontrollen. Probleme gibt es bisher nur, wenn Sportler/innen die Kontrolle verweigern.

3.    Gesundheitsgefährdung von Doping
Oft und gerne wird für den Schachsport eine Ausnahme gefordert. Welchen Sinn sollte aber eine solche Ausnahme machen, die es erlaubt im Schachsport gesundheitsschädigende Medikamente zu nehmen, die zudem keine leistungssteigernde Wirkung haben? Bei der ganzen Diskussion darf man nie vergessen, dass die Einnahme von Dopingmitteln teils dramatische Auswirkungen auf die Gesundheit der Sportler/innen hat. Will man die Jugend zum Sport bringen, dann ist es wichtig und richtig den Sport sauber zu halben und dies auch zu beweisen.

4.    Ausnahmegenehmigungen
Wer aus gesundheitlichen Gründen zur Einnahme von Medikamenten gezwungen ist, bekommt als Leistungssportler (Kaderspieler) eine entsprechende Ausnahmegenehmigung. Doping Kontrollen finden erfahrungsgemäß nur bei Kaderspieler/innen statt bzw. bei hohen Meisterschaften (Welt-, Europa-, Staatsmeisterschaften). Es braucht also niemand aufhören Schach zu spielen.

5.    Vorbild Spitzensportler
Die Spitzensportler im Schach sollten sich ihrer Vorbildwirkung bewußt sein. Die Argumentationskette Schach sei kein Sport ist kontraproduktiv. Fakt ist, dass nur Mittel aus der Sportförderung eine sinnvolle Arbeit im Leistungs- und Jugendschach erlauben. Dies auf das Spiel setzen zu wollen wegen ein paar Alibikontrollen pro Jahr scheint uns eine sehr kurzsichtige Denkweise. Das Argument des Eingriffs in die Privatsphäre ist viel strapaziert und sachlich auch richtig. Aber dieser Eingriff trifft auf alle Sportarten zu und trifft uns zudem in vielen anderen Lebensbereichen. Zum Glück gibt es Vorbilder wie Anand, der kein Problem hat sich einer Kontrolle zu unterziehen und stets auch den Sportaspekt des Schachs betont. Mögen seinem Beispiel viele folgen.

Mit sportlichen Grüßen,

Walter Kastner
Generalsekretär des Österreichischen Schachverbandes



*Gleichberechtigung für Fernschachspieler !*

Bei der Diskussion um Doping im Schach habe ich den Eindruck, daß die Fernschachspieler - wie meistens - einfach übersehen werden. Die Fernschachspieler sind auch Mitglied des Schachbundes.
Für die Akzeptanz einer Tätigkeit als Sportart ist es bekannterweise ein wichtiges Kriterium, ob gedopt werden kann.

Die Nutzung von Computern und Schachsoftware hat keinen bedrohlichen Einfluss auf die Entwicklung des Fernschachsports. Anders sieht es aus hinsichtlich der Leistungsverbesserung durch die Einnahme von Anabolika. Von dieser Seite droht offensichtlich die Gefahr. Also erwarte ich, daß auch die Fernschachnationalmannschaft bei den Testen der NADA oder WADA nicht weiterhin ignoriert wird. Ich wäre an dem Ergebnis interessiert, ob beispielsweise der Schachpräsident und Nationalmannschaftsmitglied Prof. Dr. Robert von Weizsäcker durch Einnahme muskelbildender Präparate seine Spielstärke im Fernschach verbessert hat.

Gerhard Schmidt


Auch wenn ich in letzter Zeit scheinbar nur noch Links schicke, möchte ich Ihnen diesen letzten nicht vorenthalten. Quasi zum Thema "legales Gehirndoping" :-) http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,597556,00.html

Ansonsten muss ich zur laufenden Diskussion anmerken, dass einige Beiträge aus meiner Sicht ziemlich engstirnig sind bzw. einfach nicht offen genug für neue Entwicklungen. Ich bin nicht der (in der Diskussion häufig geäußerten) Meinung, dass die Wirksamkeit von Doping im Schach erst nachgewiesen sein muss, um Regeln gegen Doping einzuführen.

Vielmehr geht die Vermutung bereits jetzt dahin, dass solches Doping bereits jetzt möglich ist, und das genügt mir. Natürlich sind Doping-Kontrollen lästig, keine Frage, aber wie viel Prozent der Spieler werden denn davon betroffen sein? Vermutlich weniger als ein Promille.

Insofern verstehe ich auch nicht, wieso sich normale Vereinsspieler darüber echauffieren.

Gut hat mir die Argumentation gefallen, wonach sich die Schachspieler entscheiden müssen: entweder sie wollen, dass Schach als Sport anerkannt ist (mit den damit verbundenen Vor- und Nachteilen), aber dann müssen sie sich auch den aus mancher Sicht "entwürdigenden" Dopingregeln unterwerfen. Oder sie verzichten auf diesen Status, aber dann wird Schach in seiner Struktur noch "ehrenamtlicher" als ohnehin schon, und das sehe ich gerade als Manko, dass die ganze deutsche Schachorganisation "mangels Masse" mehr oder weniger auf das Ehrenamt fokussiert ist. Nichts gegen das großartige Engagement der Ehrenamtlichen, aber wenn wir die letzten vom Innenministerium geförderten Stellen auch noch aufgeben, dann gute Nacht schöne Schachwelt!

Man kann es natürlich auch ganz anders sehen: nachdem man im modernen Schach ohnehin andauernd betrogen wird, und sei es nur durch ausgefeilte, zum Teil bis über den 20. Zug hinausreichende Vorbereitungen am heimischen PC oder Notebook, durch "variantenreiche"

Unterhaltungen während der Partie oder durch mitlaufende Engines, ist es ja beinahe schon egal geworden, ob man auch noch sein Gehirn dopt... Aber dann gibt man wirklich das letzte Quäntchen an Fairness-Kontrolle auf.

Glücklicherweise scheint mir, dass Doping bei den wichtigsten Spielstärkefaktoren machtlos ist, nämlich Talent und Erfahrung. Insofern kann Neurodoping aus meiner Sicht nur einen Teil der schachlichen Kompetenz verbessern, nämlich aus meiner Sicht die Fähigkeit zur Variantenberechnung und die Konzentrationsfähigkeit über die volle Partiedistanz. Dass ein "Wachmacher"-Präparat hier keine Wirkung erzeugen sollte, erscheint mir völlig abwegig, auch wenn es dutzende Male in der Diskussion bezweifelt wird. Dabei spielt natürlich der Faktor der Nebenwirkungen eine große Rolle. Ein Medikament, das in erster Linie euphorisierend wirkt, ist als Dopingmittel natürlich ungeeignet, weil es die im Schach notwendige Objektivität herabsetzt.

Noch ein Gedanke zum Schluss: wenn wirklich durch Einnahme von Modafinil oder anderen Substanzen Prüfungsergebnisse verbessert werden, wieso sollte dies nicht auf das Schach übertragbar sein? Auch bei Prüfungen zählt Konzentration und abstraktes Denken, allgemein gesagt: ein wacher Geist. Ich sehe hier keinen Unterschied zur Situation am Brett!

Gerald Hertneck


Die ganze Diskussion über Doping im Schach ist doch grotesk und überflüssig und nur Vorwand für speziell monetäre Interessen einer Kreise. 

Wie entstand sie und wem nützt sie? Dies sind die entscheidenden Fragen. Es dürfte wohl so sein, dass einige Schachfunktionäre gern an Geld für die Sportförderung kommen wollten und somit mußte Schach zu Sport erklärt werden. Einfacher wäre es zu argumentieren, dass Schach auf geistig, psychischem Gebiet zumindest das leistet, was Sport in physischer Hinsicht tut und somit ein eigenes Fördergeld beansprucht und entprechende Maßnahmen wie z. B. in östlichen Ländern seit Jahrzehnten.

Der Nutzen liegt also bei Funktionären in der Geldgewinnung und vor allem bei der "Dopingmafia", also Dopingärzten, Labors und alles was daran hängt. Für diese wird es ein Riesengeschäft, wenn sich alle Schachspieler Dopingtests unterziehen müssten. Deshalb findet jetzt auch verstärkt in den Medien, ausgehend von diesen Gruppen und sicherlich auch vom Fidepräsidenten, der seine Hände ja bei alen dubiosen Geschäften im Spiel hat,eine große Aktion statt, die Menschheit davon zu überzeugen, dass Schach ein Sport sei und die meisten fallen tatsächlich darauf herein.

 Zu allem Überfluss soll es noch als olympische Disziplin erklärt werden. Man stelle sich diesen Blödsinn einmal bildlich vor: die Sportler reisen an mit ihren Trainingsgeräten (Fußballschuhen, Hockeyschläger, Degen, Säbel, usw), bereiten sich körperlich auf die Wettkämpfe vor, wärmen sich vor den Kämpfen lange auf und erbringen dann körperliche Höchstleistungen in Laufen, Schwimmen,usw. Jeder kann sich alles gut vorstellen. Nun kommen die Schachspieler mit laptops, ruhen sich erst einmal aus, gehen gemütlich spazieren, rauchen ein Zgarettchen und trinken ein Bier, vor den Runden legen sie sich erst einmal 1 Stündchen hin, um sich bei dem anschließenden fünf- oder sechsstündigen Sitzen nicht zu überanstrengen.

Jeder normale Mensch, der sich dies einmal vorstellt, wird doch jeden für verrückt erklären müssen, der Schach für Sport hält. So wird Schach auch schon immer als Gegenteil von Sport in allen Bevölkerungsschichten und allen Ländern angesehen. Jeden den man fragt, ob Schach ein Sport sei und der nicht mit der verwirrenden manipulativen Diskussion vertraut ist, wird lachen und klar nein sagen .

Selbst GM betreiben Sport wie Fußball, Tischtennis, Joggen, usw als Ausgleich für ihre sitzende antisportliche Tätigkeit, um fit zu bleiben für ihre schweren geistigen Anstrengungen, die selbstverständlich auch Auswirkungen auf den Körper haben und daher eine gewisse körperliche Kondition erfordern. Dies trifft aber auch z.B. auf Managertätigkeit zu oder auf jemanden der längere Zeit geistig arbeitet, vielleicht stundenlang Kreuzworträtsel löst, was ja auch als "Denksport" bezeichnet wird. Auch langes Computerspielen strengt körperlich an. Niemand käme auf die Idee, hier von Sport zu sprechen.

Primär wird beim Schach der Geist und die Psyche gefordert, die im Körper starke Ermüdungserscheinungen auslösen. Umgekehrt lösen starke körperlich Anstrengungen auch psychische Erschöpfung aus und Sportler sind oft nach starken körperlichen Belastungen wochenlang ausgebrannt und leiden teilweise sogar unter Depressionen und Antriebslosigkeit.

Mein Aufruf an alle Verantwortlichen für diesen Unsinn: bitte denkt nach und lasst uns Schachspieler ganz einfach wieder Schachspielen und dies ohne Verdruss genießen wie schon seit hunderten von Jahren. Schach ist wirklich ein wunderbares Spiel, das schon viele Freude und Freunde geschaffen hat und sollte nicht durch die Profitgier gewisser einflußreicher Leute im "Schachestablishment" in Mißkredit gebracht werden und uns die Lust, Freude und Laune daran nehmen. Schach ist definitiv kein Sport im korrekten Sinne der Bedeutung des Worte Sport.

Klaus Künitz


Auch ich möchte mich an der Diskussion „Doping im Schach“ beteiligen und auf einen Bereich aufmerksam machen, der m.E. bisher noch zu kurz gekommen ist, durch die Ausführungen von Herrn Balló u.U. aber eine gewisse Brisanz beinhaltet: Die Kontrollierbarkeit des Sportlers!

In einem zweiten Abschnitt möchte ich den Themenkomplex „Verweigerung einer Dopingkontrolle“ anhand von Fragen an den DSB näher beleuchten.

Zu 1.) Kontrollierbarkeit des Sportlers/Spielers
Wie bitte stellt sich der DSB die Kontrollierbarkeit von 100.000 Sportlern vor? Sollen alle Spieler, die an Mannschaftswettbewerben teilnehmen, ein entsprechendes Tagebuch führen und Auslandsreisen anmelden? Wie viele Sportler machen sich dann durch ihre Anmeldungen verdächtig, da diese evtl. sehr kurzfristig erfolgt sind? Hat hier überhaupt irgendjemand daran gedacht, dass es hier nicht um Sportler, sondern um Amateurspieler geht, die „nebenbei“ auch einen Beruf haben und u.U. extrem kurzfristig auf Auslandsreise gehen müssen (oh, das ist kein Trainingslager!)?

Wie kann es angehen, dass sich keiner im DLV für meine Reisetätigkeit interessiert, obwohl ich an offiziellen (Lauf-)Veranstaltungen bis hin zum Marathon teilnehme, mir jedoch nun gemäß der Zusammenfassung von Herrn Balló eben exakt eine solche Pflicht durch meine Teilnahme an Mannschaftskämpfen beim Schach droht?

Entweder wird hier auf Chessbase (von wem auch immer) ein riesiger Popanz aufgebauscht, hinter dem nichts, aber auch rein gar nichts steht und auch nichts stehen kann. Oder der DSB verpflichtet sich hier in lächerlicher Weise zu einer Vorgehensweise, die nicht einmal in den von Doping bedrohten (oder soll man sagen „verseuchten“?) Sportarten durchgeführt wird.

Daher bitte ich hier um konkrete Aufklärung seitens des DSB (Herren Balló, Bedau, …):

1.) Wer ist mit der Personengruppe gemeint, für die Herr Bedau eine Kontrollschlüssel von 0,3 zugestanden hat? Die Gruppe derjenigen Sportler, mit denen Einzelvereinbarungen getroffen wurden oder alle Spieler, die an Mannschaftskämpfen teilnehmen? Eben nur für diejenige Gruppe (so jedenfalls mein bisheriger Informationsstand) ist die Kontrollierbarkeit außerhalb des Wettkampfes überhaupt relevant.
2.) Wie will der DSB die Kontrollierbarkeit von Amateurspielern handhaben?
3.) Ist es notwendig, dass ich als Schachspieler in Zukunft meine Reisetätigkeit anmelden muss? Wenn ja, ab welcher Liga? Muss ich mit einer Sperre rechnen, wenn ich die üblichen Vorwarnzeiten regelmäßig NICHT einhalte?
4.) Gibt es für unangemeldete bzw. sehr kurzfristig angesetzte (Auslands-)Reisen ebenfalls eine „Standard-Entschuldigung“, die ich mitführen oder dem DSB in regelmäßigen Abständen vorlegen muss – sozusagen analog der vom Arzt ausgestellten Atteste für Krankheiten, die die Einnahme von Dopingmitteln erlauben – erstellt durch meinen Arbeitgeber? Darf sich ein Selbständiger diese Entschuldigung dann selbst erstellen? In welchen Statuten ist das geregelt?

Ich hoffe, die Fragen 2.) – 4.) sind aufgrund der „richtigen“ Antwort auf Frage 1.) irrelevant.

Zu 2.) Verweigerung von Dopingkontrollen
Bisher habe ich für mich die Frage nach Dopingtests wie folgt beantwortet:
So unangenehm Dopingkontrollen sein mögen, wenn ich als Amateur an entsprechenden Veranstaltungen teilnehme, muss ich damit rechnen, dass ich kontrolliert werde, wenn ich das nicht will, muss ich den Veranstaltungen fern bleiben. Soweit ich mich auf DLV-Veranstaltungen befinde, habe ich mich damit abgefunden.

Dies erscheint mir jedoch für Veranstaltungen des DSB eher fragwürdig:
Warum soll ich mich einem Dopingtest unterziehen, wenn Herr Ivanchuk als Profi (!!) diesen auf einer Olympiade (!!!) UNGESTRAFT (!!!!) verweigern darf und sich darüber nicht einmal irgendjemand in der FIDE aufregt? Veranstalter war doch der DSB, oder? Welche Maßnahmen hat der DSB bisher unternommen:

Ist Herr Ivanchuk von jeglichen Veranstaltungen des DSB in Zukunft ausgeschlossen?
In wie fern haben Sie bisher Druck auf die FIDE ausgeübt, Herrn Ivanchuk zu sperren?
Wie stehen Sie nun zu Turnieren mit Teilnahme von deutschen Spielern, an denen auch Herr Ivanchuk starten wird?
Wie stehen Sie zu Spielern, die an Turnieren teilgenommen haben oder teilnehmen werden, an denen auch Herr Ivanchuk NACH
seiner verweigerten Dopingprobe teilgenommen hat oder teilnehmen wird? Dürfen diese in Zukunft noch an Veranstaltungen des
DSB teilnehmen?

Die Antworten auf diese Fragen stellen m.E. einen Lackmustest für Ihre Ernsthaftigkeit (und Sinnhaftigkeit) bei der Einführung von Dopingproben dar. Keine Antwort ist auch eine Antwort! Nehmen Sie Stellung! Nur eines Vorweg: Ein Rückzug auf rechtliche Winkelzüge der Art „anderer Verband“, „keine Einflußnahme möglich“, „keine rechtliche Verpflichtung gg. BMI“, „war doch vor dem 1.1.2009 und somit für Deutschland nicht relevant“, … wird Sie zumindest moralisch (evtl. auch rechtlich - zumindest vor einem Zivilgericht – aber das mögen Anwälte beurteilen) in eine äußerst schwierige Situation bringen, wenn Sie Dopingverweigerer bei Amateurveranstaltungen sperren wollen.

Jürgen Feiler
 


Nicht die Wirksamkeit von Intelligenzpillen u.ä. muss bewiesen werden, um Doping zu verbieten, sondern die schädlichen Nebenwirkung. Nur die negativen Auswirkungen können ein Verbot rechtfertigen, nicht die positiven.

Christian Vogel


In der Diskussion scheint mir eine gewisse Einigkeit darüber zu herrschen, dass aktuell kein Weg des Doping bekannt ist, der über längere Zeit funktioniert. Vor diesem Hintergrund stellt sich mir nicht die Frage danach, ob die Fairness sichernde Dopingkontrollen gemacht werden sollen, es stellt sich mir die Frage, ob ich Kontrollen über mich ergehen lassen will, die sinnlos sind. Mit anderen Worten: Kontrollen darauf hin, ob ich elektronische Hilfsmittel nutze, lasse ich mir gerne gefallen, sie sind ein Beitrag zur Fairness im Schach. Weder die NADA, noch der DSB oder gar der DOSB haben zur Zeit irgend eine Idee, wonach sie bei Schachspielern suchen wollen. Ändert sich das, dann bin ich gerne bereit, mich kontrollieren zu lassen.

In diesem Sinn muss ich auch Herrn Bastian entgegenhalten, dass weniger die Verweigerung das Thema ist, als vielmehr die Frage danach, ob eine Alternative zu etwas sinnlosem überhaupt gesucht werden muss. Nicht diejenigen sind in der Bringschuld, die nachfragen, ob hier das geprüft wird, was Sinn macht, sondern die, die sagen, dass auf diesem Weg betrogen wird sollten zumindest in der Lage sein, auch nur ein Beispiel anzugeben, wie sie diesen Betrug aufdecken wollen, wie der Betrug überhaupt durchgeführt werden könnte. Ändert sich das, haben also die ehrlichen Spieler die Gefahr vor Augen, Partien aufgrund von Doping statt spielerischer Leistung zu verlieren, so ändert sich mit Sicherheit auch die Akzeptanz der Kontrollen.

Solange dem aber nicht so ist, ist die Dopingkontrolle nicht mehr als ein grundloser Eingriff in meine Persönlichkeitsrechte.

Ralph Ottenburg


Mit einiger Verwunderung nehme ich zur Kenntnis, dass selbst Mediziner bestreiten, dass beim Schachwettkampf durch Medikamente Einfluss auf die Leistungsfähigkeit genommen werden kann. Es dürfte einsichtig sein, dass zu einem erfolgreichen Spiel/Schachwettkampf auch physische und psychische Stärke gehören, die durch die Einnahme von Hilfsmitteln günstig im Sinne des Schachspielers beeinflusst werden können.

So betrachtet macht eine Dopingkontrolle Sinn.

Auf der anderen Seite wird ein Schachspieler jedoch seine eigentliche Schachleistungsfähigkeit hierdurch nicht steigern können. Noch gibt es keine Tabletten, die einem Wissen in Eröffnung, Mittelspiel oder Endspiel verschaffen.Insoweit unterscheidet sich Doping beim Schach wesentlich von anderen Sportarten, bei denen unmittelbar die Leistungsfähigkeit im ausgeübten Sport gesteigert wird und damit der gedopte Sportler verdeckt, dass er eigentlich schlechter als der ungedopte Kollege ist. Durch Doping wird ein mittelmäßiger Schachspieler nicht besser als ein besser ausgebildeter oder begabterer Spieler.

So betrachtet ist m.E. schlicht pragmatisch abzuwägen, ob man hinnehmen will, dass ein Schachspieler keinen Leistungsverlust durch Erschöpfung/Nervosität o.ä. erleidet - also mit Hilfsmitteln seine volle Spielstärke bewahren kann  - oder ob der durch Verbot bedingte Leistungsverlust ein so wesentlicher Teil des Schachwettkampfes ist,  dass es im Sinne der Gerechtigkeit unerträglich  wäre, diese Hilfe zu dulden.

An dieser Stelle neige ich bereits dazu, dass im Vordergrund die schachliche Stärke stehen sollte - also vernachlässigt werden kann, ob jemand Wachmacher oder Beruhigungsmittel nimmt.

Ein weiteres Argument gegen Dopingproben sind die Bedeutung und die finanzielle Situation des Schachs. Dopingproben kosten bekanntlich Geld und verursachen Umstände.

Sollen tatsächlich nach Bundesligakämpfen mit weniger als 10 Zuschauern ( so am vorletzten Spieltag an beiden Tagen in Dresden erlebt), Ärzte oder sonstiges Hilfpersonal bestellt werden, die Urinproben nehmen? Muss dann demnächst die Rückreise so gebucht werden, dass ein Spieler nach der Höchstspielzeit noch 2 Stunden für eine Dopingprobe besitzt. Muss der Heimverein in Zukunft noch in den Etat die Kosten der Dopingproben einplanen - bei einer Liga, für die sich mutmaßlich nur in tausenden zu zählende Liebhaber interessieren.

Eine lächerliche Vorstellung !

So betrachtet gibt es gleich eine Vielzahl von Argumenten gegen Dopingproben im Schach. Da spielt es dann auch keine Rolle mehr, dass sowieso keine reale Chance besteht, dass Schach olympisch wird.

Dr. Hans Joachim Schneider


Mir wird in der jetzigen Diskussion das Doping zu sehr als Kavaliersdelikt dargestellt, als ob es da nur um Fairness, was ja ein sehr relativer Begriff ist, gehen würde. Für viel wichtiger halte ich aber die Gesundheitlichen Gefahren.

Als ich im Sommer ein Thema für meine C-Trainer-Arbeit gewählt habe, hätte da um ein Haar nicht "Bauernstrukturen" sondern "Doping und Drogen unter besonderer Beachtung des Schachs" gewählt. Wegen des Aufwandes und weil ich ja nicht immer auffallen muss, wurde letzteres verworfen. Es hätte jede Menge Zeit für Recherche und Interviews bedeutet, obwohl ich sicher eine Menge Sozialarbeiter, Ärzte und sogar Sportwissenschaftler kenne, ich also wahrlich nicht bei 0 gestartet wäre. Ich bitte, meine vielen unbewiesenen Behauptungen zu entschuldigen, hoffe aber, dass ich diese umgangssprachlich markiert habe.

Einige Gedanken

Der wissenschaftliche Ansatz wäre gewesen, dass der Körper über Hormone gesteuert wird. Das bedeutet, dass zu jedem hormonellen Stellrad im Körper mindestens ein Hemmer und ein Aktivator existiert somit ein Gleichgewicht existiert. Die meisten Doping- und Drogensubstanzen verändern dieses Gleichgewicht, sorgen also für eine Hormon(-gleichgewichts-)verschiebung. Ich hätte mich in der Arbeit auf diesen Aspekt beschränkt und hätte andere Wirkmechanismen nicht weiter untersucht. Beispielsweise hätte ich nicht recherchiert, ob das gezielte Ausschalten von neuronalen Funktionen durch niedrig dosierte Gifte wie Alkohol oder bestimmte Kräuter und Pilze im Endeffekt auch auf Hormonverschiebungen projiziert werden könnte (wahrscheinlich nicht).

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass der Körper von selbst in der Lage ist, ein vernünftiges Gleichgewicht zu wählen. Und weil eine gute Leistungsfähigkeit des Gehirns sicherlich ein evolutionärer Vorteil ist, muss es schwerwiegende Gründe geben, warum wir nicht noch besser denken können.

Meine Vermutung ist, dass wer an diesen Gleichgewichten herumschraubt, ähnlich wie ein zu ehrgeiziger Autotuner eine Schädigung des Mototor bzw. Denkorganes riskiert. Zusätzlich würde bei regelmäßiger Dopingeinnahme das Hormongleichgewicht beim Absetzen unweigerlich in die andere Richtung pendeln.

Entsprechend hätte ich mir in der Arbeit herausgenommen, GM Timman für seine Aussage zu kritisieren, dass er "intelligenter machende Mittel" sofort nehmen würde. Beispiele von Hormonverschiebungsmissbrauch in anderen Sportarten sind schlimm genug. Ob es ehemalige DDR-Athletinnen mit männlichen Körpern und Nierenversagen sind oder tot zusammengebrochene aufgeputschte Radsportler in den 60ern und 70ern. Ein nicht ganz so dramatisches ober sehr wohl abschreckendes Beispiel sind manche Fussballer der 80er Jahre. Durch Captagon waren die Spieler 90 Minuten aggressiv und nicht müde zu bekommen. Die Müdigkeit haben die dann die nächsten Tage über nachgeholt und trotzdem wurde dadurch sicherlich auch der Körper geschädigt. Ein recht harmloses Beispiel sind Lightprodukte, die natürlich auch zur Insulinproduktion anregen und damit auf längere Sicht zu Eßstörungen führen können.

Im Schach kann ich mir 3 Bereiche vorstellen, in denen man eventuell Nachhelfen könnte.

Anregung der Aktivierung bzw. Neubildung von Gehirnzellen

Ich habe Artikel gelesen, in denen davon ausgegangen wird, dass auch Gehirnzellen nachwachsen und gehe inzwischen auch selbst davon aus. Eine Wachstumsstimulation sollte auf alle Fälle das Krebsrisiko steigern, aber auch Wesensveränderungen durch seelische Krankheiten kann ich mir bei einem solchen Eingriff (Aktivirung oder Neubildung) ins Gehirn gut vorstellen.

Depressionen bis hin zur Schizophrenie oder geistige Umnachtung für ein paar Elopunkte riskieren? Ein grauenhafter Gedanke.

Steigerung der Aufmerksamkeit - das Gegenteil von Betablockern

Normalerweise arbeiten alle Organe, auch das Gehirn, weit unterhalb der möglichen Kapzität. Eine Eigenschaft von guten Sportlern war es von jeher, im entscheidenden Moment mehr abrufen zu können. In außergewöhnlichen Situationen, z.B. Notsituationen, ist jeder Körper leistungsfähiger.

Diesen Modus im Sport künstlich zu unterdrücken kann nicht gut sein. Es geht also darum, den Puls nicht künstlich wieder auf 120 oder gar 80 zurückzufahren, sondern einen leistungsfähigen Körper zu haben, der mit einem Puls von 160 oder gar 180 eine bestimmte Zeit umgehen kann. Ich könnte mir vorstellen, dass es Mittel gibt, die bei der Adrenalinausschüttung im richtigen Moment helfen. Hier sollte auf alle Fälle manipuliert werden können, dass man künstlich aufmerksamer ist.

Steigerung der Kondition

Ich habe es selbst schon hinter mir, dass ich eine gewonnene Stellung nicht nach Hause gespielt habe, weil ich konditionell abgebaut habe. Meinen Gegnern ist das natürlich auch schon passiert, dass die nach 4 Stunden regelrecht kollabiert sind.

Mir fallen dabei zuerst 2 verdächtige Größen, die bei Mangel die Leistungsfähigkeit herabsetzen und die in fast jeder Sportart wichtig sind.

Sauerstoff und Glukose. Sinkt der Sauerstoffgehalt, findet keine saubere Verbrennung der Glukose mehr statt, habe ich irgendwann mal gehört. Sollte dies ein Problem darstellen, könnte sogar EPO ein Mittel sein. Bei einem halbwegs trainierten Menschen sollte aber die Sauerstoffaufnahme nicht das schwächte Glied der Kette sein. Trotz allem hat man während einer Schachpartie erhöhte Atemaktivität.

Bei der langen Zeit, die das Gehirn mit Energie versorgt werden muss, kann ich mir natürlich gut vorstellen, dass man da manipulieren kann. Aber ich vermute, dass auch hier kein Flaschenhals vorhanden sein muss. Ein gut verstandener und trainierter Stoffwechseprozeß sollte in der Lage sein, genug Energie bereitzustellen. Ein interessanter Anfang könnte z.B. hier liegen (man beachte den ersten Satz :-) ): http://www.dr-moosburger.at/pub/pub023.pdf

Dann bleibt als Flaschenhals also doch nur das Gehirn (als beanspruchter Muskel) mit seinen anderen "Verbrauchsmaterialien". Sofern es Substanzen gibt, die der Körper selbst bilden muss, wäre auch hier das Anstoßen der Produktion durch das entsprechende Hormon denkbar. Man kann aber sicherlich durch normales Training von Geist und Körper mit einfacher Nährstoffzuführung, was ja legal ist und bleibt, auch ein sehr hohes Niveu erreichen.

Ausblick

Ich hoffe, dass das Thema Doping demnächst etwas negativer dargestellt wird.

Jeder Mensch, der aus gesundheitlichen Gründen auf Hormonpräparate angewiesen ist und sich damit beschäftigt hat, würde bestimmt gerne darauf verzichten.

Und dann gibt es Leute, die sowas freiwillig ohne Grund nehmen. Sowas sollte auf keinem Fall gesellschaftlich akzeptiert sein.

Dass man Dopingkontrollen trotzdem auf einem vernünftigen durchdachten Niveau halten sollte, möchte ich auch noch erwähnen. Um Manipulationen mit Fremd- oder älterem Eigenurin zu vermeiden, müssen die Genitalien bei einer Dopingkontrolle weiträumig freigelegt werden die Sportler werden beim Pinkeln natürlich beobachtet. Das ist schon für Leichtathleten, die meist auch modeln könnten, ein sehr unangenehmer Vorgang. Was soll da ein Mann oder eine Frau mit etwas Übergewicht und 40 Lenzen sagen?

Ein durchdachtes Konzept, das Kontrollen nicht ausufern lässt, nur um dem IOC zu gefallen, ist gefragt. Aber Kontrollen und gesellschaftliche Ächtung von Doping müssen meiner Ansicht nach sein.

Falk Petigk


Eine Immergrüne, gespielt in Sperrejahren?

Vor der Analyse ein Gefühlsausbruch:

Pharmakonzerne, freut euch nicht zu früh! Wahre Meisterinnen und Meister werden sich zur Leistungssteigerung weder Eigenblut spritzen noch ambivalent wirkende Stoffe einnehmen. Eher meiden sie künftig Verbrennungsmotoren und Feinstaub, als dass sie den Versprechen des Neuro-Enhancing trauen.

Jene Organisatoren, die ohne Verständigung mit den Aktiven, ja selbst ohne hinreichende Klärung praktischer und juristischer Fragen die Dopingkontrolle ins Schachleben einführen, möchte man an den Schultern packen und durchrütteln: Welcher Teufel hat euch geritten? Statt der Öffentlichkeit das Wesen des Schachs näher zu bringen, unterstellt ihr ohne Anlass eine reale Gefahr des Wirkstoffbetrugs im Schachwettkampf und setzt die Würde eines Kulturzweigs aufs Spiel! Und dann dreht einer von euch den Spieß um, spricht von gesellschaftlichem Interesse und unterstellt Kritikern Individualismus! Dies auch gegenüber einem so verdienstvollen Angehörigen des Deutschen Schachbundes wie Großmeister Hübner, der auf einen gefährlichen Prozess in der Gesellschaft aufmerksam macht. (Zumindest er darf eine Entschuldigung erwarten.) Vielleicht das Erstaunlichste angesichts eines historischen Einschnittes: Obwohl die Dopingkontrolle Anfang 2009 einsetzen soll, erhält die Schachwelt bisher keine Erklärung zum Beschluss der jüngsten Hauptversammlung:

Wer hat ihn gefordert? Wie wird er begründet? Welche Vorstellungen vom Schach liegen ihm zugrunde?

Wurden Hirnforscher und Ärzte konsultiert?

Geriet der DSB in eine (vermeintliche) sportpolitische Zwangslage?

Welche Argumente wurden auf der Hauptversammlung ausgetauscht?

Welchen Aktivenkreis soll die Kontrolle betreffen? Wie weit greift sie in den Lebens- und Arbeitsrhythmus und die Privatsphäre ein? Welche Strafe ist im Fall verweigerter Unterwerfung vorgesehen? Wie ist zu verhindern, dass sich abstrakte Rechtsprechung in Unrecht verkehrt?

Nun besorgt, aber ohne Zorn zur Sache.

1. Athletensport, Schach und die Olympischen Spiele

Wenn ich es richtig verstehe, steht der DSB-Beschluss im Zusammenhang mit dem Bestreben der gegenwärtigen FIDE-Führung, Schach zum Bestandteil der Olympischen Sommerspiele zu machen. Unklar ist, inwieweit der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) angesichts seiner Definition von Sport, die Schach ausschließt, diesen Wunsch unterstützt. Wenn sich der IOC-Präsident, wie zu hören ist, distanziert verhält, so meines Erachtens keineswegs nur aus organisatorischen Gründen. Möglicherweise ist er mit Schach gut vertraut und achtet seine eigenständigen Traditionen. Mit Sicherheit aber versteht Jacques Rogge, dass Schachkämpfe eine andere Art des Kontaktes mit dem Publikum verlangen als athletische Wettbewerbe. Da Schach ein viel tieferes, angestrengteres und anhaltenderes Mitdenken fordert, eignet es sich wenig für bloßes Zuschauen und Schau-Berichterstattung. Es mag durchaus interessant sein, die äußeren Regungen der Partner am Brett zu beobachten. Entscheidend aber ist nun einmal das Unsichtbare, das sich in ihren Köpfen abspielt und als Resultat in der Figurenbewegung hervorscheint. Dieses äußerlich nicht allzu reizvolle Geschehen bietet dem IOC kaum Chancen, den Vermarktungsgewinn der Olympischen Spiele weiter zu steigern. Wenn die FIDE und angeschlossene Verbände dennoch mit der Einführung von Dopingkontrollen Schach als reif für die Sommerspiele erscheinen lassen möchten, so ist das mit großer Wahrscheinlichkeit vergebliche Mühe.

Umso mehr, als Athletensport und Schach unterschiedlichen Sinn haben. Dabei geht es keineswegs nur um die verschiedene Gewichtung des körperlichen Einsatzes (auch beim Schachkampf arbeitet der gesamte Organismus mit).

Leicht- und Schwerathleten vollbringen außergewöhnliche Leistungen. Im Beifall für ihre Rekorde feiert sich die Menschheit: Da unsere Fähigkeiten in vielerlei Hinsicht den Möglichkeiten anderer Lebewesen nachstehen, stärken grenzüberschreitende athletische Triumphe unser Selbstbewusstsein. Diese Taten wie auch Leistungen in anderen athletischen Disziplinen (vielleicht mit Ausnahme von Ansätzen der ballettnahen Eislaufkür) bedeuten allerdings nicht, dass der Athletensport bleibende Werke schafft – man lese bitte nicht: Werte.

Wenn Siegbert Tarrasch feststellte: „Der eigentliche, feinste Reiz des Schachspiels liegt darin, dass man dabei geistig produktiv ist“, so ist dieses Produktiv-Sein wörtlich zu nehmen. Schachmeister schaffen Werke. Zug um Zug verzahnen die miteinander kämpfenden Partner ihre Argumente zu einem reproduzierbaren Ganzen. (In seinem schachlichen Testament „Wie Wanja Meister wurde“ vergleicht Emanuel Lasker das Schachspiel mit dem Redestreit.) Das Werk kann zu „Abfall“ geraten. Aber oft erweist es sich, ungeschädigt von Blackouts, für tausende oder Millionen Menschen als nachspielenswert. Und in Sternstunden entstehen Meisterstücke, die noch Jahrhunderte später Genuss bereiten und begeistern, seien es Shortstorys oder Dramen in fünf Akten.

Man mag gewisse Analogien zwischen Schach und athletischen Zweikampf-Sportarten (Boxen, Ringen) oder Mannschaftsspielen bemerken; Fussballreporter sprechen von „Rochade“ und fälschlich von „Rasenschach“; man kennt den „Angriff auf beiden Flanken“ und den „Durchbruch im Zentrum“ nicht nur beim Schach. Aber die Gemeinsamkeiten berühren nicht den Wesenskern des Schachs. Sein werkschaffender Aspekt warf bekanntlich sogar urheberrechtliche Fragen auf – siehe die erwähnte Erzählung Laskers und Anläufe Hübners. Beim Athletensport war davon nie die Rede; hier ist offenbar der Spielraum für Schöpfertum begrenzter. (Am weitesten gespannt ist er wohl beim Turnen und bei Künstlerischer Gymnastik. Bei Ball- und Puckspielen erscheint er manchem ungeachtet von Trainerintelligenz und Spielwitz nervend eng.)

Mit dem werkschaffenden Charakter des Schachs ist eine weitere Besonderheit verbunden. Wie Athleten trainieren auch Schachmeisterinnen und -meister vor dem Wettkampf. Aber sie tun mehr: sie forschen. Sie erschließen ständig neue Wege der Auseinandersetzung auf den 64 Feldern – ein Ende ist vorerst nicht abzusehen. Sie suchen Initiative versprechende Ideen für Eröffnung und Mittelspiel und lösen ungeklärte Endspielfragen. Falls sportartspezifische Forschung das Training der Athleten begleitet, so ist der Sportler hieran nicht unbedingt persönlich beteiligt. Der ernsthafte Schachkämpfer befindet sich hingegen in einem unablässigen Erkundungs- und Schöpfungsprozess, annähernd vergleichbar mit dem Schaffensprozess eines Schriftstellers oder der Arbeit des Wissenschaftlers. Dabei ist es zweitrangig, ob sich ein Großmeister auf Computer und Helfer stützt – ohne eigenes Schöpfertum keine stimulierende Freude und kein dauerhafter Erfolg.

(Dass neben das beschriebene Erkunden – Hübner nennt es Problemlösen – in einem entwickelten Land philosophische, kulturhistorische, pädagogische, trainingsmethodische und medizinische Schachforschung tritt, versteht sich. Einen Einblick gewährte in den 80er und 90er Jahren die Rubrik „Schachakademie“ der Zeitschrift „Schach“.)

Fazit: Schachspieler und Athleten (weibliche Wortformen mitgedacht) mögen sich im Olympischen Dorf gut vertragen, ein enges Beieinander beim Wettkampf aber brächte vermutlich keiner Seite Gewinn. Auch dem Publikum nicht. Der Sinn ihrer Betätigung und ihre Beziehung zum Publikum sind zu verschieden – sie leben nicht auf demselben Stern und atmen nicht dieselbe Atmosphäre.

2. Ist Schach Sport?

Auf einem anderen Blatt steht die Frage, ob Schach Sport ist. Sie erledigt sich natürlich nicht mit dem Verweis auf die DOSB-Definition. Mir gibt zu denken, dass Lasker im erwähnten „Testament“ zu Schachfragen das Wort „Sport“ lediglich im Kontext mit Athletik und einer Moskauer Örtlichkeit verwendet. Dennoch: Da „Sport“ auch schlicht ein System von Wettkämpfen bedeutet, habe ich mich bisher durchaus (auch) als „Schachsportler“ gefühlt und ansatzweise entsprechend zu leben versucht.

Jacques Mieses sah im Schach „nur dem Namen nach ein Spiel“: „in der Bedeutung seines geistigen Inhalts ... erhebt es sich zur Höhe künstlerischer Betätigung.“ Er begründete dies ähnlich wie Botwinnik im Essay „Ist Schach eine Kunst?“, die den Gegenstand der (angenommenen) Schachkunst zu bestimmen suchte. Zugleich betonte Mieses:

„Nun hat das Schachspiel noch eine zweite Seite, und zwar eine solche, die mit der Kunst gar nichts zu tun hat. Das Schach ist ein Kampfspiel; es gilt, einen Gegner zu besiegen, und dieser Kampf muss natürlich durch gewisse Gesetze und Vorschriften geregelt sein. Die Kämpfe der Schachmeister in der modernen Form der Turniere und Matche haben daher notwendigerweise einen durchaus sportlichen Charakter angenommen. Der Künstler kann arbeiten, wann und solange er dazu aufgelegt ist. Der Schachmeister muß, gleichgiltig, ob in guter oder schlechter Verfassung, am festgelegten Tag antreten und die ganze Partie hindurch in jeder Stunde eine vorgeschriebene Anzahl von Zügen machen. Und wird er eher müde als sein Gegner, so beweist dies nur, dass er weniger ,Stehvermögen’ als dieser besitzt, also sportlich der Schwächere ist. Mit einem Wort: Das Schachspiel stellt eine Vereinigung von Kunst und Geistessport dar.“ (Der hier zitierte, nach wie vor aktuelle Artikel „Amateur und Berufsspieler im Schach“ ist nachlesbar bei H. Wieteck: Meister Mieses. [...] Ludwigshafen 1993.)

Aus dieser Sicht verdient Schach Sportförderung, und dies selbstverständlich auch dann, wenn es seine eigene „Olympiade" behält.

3. Müsste der Schachspieler gegnerische Stimulation fürchten?

Bleibt noch die interessante Frage Robert Hübners: Muss ich es als unsportlich, als Erschleichung eines unzulässigen Vorteils ansehen, wenn sich der Gegner in möglichst gute Verfassung bringt? Er verneint die Frage, weil es ihm um die Qualität der Partie zu tun ist und er aus ihr lernen möchte.

Ich stimme ihm zu, vorausgesetzt, die benutzten Mittel und Verfahren dienen dauerhaft der Gesundheit. Enhancer dürften kaum hierzu gehören. Wer sich’s leisten kann, nimmt wie Kasparow Kaviar. Die Hauptsache ist freilich zurzeit, das Übel verbrauchter Luft in Wettkampfstätten zu beenden. Wohlklimatisierte, augenfreundliche Schach-Kulturhäuser in Deutschland, für Jung und Alt, Amateure wie Berufsspieler, Mannschaftskämpfe und Turniere, für Außenstellen der Schachakademie und für Foren zu Verbandsbeschlüssen – wäre das nicht eine Idee fürs Krisenprogramm der Regierung?

Zum Schluss ein Gruß von Leipzig nach Österreich. Vielleicht, liebe Frau Galambfaly, wird dereinst ein Vermerk zu einem Partieabdruck an den Beginn des 21. Jahrhunderts erinnern:

„Eine immergrüne Partie, gespielt in Sperrejahren“.

Viel Freude am Schach in kafkaesker Zeit! Das Spielen kann man ja niemandem verbieten, und einer „Sauberen“ schon gar nicht!

Dr. Gottfried Braun
Deutscher Seniorenmeister 1995


„Olympia mit Schach – Schach mit Dopingkontrollen?“ so betitelte ich in SACHSENSPORT Nr. 02/2002 Teil 2 einer dreiteiligen Artikelserie in Vorbereitung auf den Jubiläumskongress des DSB 125 Jahre nach dessen Gründung 1877 in Leipzig.

Doping im Schach hatte ich dabei eigentlich mehr als publikumswirksames Kuriosum mit eingefügt, ohne im mindesten zu ahnen, dass es sich zu einem wirklich ernsten Problem ausweiten könnte, noch nachdem alle Olympia-Illusionen zerstoben sind. Letztere haben mit der Unterwerfung der FIDE unter die Doping-Regularien des IOC für eine unliebsame Hinterlassenschaft gesorgt, die nunmehr zum Störfaktor im normalen Spielbetriebsalltag zu werden droht.
Was die mögliche Wirksamkeit von „Hirndoping“ mittels Psychopharmaka angeht, teile ich – auch in meinem besagten Artikel - den skeptischen Standpunkt von Dr. Helmut Pfleger, der eine solche bezweifelt.
Mein heutiger Beitrag zum Thema zielt jedoch in eine ganz andere Richtung: Die neuerdings immer wieder gern wiederholte Behauptung, ein wirksames Doping im Schach sei während einer Schachpartie der unerlaubte Einsatz von Computern mit leistungsfähigen Schachprogrammen bzw. der Zugriff auf deren Dateien, ist eine oberflächliche Gedankenlosigkeit. Ein einmal in die Welt gesetzter Gedanke ist bekanntlich nicht so leicht totzukriegen, wie falsch er auch sein möge. Unerheblich ist dabei auch, wie prominent derjenige war oder ist, der dafür verantwortlich zeichnet. Die Oberflächlichkeit besteht darin, das Mittel Doping mit seinem gewünschten Zweck gleichzusetzen, der in einer unfairen (aber nicht als solche erkennbaren!) Leistungssteigerung besteht.

Wohl ist es wahr, dass mit Computerhilfe während der Partie eine unfaire Leistungssteigerung erzielt werden kann, aber Doping im Sinne der körperlichen Eigenmanipulation wäre das längst noch nicht, sondern eben nur der Einsatz unerlaubter Hilfsmittel! Oder wäre es etwa Doping, wenn ein Radsportler einen miniaturisierten Hilfsmotor (z.B. auch noch mit einer unerschöpflichen Atombatterie!) ins Tretlager seines Rennrades einbauen ließe, um steile Anstiege besser bewältigen zu können? Oder wenn ein Hochspringer mit extrastarken und künstlich federnden Schuhsohlen anträte, die einen spürbaren Zugewinn an Sprunghöhe garantieren? Letzteres hat es schon gegeben, ebenso wie das verbotene Vorheizen von Schlittenkufen, aber Doping wäre das alles eben nicht, wenn auch im Wettkampf verboten, obschon als Trainingsgerät oder -methode nicht zu verbieten! Genauso wie das Nachlesen in Schachbüchern während einer Partie schon immer verboten war, zu Hause beim Training aber eher Pflicht ist.

Und hier komme ich zum Kern dieser Erkenntnis: Was im Sportwettkampf als Doping verboten ist, ist dort auch im Training verboten, daher gibt es dort eben auch Trainingskontrollen.
 
Wäre aber Computerhilfe Doping im Schach, müsste man es dann doch auch im Training verbieten! Spätestens hier merkt doch wohl der letzte Leser, dass da etwas aus dem Ruder zu laufen beginnt. Denn in der Endkonsequenz dieser absurden Gedankenkette sollte dann wohl ChessBase seine Aktivitäten lieber ganz schnell einstellen, ehe die Firma gar noch als vermeintliches oder mutmaßliches Dopinglabor im Auftrag des Schachbundes von Staatsanwälten heimgesucht wird...

Für die Qualität des Weltschachs wäre dies zwar eine Katastrophe, aber nicht für den IOC-Präsidenten und seine nationalen Erfüllungsgehilfen, sondern vielleicht sogar ein weiterer Schritt in Richtung zum angestrebten „sauberen Sport“.

Die Klarstellung und gegenseitige Abgrenzung der Begriffe Doping, Einsatz unerlaubter Hilfsmittel und unfaire Leistungssteigerung ist durchaus keine Wortklauberei, sondern dient einem sehr praktischen Zweck. Auf die Frage von Außenstehenden, ob es denn im Schach auch Doping gäbe, darf man als Schach- und Sachkundiger eben nicht mit „Na ja, wenn...“ antworten, sondern wahrheitsgemäß nur mit einem klaren „Nein! Gibt es nicht!“. Denn jegliches „Na ja, wenn ...“ oder auch „Ja, aber nur elektronisches Doping!“ würde doch nur die Fortschreibung eines für den Schachsport gefährlichen Missverständnisses bedeuten.

Solange es technisch noch nicht machbar ist, sich einen Mikrochip ins Hirn implantieren zu lassen, der für starke Schachzüge sorgt, gibt es übrigens auch noch kein „elektronisches Doping“ im Schach, möchte ich als Schlussbemerkung noch anfügen.

Burkhard Starke


Herr Gerd Lorscheid schreibt: Man sollte mit den Dopingproben bei den Senioren (WM) beginnen. Entweder ist dieser Herr ein Spaßvogel oder er meint das ernst, dann ist sein Zynismus der älteren Generation gegenüber unerträglich. Ich kenne keinen Senior (Schachspieler) in meinem Freundeskreis, der nicht gegen z.B.: Zucker, Cholesterin, Blutdruck ect. nicht irgendein Medikament nehmen muss. Die würden dann alle wegen Dopings überführt u. könnten dann ihr liebstes Hobby nicht mehr tätigen. Solchen Meinungen gehört ernstlich widersprochen.

Allen die mit Freude Schach spielen wünsche ich ein frohes Fest u. ein Prosit 2009 ohne Belästigung von Dopingjägern.

Hubert Koller


Mit einen Lächeln auf dem Gesicht lese ich die ganzen Beträge zum Thema Doping und Schach. Hexenjagd? Man weiss nicht ob man lachen oder weinen soll. Denn ich sehe das Problem nicht, wenn doch keiner Dopingsubstanzen im Schach braucht, warum hat er dann Angst vor Kontrollen? Schach will als Sport anerkannt werden, dann sollen sich diese "Sportler" doch bitte auch als solche sehen und verstehen und nicht sofort eine Extrawurst gebraten bekommen wollen! 

Witzig finde ich auch folgendens :

"Auch der Fall Ivanchuk sei kurios. Der Ukrainer wurde zur Dopingkontrolle eingeladen, nachdem er gerade eine Partie verloren hatte. "Was wollte man ihm beweisen?", fragt Gerd Lorscheid."

Dann frag ich einfach mal zurück wie viele Silber-, Bronze- oder "keine"- Medaillengewinner schon gedopt erwischt wurden? Doping ist keine Sieggarantie, da hat der Herr Lorscheid wohl was falsch verstanden.

Jonas Hoffmann


In diesem Punkt möchte ich mich der Meinung von Ludger Keitlinghaus anschließen, und somit Dopingkontrollen im Schach eindeutig befürworten. Nur weil im Schach bisher, zumindest konnte es nicht nachgewiesen werden, kein Gebrauch davon gemacht wurde, ist diese Maßnahme nicht sinnlos.

Das Beispiel Kramnik macht gesamte Problematik, auch hinsichtlich der Defintion von Herrn Dr. Hübner deutlich. In der 5. Partie der WM 2008 unterläuft besagtem Kramnik mit 29. Sxd4 ein für einen Spieler von 2700+ grober Rechenfehler, der auch von einem Kramnik-Befürworter Jan Gustafsson, kritisiert wurde.  Sollte nicht nur dieser Fehler sondern auch die meisten Patzer von Spielern mit einer ELO-Zahl über 2500 auf physische Schwächen zurückzuführen sein, so beweist dies zum einen, dass hier Doping im Gegensatz zum Radsport nicht zur Anwendung kam, zum anderen dass bei Schachspielern erhebliche physische Defizite bestehen (Laktat-Werte), die zu Fehlern wie in der 5. Partie der WM 2008 führen. Anands Verlustpartie bei der WM 2008 ist der gleichen Kategorie zuzuordnen.


Vergleicht man vor diesem Hintergrund den WM-Kampf 2008, mit nachfolgender Vertragsauflösung Kramniks mit seinem Manager (vielleicht wegen Bonn als Austragungsort), mit dem WM-Kampf Kramnik-Topalov, so muss hier unter Hübnerschen Dopingdefinition (elektronisches Doping, sprich Zuhilfenahme von Computern) der Fall vielleicht einer erneuten Betrachtung unterzogen werden. Denn ist Bonn geriet Kramnik bereits nach 6 Partien mit 0:3 in Rückstand und machte während des gesamten Wettkampfs einen nahezu hilflosen Eindruck, obwohl von den meisten Experten ein ausgeglichener Wettkampf erwartet wurde. In Elista gegen Topalov sah es hingegen ganz anders aus, da nahm Kramnik sogar einen kampflosen Verlust in Kauf.


Deshalb komme ich zu dem Ergebnis, dass die physischen Aspekte im Schach eine größere Beachtung verdienen sollten, auch wenn die meisten Schachspieler dies bisher dies bisher verneinen werden. Hier liegt ein Potential brach das bisher nicht ausgeschöpft wurde, obwohl der DSB dies in seinem RTP ausdrücklich erwähnt, da dort von Ausgleichssport die Rede ist.

Vielleicht sollte man statt Dopingproben die Laktate-Werte von Schachbundesligaspielern nehmen, und diese mit Leistungssportlern anderer Sportarten vergleichen, damit jedem deutlich wird, ´wie groß die physischen Defizite von Schachspielern gegenüber anderen Sportlern sind.

R. Suntrup


Chemisches Doping mit kleinen Leistungssteigerungen mag es geben. Natuerlich ist das reine Definitionssache, denn Kaffee kann ja auch munter machen (Neurodoping im Sinne einer Intelligenzsteigerung halte ich allerdings fuer Science-fiction; der Artikel in der SZ ist m.E. wenig ueberzeugend und sagt eigentlich nur aus, dass viele Leute in Panik zu Medikamenten greifen, weil sie offenbar ueberfordert sind). Aber wenn man den verbietet, sollte man dann das Kopf-unter-den-Wasserhahn-halten bei Muedigkeit als physikalisches Doping bezeichnen, etc.? Natuerlich ist das Problem Doping eher fuer das Profischach interessant. Allerdings spielen ja z.B. bei Open-Turnieren auch Amateure gegen Profis und Halbprofis, so dass das ganze verschwimmt. Der Fall Allwermann hat mir schon grosse Sorge bereitet, denn es mag ganz viele von ihm geben, die sich nicht so daemlich anstellen und demnach auch nicht so leicht zu ueberfuehren sind. Jeder, der auch nur ein wenig vom Schach versteht, weiss, dass das Betruegen mit Computern viel realistischer ist als mit irgendwelchen dubiosen Mitteln, die zweifelhaften Nutzen haben, aber moeglicherweise die Gesundheit beeintraechtigen. Hier muss man wohl in Zukunft mehr kontrollieren, was die Schachspieler ziemlich nerven und folglich das Schachspiel auf Turnierniveau weniger attraktiv machen wird. Ich sehe dazu keine Alternative, leider ... Ansonsten, denke ich, hat Matthias Budzyn Recht mit seinen Ausfuehrungen.

Naja, vielleicht bleibt ja zumindest das Blitzschach sauber; da hat man fuer Betruegereien mir dem Rechner einfach keine Zeit.

Jan Schoepe


Schach unterscheidet sich grundsätzlich von anderen Sportarten, in denen körperliche Leistungen gefragt sind. Die von der NADA praktizierten Dopingtests bei Schachspielern sind deshalb vollkommen unsinnig und geradezu lächerlich.

Fehlendes Schachverständnis kann man nicht durch die Einnahme von Medikamenten plötzlich erlangen. Die einzige Form von Doping, die beim Schach unterbunden werden muß, ist der Gebrauch von elektronischen Hilfsmitteln (Schachprogrammen). Dafür aber sind die NADA-Dopingtests nicht ausgelegt.

Christoph Schroeder, Hamburg


Veröffentlichung am 26.12.2008:


"Schachbund am Scheideweg" - die Dopingdiskussion
Auch über die Weihnachtsfeiertage hat die Diskussion um den ab 1.1.2009 vom Schachbund eingeführten Anti-Doping-Code der NADA die Schachfreunde bewegt. Einige weitere Leserbrief wurden eingesandt, in denen verschiedene Aspekte des Themas ganz unterschiedlich beurteilt werden. Grob unterteilt kann man drei Lager ausmachen: Manche Schachfreunde sind davon überzeugt, dass Doping auch im Schach möglich ist. Sie glauben, dass "Intelligenzpillen" - derzeit auch ein Modethema in den Medien - auch im Schach leistungsfördernd einsetzbar wären. Dopingkontrollen seien daher notwendig und richtig. Eine andere Gruppe hält das für Unsinn und beurteilt die Dopingkontrollen, die ja gerade nicht auf "Intelligenzpillen", sondern vor allem die klassischen Aufbaumittel für Kraft- und Ausdauersportler testen, als überflüssigen Eingriff in die Privatsphäre. Eine dritte Gruppe möchte in Ruhe Schach spielen, ganz egal ob Schach nun Sport ist oder nicht. Mit seinem sehr ausführlichen und Beitrag "Schachbund am Scheideweg" , den wir wegen seines Umfangs extra als pdf-Datei zum Anklicken anbieten, bringt Harald Balló viele neue Sachinformationen in die Diskussion ein. Als Mediziner und Präsident des hessischen Schachbundes hat Dr. Balló sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt und war an der Entscheidungsfindung des Deutschen Schachbundes zumindest am Rande beteiligt. Dr. Balló weist daraufhin, dass es keinerlei Nachweis für die Wirksamkeit von "Intelligenzpillen" oder "Konzentrationspillen" im Schach gibt. An der Art der Durchsetzung des Beschlusses im DSB übt er z.T. scharfe Kritik und hält den Beschluss selbst für eine "charakterlose Erfüllungspolitik" zum Nachteil der Mitglieder des DSB. Stattdessen hätte der DSB die Sonderrolle des Schach innerhalb der Sportbewegung herausstellen sollen.

"Schachbund am Scheideweg"...

 

 

 

 



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