Magnus Carlsen – Eine Schachkarriere

von Johannes Fischer
30.11.2018 – Heute, am 30. November 2018, feiert Magnus Carlsen seinen 28. Geburtstag. Unbeschwert, als Weltmeister, denn zwei Tage zuvor, am 28. November 2018 verteidigte er seinen Titel beim WM-Kampf gegen Fabiano Caruana durch einen 3-0 Sieg im Stichkampf. Schon jetzt gilt Carlsen als einer besten Spieler aller Zeiten. Ein paar Zahlen zeigen, wie eindrucksvoll seine Karriere verlaufen ist. | Auf dem Foto: Magnus Carlsen im ChessBase Büro | Foto: Nadja Wittmann

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Magnus Carlsen: Höhepunkte einer Schachkarriere

Magnus Carlsen wird am 30. November 1990 in Tonsberg, Norwegen, als zweites Kind von Henrik und Sigrun Carlsen geboren. Schach spielen lernt er im Alter von fünf Jahren, ernsthaftes Interesse am Schach zeigt er mit neun. Schon bald eilt er von Erfolg zu Erfolg. Jahr für Jahr.

1999 Carlsen spielt sein erstes Schachturnier.
2000 Carlsen wird Norwegischer Meister U11.
2001 Der 10-jährige Carlsen nimmt im September für den norwegischen Verein Asker SK an Europäischen Mannschaftsmeisterschaft teil.
2002 Carlsen wird bei der Weltmeisterschaft U12 Zweiter.
2003 Im August wird Carlsen der IM-Titel verliehen.
2004 Von Januar bis April holt Carlsen drei GM-Normen und wird im Alter von 13 Jahren, 4 Monaten und 27 Tagen Großmeister - hinter Sergey Karjakin war er damals der zweitjüngste Großmeister aller Zeiten.
2005 Carlsen wird beim World Cup Zehnter und qualifiziert sich für das Kandidatenturnier 2007.
2006 Zusammen mit Alexander Motylev gewinnt Carlsen das B-Turnier in Wijk aan Zee.
2007 Carlsen gewinnt in Biel und kommt beim World Cup ins Halbfinale, wo er gegen Gata Kamsky ausscheidet.
2008 Carlsen gewinnt das A-Turnier in Wijk aan Zee zusammen mit Levon Aronian. Im September liegt er während des Chess Masters in Bilbao auf der inoffiziellen Live-Weltrangliste fünf Tage lang auf Platz 1.
2009 Carlsen beginnt die Zusammenarbeit mit Garry Kasparov. Im Oktober gewinnt Carlsen das Turnier in Nanking mit 8 aus 10 mit 2,5 Punkten Vorsprung vor Veselin Topalov und erzielt eine Elo-Performance von 3002.
2010 Carlsen ist im Januar zum ersten Mal die offizielle Nummer 1 der Welt. Im März 2010 beendet er die Zusammenarbeit mit Kasparov.
2011 Im Juli etabliert sich Carlsen endgültig als Nummer 1 der Welt und führt die Weltrangliste seitdem ununterbrochen an.
2012 Bei den im Juli ausgetragenen Blitz- und Schnellschachweltmeisterschaften landet Carlsen zwei Mal auf dem zweiten Platz.
2013 Carlsen gewinnt das im März gespielte Kandidatenturnier nach Wertung vor Vladimir Kramnik. Entscheidend war die größere Anzahl von Gewinnpartien. Im November 2013 wird Carlsen nach einem Sieg im WM-Kampf gegen Vishy Anand der 16. Weltmeister der Schachgeschichte.
2014 Im Mai kommt Carlsen auf eine Elo-Zahl von 2882 Punkten - die höchste Elo-Zahl, die ein Mensch je erzielt hat. Im Juni gewinnt er die Weltmeisterschaft im Blitzschach und die Weltmeisterschaft im Schnellschach und ist damit Weltmeister im klassischen Schach, im Schnellschach und im Blitzschach. Im November verteidigt er seinen Titel im klassischen Schach durch einen Sieg im WM-Kampf gegen Vishy Anand.
2015 Im Oktober verteidigt Carlsen seinen Titel als Schnellschachweltmeister, aber bei der Blitzschachweltmeisterschaft landet er "nur" auf dem sechsten Platz.
2016 Carlsen verteidigt seinen Weltmeistertitel gegen Sergey Karjakin. Nach 12 Partien mit klassischer Bedenkzeit gewinnt Carlsen den Schnellschach-Tiebreak am 30. November, seinem 26. Geburtstag, mit 3-1.
2017 Im Dezember wird Carlsen wieder Blitzschachweltmeister.
2018 Im Januar gewinnt Carlsen das Tata Steel Turnier in Wijk aan Zee nach Stichkampf gegen den punktgleichen Anish Giri. Es ist Carlsens sechster Sieg in Wijk aan Zee, kein anderer Spieler hat dieses Turnier so oft gewonnen. Im November 2018 verteidigt Carlsen seinen WM-Titel beim WM-Kampf gegen Fabiano Caruana durch einen 3-0 Sieg im Stichkampf. Alle zwölf Partien mit klassischer Bedenkzeit waren Remis geworden. In der Elo-Liste vom November 2018 liegt Carlsen mit 2835 Punkten auf Platz eins, allerdings nur noch drei Punkte vor Fabiano Caruana.

Carlsen hat auch beim Publikum Erfolg. Er hat Norwegen einen Schachboom beschert und Hunderttausende von Schachspielern und Nicht-Schachspielern haben seine WM-Kämpfe gegen Anand, Karjakin und Caruana verfolgt. Carlsen hat als Model für die Firma G-Star gearbeitet und auch Werbung für andere Firmen gemacht. Und 2016 kam Magnus – Der Mozart des Schachs in die Kinos, ein Dokumentarfilm von Benjamin Ree, der Carlsens Karriere bis zum Gewinn des WM-Titels 2013 beschreibt.

Konzentriert: Magnus Carlsen | Foto: Lennart Ootes

Carlsen legt viel Wert auf körperliche Fitness und ist bekannt dafür, in fast allen seinen Partien bis zum Ende zu kämpfen. Er verzichtet gerne auf theoretische Duelle, um stattdessen nach einer spielbaren Stellung zu streben, in der er den Gegner im Mittel- und im Endspiel unter Druck setzen kann. So hat Carlsen das moderne Schach bereits verändert – obwohl er gerade einmal 28 Jahre alt ist.

Herzlichen Glückwunsch!



Themen: Magnus Carlsen

Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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Moonlit Knight Moonlit Knight 04.12.2018 02:47
Die Spitze im Schach ist unheimlich "dicht" geworden, alle Contender haben alle Möglichkeiten. Es kann es doch nie mehr eine Dominanz wie früher geben resp. Carlsen ist schon sehr herausragend, so man die Systeme normieren könnte.
BMuntz BMuntz 03.12.2018 03:56
@Arelius: Die These Ihres Einstiegsatzes kann ich nicht teilen. Statt dessen möchte ich behaupten, dass auf Grund der stetig voranschreitenden Vervollkommnung des Spiels die Dominanz der Weltmeister tendenziell immer weiter abnimmt. (Einfaches Beispiel aus der Welt des Sports: Der Zehntplatzierte der Tour de France 2014 hatte 21 Minuten Rückstand auf den Sieger. 1914 waren es noch fast 8 Stunden.)
@kumagoro: Schon vor dem Frühstück so viel Humor - Respekt!
MARIO1962 MARIO1962 01.12.2018 08:54
@kumagaro ........sowas kommt dabei raus, wenn man auf nüchternen Magen kommentiert .......... dann leidet das Gedächtnis . Deshalb schickt man Kinder auch nicht ohne Frühstück zur Schule. Warum ? Beweis s.u.
Der Artikel war gut geschrieben , @Wok. Das hab ich auch nicht gemeint.
wok wok 01.12.2018 08:48
Ich kann in diesem sehr schönen Artikel kein "Loblieder singen" erkennen. Er ist weitestgehend eine Auflistung von sehr beeindruckenden Fakten. Solange auf diesem Planeten Schach gespielt wird, wird man sich an die Weltmeister erinern - vielleicht nicht an diejenigen, die durch FIDE KO Turniere Weltmeister wurden, aber an alle anderen. Historische Vergleiche zwischen Spielern unterschiedlicher Epochen halte ich für sinnfrei.
kumagoro kumagoro 01.12.2018 08:01
der beste Kommentator aller Zeiten ist Arelius, der die anderen Kommentatoren seiner Zeit souverän zu beherrschen versucht. Ob ich mich nach dem Frühstück in 10 min noch an ihn erinnere, bezweifle ich. Schönes Wochenende!
MARIO1962 MARIO1962 01.12.2018 03:01
ok, er ist schnellschach-weltmeister geworden.am ende souverän, zugegeben.nicht weniger, aber auch nicht mehr. ich stimme arelius zu, ob man in 50 jahren so über ihn urteilt wie wir heute über die alten meister, werden die meisten von uns nicht mehr nachprüfen können.dieses lobliedersingen finde ich aber leicht übertrieben, er hat nun gewonnen , abhaken , leben geht weiter.............
Phantasy Phantasy 30.11.2018 11:50
Nach Ihrer Theorie wäre Morphy der beste Spieler aller Zeiten.
Arelius Arelius 30.11.2018 10:16
Der beste Spieler aller Zeiten kann nur sein, welcher seine Gegnerschaft in der jeweiligen Zeitepoche auch souverän beherrschte.
Davon ist ein Carlsen aber ein ganz großes Stück entfernt. Deshalb werden auch in vielen Jahren die Namen einiger alter Meister unvergessen bleiben. Ob sich in 100 Jahren aber noch jemand an einen Carlsen so richtig erinnern kann ist eher zweifelhaft.
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